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Full text of "Münchner Heimatbuch : ein Jugendbuch von der Grossstadt München und ihren Landschaften"

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BENEDIKT HIRSCHBOLD 



MÜNCHNER 
HEIMATBUCH 



Ein Jugendbuch 

von der Großstadt München 

und ihren Landschaften 



Mit vielen Beiträgen von 

FRANZISKA MEIER 

und 
FERDINAND DENZEL 

Zeichnungen von 
ANTON TRÖNDLE 



F RANZ EH RE NWIRTH VERL AG MÜNCHEN 

VERLAG AM HOFGARTEN MÜNCHEN 
(vormals Paul Hugendubel Verlag) 



Genehmigt für den Gebrauch in Sdiulen durch Education and Religious Affairs Branch, 
Office of Military Government for Germany(US) a. 22. 6 .49 Nr. GE-IA 350.01 (Germany) 



Alle Rechte vorbehalten — Verlagsnummer 732 
Universitäts-Buchdruckerei Dr. C.Wolf 8c Sohn, München 



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Kleiner Heimatfreund! 

Das Mündiner Heimatbuch bringt ein buntes Allerlei über unsere 
geliebte Stadt, ihre alten Vororte und die freie Landschaft der Umgebung. 
Lies zuerst den Gruß des Münchner Kindls! Dann suchst du jene Geschiditen, 
die von deinem Stadtviertel berichten. Von diesem kleinen Kreis aus kannst 
du nadi und nach In alle Himmelsrichtungen hinausziehen. Das Büchlein 
und deine Spaziergänge führen dich immer weiter, bis du am Ende die 
ganze Stadt und ihre Umgebung erkundet hast. 

Dieses Heimatbuch will aber nicht nur gelesen sein; du mußt jede Erzäh- 
lung richtig überdenken. Darum sind auch viele Fragen zu beantworten 
und Aufgaben zu lösen. 

Wie ein richtiger Bub den ganzen Kram in seiner Hosentasdie kennt, 
so weiß ein echter Mündiner jedes Fleckerl seiner Heimat, Schau nur hin- 
ein in die Straßen und Plätze, in die Häuser und Höfe! Wandere hinaus 
In die schöne Münchner Landschaft: das Isartal hinauf bis Grünwald, Ins 
Erdinger und Dachauer Moos, zur lieblichen Wurm und zum Starnberger 
See, zur Amper und auf die Garchinger Heide, Ins Vogelparadies am 
neuen Isarsee und in die weiten Wälder Im Süden und Osten der Stadt! 

Kein Stein und kein Wässerlein soll dir ein Fremdling bleiben. Jedes 
Tierlein und Pflänzdien auf unserem Boden muß dir ein Bekannter wer- 
den. Erst wenn du dich In der Münchner Stadt und Umgebung heimisch 
fühlst, wirst du sie lieb haben wie ein Kind seine Mutter. 



Gruß vom Münchner Klndl 

Grüß euch Gott, ihr Münchner Buben und Mädel! Kennt ihr mich alle? 
Ich bin das Münchner Kindl vom Rathausturm. Die meisten von euch sind 
doch selber waschechte Münchner Kindl, weil sie in meiner Stadt auf die 
Welt gekommen sind. 

Du bist der Maier Beni und wohnst gleich da drunten In dem engen 
Gasserl. Wenn du deine Seifenkugeln aus dem vierten Stock zum Fenster 
herausbläst, platzen sie schon auf dem Dadie des Nachbarhauses und keine 
steigt bis zu mir herauf, wie du es immer haben möchtest. Dein Spezi, 
der Lechner Schorschi vom Rindermarkt, ist dir jetzt untreu geworden. 
Ich sehe ihn aber jeden Morgen draußen in Waldtrudering zur Schule 
laufen. Da hat sein Vater ein nettes Blockhäusl gezimmert, weil die Woh- 
nung in der Altstadt kurz vor Kriegsschluß ausgebrannt ist. 

Dich kenne ich audi, du blondzopfiges Mädl, da drüben in der Au. 
Lieb spielst du mit dem Kätzchen hinter dem Geranienkistl auf der Altane. 
Ja, im gleichen Herbergshäusl hast du vor acht Jahren zum ersten Male 
deine blauen Guckäugerl aufgeschlagen. 

Euch zwei Spitzbuben von Feldmoching schaue idi oft genug zu. Seid 
ihr nicht gestern auf den Aci^ergäulen zum Bauernhof hineingeritten? 

0. ich habe euch alle ins Herz geschlossen, meine Münchner Kinder! 

Weit zerstreut sind eure Wohnungen. Von Lochhausen bis Riem und 
von Solin bis Oberföhring reicht unsere Münchner Stadt. So kommt ihr 
freilich selten zu mii herein auf den Marienplatz. Der junge Falke vom 
Frauenturm hat mich neulich gefragt, ob es noch Münchner Kinder 
gäbe, die mein Glockenspiel nicht gehört und meine beiden Kuppeltürme 
nicht gesehen hätten. Was sagt ihr dazu, meine Lieben? Ei, das wäre eine 
Schande für Mündiner Buben und Mädel, wenn sie nichts von ihrer Heimat 
wüßten! 

Gleich setze ich mich zu euch in die Schulbank und erzähle euch von 
unserem lieben alten München. 

1. In weldiem Stadtteil wohnst du? 

2. Welche Nummer hat dein Stadtbezirk? 

3. Weldie Himmelsrichtung hat dein Sdiulhaus vom Marienplatz aus? 

4. Wärst du vor 100 Jahren auch schon ein Münchner gewesen? 

j. Zeichne dir bekannte Hausformen: Großstadthaus, Gartenhaus, Blodthütte, 
Herberge, Bauernhaus und Baradie. Schreib dazu: Mündiner "Wohnhäuser. 

6. Bist du ein waschechtes Münchner Kindl? Wo bist du geboren? 

7. Wo sind deine Eltern geboren? 

8. Suche deine engste Heimat, deinen Stadtteil, auf dem Plan von München! 



Uralte Heimat 

Lang, lang ist's her! In uralter Zeit lebte kein Mensch auf dem Boden, 
wo heute unsere Altstadt steht. Daran war einzig die Isar sdiuld. Sie 
benahm sich wie ein übermütiger Bursche. Wild und eigensinnig lief sie 
dahin, wie sie wollte. Von den Bergen her führte sie viel Wasser über 
unseren Heimatboden hinweg. Mutwillig spielte sie mit Kieselsteinen und 
ließ das Geröll liegen, wo es ihr gefiel. Zwisdien der Theresienhöhe und 
dem Gasteig war vor ihr nichts sicher. Immer wieder gruben sich die 
Schmelzwasser ein neues Bett. So verzweigte sich die Isar in vielen Armen 
und Rinnsalen. Erst mit der Zeit bildete sich eine tiefere Furche am rechten 
Hochufer entlang. Am Fuße des Gasteigs blieb eine Insel übrig, auf der 
jetzt das Deutsche Museum steht. 

Didite Auwälder wuchsen in der Niederung, trockene Kiesflächen und 
sumpfige Auen entstanden. In dieser ödnis hausten mächtige Hirsche und 
wilde Sauen, trieben grimmige Bären ihr Unwesen. Der Münchner sagt: 
Es war eine Gegend, wo Füdise und Hasen sich gute Nacht wünschen. 
Wenn zur Sommerzeit ein Wanderer sidi in das Tal verirrte und die grüne 
Isar in seichten Furten überquerte, mußte er auf gachen Pfaden zu den 
Anhöhen emporsteigen. 

Oben auf den Isarhöhen sdiaute es schon anders aus. Die Mensdien 
besiedelten zuerst den fruchtbaren Lehmboden und rodeten später die dich- 
ten Wälder. Dort lohnten ergiebige Äcker und saftige Weiden die schwere 
Arbeit. War doch der Bauer vor dem Hochwasser der Isar immer geschützt. 
Die einstigen Dörfer Giesing, Haidhausen, Sendung und Neuhausen sind 
alle älter als die Stadt. Längst bestellten Kyso und Engilschalko ihre Fel- 
der, aber unten im Tale, wo heute das Rathaus steht, wälzten sidi noch 
Wildsdiweine im Pfuhle. 

Erst als die junge Stadt ihre engen Mauern wie ein zu klein gewor- 
denes Jöpplein abgestreift hatte, wudis sie weit über die Tore hinaus und 
versdilang alle Dörfer der Umgebung in ihr Häusermeer. 

1. Welche alten Dörfer kennst du, die jetzt zu Mündien gehören? 

2. Zeichne ein Bildchen, wie es damals auf dem Marienplatz ausschaute! 

3. Roden heißt: den Wald niederschlagen, niederbrennen. Wo rodet man heute? 

4. Schau die Isar zur Hochwasserzeit bei Schäftlarn an! 

5. Du spielst gerne mit Wasser und Sand. Wohin läuft alles Wasser? 

Laß es langsam und schnell fließen! Laß aus einer Kanne Wasser bergab fließen! 
Was macht es mit dem Sand? 

6. Wo suchst du die Dörfer des Kyso und des Engilsdialko? 




Bei den Mönchen auf dem Petersbergl 

OR mehr als looo Jahren kamen Mönche 
in unsere Heimat gezogen. Sie predigten 
den heidnischen Bauern auf den Isarhöhen 
' den neuen, den christlidaen Glauben, Die 
Nachkommen des Kyso, Sentilo und Swapo 
v/aren wie ihre Vorväter Heiden. Sie be- 
teten in Hainen und an Quellen zu Göt- 
tern und Göttinnen, glaubten an Elfen, 
Nixen, Riesen und Zwerge und verehrten 
Eichen und Linden. 
Damit nun die Glaubensboten alle Dörfer ringsum müheloser besuchen 
konnten, suchten sie nach einem Platze in der Mitte. Das konnte nur 
unten im Tale der Isar sein. Da fanden sie eine Erhebung, die auch zur 
Hochwasserzeit von den Fluten nicht mehr überspült wurde. Dies war 
das Petersbergl. Also zimmerten die Klosterbrüder dort oben eine Zelle 
aus Holz und später eine Kapelle dazu. 

Den genügsamen Mönchen mag es in unserer Heimat gut gefallen haben. 
Die nahe Isar schenkte ihnen nahrhafte Fische und in den Auen erlegten 
sie das Wild. Sie plagten sich recbtschaffen, um auf dem steinigen Boden 
ein paar Ädcer für das Korn und etliche "Wiesen für das Vieh zu gewinnen. 
Allmählich fanden sich audi einige Bauern auf dem Petersbergl ein und so 
bildete sich ein kleines Dorf. "Weil die Mönche in dieser Siedlung die ersten 
waren, nannten die Leute der Umgebung das neue Dorf einfach Munichen, 
das heißt: zu den Möndien. Daraus entstand später der Name München. 
An diese Begebenheit erinnert uns das Münchner Kindl. Einst war es 
ein Mönchlein, aber die Mündiner haben es in ein liebes Kindl verwan- 
delt. Das trägt eine schwarz-gelbe Kutte. In der linken Hand hält es ein 
Buch. Lustige Maler haben dem Kindl eine Breze, einen Rettidi oder einen 
Maßkrug als Zutat gegeben. Die gehören freihch nidit zum Stadtwappen, 
das Mündien an seine ersten Einwohner erinnert und auf der ganzen Welt 
als Mündbner Kindl bekannt gemadit hat. 

1. Anstelle der Klause bauten die Mündiner später ihr erstes Kirdilein: die Ka- 
pelle Unseres Herrn in der Wies. 

2. "Weldie Kirdie steht jetzt auf dem Petersbergl? Sie ist die älteste der Stadt. 

3. Auf dem Stadius ist ein Brunnen mit drei Göttinnen unserer Vorfahren. "Wie 
heißen diese und der Brunnen? 

4. Wo kannst du alle Tage das Mündiner Kindl sehen? 

j. Ich weiß ein Münchner Kindl; es ist mannshoch und doch sieht's jeder nur klein. 

6. Welche Andenken haben ein Mündiner Kindl aufgemalt? 

7. Wann hast du ein Mündiner Kindl ladiend unter Menschen gesehen? 

8. Fertige einen Schutzumschlag für dieses Büdilein an, zeichne auf die Vorder- 
seite das Münchner Wappen und sdireibe mit Blocksdirift dazu: Meine Heimat! 

9. Zeichne ein Bild, wie die ersten Münchner auf dem Petersbergl hausten! 
IG. Wo gibt es heute in Mündien Klöster? 




Die erste Isarbrüdte 



Eine Gehstunde isarabwärts Hegt Oberföhring. Es bestand als Dorf schon 
lange vor München. Schwerbeladene Fuhrwerke brachten Salz aus den Ber- 
gen und mußten in Föhring über den Fluß, wenn sie nach Augsburg fuh- 
ren. "Weil der Verkehr immer mehr zunahm, erbaute der Bisdiof von 
Freising eine hölzerne Brücke. "Wer da die Salzstraße daherkam, dem 
wurde ein Silberstück als Zoll abgenommen. Das war für den Bischof eine 
reiche Einnahme. 

Das Gebiet bei dem Dorfe Munichen gehörte einem anderen Herrn. Hier 
war das Land Heinrichs des Löwen. Dieser bayerische Herzog war dem 
Bisdiof von Freising um das viele Brückengeld neidig. Er baute darum 
weiter flußaufwärts auf seinem Boden einen breiten Holzsteg über die 
Isar. Am Fuße des Gasteigs fand er dazu die passende Stelle. Hier war 
eine Mulde im Hang. So konnte die Anhöhe von den Pferden leichter 
überwunden werden. 

Eigentlidi waren es zwei Brücken nacheinander, weil die Isar dort durch 
eine Insel gespalten ist. Schnell und gefahrlos konnten die Zimmerleute die 
Brücke sdilagen. Dann zog Heinrich mit seinen Kriegsknediten gegen Föhring, 
brannte die bischöflidie Brücke nieder und leitete die Salzfuhrwerke auf 
einer neuen Straße zum Gasteig. Jenseits der Isar zogen sie an dem Dorf 
der Mönche vorbei. So ist München zum Brüdienort geworden. 

Der Bischof verklagte den gewalttätigen Herzog beim Kaiser. Nach lan- 
gem Streit mußte Heinrich der Löwe einen Teil der eingenommenen Mün- 
zen nadi Freising schicken, aber die neue Brücke blieb stehen. 



1. Zeichne die erste Isarbrüdse! 

2. "Woraus baut man heute die Brücken? • 

3. Wozu braucht man das Salz so notwendig? 

4. Wie wird heute das Salz in die bayrischen Orte gebradit? 

5. Herzog Heinrich hielt sich tatsäclilich einen Löwen, der ihm wie ein Hund an- 
hing. Auch die späteren bayrisclien Fürsten hatten Zwinger mit Löwen. Darum 
ist der Löwe das Wappentier der Bayern. 

Wo kannst du ihn in der Stadt aus Stein oder Erz sehen? 
Wo gibt's lebendige Löwen? 

6. Betrachte das erzene Standbild Heinrichs des Löwen am Alten Rathaus (Talseite)! 



Burg und Markt zu Munidien 

Die Freisinger hatten den Überfall des Herzogs nicht vergessen und 
sannen auf Rache. Darum stellte Heinrich der Löwe an seiner Brücke eine 
starke Wache auf. Weil der neue Übergang immer wichtiger wurde, nahm 
er durch den Zoll viel Geld ein. Ein eigenes Münzhaus wollte er gründen. 
Damit ihm die Feinde nichts mehr anhaben konnten, erbaute er eine 
trutzige Burg. 

Draußen an der Isar war der Boden zu sumpfig, also bestimmte er auch 
für seine Burg jene Anhöhe, auf der schon das Dorf Munichen stand. Am 
Fuße des Petersbergls floß ein Teil der Isar vorüber. Dieses Wasser bot 
Schutz fürs erste. Dazu aber warf er einen Wall auf, so daß man nur über 
die Talbrudk in die Burg gelangen konnte. 

Die neue Siedlung daneben wurde immer größer. Die Reisenden auf der 
Salzstraße machten hier Rast und so gab es für den Wirt und die Hand- 
werker viel Arbeit und guten Verdienst. Der Wagner besserte das gebro- 
chene Rad aus, der Schmied beschlug die Pferde mit neuen Hufeisen und 
der Seiler fliditc den gerissenen Zugstrang. Da verlieh der Herzog seinem 
Dorfe das Recht einen Markt abzuhalten. So war aus dem Mönchsdorf ein 
Marktflecken geworden. 

Wann dies alles geschah, weiß das Münchner Kindl nicht mehr genau. 
Der damalige Kaiser aber hat im Jahre 11 58 an den Bischof von Freising 
einen Brief geschrieben, worin der Markt zu Munichen schon genannt ist. 
So gilt diese Zeit als das Gründungsjahr der Stadt München. Kannst du's 
merken? 

1. Eine Münze ist ein Geldstück, Im Münzhaus werden die Münzen geprägt. 

2. Fertige ein kleines Bild an, auf dem die Burg Heinrichs des Löwen zu sehen ist, 
wie du sie dir vorstellst! 

3. Eine Brücke zu bauen kostet viel Geld. Wer sie benützt, muß eine kleine Ge- 
bühr bezahlen. Die nennt man Zoll. 

4. Die enge Mauer war damals die Burggrenze. Heute heißt man die Grenze der 
Stadt immer noch den Burgfrieden. Wo dieser die Landstraßen überquert, ist 
eine Burgfriedenstafel aufgestellt. Wo hast du eine gesehen? 



Das Leben in der kleinen Stadt 

Damit sie vor Plünderungen gesdaützt waren, bauten die Mündiner (um 
1175) einen Wall rund um den Markt. Vor demselben floß ein Isarbach 
im Ringgraben, Nun war ganz Mündien eine Burg oder Stadt und die 
Mündiner nannten sidx Bürger. 

Das Städtdien hatte eine eirunde Form. Einige Straßen der Altstadt smd 
so gebogen, als lägen sie nodi an der Stadtmauer. Rosental, Färbergraben, 
Augustiner-, Sdiäffler- und Sparkassenstraße waren Wassergräben. Die 
Stadtbädie unter dem Pflaster sind Wasserläufe aus alter Zeit. 

Nadidem die bayerischen Herzöge (um 1254) nach München übergesie- 
delt waren, umgab man den Ort mit einer dicken Mauer. Feste Tore sperr- 
ten die Hauptgassen nach außen ab. Im Osten stand das Talbrucktor neben 
dem heutigen Alten Rathaus. Im Norden ragte am Ende der Weingasse 
der Schäffelturm empor. Den Abschluß der Dienergasse bildete der Krümb- 
leinsturm. Im Westen erhob sich das Kufringertor, später seiner reichen 
Bemalung wegen der Schöne Turm genannt. Rindermarkt und Rosengasse 
führten durch den Blau-Enten-Turm zur Sendlinger Landstraße hinaus. 

In die Mauer waren Wehrtürme mit Zinnen und Sdiießlöchern für die 
Bogensdiützen eingebaut. Von allen Türmen und Toren hat nur der 
Löwenturm im Rosental standgehalten. 

Außerhalb der Stadt grünten Anger und Wiesen, Felder und Auen. Nadi 
und nadi hatte man der Isar viel Boden abgerungen. Zahlreiche Münchner 
besaßen Pferde und Kühe. Fast alle Häuser trugen ein Dach aus Stroh 
oder Schindeln. Es kam darum leicht vor, daß das Feuer ganze Gassen und 
Stadtviertel verniditete. Weil die Werkstätten nieder und eng waren, häm- 
merten und hobelten, sägten und nähten die Handwerker gerne vor ihrer 
Haustüre. Die Rennsau lief frei herum und fraß alle Küchenabfälle vor 
den Häusern auf. 

Vom Einbruch der Dunkelheit bis zum Morgengrauen machte der Nacht- 
wächter mit Lanze und Laterne seinen Rundgang. Er bewachte Haus und 
Hof und gab acht, daß kein Feuer ausbrach. In stockfinsterer Nadit konnte 
er leicht über einen Düngerhaufen stolpern oder sich auf dem ungepflaster- 
ten, holperigen Weg den Fuß verstaudien. 

Allen Bürgern gefiel es gut in der Stadt. Gab es doch nirgends so wunder- 
bare Kirchen, so zierliche Häuschen und heimelige Gassen. Nodi dazu war 
man in sicherer Hut. 

1. Erkläre die Straßennamen: Rindermarkt, Roßgasse (Rosenstraße),- Weingasse, 
oberer und unterer Anger, Gänsebühel (Raspstraße)! 

2. Schau in der innersten Stadt nach, wo die Tore gestanden sind! 

Wo wechseln die Kaufinger-, Rosen-, Wein- und Dienerstraße den Namen? 

3. Madi eine Skizze dieser Stadt: Eirunde Form, Marienplatz, Hauptgassen, Tore. 

4. Das Talbrucktor hieß audi Talburgtor, später Alter Rathausturm; der Schäffel- 
turm audi Wilprechtturm und Nudelturm; der Blau-Enten-Turm früher Pütridi-, 
später Ruffiniturm, der Krümbleinsturm auch Muggentalerturm. 




Beim Torwart 

Abends nadi dem Gebetläuten wurden alle Stadttore zugesperrt. Der 
"Wächter drehte die schweren, eichenen Flügel in ihren Angeln und die 
Stadtknechte verrammten das Tor mit dicken Balken. Die Nachtv/ache 
stieg auf die Türme und besetzte die Mauern, damit die Bürger ruhig 
schlafen konnten. Wenn in Kriegszeiten der Feind nahe an die Stadt kam, 
blieben die Tore auch den Tag über geschlossen. Dann lugten die Bürger 
vom Turm aus ins Land und Männer schritten mit Helm und Spieß bewaff- 
net innerhalb der Mauer auf und ab. 

Auch in friedlidien Zeiten wachte der Torwart streng über alle Frem- 
den, die herein wollten. Handwerksbursdien und Reiter, Bärentreiber und 
unbekannte Boten mußten erst ihr Reisebüchlein dem Pförtner zeigen. 
Darin stand geschrieben, wie sie heißen, woher sie stammen, wohin sie 
wollen und warum sie diese Reise machen. Gar mancher Bruder Liederlich 
wurde dabei gesdinappt und bei Wasser und Brot ein paar Tage und 
Nächte ins finstere Turmlodi gesperrt. Dann mußte er wieder abziehen, 
ohne das schöne München gesehen zu haben. 

1. "Wer sorgt heute für die Sidierheit in der Stadt? "Wann sperrt Ihr euer Helm zu? 

2. Ob die Erwachsenen audi heute noch so ein Relsebüchleln haben? 
Frag deinen "Vater! Laß dir diese Karte zeigen! 

3. Gibt es heute audi Torwarte? 

4. Spießbürger gibt es nodi. Frellldi sdiauen sie anders aus als damals. Sie tragen 
keine "Waffen. Das "Wort hat heute eine andere Bedeutung. 



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Ein sdilediter Münzmeister 



alter Zeit stand mitten auf dem Marienplatz ein Haus, 
das wie ein kleiner Turm ausschaute. "Weil darin aus Gold und 
Silber die Münzen des Herzogs geprägt wurden, nannten die 
Leute dieses hölzerne Gebäude den Münzturm. 

Einmal hatte der Herzog einen Münzmeister namens Smie- 
chen. Der war ein rechter Gauner. Er machte lauter schlechtes 
Geld, indem er zum puren Golde viel Kupfer misdite. Das 
wertvollere Metall aber behielt er für sich. "Wenn die Mündi- 
ner Kaufleute mit diesem schlechten Gelde nadi Augsburg oder 
Regensburg kamen, erhielten sie dafür fast keine "Ware. Darob 
wurden die Mündiner immer zorniger. 

Eines Tages liefen alle Bürger zum Marktplatz, zündeten 
den Münzturm an und ersdilugen den Münzmeister. Die 
Münchner mußten zwar zur Strafe wieder eine Münze erbauen, 
aber der neue Münzmeister gab gutes Geld aus, mit dem sie zufrieden waren. 





PF»nrug«. 



Zeidine diesen Münzturm, wie er besdirieben ist! 

Nimm heutige Münzen zur Hand! "Woraus sind sie gemacht? 

"Wo ist heute die Münze zu Mündien? Über ihrem Haupteingang steht lateinisdi: 

Moneta regia, das heißt: Königlidie Münze. 

Geh zum Pförtner und bitte ihn, daß du den sdiönen Hof sehen darfst! 
Vielleidit hörst du, wie das neue Geld aus den Prägemasdiinen fällt. 

Früher hatte jede Stadt ihr eigenes Geld. "Wie ist es heute? 



Der Goldsdimied am Schönen Turm 

Am Sdiönen Turm hatte ein tüditiger und ehrsamer Goldschmied seine 
"Werkstatt. Eines Tages brachte ihm ein vornehmer Herr sein kostbarstes 
Geschmeide und verlangte, daß ihm ein gleiches verfertigt würde. Mit 
Freuden ging der Meister an die Arbeit. 

Es war Sommerszeit. Als er eines Mittags vom Essen zurückkehrte, war 
das teure Musterstück verschwunden. Alles Suchen war umsonst. Schließlich 
verklagte der reiche Kunde den Meister vor dem Riditer. Hoch und heilig 
beteuerte der Goldschmied seine Unschuld. Er wüßte nicht, wohin der 
Schmuck gekommen wäre. "Weil aber die Haustür nicht aufgebrochen war, 
glaubte niemand seinen "Worten und er wurde zum Tode verurteilt. 

Auf dem "Wege zur Hinrichtung kam er an seiner "Werkstatt vorüber. 
Gebückten Hauptes schritt er durch den Sdiönen Turm. Traurig läutete das 
Armesünderglöcklein. Da erhob er sich und spradi: „Meine Stimme verhallt 
wie dieses Glöcklein und kein Mensdi will mir glauben. So wahr es jeder hört, 
so sidier kommt meine Unschuld noch an den Tag. Dann wird es zu 
spät sein. 



II 



Nadidem er einige Wochen außerhalb der Stadtmauer begraben war, 
mußte der Turm ausgebessert werden. Ein Maurer stieg zu oberst ins 
Glockentürmchen. Da flog eine Dohle aus dem Dachfenster. Neugierig lugte 
der Mann ins Nest. Darin lag ein glänzendes Geschmeide. 

Sogleich brachte es der Finder zum Richter. Der herbeigerufene Herr 
erkannte den Schmuck als den seinen. Es stellte sich heraus, daß jene die- 
bische Dohle beim Goldschmied durdis Fenster eingeflogen war. Jetzt erin- 
nerte sidi jung und alt an die letzten "Worte des Goldschmieds und alles 
war tief gerührt. Feierhch. überführten die Bürger den unschuldig Hinge- 
richteten in den Friedhof am Frauenbergl. Die Wahrheit kam ans Licht, 
aber es war zu spät. 

1. An dem Gesdiäftshaus E(ke Kaufinger-Augustinerstraße findest du d^s steinerne 
Abbild des Goldschmieds, der den Sdiönen Turm auf seinen Sdiultern trägt. 

2. Hingerichtete durften nidit im Kirchhof beerdigt werden. 

3. Dohlen sind diebische Rabenvögel, die gerne glitzernde Gegenstände mitnehmen; 
ob Gold oder Scherben, das ist ihnen einerlei. 

4. Das Armesünderglöcklein ist ein kleines, helles Glöcklein, das für die armen 
Seelen bittet. Nach dem Aveläuten ertönt abends nodi heutzutage ein Glödslein 
für die armen Seelen. 

j. Wo gibt es in München heute nodi Dohlen? 



Alte Stadt in neuen Mauern 

Das Städtchen war bald an allen Edien und Enden zu klein geworden. 
Die zugereisten Einwohner brauchten neue Häuser, die Wirte größere 
Gasthöfe und die Handwerker geräumige Werkstätten. Aber innerhalb 
der Mauer war kein Fledi mehr frei. Außerhalb der Stadt, drunten beim 
Jakobskirchlein am Anger, bezogen Mönche ein armseliges Kloster. An 
seiner Pforte schenkten sie den Armen Suppe und Brot. Den Pilgern ge- 
währten sie ein freies Nachtquartier. Sonst aber wollte alles hinter der 
schützenden Mauer leben. Strauchdiebe und Gauner trieben sich im Lande 
herum und machten die Gegend unsicher. 

Nachdem verheerende Feuer den dritten Teil der Stadt vemiditet hat- 
ten, bot sich Gelegenheit, ein größeres und schöneres München aufzubauen. 
Also beschlossen die Bürger (um 13 19), einige hundert Schritte außerhalb 
der alten Mauer eine neue aufzurichten. Ludwig der Baier, der deutsche 
Kaiser aus München, stand ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Alle Münchner 
pickelten und sdiaufelten, fuhren mit Schubkarren und Pferdegespannen. 
Erst hoben sie tiefe Gräben aus und leiteten Isarwasser hinein. Dann führ- 
ten sie dahinter eine doppelte Mauer mit sprken Türmen und Toren auf. 
Mehr als 15 Jahre dauerte die schwere Arbeit. 

12 




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nach Schede 



Nun reidite die Stadt vom Neuhauser Tor (Karlstor) bis zum Isartor 
und vom Sendlinger Tor bis zum Schwabinger Tor (Odeonsplatz), Die 
Hauptgassen wurden verlängert. So entstanden die Neuhauser Gasse und 
das Tal, die Sendlinger Gasse und die beiden Schwabinger Gassen (Theati- 
ner- und Residenzstraße). Durdi sie wurde die Stadt in fast gleidie Viertel 
geteilt: Das Hackenviertel mit der Kreuzkirche, das Angerviertel rund ums 
Angerkloster, das Graggenauerviertel mit dem Alten Hof, und das Kreuz- 
viertel zwischen Frauenkirdie und Salvatorplatz. 

Leider Ist von dieser Mauer nur wenig zu finden. Die Gräben sind zu- 
geschüttet oder es fließt darin ein Stadtbadi unter den Straßen und Häusern. 

Wie die Tore aussdiautcn, das zeigt uns das Isartor am besten, obwohl 
daran schon vieles verändert wurde. Wenn damals ein Fuhrwerk über die 
Isar hereinkam, mußte es zuerst auf einer Holzbrücke den Wassergraben 
überqueren. Dann holperte es durch das Tor zwischen den beiden äußeren 
Türmen hindurdi und einen Steinwurf weiter ging's durch das Haupttor 
ins Tal. Ähnlich sdiauten alle großen Tore aus, dodi glich keines dem 
andern. 

Mit der Zeit wurden in die Stadtmauer audi nodi Nebentore eingebaut: 
Das Neuvesttor, das Angertor und das Kosttor. Wer sich verspätet hatte, 
konnte nach Gebetläuten nur durdi das Einlaßtor sein Heim erreichen. 
Dafür verlangte der Torwart 6 Kreuzer von den Nachzüglern. 

Außerdem waren mehr als hundert eckige und runde Wehrtürme in die 
Mauer gestellt. Wenige sind uns dem Namen nach bekannt. Im Fausttürm- 
chen beim Sendlinger Tor enthauptete der Scharfriditer die Verbrecher. 
Hinter dem Isartor hielt der Wäditer vom Lueginsland Ausschau. Der 
Hexen- und Jungfernturm, der Falken- und Neutprm könnten dir manch 
gruselige Gesdiichte erzählen. Lieber nicht, sonst fällst du in sdiweren 
Träumen nachts aus deinem Bette! 



13 



1. Zeichne eine Skizze von dieser zweiten Stadtmauer! 

2. Gehe rund um die einstige Stadtmauer: Isartor, Westenriederstraße (Haus 
Nr. 3), Viktualienmarkt, Blumenstraße (Haus Nr. 4), Sendliriger Tor, Herzog- 
Wilhelm-Straße, Karlstor, Herzog-Max-Straße, Lenbachplatz, Rochusberg, 
Jungfernturmstraße (Mauerrest), Salvatorplatz, Feldherrnhalle, Hofgarten, 
Marstallplatz, Falkenturmstraße, Kosttor (Platzl, Haus Nr. 5), Neuturmstraße, 
Marienstraße (Haus Nr. 24), Isartor. 

3. Zeichne Tore, wie sie heute aussehen! 

4. Weldie Straßen und Plätze erinnern ihrem Namen nach an diese zweite Mauer? 

5. "Welchen Teil haben das Sendlinger und Karlstor schon verloren? 

6. "Wo ist das Standbild Kaiser Ludwigs? Der Platz ist nadi ihm benannt. 

7. Am Kosttor erhielten die Armen freie Kost. Schau dort den hübschen Brunnen 
aus dem Märchenland an! "Wer ist's? 

8. "Wer war der Gründer der Stadt München? 

Ludwig der Baier wird der zweite Gründer Münchens genannt. 
Er verlieh der Stadt audi seine kaiserliche Fahne: sdiwarz-gelb. 

9. "Willst du ein Abbild vom schönen Alt-München sehen? 

Geh ins Nationalmuseum! Der Drechslermeister Sandtner hat uns die ganze 
Stadt aus Holz geschnitzt und zusammengestellt. Jede Kirche, alle Häuser, die 
Ringmauern samt Toren und Türmen — wie ein Spielzeug fürs Münchner Kindl. 
10. Das Historische Stadtmuseum am Jakobsplatz ist auch ein alter Bau. Betrachte 
seinen spitzen Giebel und die gewölbte Halle im Erdgesdioß! 



Der Turmaffe im Alten Hof 

Gleich neben dem Alten Rathaus ist die stille Burgstraße. Ein festes Tor 
ist der Einlaß zur Herzogsburg. Die Stube des Torwartes in der Durch- 
fahrt ist noch heute bewohnt. Auf der steinernen Bank davor mögen die 
Wächter mit ihren Lanzen gesessen sein. Drinnen im Hof steht auch ein 
Teil der alten Bauten. Ein zierliches Türmchen hängt wie ein Schwalben- 
nest an der Hauswand. Es hat oben und unten eine Spitze. Von diesem 
Erker hat einmal der Torhüter eine drollige Geschichte ausgeplaudert: 

Der Vater Ludwigs des Baiem besaß einen zahmen AfFen. Der madite so 
tolle Kunststüdce, daß alles lachen mußte. Am liebsten spielte das possier- 
liche Tierchen mit den Kindern. In allen Gemächern und Gängen sprang 
der Affe frei umher. Oftmals schaute er der Kinderfrau zu, wie sie den 
kleinen Ludwig in ihren Armen wiegte. Ailzugerne hätte er es nachge- 
macht, aber immer wieder wurde er zur Türe hinausgejagt. 

Einmal jedoch hatte die Magd das "Wickelkind allein gelassen. Als dies 
der Affe bemerkte, schlich er leise wie eine Katze zur Türe herein, nahm 
das Kind in seine Arme und schaukelte es zärtHch. Nichts ahnend kehrte 
die Kinderfrau zurück. Als sie dies gewahr wurde, stieß sie einen fürch- 
terlichen Schrei aus. Der Affe erschrak darüber, sprang flink wie ein Wiesel 
aufs Fensterbrett des Erkers und kletterte samt dem Kinde an der höl- 
zernen Außenwand bis zum Dache hinauf. 

14 



Da war guter Rat teuer. Fangen ließ sidi das ver- 
sprengte Tier keinesfalls. Also lockte die Herzogin 
den Ausreißer mit guten Worten und feinen Lecker- 
bissen. Lange besann er sich. Dann aber stieg der ge- 
sdireckte Affe gelassen herunter und brachte das Büb- 
lein unversehrt ins Haus zurück. 

I. Besudle den Alten Hof! Lies, was über dem Tor steht! 

Zeidine den Erker! 

Kannst du alte und neue Bauten untersdieiden? 

Guck unter dem Torbogen ins Wächterstübdien! 

Zeichne das spitzbogige Einfahrtstor! 
2 Was madien die Affen im Tierpark den Menschen nach? 

3. Suche das Haus Nummer 5 in der Burgstraße! Es Ist 
über 500 Jahre alt. Betrachte das verzierte Tor, die 
Halle mit der gewölbten Dedie, den Erker mit seinen 
Gudierln und die pfeilgerade Stiege, Himmelsleiter ge- 
nannt, weil sie ohne Umkehr nach oben führt! So bau- 
ten damals die Münchner ihre Wohnhäuser. 

4. Woran erinnert der Name Hofgraben? 

5. Die Pfistermühle ist die älteste Stadtmühle (1331). Der Hofpfister lieferte dem 
Herzog Mehl und Brot. 

6. Hinter dem Alten Hof wurde im ersten Hofbräuhaus Bier gesotten. 
Wo ist die Brauerei heute? 




Peter Flcdkerl vom Rindermarkt 

Einstmals wohnte am Rindermarkt ein neugieriges Mannsbild, namens 
Peter Fledierl. Eigentlich hieß er Peter "Wirrlein. Aber es ereignete sich 
eine lustige Geschichte, die ihm den seltsamen Namen nebst Spott und 
Hohn einbraclite. 

Wenn irgendwo in der Stadt einige Leute beisammenstanden, dann 
streckte er seinen Kopf mitten hinein und fragte: „Was gibt's Neu's?" Was 
er gehört hatte, erzählte er allen Bürgern der Stadt und was noch schlim- 
mer war, er sagte auch Unwahrheiten dazu. So verletzte er die Ehre seiner 
Mitmenschen. Die Leute haßten ihn bald und stellten ihr Gespräch ein, 
sobald seine vorwitzige Nase erschien. 

Eines Tages taten sich etliche Bürger zusammen. Sie sprachen erst beim 
Herzog vor und legten dann dem Peter eine Falle, mit der sie sein loses 
Maul fingen. Absiditlidi stellten sie sich vor des Wirrleins Haus und madi- 
ten sich wichtig in Wort und Gebärde. Da kam er schon gerannt und 
gesellte sich geschäftig zu ihnen. Sie erzählten, daß eine Versdiwörerbande 
den Herzog ermorden möchte. Der Rädelsführer hätte ein rotes Fleckerl 
an den Rock genäht. Während sie so sprachen, heftete einer dem Wirrlein 
unbemerkt ein grellrotes Tüchlein auf den Rücken. 



15 







So lief der Peter geadewcgs in den 
Alten Hof, um dem Herzog die hodi- 
wichtige Kunde zu überbringen. Der 
aber wußte von allem und fragte nach 
dem Merkmal des Verbrediers, "Wirr- 
lein gab Bescheid: „Auf dem Rocke 
trägt er ein rotes Fleckerl!" Der Stadt- 
schreiber, der eben in der herzogli- 
chen Stube weilte, faßte daraufhin 
den Ankläger gleich beim Kragen und 
wies auf das Zeichen am Rücken "Wirr- 
leins. Nun half dem üblen Schwätzer 
kein Bitten und Flehen mehr. Der 
Herzog übergab ihn den Bürgern. Da 
mußte er sich auf den hölzernen 
Strafesel setzen und samt seinem ro- 
ten Fleckerl die halbe Stadt durch- 
reiten. 

Seit diesem Tage nannte ihn das 
"Volk nur mehr den Peter Fleckerl. 
"Wenn heutzutage ein Neugieriger 
alles wissen möchte, dann sagt ihm 
"^ ein echter Münchner: „Geh zum Peter 
Fleckerl am Rindermarkt!" 



1. Der Straf esel war aus Holz. "Wer andere verleumdete, wurde darauf festgebun- 
den und unter Sdiimpf und Hohn durdi die Straßen gezogen. 

2. Madi aus der Gesdiidite ein kleines Theaterstüdi! "Weldie Personen sind es? 



Die Sage vom Spiegelbrunnen 

Von einem Ziehbrunnen, der in der "Weingasse am Sdirammereck gestan- 
den ist, erzählt uns der Stadtschreiber eine böse Gesdiichte: 

Am Grunde des tiefen Brunnens hauste ein fürchterlicher Draciien. "Wer 
hinunterschaute, der ward durdi den BlicJi des greuhchen Tieres getötet. 
Das war ein arger Jammer in der Stadt. Endlich kam einem Bürger ein 
kluger Einfall. Er schleppte einen großen Spiegel herbei und legte ihn quer 
über den Brunnenrand. Als nun der Drachen heraufschaute, br-^dite ihn 
sein eigenes Spiegelbild sogleich um. 

So wurde die Stadt von dem schrecJklichen Ungeheuer befreit. Der Brun- 
nen trug von dieser Stunde an den Namen Spiegelbrunnen. 



i6 



1. "Welche Arten von Brunnen kennst du? 

2. Welches Märchen erzählt von einem tiefen Brunnen? 

3. Wo kannst du einen Pumpbrunnen finden? 

4. Zeichne verschiedene Brunnen! 

5. In München gibt es auch einzelne ganz tiefe Brunnen. 

Sie sind gebohrt bis in die Tiefe von 200 m (Brauereien, Gummifabrik). 

6. Auf alten Burgen kannst du noch sehr tiefe Brunnen antreffen (Grünwald, Lands- 
hut, Burghausen). 



Unser Trinkwasser 



"Weil die Stadt immer mehr Menschen beher- 
bergte und alle Abwasser in den Boden ver- 
siclcerten, steckten im Grundwasser auch die 
Keime der gefährlichsten Krankheiten. So spen- 
deten die Brunnen der Stadt mit der Zeit nur 
noch verseuchtes Wasser, Die Münchner tran- 
ken es frisch und hell und ahnten nicht, daß in 
jedem Glas Wasser der Tod auf sie lauerte. 
Schreckliche Krankheiten brachen aus und raff- 
ten die Bewohner dahin. Am schlimmsten wü- 
tete die Cholera. Niemand wußte, daß sie auf 
solche Weise in die Stadt geschlichen kam. Tau- 
sende erlagen der Seuche, ehe man das Übel 
beseitigen konnte. 

Erst vor kaum 100 Jahren (1859) fand der 
gelehrte Arzt Max von Pettenkofer den gifti- 
gen Drachen, der in den Brunnen das Wasser 
verschmutzte und an allem die Schuld trug. Er 
verlangte, daß außerhalb der Stadt frisches 
Quellwasser gesammelt und nach München ge- 
leitet werde. Die Stadtväter befolgten schließ- 
lich seinen weisen Rat. Auf dem Taubenberg 
wurden die Quellen der Mangfall untersucht. 
IhrWasser ist wirklich rein, frisch und schmack- 
haft. 




MUMCHEiN 



2 iHeimitbudi 



^ 



17 



So faßte man diese Quellen und baute eine 40 km lange Wasserleitung 
nach München. Dann wurden die bisherigen Brunnhäuscr abgerissen und 
alle Zieh- und Pumpbrunnen zugeschüttet. Das Abwasser der Wohnungen 
floß nunmehr in unterirdischen Kanälen aus der Stadt. Jetzt war es aus 
mit der schlimmen Cholera. 

Seither hat München ein gesundes Trinkwasser. Es fließt von selber 
in den Röhren allen Wohnungen zu. Wenn ein Kind bei seiner Mutter 
über Durst klagt, dann «^-agt sie nur: „Geh hin zur langkragigen Wirtin 
und hol dir ein Glas Gänsewein!" 

1. "Wozu braudien wir Wasser? 

2. "Welches "Wasser darfst du nidu trinken? 

3. "Wann darf man selbst reines Wasser nidit genießen? 

4. Unser Trinkwasser hat das ganze Jahr hindurch eine Temperatur von 8 Grad. 

5. Zur Zeit treffen auf jeden Münchner täglich 3^0 Liter Wasser. In jeder Sekunde 
schießen rund 3500 1 Trinkwasser durch die Leitungsröhren. Das Leitungsnetz 
ist 1600 km lang. 

6. Mit der täglich verbrauditen Menge könnte die Ludwigstraße (i km) etwa 8 m 
tief unter Wasser gesetzt werden. 

Der Marktplatz in alter Zeit 

Innerhalb der Mauern gab es nur einen großen Platz: den heutigen 
Marienplatz. Auf ihm hielten die Münchner ihren Markt ab, Hausfrauen 
und Dienstmägde spazierten zwischen den Verkaufstischen, Kisten und 
Körben umher und suchten sich aus, was sie zur Küche brauchten: Eier 
und Schmalz, Butter und Käse, Geflügel und Obst, Gemüse und Kräuter. 
Rund um den Fischbrunnen gab es Karpfen und Forellen. Die Blumen- 
binderinnen boten Kränze und bunte Sträuße an. Am Schrannentag war 
Getreidemarkt. Vor der Heimfahrt kauften die Bauern Pflug und Sense 
und luden beim Salzstößler einen vollen Sack auf den Piachenwagen. 

Sonntags war Hunde- und Vogelmarkt. Möpse und Spitze warteten auf 
einen neuen Herrn. Der Vogelhändler zeigte gurrende Turteltauben und 
lustig pfeifende Singvögel. In der Rosengasse war der Roßmarkt und 
am Rindermarkt trafen sich die Bauern mit den Metzgern, Die Wein- 
gasse hinunter sdilossen die Winzer mit den Wirten ihre Verkäufe ab. 

Den Marktplatz umsäumten vornehme Häuser mit hohen Giebeln, 
gemütlichen Erkern und farbigen Wandbildern. Sie gehörten den rei- 
chen Familien Gollier, Ligsalz, Schrenk, Impler und Ridler. Die Erd- 
geschoße hatten offene Laubengänge eingebaut. Hier wurden Brot und 
Mehl, allerlei Tand und Hauskram verkauft. In den halbdunklcn 
Wirtsstuben tranken Bürger und Bauern eine Maß Bier oder einen 
Becher Wein. Naschgierige Kinder drückten ihre Naschen an die Fen- 
ster der Lebzelter und Gutseikrämer im Schleckergäßchen beim Peters- 

18 




türm. Hinter der Rathausstiege besorgten die Ködiinnen allerlei Schman- 
kerl in der Fleischbank. 

Von allen Bauten rund um den Markt war das (Alte) Rathaus am 
schönsten. Der Stadtbaumeister Jörg Ganghofer hatte es erbaut. Der Tal- 
bruckturm daneben war der einzige Durchschlupf ins Tal hinaus. Die 
heutigen Durchfahrten wurden erst für den Großstadtverkehr ins Mauer- 
werk gerissen. Ein festlicher Raum ist der gewölbte Saal im Oberstock 
gewesen. Bürger und Bürgerinnen zechten dort an reichgedeckten Tischen, 
ergötzten sich an heiteren Schwänken und tanzten zur Fasenacht fröhliche 
Reigen. Der Bürgermeister wachte mit seinen Ratsherren über das Wohl 
der Stadt. 

Mit einem Gänsekiel trug der Stadtschreiber alle Geschehnisse in ein 
dickes Buch ein. Er erzählt uns, was sich auf dem Marienplatz zugetragen 
hat: Ritterturniere und Gauklerspiele, Schäfflertanz und Metzgersprung, 
Johannifeuer und zünftige Festzüge, Fronleichnamsprozessionen und Bitt- 
gänge. Traurig schreibt er von Plünderern und schrecklichen Bränden. Auf 
dem Pranger wurden Diebe und Verleumder zur Schau gestellt und am 
Galgen die schweren Betrüger und Mörder gehenkt. So hat der Marien- 
platz alle Freuden und Leiden der Stadt miterlebt. 

1. Wo gibt es heute solche Märkte? 

2. Weißt du Straßen, die nach Alt-Münchner Familien benannt sind? 

3. Welche Feste sieht der heutige Marienplatz? 

4. Holzgeschnitzte Figuren aus dem ahen Rathaussaal kannst du im National- 
museum anschauen. Sie heißen Moriskatänzer. 

j. Weldie Haustiere halten sich die Münchner heute? 



19 





Allerlei Schilder 
und Hauszeichen 



In alter Zeit konnten viele Leute weder lesen noch schreiben. Damit 
sich die Bauern und Fremden in der Stadt zurechtfanden, brachte man an 
den Häusern allerlei Zeichen und Bilder an. 

So waren die Gasthöfe durch ein schmiedeeisernes Schild gekennzeichnet. 
Da winkte schon von weitem ein Nasenschild mit einem Hirschen, Löwen 
oder Adler, einem blauen Bock oder roten Hahn, drei Mohren oder drei 
Rosen. Es gab einen Stiefel- und Schimmelwirt, eine "Wirtschaft zum ewigen 
Licht und eine zur Hundskugel. 

Die Handwerker machten es ebenso. Der Schmied nagelte ein Hufeisen 
über das Tor und der Bäcker hängte eine riesige Breze über seine Laden- 
türe. Stiefel, Schlüssel, Wagenrad, Gießkanne, Kegel, eine goldene Barbier- 
sdiüssel oder ein Rahmen mit bunten Glasscheiben verrieten die anderen 
Handwerksmeister. 

Selbst an die Hausecken malten die Münchner verschiedene Hauszeichen, 
damit man die Gassen leichter finden konnte. Es gab ein Löwen- und 
Roseneck, ein Kloiber- und Wurmeck, ein Schäffler- und Rappenedi und 
viele andere. 

Solches Brauchtum hat sidi teilweise bis in unsere Zeit erhalten. Du 
kannst bei manchem Handwerker und Gastwirt noch das Zeichen neben 
der Namenstafel finden. 

I. Betradite die Ecken des Neuen Rat- 
hauses an der Weinstraße! 



2. Zeichne Schilder für die einzelnen 
Handwerker! 

3. Schreib die Namen von alten Wirt- 
schaften auf! Für welche kannst du ein 
Schild malen? 





20 



Von den Zünften 

Alle gleichen Handwerker sind heute in einer Innung vereinigt. Im alten 
Mündien schlössen sie sich zu einem festen Bund zusammen. Das war die 
Zunft. Müller, Bäcker, Schmiede, Schlosser, "Wagner, Schreiner, Zimmerer, 
Metzger, Brauer, Wirte, Lebzelter, Schäffler, Weber, Loderer und Sdinei- 
der — alle hatten ihre eigene Zunft. In ihr waren Meister, Gesellen und 
Lehrlinge wie in einer großen Familie beisammen. Der tüchtigste Meister 
wurde als Zunftmeister zum Oberhaupt bestimmt. Wer Geselle oder gar 
Meister werden wollte, der mußte eine strenge Prüfung über sich ergehen 
lassen. Dann erst erhielt er einen gesiegelten Brief, der wie eine Rolle 
ausschaute. Darin ward Namen und Stand mit gezierten Buchstaben kund- 
getan. 

Manche Handwerker zogen in eigene Gassen zusammen. Besonders lär- 
mende oder übelriediende Gewerbe, wie Schmiede und Schäffler, Gerber 
und Seifensieder, duldete man nicht mehr im Innern der Stadt. 

Jede Zunft hatte ihr eigenes Heim, die Herberge. In ihren Stuben ging 
es fröhlich und gemütlldi zu; darum sagt man heute nodi: „Da ist's 
zünftig!" Jede Zunft hatte ihren Schutzpatron. Am Namenstag desselben 
feierten die Handwerker meist den Jahrtag ihrer Zunft. Da legten die 
Zünftler ihre eigenartige, bunte Tracht an. Schon von weitem konnte man 
den Schmied vom Gärtner und den Bäcker vom Metzger unterscheiden. 
Die Schäffler haben ihre fesche Kleidung bis auf den heutigen Tag 
behalten. 



1. Weldie Straßennamen der Altstadt erinnern an 
Handwerker? 

2. Schreib Handwerker auf, die du kennst! 

3. Früher gab es auch Salzstößler, Watmanger, Zinken- 
macher, Sporer, Wollschlager, Loderer, Handschuster, 
Briefmaler, Bader, Nagel- und Sensenschmiede. 

4. Betradite die Edie des Däntl-Hauses im Tal! Dort 
war einst die Bädierherberge. 

5. Zunftfahnen kannst du bei der großen Fronleich- 
namsprozession bewundern. 

6. Der Hafner stellte früher irdene Töpfe her. "Was ist 

heute seine Arbeit? 

7. Schau den Handwerkern bei der Arbeit zu! "Welche 
sind in deiner Nähe? 

8. "Welche Handwerker haben heute nodi bei der Ar- 
beit eine besondere Kleidung? 

9. Kennst du Schutzheilige von einzelnen Handwer- 
kern? 




2X 




Der Sdiäfflertanz 



Zu München im Land Bayern 
ist eine schwere Zeit, 
man hört kein Frcudenwörtlein 
und trauert weit und breit. 

Die Häuser sind geschlossen, 
die Straßen öd und leer, 
kein froher Sang erschallet 
und still ist's rings umher. 

Geh nicht zu deinem Nachbar, 
schließ dich ins Kämmerlein, 
laß reichen dir mit Zangen 
das Brot durchs Fenster ein! 

Und war dein Bruder draußen 
und auch dein eigen Kind, 
laß unberührt sie stehen 
und fliehe nur geschwind! 

Man betet in den Kirchen, 
man hält kein frohes Mahl; 
die Pest ist's, die mit Grausen 
durchzieht das Isartal. 



Die Reichen wie die Armen, 
sie sterben alle hin, 
es müssen Jung' und Alte 
schnell aus dem Leben ziehn. 

Und wer will sie bestatten, 
die so gestorben sind? 
Kaum daß ein Totengräber 
sich für die Leichen find't. 

Da solcJj ein gift'ger Odem 
durch alle Gassen weht, 
bedarf's wohl kühnen Mutes, 
wenn man ins Freie geht. 

Da wagten denn die Schaff ler — 
die ersten — den Versuch 
und dachten: „Gott wird helfen, 
der Trauer war genug." 

Es kleideten sich festlich 
mit roten Wamsen an, 
es schmückten sich mit Kränzen 
wohl an die dreißig Mann. 



22 



Sie zogen durch die Straßen 
mit Saitenspiel und Sang, 
ein Schalksnarr an der Spitze, 
oft ganze Tage lang. 

Und vor den Häusern hielten 
sie einen lust'^en Tanz 
und schzvenkten Gläslein Weinei 
auf grün umwundnem Kranz. 

Da lockten sie die Bangen 
bald an die Fenster vor, 
zu treten wagten T'/e/e 
herunter bis ans Tor. 

Wohl gar auch auf die Straßen, 
zu schaun der Schäffler Tanz, 
so daß auch Angst und Sorge 
verschwanden endlich ganz. 

Da hört der Bayernherzog, 
ein edler frommer Mann, 
auf was die Schar der Schäffler 
zu Trost und Kurzweil sann. 



Er hieß sie zu sich bitten, 
um ihren Tanz zu sdoaun, 
und hatte Wohlgefallen 
an ihrem Gottvertraun. 

Da sprach er: „Hört, ihr Leute, 
da ihr so wacker seid, 
soll euer Schäfflerreihen 
bestehn für alle Zeit! 

Und alle sieben Jahre 
soll sich der Tanz erneu'n 
und alle guten Münchner 
die Kurzweil hoch erfreun." 

So tanzen denn die Schäffler 
getreu, wie's damals war, 
zu München auf den Straßen 
noch alle sieben Jahr. 

Das Schurzfell um die Lenden, 
Samtkäpplein auf dem Haupt, 
sie schwingen bunte Reifen 
und Kränze grünumlaubt. 



In Ehren soll man halten, 
was alter Brauch uns bringt, 
drum ist's, daß auch mein Liedlein 
den Schäfflertanz besingt. 



Der Metzgersprung 



Von der Metzgerzunft weiß das Münchner Kindl etwas Besonderes zu 
berichten. Jeden Faschingsmontag fand die feierliche Freisprechung der 
Lehrlinge statt. 

Frühmorgens trafen sich alle Metzger in ihrer Herberge. Die Gesellen 
trugen über ihrem Festtagskleid einen blauen Mantel und steckten sich 
Blumen auf den Hut und ins Knopfloch. Auf stattlichen Pferden saßen 
die Lehrlinge in roten Jacken und weißen Schürzen. Emige Metzgersöhn- 
chen durften mit ihnen durch die Stadt reiten. Mit ihrem scharlachroten 
Jöpplein, dein schwarzsamtenen Höserl und grünen Hüterl sahen die 
Knirpse recht putzig aus. Nach dem Festgottesdienst in der Peterskirche 
bewegten sidi die geschmückten Wagen durch die Straßen. 



^3 



Am Nachmittag fand dann der Freisprudi der Lehrlinge statt. Das war 
für die Münchner eine große Gaudi. Alle Mctzgerlehrbuben trafen sich 
auf dem Marienplatz. Sie sted^ten sich in weiße Gewänder, an die lauter 
Kälberschwänze genäht waren. Der Altgeselle führte sie zum Fisdibrun- 
nen. Nachdem sie dreimal das Becken umschritten hatten, schlug er die 
Lehrlinge mit der Hand auf die Schulter. Damit wollte er ihnen sagen, 
daß sie im Leben manchen Schlag auszuhalten hätten. 

Dann folgte der lustige Teil. Eins, zwei, drei — und alle Neugesellen 
sprangen in den Brunnen. Von dort aus warfen sie Äpfel und Nüsse 
unter die Zuschauer, die sich um die leckeren Früchte balgten. "Wehe den 
Buben, die sich um die Gaben rauften! Die Metzger schütteten einen 
Eimer Wasser in die Menge, so daß alle tropfnaß heimlaufen mußten. 

Weil durch das wüste Gedränge der vielen Zuschauer manches Unglück 
geschehen ist, darf der Metzgersprung nicht mehr aufgeführt werden. 

1. Weißt du den Fischbrunnen? (Leider ist er zerstört.) 

2. Laß dir ein Bild von ihm zeigen und schau genau, welche Figuren darauf sind! 




Fasenacht 

Lustig is die Fasenacht, 
wenn mei' Mutter Kücherl backt. 
Wenn sie aber keine backt, 
pfeif i auf die Fasenacht. 



24 



Unsere Frauenkirche 

Ob du auf der Großhesseloher Brücke oder auf der Gardiinger Heide, 
in der Forstenrieder Allee oder auf den Truderinger Feldern stehst, immer 
wirst du als erstes von Mündien die Frauentürme wahrnehmen. Sie sind 
darum das Wahrzeichen der Stadt. Ein halbes Jahrtausend schauen sie 
herunter auf das Leben und Treiben zu ihren Füßen. Menschen und Häu- 
ser sind aufgetaucht und verschwunden; die ganze Stadt hat ihr Antlitz 
verändert, aber die behäbigen Alten sind die gleichen geblieben. Wenn 
du in ihrem Schatten zu den runden Hauben emporschaust, dann kommst 
du dir vor wie ein Däumling neben Riesen. 

Unsere Frauenkirche ist ein Kind der Münchner Landschaft. Der graue 
Sockel (Unterbau) ist Nagelfluh aus den Steilufern des Isartales. Die 
Ziegel stammen aus dem Lehmboden von Berg am Laim. Aus den Gru- 
ben von Haidhausen brachten die Fuhrwerke Sand und Kies zum Frauen- 
bergl. Das Holz zum Dachstuhl steuerten die Oberländer auf 140 Flößen 
die Isar herunter. 

Die beiden Steinriesen haben den Krieg glücklidi überstanden; aber 
das Kirchenschiff erlitt schwersten Schaden. 

Als München in seiner zweiten Mauer lebte, errichtete Herzog Sigis- 
mund mit seinen Münchnern das stolze Bauwerk. Der tüchtige Jörg Gang- 
hofcr (auch Jörg von Halsbach genannt) war der Baumeister. Heinrich 
Heimeran hatte den Dachstuhl gesetzt. Genau 20 Jahre (1468 — 1488) 
haben die besten Maurer, Zimmerleute, Schreiner, Maler, Holzschnitzer 
und Bildhauer daran gearbeitet. Weil damals der Platz gespart werden 
mußte, hatte man vorher die erste Marienkirche niedergerissen. Alle Bür- 
ger halfen beim Neubau einträchtig zusammen; denn ihre Kirche zu 
„Unserer lieben Frau" sollte das größte Gotteshaus in Altbayern werden. 

Hohe Spitzen hätten die Türme erhalten sollen. Weil aber das Geld 
ausgegangen war, blieben sie nur mit einem Notdach bedeckt, bis ihnen 
cndlidi die behäbigen Kuppeln aufgesetzt wurden. 

Wer mödite da nicht die 419 Stufen hinaufsteigen? Kreischende Dohlen 
kreisen in luftiger Höhe. An trüben Tagen streifen die Nebelfetzen diesen 
höchsten Bau unserer Stadt. Horch! Dumpf und ernst dröhnt die 150 Zent- 
ner schwere Salveglocke. Mit ihr vereinigen sich die großen und kleinen 
Schwestern zu einem wunderschönen Geläute. 

Rund um die Kircbe war einstmals der Friedhof. Das verraten uns die 
verwitterten Grabsteine an den Mauern. Herzog Sigismund und Meister 
Jörg sind hier zur letzten Ruhe gebettet. Zahlreiche Tafeln und Wappen 
schmücken die Wände in der Kirche. Bekannte Münchner entdecken wir 
auf den Insdiriften. Eine Steintreppe weist hinab zu den Grüften der 
Fürsten. Was würden all die großen Männer sagen, wenn sie ihre Stadt 
wiedersähen? 




Höhe der Türme: 

Länge des Schiffes: 
Höhe der Fenster: 
Kleiner Uhrzeiger: 
Ziffern: 



loo m und 99 m 

loi m 
20 m 
2 m 80 cm 
I m 10 cm 



Auf der Kuppel könnte ein 
vierspänniger Bierwagen den 
Knopf umkreisen. 



Kannst du die Frauentürme auswendig zeichnen? 

Zeichne dein Wohnhaus daneben! 

Wenn du die Türme 20 cm hoch darstellst, so ist ein Mann daneben keine 

4 mm groß. 

Zeig an der Wand, wie groß eine Ziffer ist! 

Welcher Turm ist der höhere? 

Wo ist die Türmerstube? 

Kannst du am Grabstein des Baumeisters etwas von der Inschrift lesen? 

Weldie alten Kirchen sind dir bekannt? 

Wie heißt deine Kirche und wie alt ist sie? 

Lies im Lesebudi (}./4.): „Auf dem Turm der Frauenkirche" und im Lesebuch 

i$./6.): „Wie die Frauentürme ihre Hauben bekamen". 



26 



Des Teufels Fußtritt 

Zu München an der Isar Strand 
schaut hodi ein Dom ins weite Land. 
Zu Ehren Unsrer lieben Frau 
ward aufgeführt der fromme Bau/ 
Und als er von Gerüsten frei, 
da ritt der Teufel just vorbei. 
Er ritt hinein durchs offne Tor 
und bleibt betrachtend unterm Chor. 
Den Wind, auf dem er angesprengt, 
den hat er außen angehängt. 
Des Tempelbaues Herrlichkeit 
erregt des Teufels Gall und Neid, 
macht ihm das schwarze Herz so bang. 
Das Spitzgewölb, der Bogengang, 
der schlanken Säule Doppelreih' 
entpreßt ihm einen Zornesschrei. 
So schaut er ringsum, schaut zurück, 
da heitert plötzlidi sidi sein Blidc 
und triumphierend ruft er aus: 
„Es ist kein Fenster in dem Haus!" 
Und so voll Freud war Satanas, 
daß er des armen "Winds vergaß, 
der hier aus vollen Backen bläst, 
bis ihn der Teufel einst erlöst. 
Audi ist der schwarze Tritt noch da, 
von wo der Feind kein Fenster sah. 



1. Such diesen Teufelstritt unter der Orgelempore! Du wirst von dieser Stelle aus 
kein einziges Seitenfenster sehen. 

2. Seit 1821 ist die Frauenkirche Hauptkirche des Bischofs und wird darum 
Dom genannt. 

27 



Der Glascrlehrllng Fraunhofer 

In dem niederbayrischen Städtchen Straubing kam ein armer Glaser- 
bub auf die Welt. „Josef Fraunhofer" schrieb der Pfarrer ins Taufbuch 
und dachte bei sidi: „Der ist auch einer von denen, die zu Kreuzern 
geboren sind und es zu keinem Taler bringen." Da modite er fürs erste 
recht haben. 

Schon in der Kindheit traf den Kleinen das Unglüdi hart, als seine 
Eltern starben. Gern hätte der gescheite Bub die Lateinschule besucht, 
aber niemand ließ ihn studieren. So kam der "Waisenknabe nach München 
in die Lehre. Ein Glasermeister im Tiereckgäßchen nahm ihn gütig auf. 
Kaum daß er 14 Jahre alt war, geschah ein weiteres Unglück. 

Es war um die Sommersonnwend des Jahres 1801, als das Glaserhaus 
mit einem fürchterlichen Krach zusammenstürzte. Einige Hausgenossen und 
der arme Lehrbub waren unter dem Trümmerhaufen begraben. Die Nach- 
barsdiaft stürmte herbei und die schreckliche Kunde verbreitete sich rasch 
in der Stadt. Auch der Kurfürst eilte zur Unfallstelle. Gleich schaufelten 
beherzte Männer nach den Verschütteten. Eine schwache Stimme wim- 
merte unter einem abgestürzten Stubenboden. Ein braver Retter wagte sich 
unter Balken und Schutt und brachte Josef ans Tageslicht. Da herrschte 
große Freude. Als der Fürst vernahm, daß der Gerettete elternlos wäre, 
sprach er: „Du sollst kein Waisenkind mehr sein. ld\ will für dich sorgen 
wie ein guter Vater!" 

Der edle Kurfürst ließ den Knaben pflegen, bis er gesund war. Dann 
schenkte er ihm ein Säcklein Taler. Schon lange wollte Fraunhofer aus Bü- 
chern lernen. Nun war sein Wunsch erfüllt. Tag und Nacht studierte er 
an seinen Gläsern. Er schliff sie, bis sie beim Durchsdiauen vergrößerten. 
Er beobachtete, wie ein Sonnenstrahl durchs geschliffene Glas fällt und sich 
dabei abbiegt. Immer geschickter stellte er seine Arbeit an. Jetzt verfertigte 
er Augengläser, weit besser als die bisherigen. Zuletzt gelang es ihm, ein 
Fernrohr zu bauen, durch das man die Sterne näher sah. 

Nach und nach wurden seine Gläser auf der ganzen Welt be|cannt. Die 
Gelehrten kauften bei dem berühmten Fraunhofer in Mündaen ein. So ist 
aus dem armen Glaserlehrling ein großer Mann geworden, freilich nicht 
durch Glück und. Zufall allein; Fleiß und Ausdauer waren die guten 
Feen, die an seiner Wiege standen, ohne daß sie von den Eltern und dem 
Pfarrer gesehen werden konnten. 

1. Geboren am 6. 3. 1787, gestorben am 7.6. 1826. 

2. Sein Denkmal steht in der Maximilianstraße. 

3. Sein Grabstein im Südlichen Friedhof trägt die Inschrifl: 
„Er bradite uns die Sterne näher!" 

4. Fraunhofer war Ehrenbürger unserer Stadt. 



28 




Solang der Alte Peter 

Kennst du dieses Münchner Lied? - 
Ja, den Alten Peter haben die Mündi- 
ner ins Herz geschlossen. Was der aber 
auch schon alles erlebt hat! Er hat zu- 
geschaut, wie man den Schönen Turm 
bemalt hat, er erinnert sich an die 
Maurer der Frauentürme und weiß 
noch ganz genau, wie die Schweden 
dazumal durchs Isartor hereingekom- 
men sind. Erst setzten ihm die Münch- 
ner einen Hut mit zwei Spitzen auf. 
Einmal schlug der Blitz ins Turm- 
kreuz und die Bedachung ging in 
Flammen auf. Da formte man ihm 
eine Kappe, die wie ein Spitzhelm 
auschaute. Den bewahrte er bis in 
unsere Tage. 

Ofb genug hätte es dem Alten Peter 
sciiier das Leben gekostet. Daß ihm 
eine Kanonenkugel vor die Füße ge- 
schossen wurde, hat er bald überwun- 
den. "Was er aber in den letzten 
Kriegsjahren mitmachen mußte, das 
hätte er beinahe nimmer überstanden. 
"Wie fürchterliche Donnerschläge ging's 
vom Himmel nieder und es krachte 
an allen Seiten, daß ihm das Sehen 
und Hören verging und er am gan- 
zen Leibe zitterte. Sein langes Kir- 
chenschiff zerfiel in Trümmer und sein 
schöner Hut brannte ihm über dem 
Kopfe ab. Damals blieben ihm vor 
Angst gleich die Uhren stehen und er 
konnte vor beißendem Rauch nicht 
mehr aus den Glockenfenstern schauen. 
Bald hätte es den Alten umgeworfen. 
Gut, daß er noch so fest auf seinen 
Beinen steht! Sein ältester Bruder, der 
Alte Rathausturm, hat's nimmer aus- 






29 



gehalten. Jetzt hat der Alte Peter gottlob seinen dritten Hut bekommen. 
Der schaut so armselig aus wie die Zeit selber. Aber er schützt ihm wenig- 
stens vor Regen und Schnee. Wenn die Münchner mit ihrem Häuserbau 
fertig sein werden, wird auch er wieder einen anständigen Hut bekom- 
men, der Alte Peter. 

1. Zeidine den Alten Peter, wie er heute aussieht! 

2. Unternimm die Turmbesteigung, sobald es wieder 
möglidi ist, aber an einem schönen Föhntag! 

3. Kennst du das Lied: „Solang der Alte Peter am Pe- 
tersbergl steht . . ."? 

Laß es dir sagen, sdireibe es auf und lerne es, wenn 
du ein Münchner sein willst! 

4. Betrachte das Bildchen nebenan! Erkennst du die 
beiden ersten Türme? 



Der Schwedenfresser 




Vor mehr als drei Jahrhunderten machte unser Heimatland audi eine 
schwere Zeit durch. Der mächtige König Gustav Adolf kam mit seinem 
großen Kriegsheer von Schweden nach Bayern, um den Kurfürsten und 
seine Streiter zu vernichten. Die räuberischen Soldaten drangen in Häuser 
und Kirchen ein, plünderten Vieh und Lebensmittel, erbrachen Geldtruhen 
und Tabernakel und schleppten die Menschen gewaltsam fort. Ihre Rosse 
zerstampften die blühenden Felder und ihre Brandfackeln legten Dörfer 
und Städte in Schutt und Asche. 

Auch unserem München und den Dörfern der Umgebung blieb das Un- 
glück des elenden Krieges nicht erspart. Immer näher rückte der Schweden- 
könig mit seinen gefürchteten Soldaten gegen die Stadt. Ganz München 
war schon aus dem Häuschen geraten. Besonders der Schneider Murringer 
machte sich wichtig wie keiner. In allen Gassen trieb es ihn herum. Wo 
die Leute beisammen standen und weinten und klagten, erteilte er gute 
Pvatschläge, führte das große Wort und rief: „Soll'n nur kemma! Alle 
derstich i mit meiner Scher'!" 

Als aber die Kriegsleute wirklich durch das Isartor in die Stadt ein- 
zogen, war der Aufschneider verschwunden. Er stieg indessen den Peters- 
turm hinauf und verkroch sich im obersten Winkel. Erst nach dem glück- 
lichen Abzug des letzten Schweden zeigte er sich wieder auf der Gasse. 

Da ging es dem Feighng aber schlecht. Die Bürger pad^ten ihn beim 
Kragen und fragten, wo er während der Notzeit gesteckt wäre. Wie sie 
erfuhren, daß das Schneiderlein an einem sicheren Platze sidi verborgen 
gehalten hatte, konnte Murringer sich vor Spott nicht mehr retten. Laut 



30 




prahlte er ein zweites Mal: „Ja, warum is denn koaner 
raufkemma? Dastocha hätt i alle mit meiner Scher'!" — 
Die Münchner jedoch nannten den Prahlhans von nun 
an den Schwedenfresser, 

1. Der Schwedenkönig kam am 17. Ma; 1632 nach München. 
Er verschonte es von Brand und Plünderung gegen Bezah- 
lung von 3 mal 100 000 Talern. Bis alles beglichen war, 
schleppte er 42 Bürger als Geiseln mit. 

2. Lies, was die Kirche zu Ramersdorf erzählt! 

3. Nach diesem schredilichen Kriege, der insgesamt 30 Jahre 
dauerte, wurde die Marien.säule errichtet. 



Im Herzen der Stadt 

Der Marienplatz ist das Herz der Stadt. Da strömt der Verkehr aus 
allen Richtungen zusammen. Eine Menge Leute verläßt die haltende 
Straßenbahn. Unübersehbare Reihen von Auto stauen sich die Kaufinger- 
straße hinauf an. Drüben beim Alten Rathaus hält eine rotleuchtende 
Verkehrsampel den Strom aus der Gegenrichtung auf. Von der "Wein- 
straße her aber flitzen die Wagen und Radfahrer an uns vorüber. Die 
schmale Fahrbahn zur Kaufingerstraße ist besonders gefährlich. Immer 
mehr Menschen sammeln sich an den gesperrten Übergängen und warten 
auf das grüne Freizeichen. Die Verkehrsschutzleute haben zu tun, um 
das Gewoge der Fußgänger und das Anrollen der Fahrzeuge zu meistern. 

Auf der Südseite des Marienplatzes ist es licht geworden. Der Krieg 
hat die meisten Geschäftshäuser vernichtet. Ganz frei stehen jetzt der 
Alte Peter und der Löwenturm da. Das zerschundcne Alte Rathaus und 
die kriegsbeschädigte Heiliggeistkirche trauern um ihren gefallenen Nach- 
barn, den Alten Rathausturm. 

Das Neue Rathaus mit seinen Erkern und Türmchen ist das widitigste 
Gebäude unserer Stadt. Weil es allen Münchnern gehört und jedem ofFen 
steht, nennt man es ein öffentliches Gebäude. Am besten hat der hohe, 
weiße Turm den Krieg überstanden. Er ist so schön und eigenartig, daß 
du ihn genau anschauen und — anhören mußt. Weißt du, was ich meine? 

Wie eine friedliche Insel steht die Mariensäule inmitten des Verkehrs. 
Ein gläubiger Fürst hatte sie nach einem sdireckhchen Kriege gestiftet. 
Ihretwegen wurde der Marktplatz umgetauft. Im Schutze der hohen Hei- 
ligen kämpfen erzene Engel gegen die Schlange der Pest, den Löwen der 
Hungersnot, den Drachen des Krieges und den Lindwurm der Gottlosig- 



31. 



keit. Fromme Leute stellen auf das steinerne Geländer Kistdien mit Blu- 
men und zünden nachts die Lichtlein in den Edilaternen an. Sdiutzheiliger 
der Stadt ist eigentlich der heilige Benno; aber als Schutzfrau unseres 
Heimatlandes hat die Gottesmutter im Herzen der Hauptstadt audi einen 
sinnvollen Platz. 

1. Besuch den Marienplatz am Fronleichnamstag! 

2. Schau dir das Rathaus im Innern genau an! Achte auch auf die Figuren außen 
und im Hofe! 

3. Darfst du mit deinem Vater auf den Turm, hinauf zum Münchner Kindl? 

4. Überleg, warum dieser Bau Rathaus heißt! Lies über unsere Stadtväter! 

5. Haben andere Orte auch ein Rathaus? 



Unsere Gemeinde 

Seitdem du die Sdiule besuchst, bist du mit jedem Jahre selbständiger 
geworden. Du wäscht dich selber, kleidest dich an und aus, niemand 
führt dich auf der Straße. In deiner Freizeit gehst du oftmals eigene 
Wege: zum Nachbarn, auf die Gasse, auf den Spielplatz. Du trägst 
bereits ein wenig Geld in der Tasche, mit dem du nach deinem "Willen 
einkaufen darfst. Trotz deiner Geschicklichkeit könntest du nicht allein 
leben. Der fleißige Vater arbeitet für dich, die gute Mutter wäscht, kocht, 
flickt und sorgt für dich. Du gehörst zu dieser kleinen Gemeinschaft, zur 
Familie. So bist du nicht einsam auf der Welt. 

Viele Stunden verbringst du in einer größeren Gemeinsdiaft: in deiner 
Schulklasse. Da findest du Kinder, die gut zu dir passen. Du gewinnst 
sie lieb und freust dich alle Tage, sie zu sehen. Sogar in den Ferien trefft 
ihr euch, weil ihr zusammengewöhnt seid. Außerdem umgeben dich noch 
viele, viele Menschen in unserer großen Stadt. Manchmal sind sie Be- 
kannte, selten Verwandte, doch die meisten bleiben dir fremd. Du beadi- 
test sie kaum. Brauchst du diese unbekannten Münchner wirklidi nicht? 

Schau dich zunächst um, was du ißt, womit du didi kleidest und wie 
du wohnst! Wer bereitet das tägliche Brot? Wer bessert die Schuhe aus? 
Woher beziehst du neue Kleider? Sieh, eine Schar von Handwerkern und 
Geschäftsleuten versorgt unser Haus. Wir benötigen die Arbeit dieser 
Leute und ihre Waren. Dein Vater schafft von früh bis spät und erhält 
für seinen Lohn tausenderlei Dinge. Damit gibt einer dem andern Arbeit 
und Brot. So helfen alle Menschen unserer Stadt wie eine große Familie 
zusammen, um leben zu können. 

Du, deine Eltern, der Nachbar, deine Mitschüler, die Handwerker und 
Kaufleute, die Bekannten und Unbekannten, alle Münchner gehören /.u 
einer riesigen Familie: zur Stadtgemeinde München. Wir sind alle ihre 

3^ 




Kinder, ihre Bürger. Auch du bist gezählt und giltst als Bürger unserer 
Stadt. 

In dieser großen Gemeinde wird vieles gemeinsam geleistet, was eine 
Familie niemals vollbringen könnte. In einem geräumigen Sdiulhaus darfst 
du lernen, was du fürs Leben braudist. Eine schöne Kirche ruft dich zum 
Gottesdienst. Du besuchst ein Theater, ein Schwimmbad und einen Spiel- 
platz. Bist du ernstlich krank, dann nimmt dich ein städtisches Kranken- 
haus auf. Ist der Weg zu weit, so steigst du in die Straßenbahn oder in 
den Autobus. Lldit, Gas und "Wasser liefert die Gemeinde in deine "Woh- 
nung. Die Polizei sdiützt dein Gut und Leben und die Feuerwehr löscht 
das brennende Heim. Viele Beamte und Arbeiter sdiaffen in den städtischen 
Werken und Ämtern für dich und jede Münchner Familie. 

Soviel Arbeit und Mühe wendet die Gemeinde für didi auf. Merkst du 
nun, wie du auf sie angewiesen bist? All die unbekannten Mitbürger 
helfen zusammen, damit du angenehm leben kannst. 

Bist du auch nur ein kleiner Bürger unter den vieltausend Einwohnern 
unserer Stadt, so empfängst du dennoch die gleidien Wohltaten wie jeder 
Erwadisene. "Verstehst du jetzt, warum man den Taugenichts verachtet? 
Ein Faulenzer schadet nicht nur seiner Familie, sondern auch der ganzen 
Gemeinde. Ein Spruch sagt: 

„Spare, lerne, leiste was, 

so hast du, kannst du, bist du was!" 

I. Nidit nur das Bauernkind auf dem Dorfe, sondern audi ein Stadtkind muß 

höflich sein zu allen Leuten. "Wie kannst du deine Höflichkeit zeigen? 
i. "Wie kannst du deinem Nädisten helfen? 



3 Heimatbuch 



33 



Unsere Stadtväter 

Rathaus und Hochhaus, Straßenbahnen und Gasfabrik, Elektrizitäts- 
und "Wasserwerke, Straßen und Brücken gehören nicht einem einzelnen, 
sondern allen Bürgern der Stadt. So sind wir Münchner gemeinsam die 
Eigentümer vieler Gebäude, Grundstücke und Einriditungen. Wir bilden 
zusammen die Stadtgemeinde München. 

Mit diesem gemeinsamen Besitz kann freilich nicht jeder tun, was er 
will. Wer schafft also an? Nur 50 Männer und Frauen sind dazu 
bestimmt. Sie überwachen alles und sagen, was für die Stadt und ihre 
Einwohner getan werden muß. Das ist der Stadtrat; audi jedes einzelne 
Mitglied führt diesen Ehrennamen. 

Wer kann nun Stadtrat werden? Du weißt, auch deine Schulklasse ist 
so eine Gemeinde, wenn audi klein und bescheiden. ETa werden auch ein- 
zelne für gewisse Aufgaben herausgesucht. Wer reinigt die Tafeln? Wer 
pflegt die Blumen? Wer sorgt für Ordnung und Sauberkeit? Ihr sucht 
einen Buben oder ein Mäddien aus euren Reihen, natürlidi nur solche, 
die für dieses Amt geeignet sind. Die meisten stimmen für den Huber Midil 
und für die Maier Leni, also habt ihr diese zwei gewählt. 

ÄhnHch geht es in der großen Stadtgemeinde zu. Deine Eltern und 
alle Erwadisenen der Stadt werden alle 4 Jahre zur Wahlurne gerufen. 
Dort suchen sie aus einer langen Liste 50 Männer umd Frauen aus, die 
sie am geeignetsten finden. Diese Stadträte bestimmen aus ihren Reihen 
den Bürgermeister. Er gilt als der erste Bürger unserer Stadt. Ihm stehen 
die Stadträte mit Rat und Tat zur Seite. Wie der Vater als Oberhaupt 
für die Familie zu sorgen hat, so tun dies die Stadträte für alle Bürger. 
Man nennt sie also mit Recht unsere Stadtväter. 

Jede Woche trifft sidi der gesamte Stadtrat im Rathaus. Dort hält 
er im Sitzungssaal seine Beratungen ab. Mandie Stadträte haben ständig 
im Rathaus zu tun; sie arbeiten nur im Dienste der Stadt. Die anderen 
Männer und Frauen sind von Beruf Handwerker, Angestellte, Kaufleute 
und Hausfrauen. Die kommen nur zu den Sitzungen ins Rathaus. 

Sitzt vielleicht unter euch ein Tüchtiger auf der Schulbank, der einmal 
Stadtrat oder gar Bürgermeister wird? 

I. Bei einer geheimen Wahl darf keiner wissen, was der andere gewählt hat. 
Darum sdireibt man den Namen des Gewählten auf einen Zettel, legt ihn 
zusammen und stedct ihn in eine versiegelte Sdiaditel, die Wahlurne. 

1. Kennst du den großen Sitzungssaal? 

3. Wann müssen deine Eltern ins Rathaus kommen? s, 

4. Wie heißt unser Oberbürgermeister und wie sein Stellvertreter? 

6. Wcldies Zeidien der Würde tragen die Stadtväter bei besonderen Anlässen? 

7. Wie alt mußt du sein, um wählen oder um Stadtrat werden zu können? 

8. Kann ein Berliner oder Srarnberger in den Mündiner Stadtrat gewählt werden? 

9. Führt in eurer Klasse eine Wahl für die kleinen Ämter durdi! 

34 




Das Glockenspiel 

Um die Mittagszeit sammeln sich viele Leute auf 
dem Marienplatz an. "Wie eine bunte Mauer stehen 
sie gegenüber dem Rathaus. Alles guckt in die 
Höhe und wartet. Plötzlich rührt sidi etwas am 
Turm. Ein Glöckner schlägt mit goldenem Ham- 
mer die Viertelstunde an, ejn zweiter die volle 
Uhrzeit. Das Glockenspiel beginnt! 

Oben auf dem Turm klimpern große und kleine 
Glocken eine bekannte Weise. Ein paar Menschen 
winken von der Höhe herab. "Wie Zwerge schauen 
sie aus. Die wollen sich das Glockenspiel ganz in 
der Nähe anhören. Gleidi erklingt ein neues Lied. 
Schau, da wird es im Turmerker lebendig! Bunte 
Musikanten und Landsknechte eröffnen den Rei- 
gen. Sie kommen von beiden Seiten und verschwin- 
den wieder. Der Herzog und seine Gemahlin schauen zu. Jetzt kommen sie 
hervor, die beiden Ritter, jeder hoch zu Roß und die Lanze vorhaltend. 
"Was gesdiieht? Nichts! Sie reiten aneinander vorüber. Abermals treten die 
Männlein hervor und wieder sprengen die Gegner aufeinander los: Ein Stoß 
— und einer liegt rücklings auf seinem Streitroß. Das Turnier ist aus. 

Die Glöcklein spielen ein drittes Lied. Auf dem Geländer der Marien- 
säule hodit ein Bub, die Hände fest in den Hosentaschen, als wären sie 
drinnen angewachsen. Erst pfeift er, dann singt er mit der Musik: „Aber 
heut is's kalt, aber heut is's kalt, aber heut is's sapramentisch kalt!" Das 
ist ja der Sdiäfflertanz! Tatsächlich rühren sich die Schaff 1er. Hübsdi 
sehen sie aus in ihrem roten "Wams und mit dem grünen Käppiein. Sie 
drehen sich und tanzen mit ihren grünen Buxbögen einen Reigen. In der 
iilitte steht der Kasperl auf einem Faß und schlägt mit der Pritsche den 
Takt dazu. 

Jetzt ist der Tanz zu Ende. Fast kann man's nicht mehr hören, was 
nodi gespielt wird, so laut rattern die Auto. Sdion wollen die Zuhörer 
weitergehen. Da ertönt zum Abschied ein heiseres Kikeriki. Der "Wetter- 
hahn sdilägt dreimal mit den Flügeln und kräht dazu. Langsam zer- 
streuen sich die Mcnsdien in den Straßen. 

1. Welche Lieder spielt das Glodcenspiel? 

2. Kannst du die Melodie des Sdiäfflertanzes summen oder pfeifen? 

3. Das Spiel besteht aus 43 Glodcen und Glödilein, sie wiegen zusammen 7ooo 
kg, die größte allein 1300 kg, die kleinste 10 kg. 

Sie kosteten 32 coo Mark, die der Stifter (Konsul Rosipal) bezahlte. 

4. Besudi abends 9 Uhr den Marienplaiz! Da wird es noch einmal lebendig auf 
dem Turm. 



35 




Der Maler vom Jakobsplatz 

Vor dem Kriege standen auf dem Jakobsplatz 
ein paar richtige Alt-Mündiner Häuser. Unter ihr 
scheckiges Blechdach duckten sich die Speicherstü- 
berl mit sdirägen Wänden und niederen Guckerln. 
Aber echt gemütlich lebten die Bewohner in den 
alten Gemächern. Das wußte audi der Maler Spitz- 
weg, der in einer solchen Behausung seine Woh- 
nung hatte. 

Unser Spitzweg ist ein edites Münciiner Kindl. In der Neuhauser Gasse 
kam er zur Welt und auf dem Südlichen Friedhof liegt er begraben. 
Gern wäre der brave Karl gleich ein Maler geworden, aber sein biederer 
Vater wollte davon nichts wissen. Darum schidcte er seinen Buben in die 
Lateinschule und anschheßend zum Herrn Hofapotheker in die Lehre. 
Da misdite das Männlein die Tränkchen, rieb Pulver und drehte Pillen. 
Nebenbei zeichnete er heimlich allerlei Leute, wie sie des Weges kamen: 
einen Dienstboten mit Zahnwehbund, den schlafenden Soldaten vor dem 
Sdiildwadithäuschen, Briefträger und Musikanten, drollige Flurhüter, 
Nachtwächter und seltsame Käuze. 

Da starb der Vater und hinterließ ein kleines Vermögen, Jetzt sagte 
der Maler seiner Apotheke Lebewohl und arbeitete nur noch mit Pinsel 
und Farben. Am liebsten bummelte der Junggeselle in der Altstadt 
herum. Verwitterte Stadttore, winkelige Höfe, seltsame Giebel, krumme 
Gasserl, blumenumrankte Fenster und heimelige Erker hatten es ihm 
angetan. Zipfelmützen und Sdinupftabaksdosen malte er so gerne wie 
versdinörkelte Türme und alte Wirtshausschilder. 

Weldi köstliche Bilder hat er auf^ie Leinwand gezaubert! Da stoßen 
die Häuser des Gäßchens mit ihren Mauern fast zusammen. -> Die alte 
Tante sdiaut dem Herrn Nachbarn gegenüber ins Bratpfanndl hinein. 
Dort lugt ein alter Griesgram verstohlen durchs Erkerguckerl. Droben im 
Dachkammerl hat sidi ein armer Diditer eingemietet. Weder Tisdi nodi 
Bett sind in seinem Stüberl und den Ofen friert's nodi mehr als ihn 
selber. Da hod<:t er zusammengekauert in der Ecke und schreibt ein Ge- 
dicht vom linden Frühling. Weil der kalte Regen durdis Dach tröpfelt, 
spannt er seinen Schirm über die Liegestatt und stülpt sich die Zipfel- 
haube über die Ohren. 

Wenn du in einem Buchbindcrladen soldie Bilddien als Postkarte 
siehst, dann kauf sie nur und häng sie daheim in eine gemütlidie Edie! 
Meister Spitzweg paßt immer in eine Münchner Stube. 

1. Geboren am 5. Februar 1808, gestorben am 23. September 1885. 

2. Zeidine ein enges Gasserl, wo man mit dem Spazierstodi zum Nadibar lan- 
gen kann! 

3. Bring eine Spitzwegkarte und zeig sie deinen Sdiulkameraden! 

4. Besudle den Jakobsplatz! 

36 



Auf dem Viktualicnmarkt 

Wenn das Fannerl mit der Mutter zum Einkaufen gehen darf, ist es 
selig. Heute wandern die zwei hinein zum ViktuaUenmarkt. Am Hodi- 
haus halten sie ein wenig an. „Schau, Fannerl, solche Häuser upd nodi 
viel höher bauen's drüben in Amerika." Dann spazieren sie die Blumen- 
straße hinunter. „Vor hundert Jahren sind hier Gärten mit Blumen und 
Sommerhäusin g'wes'n", erklärt die Mutter. „Später hat man die Stadt- 
mauer niedergriss'n und die Gräben zug'sdiütt. Dann ist auf dem Platze 
die lange Schrannenhalle g'standn, von der Angertorstraße bis zum Markt. 
Die Bauern sind mit dem Fuhrwerk in d'Stadt kommen und haben hier 
ihr Korn verkauft." 

„Gell, Mutti, dös is der Viktalenmarkt!" plappert das Fannerl dazwi- 
schen. Die Mutter verbessert: „Viktualien heißt das g'spaßige Wort; es 
bedeut' cigentlidi bloß: Lebensmittel." An der Freibank beginnt der 
Markt. Sie ist das letzte Überbleibsel der Schrannenhalle. "Wenn eine 
Kuh sich überfressen oder einen Nagel versdiluckt hat, muß sie notgeschlach- 
tet werden. Solches Fleisdi wird in der Freibank billig verteilt. 

Gegenüber ist der Blumenmarkt. Auf Tischen und Kisten stehen Eimer 
und Büchsen mit feinen Astern und prunkenden Dahlien. Die leuchten 
in allen Farben. Eine Blumenfrau windet Kränze aus grünen Tannen- 
zweigen und rötlichem Buchenlaub. „Geht was ab, sdiöner Herr? Neh- 
men S' ein'n schönen Herbststrauß mit für die Frau Gemahlin!" So ruft 
die Verkäuferin einem Vorübergehenden zu. 

„Schau, Fannerl, da hab i unsre Johannisbeern kauft, die wir als Mar- 
melade eingmacht hab'n, daß d' im Winter auch was zu schledcen hast! 
Die Schwammerlfrauen kommen erst nächstes Jahr wieder. Die Frau 
Bimslechner steht vor ihrem Marktstand mit Butter, Schmalz, Eiern und 
Geflügel. Bei ihr hat mei Mutter jedes Jahr eine Kirchweihgans kauft. 
Für eine Mark hat man 20 Eier heimtragen können. Wenn jetzt dei' 
Großmutter wieder auf d' Welt kam, die tat gleich umkehrn", so erzählt 
die Mutter. 

Nadidenklich redet sie weiter: „Einmal, i weiß's no wie heut, da hab i 
auf Weihnaditen eine Gans b'sorgn soll'n. - Sdiau nur, daß d' a frische 
kriegst, net eine, die wo so blau herschaugt! - So hat s' gsagt, die Groß- 
mutter und i bin das erste Mal allein zum Ganskauf'n gangen. Weil die 
Frau Bimslechner ausverkauft war, hab i mi zum Nadibarstandl hin- 
druckt. - Geht was ab, Fräulein? A schöne Gans hätt i no! - Gleich hat 
mir die Marktfrau dös Viedierl in die Hand g'Iegt und i hab g'sagt: Na, 
die nehm i net, die is scho ganz blau! - Da is aber die Ganshandlerin 
wutig worden und hat geschrien, daß es alle Leut gehört hab'n: Du dum- 
mes Luder, leg du di den ganzen Vormittag in die Saukält'n her, ob du 
net aa blau werst! Ganz rot bin i worden, so hab i mi g'schamt." 

37 



Die zwei trotten weiter, vorüber am Kartoffel- und Obstmarkt zur 
Scefisdihalle. Von weitem riecht man, daß es dort Fische gibt. Im Laden 
stehen Fässer und Körbe, gefüllt mit Schellfischen, Kabeljauen und Salz- 
heringen. In einer Ecke sind Blechbüchsen mit ölsardinen zu einem Turm 
aufgebaut. Die Leute drängen hin und her und man muß sich tüchtig rüh- 
ren, damit man drankommt. Dem Fannerl wird es zu langweilig und es 
wuzclt sich hinaus ins Freie. Eben trifFt eine Ladung Fisdie ein und das 
Fannerl liest auf den Fässern das "Wort Hamburg. „So weit kommen vdie 
her", staunt es, und erzählt es der Mutter, die gerade auf die Straße tritt. 
„Gut und bilHg sind sie schon, die Fisch aus der Nordsee", scherzte die- 
selbe, „aber ein bayrisch G'räuchertes war mir lieber!" 

Gleich neben der Fieiliggeistkirche ist die große Fleisdibank. Früher 
stand hier ein großes Spital für alte Leute. Jetzt reiht sich ein Metzger- 
stand an den andern. Ein rotes Lastauto bringt gesdiladitete Schweine 
und Kälber. An der Eclve der Fleischbank dampft es verführerisdi aus der 
Wurstküche. Die Frau Moosbichler bringt es nicht übers Herz, die bet- 
telnden Augen ihres Kindes zu übersehen und kauft ein heißes Bratwurst! 
und zwei knusprige Laugenbrezen, 

Zwischen der "Westenrieder- und Frauenstraße befindet sich der Bau- 
ernmarkt. Dort verkaufen die Gärtner und Landleute. Wirsing, Kohlrabi, 
Blaukraut, Weißkraut, rote Rannen, gelbe Rüben, Rettidie und Suppen- 
grün liegen am Boden ausgebreitet. Sudiend gehen die Hausfrauen mit 
Körbchen und Netzen durch die sdimalen Wege. „Den nehmen S' Frau", 
rät die Gärtnerin, „der is mild!" und wirft ein paar Stauden Endivien- 
salat in die Markttasche der Frau Moosbidiler. Die packt ihr Mädel bei 
der Hand und sagt: „So, Fannerl, jetzt is's aber höchste Zeit, daß wir 
heimkommen. Sonst grantelt der Vater wieder, wenns Essen net fertig is." 

1. Wieviele Stockwerke zählt das Hodihaus? 

2. Besuche in den Ferien vormittags den Markt! 

3. Zeidine daheim solche Marktstände mit einem großen roten Sdilrm! 

4. Wo kauft deine Mutter die versdiiedenen Lebensmittel ein? 

5. Stelle zusammen, welche Tiere und Pflanzen der Münclmcr verspeist! 

6. Wie heißen die Münchner Brotarten? Zeidme sie! 

7. Wer ist Käufer und Verkäufer, Erzeuger und Verbraudier? 

8. Deine Mutter soll dich einkaufen lassen. Geh erst mit ihr, dann allein! 




^8 



Badiauskehr 

Unsere Klasse hat einen Hamburger Jungen, den Petersen Heinz, be- 
kommen. Neulich fragte ihn der Wimpfiger Hansl: „No, wie gfallt's dir 
denn bei uns in München?" Der kleine Hamburger zog geringschätzig die 
Mundwinkel und sagte: „Ihr mit eurer alten Isar! Die ist doch nichts für 
eine Hamburger Wasserratte!" „Oho", mischt sich der Niedermaier Xaverl 
ein, „du glaubst vielleicht, daß d' Isar unser oanzig's "Wasser is. Mir habn 
no was anders. Wennst in München a besonders gefährliches "Wasser sehn 
willst, dann gehst heut nachmittag mit uns!" Der Hansl zwinkerte mit 
den Augen dem Xaverl zu. Alle zwei daditen an die Bachauskehr. 

Gleich nach der Schule trafen sich die Altstädtler hinter der Heilig- 
geistkirdie. Jeder war barfuß und hatte die Hose bis übers Knie hocii- 
gestülpt. Das gefiel dem Heinz und er madite alles nach. Einer hatte eine 
Stange, der andere hielt eine alte Stallaterne in der Hand. „So, da geht's 
'nunter", sagte der Hansl in einem Hinterhof des "ViktuaUenmarkts. „Wo 
mir 'rauskomma, dös werds schon sehn!" "Wirklidi, der Pfisterbach war 
ohne "Wasser. Ein Kanalarbeiter mit hohen • "Wasserstiefeln rief ihnen zu: 
„Gehts zum Ratzenfangen?" Auf ausgelegten Brettern fuhren die Män- 
ner Karren um Karren aus dem "Wassertunnel und warfen den Morast auf 
die Straße. Auf bereitstehende Fuhrwerke wurde alles gesdiaufelt und 
weggefahren. Zimmerleute besserten mit Brettern das Ufer aus. 

„Zünd dei' Latern o, Xaverl, daß mir was sehn!" sdirie der Hansl und 
sie betraten das Gewölbe. „Mensch, das ist ja toll", murmelte Petersen 
und stapfte hinter den andern her. Immer weiter hinein wateten die drei 
Buben und der sumpfige Morast stieg ihnen bereits über die Knie. „Hast 




39 



sdio was gfundn?" „Na, nix!" „Gib obadit, da san lauter Sdierb'n und 
verroste Büchsn und Haferl voller Lödier!" „Jessas, jetz war i bald der- 
sofFn, da is ja a direkts Loch!" „Mensch, da stinkt es fürchterlidi ! Gehen 
wir doch heraus!" So schrien alle durcheinander. 

„Huhu!" sdiallte plötzhch eine Geisterstimme und jemand sdilidi sich 
auf die drei zu. „Ja, der Hansl! Hab mir's do denkt, daß ihr da seids! 
An der Stimm' hab i euch kennt." „Auweh, meine Zehe!" seufzte der 
Hamburger. Da nahm ihn der Xaverl Buckelkraxen und trug ihn bis 
vorne, wo das Licht zum Loch hereinscheint. „Schaug her, a alter Zylin- 
derhut!" „Horch! Hörst Trambahn über uns? Jetzt san mir unterm Tal, 
bald werd d' Pfistermühl komma!" „Au weh, meine Zehe", jammerte der 
Hamburger wieder. „I glaub glei gar, den hat a Ratz bissn", lacht der 
Xaverl. Der Hansl fand einen halbverfaulten Schixh und reichte ihn dem 
Heinz: „Da ziag den o, na kannst wieder weiterhatschn!" 

„Geht's net raus da, ihr Lausbub'n, ihr nixigen!" hallte da eine Stimme 
ins Finstere herein. Vorsichtig näherten sidi die Buben dem Aussdilupf. 
Da stand ein Maurer, der das Kanalgewölbe flicken mußte. Er tat ihnen 
nidits, sondern lachte aus vollem Halse: „Ja mei', wie sdiaugts denn ihr 
aus, ihr Dreckbäm, ihr abscheuHchen! Gehts nur glei 'nauf zum Alten 
Hof und waschts euch ab, sonst gibt's Wichs daheim!" 

„Hast du jetz g'sehn, was Münchner Wasserratzn san?" fragte der 
Xaver den Petersen. Der sagte bloß ja und schaute seine verwundete 
Zehe an. Dann wollte er noch wissen, ob dies der einzige Stadtbach wäre. 
„No gnua gibt's bei uns z' München. Morgn steign ma in den Pesenbach 
und übermorgen in den Glockenbach!" Als sie aber am nächsten Tag in 
die Holzstraße einbogen, rauschte der Glockenbach schon wieder in sei- 
nem gereinigten Bett dahin. In der letzten Nacht, als alle Münchner sdilie- 
fen, hatte der Schleusenwärter die "Wassertore geöffnet, damit das Isar- 
v/asser wieder in die Stadtbäche fließen und alle Räder der Mühlen und 
Werkstätten treiben kann. 

Der Petersen Heinz aber wurde von keiner Ratte gebissen, sondern 
er hat sidi an einer zerbrochenen Bierflasdie seine Zehe verletzt. Als er 
zum Doktor in die Müllerstraße kam, lächelte dieser und meinte: „Aha» 
wieder einer von der Bachauskehr!" 

1. Wer Ist die Mutter der Stadtbädic? 

2. Wie heißt der Hauptbach redits der Isar? Wo kannst du ihn sehen? 

3. Die Bäche links der Isar sind sehr verzweigt. Kennst du einige? 
Wo treten sie ans Tageslidit? 

4. Auch unter dem Karlstor fließt ein Bach. Woher mag er stammen? 
Warum an dieser Stelle? 

5. Wozu brauchte man im alten Mündicn die Stadtbäche? 

6. Zeichne ein Mühlrad am Badi! 

7. In Mündien gibt es 32 Stadtbäche. 

40 




Im Marionettentheater 

Kennst du die Märchen vom Rotkäppdien und Schnee- 
wittdien, vom Dornröschen und König Drosselbart, von 
den sieben Raben und den sieben Geißlein? Die Großmut- 
ter erzählt sie gerne an langen "Winterabenden, wenn 
draußen der Wind heult und im Ofen das Feuer knistert. 
In Kinderbüdiern und auf Karten hast du schon Bilder aus 
dem Märchenland gesehen. Kannst du dir aber vorstellen, 
daß sie alle lebendig werden? 

Komm dodi mit ins Marionettentheater an der Blumen- 
straße! Gleich einem Zwerg steht es dort neben dem Riesen 
Hochhaus. Eine frohe Kinderschar verschwindet im Eingangstor. "Wie auf 
einem leicht ansteigenden Berglein sitzen die Kinder im Zusdiauerraum, 
damit auch dem kleinsten Knirps die Aussicht nicht verdorben ist. Alles 
zappelt und päppelt voll Erwartung. Glänzende Augen richten sich nadi 
dem "Vorhang. Der verschließt nodi das "Wunderland und ist doch kaum 
größer als eine "Wandtafel im Schulzimmer. 

Jetzt klingelt es und das Lidit geht aus. Die Plappermäulchen ver- 
stummen und alles schaut gespannt zur beleuchteten Bühne. Ein wenig 
Musik und endlich hebt sich der "Vorhang. Ah, da ist er ja schon, der 
Kasperl Larifari! In einer "Wirtsstube spielt er den Hausknedit. Seine 
rote Nase leuchtet wie ein Schlußlicht und der di^e Bauch wölbt sich 
wie eine Kugel. Sein Gewand ist gelb und rot und er trägt einen schwarzen 
Spitzhut. 

Unser Kasperl ist unverwüstlich. "Vorgestern hatte ihn ein Krokodil 
verschluckt. Aber das wilde "Vieh spie ihn aus; es hat die vielen Semmel- 
knödel, das Sauerkraut und Bier in Kasperls Magen nicht vertragen. 
Gestern wurde er vom fremden König in einen goldenen Käfig gesperrt, 
weil er so scheckig wie ein Papagei aussdiaut. Doch bald befreit ihn der 
brave Gärtner. Der stammt aus Sdiliersec und hat seinen Spezi gleich an 
den Münchner Sprüdien erkannt. 

Heute stürzt der Kasperl in einen tiefen Brunnen. Obschon alles jam- 
mert, er hat Glück wie immer. Die Erde ist ja eine Kugel, drum kommt 
er drunten bei den Menschenfressern kreuzfidel wieder heraus. In der 
trockenen "Wüste sehnt er sich gleich nadi einer Maß Bier mit frischen 
Brezen und einer saftigen Kalbshaxe. Arg Zeitlang hat er nach seiner 
Gretl. Aber er findet sich auch bei den "Wilden zurecht und redet wie 
ein echter Menschenfresser: 

Spissi spassi Kasperladi, 
hicki hacki Karbonadi, 
trenschi transchi Appetiti! 

45 



Bald ist er wieder daheim bei seiner Gretl und die kleinen Zuschauer 
atmen herzhaft auf, weil ihr Kasperl alles so gut gemacht hat. 

i. Soldi lustige Kasperlstüdie hat der Mündiner Graf von Pocci gediditet. 

2. Wer führt die Puppen auf der Bühne? Was können sie bewegen? 

3. Wer spridit, ladit, weint und singt für sie? 

4. Weldie Märdien und Kasperlstücke hast du sdion gesehen? Erzähle sie! 

5. Lern den kleinen Kasperl vers: I bin a Hanswurst, 

hab alleweil Durst 
und Hunger, auweh, 
vom Kopf bis zur Zeh! 

Das Feuerhaus 

Gegenüber den Anlagen beim Marionettentheater fällt uns ein Haus 
auf, das lauter rote Tore eingebaut hat. Das ist das Feuerhaus. Rot wie 
das Feuer ist die Farbe der Feuerwehr. 

Schrill rasselt eine Glocke. Alarm! Flugs werden die Tore aufgerissen. 
Drei Feuerwehrwagen rollen heraus: die Motorspritze, ein Gerätewagen 
und die Motorsteigleiter. Droben sitzen die Feuerwehrleute. Jeder trägt 
einen Helm mit ledernem Nackensdiutz und hat an seinem Gürtel Beil 
und Leine hängen. Wie der Blitz sausen die Wagen die Blumenstraße 
hinauf. Immer wieder ertönen Homsignale und Glockenschläge. Alles 
weiß: Die Feuerwehr kommt! Der Verkehrssdiutzmann gibt das Achtungs- 
zeichen, damit sie den Platz ungehindert überqueren können. In einem 
Sägewerk hinter SendHng soll ein Brand ausgebrodien sein. 

Die Tore werden verschlossen. Ein Flügel bleibt leicht angelehnt, just 
so weit, daß man in die Halle schauen kann. Da steht noch eine Reihe 
Feuerwehrauto. Helme und Gürtel liegen auf den Sitzen bereit. Bei der 
Feuerwehr muß alles wie am Schnürl gehen. An eisernen Stangen rutsdien 
die Feuerwehrleute von den Unterkünften herunter, sobald das Alarm- 
zeichen klirrt. 

Nadi drei Stunden rückt der Lösdizug wieder ein. Mit rußgesdiwärztcn 
Gesichtern und geröteten Augen steigen die Männer von den Wagen. 
Es war eine harte und gefährliche Arbeit. Ein Mann wurde von einem 
herabstürzenden Balken verletzt, ein anderer durch stidiigen Raudi ver- 
giftet. Das Rettungsauto überführte sie ins Krankenhaus. 

Die Feuerwehr hat immer zu tun. Auf dem glatten Pflaster ist ein 
Pferd gestürzt und kommt nicht mehr auf die Beine. Der Fuhrmann ruft 
die Feuerwehr. Ihr Gerätewagen windet den Gaul mit einem Aufzug 
empor. Ein Lastauto ist mit der Straßenbahn zusammengerannt. Die Feuer- 
wehr beseitigt das Verkehrshindernis mit einem fahrbaren Kran. Ein 
schweres Gewitter ist mit starken Regengüssen auf die Stadt niedergegan- 
gen. Sofort wird aus überschwemmten Straßenunterführungen und Kellern 
das Wasser gepumpt. 

42 



Feuerwehrleute, die nidit im Außendienst beschäftigt sind, betätigen sich 
als Sattler, Schreiner, Schlosser und Mechaniker in den "Werkstätten. Sie 
pflegen die Fahrzeuge und bessern Schäden aus. Im Saal mit den hohen 
Fenstern turnen die Feuerwehrleute auf Leitern und Stangen, damit sie 
flink und gelenkig bleiben. Das wäre ein Paradies für kleine Kraxler! 

Am Unteranger ist auch eine Einfahrt zum Feuerhaus. Die führt in 
■den Hof und zu den Einstellhallen der Rettungswagen. Kranke und 
Verunglückte werden auf einer Trage in das Auto gehoben und ins Kran- 
kenhaus überführt. In der Hofed?:e überragt ein breiter Turm das Feuer- 
haus. In ihm hängen die nassen Schläuche zum Trocknen. 

Vorne in der "Wachstube sitzt Tag und Nacht ein Feuerwehrmann am 
Schreibtisch. Er nimmt alle Hilferufe entgegen. "Wenn es ernst ist, drückt 
€r auf den Alarmknopf und die Feuenvchr rückt aus. 

1. Zeichne ein brennendes Haus! 

2. Kennst du die Feuermelder in der Stadt? Sie sind kein Spielzeug. Wenn es 
brennt, dann dürfen sie gezogen werden. "Wo gibt es soldie in deiner Nähe? 

3. Wie untersdieidest du den Feuerwehrmann vom Schutzmann? 

4. Wo hast du schon Wagen mit dem Roten Kreuz gesehen? 
Welche Frauen tragen es am Kopftuch? Welche Männer am Ärmel? 

5. Zeichne einen Rettungswagen mit dem Roten Kreuz! 

■6. Der Schutzheilige der Feuerwehr ist der heilige Florian. Oft sieht man ihn 
an Bauernhäusern abgebildet. Wie heißt ein lustiger Vers über ihn? 

7, Was kann mit einem Streichholz Dummes geschehen? 
o. Was tust du, wenn deine Wohnung zu brennen beginnt? 

9. Es gibt außer der Berufsfeuerwehr auch eine freiwillige. 
Wo ist in deinem Viertel ein Feuerhaus? 

10. Die Signale der Feuerwehr sind: Das Martinshorn im "Vierklang und der 
elektrisdie Rasselwedier. 



Das Asamkirdilein 

In der SendHnger Straße hat ein Sdiatzkästlein von besonderer Art den 
Bombenkrieg überstanden: das Asamkirchlein, eines der berühmtesten 
Gotteshäuser unserer Heimat. Es steckt mitten in der Häuserzeile und das 
leidite Türmchen auf dem Dadie ist nur von weitem sichtbar. Aber seine 
prunkvolle Außenwand lenkt die Blicke der Vorübergehenden auf sich. 

Die Brüder Asam namens Egid Quirin und Kosmas Damlan haben 
das Kirchlein zu Ehren des heiligen Johannes von Nepomuk errichtet. 
Im reich verzierten Haus nebenan wohnten die beiden. Das Gebäude zur 
Rediten ist das Priesterhaus. Egid und Kosmas waren Stifter und Erbauer, 
Bildhauer und Maler zugleich. Sie werkten mit ganzer Seele, bis das 
Schatzkästlein vollendet war. 

43 



-^#E!^ 



Durch ein prächtiges Säulen- 
tor mit einem himmelwärts 
betenden Heiligen gelangt man 
in den Raum. Hinter einem 
schweren und dennoch feinen 
Gitter aus Eisen tut sich eine 
strahlende Grotte auf. Andäch- 
tig und geheimnisvoll ist es 
drinnen. Von sechs Fenstern 
sind nur zwei sichtbar. Allerlei 
Zierat, Schörkel und Kränze 
aus goldenen Blumen verdecken 
die Wände. 

Einzigartig sind die beiden 
Hociialtäre übereinander. Un- 
ten ist der Hauptaltar vom 
heiligen Nepomuk über mar- 
mornen Stufen aufgebaut. Dar- 
über thront der goldglänzende 
Dreifaltigkeitsaltar mit Gott 
Vater, Sohn und Heiligem 
Geist. Er ist das Herz der 
Kirche. "Wer zu ihm empor- 
blickt, dem ist's, als dürfe er einen Blick in den Himmel tun. Da und dort 
sdimücken muntere Engelsköpfchen die Säulen und geschnitzten Beichtstühle. 
Heilige beten in den Nischen. Das ganze Kirchlein gleicht einem Tabernakel 
und wir möchten glauben, Engelshände hätten es geformt. 

"Was hatte die beiden Künstler veranlaßt, so ein herrlidies Gotteshaus 
zu erbauen? Die Geschichte erzählt es uns. 




■^MMM^?^: 



Einmal fuhren die Brüder Asam auf einem Boote die Donau hinunter. Es war 
sdiwer beladen mit Kirdiensc+imuck für das Kloster "Weltenburg. Da brach ein 
Sturm los. Der Kahn wurde hin und her geworfen und lief Gefahr, an den 
Felswänden zu zersdiellen. In seiner Angst und Not rief Egid Quirin den hei- 
ligen Johannes von Nepomuk um Hilfe an. Wirklidi erreichten die Sdiiffer das 
Ufer von "Weltenburg. Dort gelobten die Brüder, dem Heiligen zum Dank für 
die wunderbare Rettung eine Kapelle in München zu erbauen. Noch heute erin- 
nern die beiden Felsen beiderseits der Eingangstreppe an die Ufer, wo die 
Künstler dem Untergang entrannen. 

1. Die Asamkirche wurde 1733 — 34 erbaut. 

2. Kennst du die Dreifaltigkeltskirchc oder die Michaelskirche in Berg am Laim? 
Solche Kirchen baute man vor 200 Jahren. 



44 



Auf dem Kripperlmarkt 

Neben dem Christkindlmarkt erfreut sidi zur gleidien Zeit der Krip- 
perlmarkt vieler Besucher. Alles, was zu einer richtigen Weihnachtskrippe 
gehört, ist dort zu finden. Eine bunte Schau von kunstvollen Figuren, aus 
Stoff und Wachs oder gar aus Holz geschnitzt, wartet auf Käufer. Der 
eine braucht einen Stall mit Ochs und Esel, dazu ein Christkindl im Krip- 
perl, Maria und Josef. Der andere wählt ein paar Schäflein und ein rot- 
gläsernes Hirtenfeuer aus. Wie in einem Tiergarten stehen die Tierlein da. 
Nein, es ist gerade so, als kämen sie reihenweise aus der Arche Noah: 
Kamele und Elefanten, Schafe und Löwen, Hunde und Ziegen. 

Ein Dutzend Hirten, jeder in einem anderen Wämslein, lehnt in der 
Ecke und ein ganzer Palmenwald steckt in der Tischplatte. Die letzten 
drei Weisen aus dem Morgenland warten auf einen Liebhaber: Der Moh- 
renkönig mit perlbesticktem Turban und prächitiggrüner Schleppe, daneben 
•der weiße und gelbe König in purpurroten und veildienblauen Gewändern 
samt Krone und Zepter, Weihrauchfäßchen, Goldkästchen und Myrrhen- 
körbchen. An einem dünnen Drahte schweben wädiserne Engel und gül- 
dene Schweifsteme. Wachholderzweige und feuchtes Moos verbreiten wür- 
zigen Waldesduft. 

Der kleine Maxi schlendert von einem Stand zum andern und schaut 
und staunt, bis ihm die Nase blau friert und die Zehen vor Kälte steif 
werden. Ganz genau merkt er sich die Besitzernamen der Stände. Daheim 
setzt er sich neben den warmen Ofen und schreibt all seine großen Wünsche 
in ein kleines Brieflein. Dann legt er es mit einem Tannenzweiglein auf 
das Fenstersims. Wenn am nächsten Morgen das Wunschbrieflein draußen 
verschwunden ist, hat es der Weihnachtsengel in den Himmel getragen. 
Ob alle Wünsche in Erfüllung gehen, das wird der kleine Maxi schon ara 
Heiligen Abend unter dem Christbaum sehen. 

1. Wo kannst du zur Weihnaditszeit schöne Krippen sehen? 

1. "Warst du sdion in der Krippensammlung im Nationalmuseum? 

3. Hast du auch eine Krippe, vielleicht aus Papier? 





Der Christkindimarkt 

Um die Zeit, wo Sankt Nikolaus die Kinderstuben 
besucht, werden die Schaufenster der Stadt weihnachtlidi 
hergeriditet. Zwischen allerlei schönen Sadien liegen Tan- 
nenzweige mit silbernen Sdileifchen. Tannenbäume auf 
großen Plätzen stimmen uns weihnachtsfroh. 

Am schönsten aber ist es dodi auf dem Christkindi- 
markt, In langen Zeilen reiht sich Bude an Bude. Hier 
bieten die Händler funkelnden Baumschmuck, vergoldete und versilberte 
Nüsse, Kugeln und Kerzen, Engelshaar und farbige Baumketten an. Dort 
an den Ständen gibt es Lebkuchen und Quittenwürstchen, süße Herzen und 
andere Ledcereien. Audi die beliebten Rauschgoldengel werden feilgeboten. 
In Laiben und Sdinitten kann man das altbayrische Weihnachtsgebäck, das 
Kietzenbrot, kaufen. 

Auf den Tischen der Spielwarenstände lodten hölzerne Rösserl samt 
Wagerl, blecherne Auto und Eisenbahnen auf Schienen, Puppen und Brett- 
spiele die Käufer herbei. Nützliches Gerät für die Küdie und brauchbarer 
Hauskram werden als Weihnachtsgesciienk empfohlen. Ringe, billige Ket- 
ten und Armreife wirken in der Beleuchtung wie echter Schmuck. Ein 
mächtiger Christbaum läßt seine künstlichen Kerzen leuchten. Alles glitzert 
und flimmert abends in seinem zauberhaften Lichterglanz. Die Besucher 



verlassen mit Päckchen den Christkindimarkt 
kommende Weihnaditsfest. 



und alles denkt an das 



I. Zeichne einen Rauschgoldcngel und schneide ihn aus! 

1. Male einen Christbaum, wie du ihn haben möditest! 

•y. Weldie Wcihnachtsbäckereicn sind dir bekannt? Zeichne sie auf! 



Bei Meister Hildebrand 



S. 






Als idi noch ein Münchner Bub war, besuchte idi gerne 
den alten Glasermeister Hildebrand am Rindermarkt. 
Er hatte seine "Werkstatt im Haslinger-Durchgang. Der 
senkte sich vom Rindermarkt zum Rosental hinunter 
und mag wohl das engste Gaßl der Stadt gewesen sein. 
So nah standen sich die Mauern gegenüber, daß nur ein 
schmaler Streifen Himmel hereinschaute. Ja, man konnte 
sogar mit einem Spazierstock das Nachbarfenster auf der anderen Seite 
aufstoßen. Über einem kleinen Hof baumelte die Wäsche an den Stridvcn, 
die von einer Hauswand zur anderen gespannt waren. 




Verkaufsstellen für Milch, Bürsten und Besen, Pelze und Holzwarea 
duckten sich unter die gewölbten Durchlässe. Wenn es nicht gerade Som- 
mer war, steckte die Milchfrau am Morgen die Petroleumlampe an und 
blies erst vor dem Schlafengehen die Funsel hinter dem Zylinder wieder 
aus. Ein Schlüsselgießer, die grantige Kranzlbinderin und mein alter 
Freund Hildebrand werkelten in den dämmerigen Fiandwerkerstuben der 
beiden Höfe. 

Seine Wohnung hatte der Glasermeister im Nachbarhaus der Drei 
Rosen, "Wie eine Alt-Münchner Stube schaute sein Wohnzimmer aus. In 
alle Fenster hatte er bunte Butzenscheiben eingesetzt. Das gemütliche 
Kanapee, der viereckige Eichentiscii und die samtbezogenen Stühle füllten 
die Ecke am Fenster aus. Gegenüber nahmen eine schöngeschweifte Kom- 
mode mit Glasaufsatz und ein bequemer Ohrenbackensessel die halbe 
Wand ein. Über der Ofenbank standen auf einem Wandbrett allerlei 
Glasfigürdien und geschnitzte Kostbarkeiten, Der gläserne, grüne Hirsch 
und das Ziegenböckchen mit seinen sechs Hörnern entzückten mich beson- 
ders. Vorne im Erker piepste ein Kanarienvogel und unter der Ofenbank 
gurrte eine zahme Turteltaube in ihrem Käfig, An den Wänden hingen 
Bilder von Meister Spitzweg und aus dem alten München: der Marien- 
platz ohne Neues Rathaus, der Rindermarkt vor ein paar hundert Jahren 
und Alt-Münchnerinnen mit der Riegelhaube. 

Zur Weihnaditszeit stellte er im Erker eine große Krippe auf. Weit 
wölbte sich der Himmel von Bethlehem über dem Stall mit der Geburt 
Christi. Vom tiefblauen Sternenzelt leuditete der Vollmond auf die holz- 
geschnitzten Hirten und Herden hernieder. An der Rückwand war eine 
papierne Sdieibe angebradit. Mit der durfte ich die Gestalt des Mondes 
verändern. Wenn der Meister einen neuen Ziehbrunnen oder Eselskarrcn 
gebastelt hatte, schenkte er mir die alten Stücke für meine Krippe, 

Einmal zeigte er mir auch sein Heiligtum, eine alte, wertvolle Truhe» 
Es war Heiliger Abend und meine Mutter, die Mildifrau vom Haslinger- 
Durchgang, sdiickte mich schon am Nachmittag zu Meister Hildebrand. 
Dort sollte ich warten, bis das Christkind gekommen wäre. Diese Stun- 
den werde ich nie vergessen. Behutsam steckte mein väterlicher Freund den 
Schlüssel mit dem kunstvollen Bart ins Schloß und hob den Deckel hoch. 
Er zeigte mir die kostbar gestidite Ricgelhaube seiner Mutter und die klir- 
rende Talerkette seines Vaters, Dann nahm er einen Stoß vergilbter Blät- 
ter heraus und sagte: „Setz di her, Bub, dann zeig i dir meine Büdl vom 
alten München!" Nun faßte er meine Hand und wir setzten uns in die 
gemütliche Ecke aufs Kanapee, Dann erzählte er: 

„So kloa is d' Stadt einmal g'wesn, Siehgst die Tore? Draußen rinnt 
d' Isar, da is d' Ludwigsbruckn und der Gasteig mit dem Sicdienhäusl und 
alles andre san Wiesen und Felder. So hat München vor 300 Jahren aus- 
gschaut — und so vor 100 Jahr: Von Schwabing aus war nix wie d' Land- 
straß bis zum Siegestor rauf. Wie dann der König Ludwig die Straß baut 

47 



hat, hab'n d* Münchner gsagt: Unser Kini spinnt a bißl! Was brauch 'n 
mir die mordsbreite und lange Straß da drauß vor der Stadt? Häuser baut 
a aa no naus dazu. Na sowas? — Und jetz war s' sdiier z' kloa." 

„Kennst die Türm', Bub? Die Ludwigskirch mit ihre zwoa Spitzn, die 
Kuppel von der Theatinerkirch, dahinter der Alte Peter, daneb'n die 
Maßkrüghaub'n Unserer liebn Frau, das hohe Schiff von Sankt Midaael 
und der Spitzturm von der Kreuzkirch!" Dann schauten wir die Bilder 
von der "Wirtschaft zum grünen Baum und vom Pulverturm vor dem Isar- 
tor, den Schönen Turm und eine Ansicht der Stadtmauer an der Blumen- 
straße an. „Dös Bildl hat der Maler Lebschee g'macht. Der hat im selben 
Haus g'wohnt, wo i jetz mei Werkstatt hab", sagte stolz der Meister. 

„O mei, wie schaugt denn da der Stachus aus? Ein langer Gartenzaun, 
ein paar niedere Häuserl, ein Gespann mit einem Mistkarren, kein Pflaster, 
keine Trambahn! Und erst der Bahnhof: wie ein langer Stadel mit einem 
großen Tor." 

Wieder kramte der Gute in seiner Truhe und zog ein neues Bilderbündel 
hervor. Die erste Eisenbahn von München nach Augsburg, der Brand des 
Hoftheaters, das Talbrucktor mit dem Alten Rathaus, der Marienplatz mit 
den Marktstandln und der Schranne — wie ein buntes Bilderbuch zog die 
alte Stadt an mir vorüber. Zu allem wußte der Meister etwas zu erzählen. 
Lebhaft schilderte er mir das große Unglück, wie beim Hochwasser die 
Isarbrücken eingestürzt sind: „Bub, i sag dir's, i hör heut no dös Krach'n 
von der Brüdk'n und dös Schrei'n von alle Leut, die 's Wasser mit g'riss'n 
hat. Gut, daß i aufm Ufer und net auf der Brück'n g'standn bin, sonst 
war i elend z'grund ganga. — Aber jetz kommt was Lustigs! Gell, dös 
kennst selber!" Ich nickte; das Bild stellte den Schäfflertanz dar. 

Als letztes legte er einen alten Kupferstidi vom ersten Oktoberfest auf 
die Tisdiplattc: „Damals war d' Stadt hinter der Wies'n z'end. Heut no 
steht der Grenzstoa am Hang auf der SendHnger Seitn. Wie i no a kloaner 
Bua war, hat bloß d'Au, Giesing, Haidhausen und Harlaching zur Stadt 
g'hön. Und wie is 's heut? Moosach und Bogenhausen, Sendung und Ober- 
föhring lieg'n scho im Burgfried'n! Wenn dös so weiter geht, dann frißt 
München no den Stamberger See und 's Dachauer Moos auf. Dös derieb 
i gottseidank nimmer. Aber ob's nachher no grad so schö is, unsre alte 
Münchner Stadt?" 

Wir traten schweigend an die Krippe und der Meister zündete die 
Kerzen im Hirtenfeuer und am Stall an und hängte ein Petroleumlämplein 
hinter das Sternenzelt mit dem Vollmond. Da klingelte die Bimmelglocke 
und meine Mutter rief zur Türe herein: „'s Christkindl is komma!" Schnell 
drückte mir der Hebe alte Mann noch ein Kletzenlaibl und ein Zwetsch- 
genmandl in die Hand und lächelte gütig: „Dös hat's bei mir für dich scho 
abgeb'n!" 



Auf dem Stachus 

Heute ist Josefitag. Weil idi Pepperl heiße, habe ich Namenstag. Mein 
Schwabinger Großvater ist auch ein Josef und hat es zum Brauch gemacht, 
daß alle Sepperl der Familie an ihrem Festtag bei ihm zusammenkom- 
men. Gleidi nach dem Mittagessen holt mich mein Onkel Sepp ab und 
dann fahren wir nach Schwabing. Am Karlsplatz müssen wir umsteigen. 
Das ist der neue Mittelpunkt des Großstadtverkehrs. Hier münden die 
Hauptstraßen aus allen Riditungen ein. Die Straßenbahnlinien aus Pasing, 
Neuhausen, Berg am Laim und Ramersdorf kreuzen sich mit denen aus 
Sendung und Sdiwabing. 

„Stachus!" ruft der Schaffner. Der Onkel nimmt mich bei der Hand und 
wir drücken uns zum Wagen hinaus. Schau nur, der Sdinürlreg'n!" gran- 
telt der Onkel. Wir flüciiten uns ins gläserne Trambahnhäuschen auf der 
Insel in der Mitte des Platzes. Eine Menge Leute stellt sich im Warte- 
raum unter. Nebenan halten sidi die Trambahner auf. Ein Herr kauft eine 
Wodienkarte. Der Onkel zeigt mir auf einem Plan alle Linien der Stadt, 
wie sie fahren und welche Nummern sie haben. 

Dann schauen wir zur Türe hinaus. Weil ich alles wissen möchte, frage 
ich meinen Onkel, warum der Platz zwei Namen hat. Da erzählt er mir: 
„Früher war die Stadt am Tor zu End'. Drüben in der Schützenstraß' 
hätt'st den Armbrustschützen zusdiaun können, wie s' mit Stadieln auf 
d' Scheiben g'schossen haben. Von der Sonnenstraß' bis zum Odeonsplatz 
sind lauter Erdwäll' und Wassergräben der alten Festung g'wesen. Erst 
Kurfürst Karl Theodor hat mit dem Durcheinander aufg'räumt, das halb- 
verfallne Neuhauser Tor wieder herg'richt' und im Halbrund die Häuser 
links und rechts dranbaut. Ihm zu Ehren haben die Münchner den neuen 
Platz Karlsplatz tauft." 

Inzwischen läßt der Regen nacii, aber unsere Straßenbahn ist noch nicht 
da. „Komm, Pepperl, wir gehn zum Luftsdinappen!" seufzt der Onkel, 
spannt seinen Regensdiirm auf und wir sdilendern auf dem Platz umher. 

Personenauto, Motorräder und Lastwagen sausen vorüber. Hinterher 
traben die Pferdegespanne. Mühsam sdiiebt einer seinen Karren voll Holz 
den Randstein entlang. Ein Schwärm Radler staut sich an, wenn die Durch- 
fahrt nicht frei ist. 

Auf einer weißgestrichenen Kanzel steht der Verkehrsschutzmann. So 
kann er den Verkehr leiditer überschauen und die Fahrzeuge sehen ihn 
schon von weitem. Immer trägt er eine weiße Uniform. Durch Winken 
und Ausstrecken des Armes gibt er den Verkehr einmal nach dieser, ein- 
mal nach jener Riditung frei. Ein Zeitungsverkäufer will an der gefähr- 
lichen Kreuzung den Platz überqueren. Gleich belehrt ihn ein Schutz- 
mann. Ein altes Mütterchen tritt ängstlich an den Randstein. Weil es fast 
blind ist, trägt es am Arme eine gelbe Binde mit drei schwarzen Punkten. 
Der gutmütige Onkel Sepp nimmt das alte Weiberl am Arm und wir 
geleiten es über die Fahrbahn. 

4 Heimatbüdilein 49 



"Was ist dort los? Vor dem Hotel Königshof strömen die Mensdien zu- 
sammen. Ein "Radier, der nicht redhts gefahren ist, wurde von einem Auto 
niedergerissen. Ein Schutzmann eilt zum Fernsprecher und bald trifft das 
Rettungsauto ein. Zwei Sanitäter tragen den Verunglückten in den Wagen 
mit dem Roten Kreuz. Der Sdiutzmann schreibt von einigen Zuschauern 
den Namen auf und auch der Autler sucht sich Zeugen des Unfalls. „Die 
Fahrbahn frei!" ruft der Sdiutzmann und dann zerstreut sidi alles. 

Die Straßenbahn kommt immer noch nicht. Der Onkel wird schlecht 
gelaunt; denn er denkt an die gute Brotzeit, die beim Großvater aufge- 
tischt ist. Er zeigt mir den Justizpalast mit der gewaltigen Glaskuppel. 
Der ist das größte und schönste Gebäude auf dem Stachus. Geschäftig gehen 
Männer mit Aktenmappen ein und aus. Gegenüber rauscht der Nornen- 
brunnen unter Kastanienbäumen. Drei riesige Frauen aus Stein halten 
eine weite Wasserschale. 

Jetzt bimmelt's! Die Sonnenstraße herauf nähert sich ein Sechser. Der 
Onkel zeigt mir noch schnell hinter dem Kiosk das Brunnenbüberl: „Gell, 
dös is halt a Kerl! Der is net so wasserscheu wie du!" 

1. Wie kommst du mit der Straßenbahn 2um Stachus? 

2. Im Justizpalast ist das höchste Gericht unseres Landes. Wer seinen Mitmen- 
schen an Leben und Gut schadet, wird von den Richtern so verurteilt und 
bestraft, wie er es verdient. 

3. Die drei Frauen am Nornenbrunnen erinnern uns an die Zeit, als die Dörfer 
um München nodi heidnisch waren. Die Leute glaubten damals, daß ihr Leben 
in den Händen dieser Göttinnen liege. 

4. Wie überquert man Straßen und Plätze? 

j. Zeichne verschiedene Auto und Fuhrwerke! 

6. Welche Verkehrsschilder kennst du? 

7. Spielt einmal Verkehrssdiutzmann. Einer streckt den Arm aus und die anderen 
sausen vorüber, wie die Bahn eben frei ist. 



Unsere Straßenbahn 

Unser Untermieter, der Herr Gruber, ist ein alter Trambahner. Sdion 
sein Vater hat das halbe Leben auf diesen Schienenkutschen zugebracht. 
Damals gingen die Wagen noch nicht elektrisch. Vor den Trambahn- 
karren war ein Schimmel oder Rappe gespannt, der zwischen den 
Schienen durch die Stadt trabte. Das war eine gemütlidie Fahrt. Der 
Kutscher brauchte bloß „Hü" zu schreien und an den Haltestellen zu 
bremsen. 

Letzten Samstag hatte der Herr Gruber seinen freien Tag und ich 
durfte mit ihm einen Straßenbahnhof besuchen. In den weiten Hallen 
reihten sieht viele Gleise aneinander. Überzählige Straßenbahnzüge und 
einzelne beschädigte Wagen standen darin. Sauber scJiauen sie aus, die 
weiß-blauen Wagen mit dem Mündiner Kindl an der Seite. 

50 



Nun durfte idi einen Führerstand besteigen. „Siehgst, Maxi, da bin 
i daheim", sagte mein Begleiter und er erklärte mir, wie so ein Trieb- 
wagen zum Fahren und Halten gebradit wird. Lenken wie beim Auto- 
mobil, das gibt es hier nicht. Die Räder laufen von selber in den Schie- 
nen. Mit der großen Kurbel wird der Strom geschaltet. Je höher die 
Ziffer ist, desto sdineller fährt der "Wagen. Rechts ist der Hebel für 
die Luftbremse. In den Kessel unter dem Wagenboden pumpt sich beim 
Fahren Luft ein. Hat der Wagen zu wenig Luft, so wird die Hand- 
bremse mit dem Schwungrad angezogen. Die neuesten Motorwagen brem- 
sen auch elektrisch. 

"Wie es mit dem Fahren geht, das habe ich verstanden. Aber das 
Stellen der "Weidien auf der Strecke wollte mir nicht in den Kopf. Sie 
werden fast alle elektrisch geschaltet. Ehe der Fahrer an den "Wechsel 
kommt, schaltet er kurz den Strom aus und wieder ein. Durdi diesen 
Stromstoß springt die "Weichenzunge nadi der anderen Seite. Ist der 
Wechsel richtig gestellt, dann muß der Motor ohne Strom darüber- 
fahren. An Ausweichstellen und zu Nebengleisen muß die Weidie mit 
dem eisernen Weichensteller bedient werden, weil hier kein Automat 
eingebaut ist. 

Dann fragte ich, warum in diesem Bahnhof lauter Einser- und Vierer- 
linien stehen und wo die anderen sind. Solche Bahnhöfe gibt es 
In mehreren Außenbezirken der Stadt. Jede Linie hat den Bahnhof In 
der Nähe ihrer Strecke. Da stellen sidi nadits ihre Wagenzüge unter 
und rücken am Morgen wieder aus. Ein Trambahner kam auf den 
Herrn Gruber zu und begrüßte ihn freundschaftlich. Der wußte genau, 
wie lang die Münchner Gleise sind und wieviele Wagen die Straßen- 
bahn hat. 

Seit neuester Zeit gibt es auch Omnibusse, die mit elektrischem Strom 
fahren. Sie sehen wie eine Trambahn aus, laufen aber nicht auf Schie- 
nen, sondern haben Luftreifen. Draußen in Laim Ist so eine Obus-Linie. 
Die Straßenbahnen können den Verkehr nldit allein bewältigen, darum 
sind audi Omnibusse Im Betrieb. Am Ostbahnhof hält sogar ein zwei- 
stöckiger Autobus. 

Weil der Herr Gruber mich so gut leiden kann, fuhren wir gleidi 
zum Ostbahnhof mit der Straßenbahn. Dann stiegen wir in den hohen 
Omnibus ein und setzten uns ins obere Abteil. Das war eine herrliche 
Fahrt durch den Englisdien Garten bis nach Schwabing hinunter. 

1. Die Mündiner Straßenbahn hat etwa 200 Triebwagen und 3J0 Beiwagen. 

2. Die Länge aller zweigleisigen Stredten ist 120 km. Damit könnte man zweigleisig 
von München bis Regensburg fahren. 

3. "Wo ist von dir aus der nädiste Straßenbahnhof? 

4. Trambahn sagt der Münchner; das Wort Tram ist ein altes deutsdaes "Wort; 
es heißt: Balken oder Schiene. 

5. Wie viele Straßenbahnlinien hat München? Wo sind ihre Endstationen? 

4» 51 



6. Betrachte das Netz der Straßenbahnlinien auf einem Fahrsdiein! Kannst du von 
einer benützten Karte ablesen, wo und wann du gefahren bist? 

7. Weldie Linien fahren durdi deinen Bezirk? 

8. Wo verkehren Omnibusse? 

9. Was kann geschehen sein, wenn die Trambahn stehen .bleibt? 

10. Zeichne einen Straßenbahnzug und Haltestellentafeln! 

11. Betrachte die Wagen, ob sie alle gleich sind! 

12. Die erste Pferdebahn fuhr 1876 vom Promenadeplatz zum Stiglmayerplatz. — 
Die erste elektrische Straßenbahn verkehrte 1895 zwischen Färbergraben und 
Isartalbahnhof. 



Auf der Hadcerbrücke 

Gern verweile ich auf der Hadierbrüdce. Draußen vor dem Hauptbahnhof 
überspannt sie die breite Sdiienenstraße der Eisenbahn. Auf gemauerten 
Pfeilern lagert ihre Fahrbahn, mächtige Eisenträger spannen sich in großen 
Bögen darüber und tragen die gesamte Last. 

In uralter Zeit war dieser Schienenweg ein breites Isarbett. Seit man die 
ersten Gleise legte, sind kaum hundert Jahre vergangen. Drüben auf dem 
Marsplatz stand der erste Bahnhof. Er glich eher einer Bretterhütte als einem 
Dorfbahnhof. Die erste Eisenbahn fuhr nur bis Lochhausen. Ihre Wagen sahen 
wie Kutsdien aus. Viele hatten nicht einmal ein Dadi. 

Gerade fährt ein Zug zwisdien abgestellten Personen- und Gepäckwagen 
dem Hauptbahnhof zu. Alle Schienenstränge münden dort wie in einen Sadi. 
Die Frauentürme grüßen die Ankommenden schon von weitem. Ein Personen- 
zug kriecht wie ein schwarzer Wurm aus der Bahnhofshalle. Er kommt näher 
und wird immer größer. Der Signalarm ist hochgegangen. Schon saust der Zug 
unter der Hackerbrüdie durch. Rumdada, rumdada, stoßen die Räder im 
Takt. Klirrend springt der Zug über die Weichen. Am Fenster des Stellwerks 
lehnt der Weichensteller und überwadit den Verkehr. Wehe, wenn er eine 
falsche Weiche stellt! 

Zwischen den Gleisen brennt ein niedriges Feuer. Putzfrauen tragen 
Kistchen mit Papier und anderen Abfällen herbei, die sie aus den Wagen 
gekehrt haben. Eine kleine Lokomotive pfaucht vorbei und wechselt fort- 
während die Gleise. Ein Zug wird zusammengestellt. Die D-Zugwagen 
hängen wie riesige Ungetüme an dem Bockerl. Wo der Dampf an die Drähte 
streidit, zuckt und blitzt es. „Vorsicht, Hochspannung!" mahnt eine Tafel am 
Brückengeländer und ein engmaschiges Gitter sdiützt vor Unfällen. Leidit 
könnte sonst ein Unvorsichtiger mit einem Stock nach den tödlichen Drähten 
greifen. Die meisten Strecken werden elektrisch betrieben. Selten verkehrt 
eine Dampflokomotive. Eben fährt eine Schnellzugsmaschine auf die Brüdte 
zu. Ihr weißer Qualm hüllt midi ein. Der riecht so richtig nadb Eisenbahn. 

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Drüben an der Bayerstraße befindet sich die Bahnpost. Tag und Nacht sind 
die Postler damit beschäftigt, die prallen Briefsäcke und Pakete umzuladen. 
Eine unterirdische Kleinbahn verbindet den Bahnhof mit dem Postamt an der 
Arnulfstraße. Unter dem Rundbau neben dem riesigen Verwaltungsgebäude 
auf dem Marsplatz werden die Pakete auf die Stadtbezirke verteilt, während 
die Briefsendungen an die Postämter weitergeleitet werden. 

Ich kann mich gar nicht satt schauen an dem Treiben rund um die Hadker- 
brücke. Morgen besuche ich die nächste Straßenüberführung: die Donners- 
bergerbrücke. Am Sonntag aber fahre ich unter beiden durch, wenn ich mit 
der Eisenbahn einen Ausflug nadi Starnberg mache. 

1. Wo ist dein nädister Bahnhof? 

2. Wann mußt du zum Hauptbahnhof, Ostbahnhof oder Südbahnhof? 

3. München hat 33 Bahnhöfe und Haltepunkte. 

4. Zeidine einen Zug mit Dampfmasdiine und einen mit elektrischer Maschine! 

5. Der Münchner Hauptbahnhof ist mit 32 Gleisen der größte Deutschlands. 

6. Vergleiciie ein Straßenbahngleis mit einem Eisenbahngleis! 

7. Zeidine eine Straßenunterführung und eine Straßenüberführung! 

8. Was sagst du am Fahrkartenschalter, wenn du nadi Starnberg fahren willst? 



Das Oktoberfest 

"Wenn die Buben ihre bunten Dradien im Herbstwind steigen lassen, wird 
es lebendig auf der "Wies'n. Gespanne und Lastwagen bringen Bretter und 
Balken, Schienen und Planen, Schaukelkähne und Holzpferde. Es wird 
gesägt und genagelt und gemalt. Wie Schwammerl wachsen die Buden, Zelte, 
Achterbahnen und Karusselle aus dem Boden. 

Endlidi beginnt das Oktoberfest. „Auf geht's beim Schichtl!" sagt der 
Münchner und er hält es nimmer aus, daheim in seinen vier Wänden. Alle 
Straßen und Trambahnen zur Theresienwiese wimmeln von Menschen. Weit- 
hin trägt der Wind das Rasseln der Achterbahnen und das Gedudel der 
Drehorgeln. Es riecht nach duftigen Brathühnern und Steckerlfischen. Alt und 
jung, Stadt und Land, strömt auf die Festwiese. 

Riesige Bierzelte, Weinbuden und Kaffeeschenken, Ringel- und Rutsch- 
bahnen, Riesenräder und Schiffschaukeln lo(i:en die Besucher heran. Vor dem 
Zirkus treibt der dumme August seine Spaße. Gegenüber schreit ein Ausrufer 
mit heiserer Stimme: „Hereinspaziert, hereinspaziert! Hier sehen sie die 
Wander der Welt!" Auf die Wände der Bude sind Schlangenmenschen, Feuer- 
fresser und Schwertschlucker gemalt. Nebenan zeigt ein Wiesentheater selt- 
same Tiere, Riesen und Zwerge. Ein Inder plärrt wie ein echter Giesinger: 
„Zur Kassa, zur Kassa, meine Herrschaften! Die Vorstellung beginnt!" 

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„Eine Fahrt mit dem Riesenrad, nur 20 Pfennige pro Kopf! "Wer keinen 
hat, zahlt die Hälfte!" Luftballonhändler und Standerl mit Gutsein, tür- 
kischem Honig und Nürnberger Busserln preisen ihre Waren an. Dort dreht 
sich ein Karussell mit Sdiwänen, Kutschen und Holzpferden. Lachende Kinder 
wirbeln im Kreise herum, bis es ihnen vor den Augen flimmert. 

Den Eingang zu den Bierbuden säumen die Brezelfrauen und Radiweiberl. 
Mächtig bläst drinnen die Oberländerkapelle, und alles singt: „Solang stirbt 
die Gemütlichkeit in Mündien niemals aus!" Hunderte sdiieben sidi in den 
Gängen hin und her. Kein Stuhl und kein Tisch ist mehr frei. „Vorsicht, Soß!" 
sdireit die dicke Kellnerin und schwingt zehn Maßkrüge durch die Reihen. 
Alles lärmt und lacht. 

Auf der Hauptstraße hält ein prächtiges Fuhrwerk. Vier schwere Rosse mit 
blinkendem Gesdiirr und nagelneuem Lederzeug sind vor einen langen 
Bierwagen gespannt. Der Bierführer steigt vom Kutschbock herunter. Er trägt 
zu seiner schwarzen Lederhose eine Samtweste, ein weißes Leinenhemd und 
hohe Rohrstiefel. Auf den breitrandigen Hut hat er sich ein Gerstenbüschlein 
gesteckt. Die Bierpanzen stemmt er wie ein Herkules herunter. Gleidi wer- 
den die vollen Fässer zur Sdienke gerollt. Dann sdhwingt sich der Kutscher 
wieder auf seinen Sitz und schnalzt mit der Zunge. Unter Peitsdhenknall 
ziehen die Gäule an. 



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Droben auf der Thereslenhöhe sitzt der bayerisdie Löwe zu Füßen seiner 
Frau, der Bavaria, Die hält ihren Ruhmeskranz übers Haupt und sdiaut 
hinaus über die Stadt und ihr geliebtes Bayernland. 

r. Hast du sdion die Bavaria erstiegen? Der Zeigefinger dieser erzenen Riesin ist 
92 cm lang. In ihrem Kopf haben mehrere Personen Platz. 

2. Sdiau einmal die Säulenhalle genau an! 

3. Male ein Bilddien vom Oktoberfest! 

4. Sdiiditl war ein bekannter Aussteller auf der Festwiese. 

5. Das erste Oktoberfest wurde 1810 abgehalten. Anlaß war die Hodizeit des 
Kronprinzen Ludwig (des späteren Königs) mit der Prinzessin Therese. 

6. Mit dem Oktoberfest ist audi eine landwirtsdiaftlidie Ausstellung verbunden. 

7. Audi droben in den Hallen des Ausstellungsparkes geht es von Zeit zu Zeit lebhaft 
zu! Warum? 

8. Lies im Lesebudi 5./6. Sdiuljahr: „Wie das Haupt der Bavaria gegossen wurde." 

Im Krankenhaus 

Seit gestern fehlt der Banknachbar des Sepperl. Schon vorgestern hat er 
plötzlich gejammert, daß er Bauchweh hätte, und in der Pause ist ihm sogar 
schlecht geworden. Ganz käsweiß war er im Gesidit, aber die anderen lachten 
ihn trotzdem aus. Heute ist ihnen jedoch das Spotten vergangen, wie die 
Mutter des Sepperl herinnen war und dem Lehrer gesagt hat, daß er im 
Haunersdien Kinderspital liegt und am Blinddarm operiert worden ist. 
Gleich am Nachmittag machen sidi seine drei Spezi auf, um ihn zu besuchen. 

Es ist ihnen nicht ganz wohl dabei; denn in einem Krankenhaus darf man 
nicht lärmen; außerdem riecht es so abscheulich nach Doktor. Der Pförtner 
verrät ihnen den Saal, wo der kleine Kranke liegt. So kommen sie zum Sepperl 
ans Bett. Ein bisserl verlegen grinsend, weil der gar so geschreckt und blaß 
in den Kissen liegt, treten sie näher. 

„Hat's arg weh getan?" meint der Gustl, „wie s' dir den Bauch aufg'schnit- 
ten hab'n?" — »Dös hab i alles net g'spürt", sagt der Sepperl ganz leise. 
„I weiß nur no, daß mi zwei Sciiwestern auf einen Tisch im Operationssaal 
g'legt habm, dann hab i a Tlicherl vor den Mund kriegt und laut zähl'n 
müssen. Bis fünf bin i komma, dann war i weg. Und wie i wieder auf g'wacht 
bin, war i in dem Bett und hab den Bauch einbunden g'habt. Mei' Mama is 
daneb'n g'standen, hat mi g'streidielt und g'sagt: Schau, Pepperl, jetz is alles 
vorbei. Bis in vierzehn Tag' kannst scho wieder mit deine Freund zum 
Schussern gehn! — " 

Der Max richtet einen schönen Gruß vom Lehrer aus. Der läßt ihm sagen, 
daß er ihn morgen besuchen wird. Dann erzählt er ihm vom Alisi, dem 
gestern nachmittag ein Mordstrumm Mauer ins Auge geflogen wäre, als er 
beim Sdiutträumen dem Bagger zuschaute: „Heute früh is er in d' Augen- 
klinik g'fahrn. Die is glei neben der Poliklinik, wo mir zwei damals war'n, 
wie du Ohrenweh g'habt hast und i nimmer schlucken hab können." 

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Während die drei miteinander plaudern, betritt eine weißgekleidete 
Schwester den Saal und sagt: „So, die Besuchszeit ist aus!" Da wünschen die 
zwei dem Sepperl recht gute Besserung, legen ihm geschwind eine Tafel 
Schokolade auf die Bettdecke und drücken sich zum Saal hinaus. Hoffentlich 
ißt der Sepperl sein Geschenk nicht auf einmal auf, sonst kennte das Bauch- 
weh wieder von vorne angehen! 

I. Wo sind die großen Krankenhäuser Mündiens? — Wie sdireibt man sie? 
1. Wo ist deine nädiste Apotheke? Wie heißt sie? Kennst du audi die benadibarten 
dem Namen nadi? 

3. Wo wohnt der nädiste Arzt? Wie heißt er? Weldie Fernspredinummer hat er? 
Warum sollst du das wissen? 

4, Welche Ärzte kommen in die Sdiule? 

j. Weldie Krankheiten sind für dich die gefährlidisten? 

6. Es gibt audi eine Schulkrankheit, die kein Arzt heilen kann. Man verdummt 
dabei. Wie heißt sie? 



Rund um das Stephanskirchlein 

. Unweit des Sendlinger Tores steht ein Kirchlein hinter Gitterzaun und 
Friedhofsmauer. Selbst seine Bimmelglocke im Dadireiter kann nicht über die 
Größstadthäuser der Nachbars^chafl hinwegschauen. Es ist das bescheidene 
Kirchlein zum heiligen Stephan. Diesen hatten die Heiden mit Steinen tot- 
gemartert. Weil die Rosse zeitlebens mit den Hufen steinige Wege traben, ist 
Sankt Stephan der Sdiutzheilige der Pferdehalter geworden. 

Alljährlidi am Stephanstag strömten Bauern und Fuhrleute, Kutsdher und 
Reiter mit ihren Pferden auf dem Stephansbergl zusammen. Die feinen Reit- 
tiere wie die schweren Arbeitsgäule wurden von den Besitzern oder Knech- 
ten um die Kirche herumgeritten. Der Heilige sollte für die Rosse bitten, daß 
sie vor Krankheiten bewahrt blieben und die groben Steine den Hufen nicht 
Schaden brächten. Da war kein Tier im festlichen Umzug, das nicht farbige 
Bänder und Strohzöpfe in Mähne und Schweif gefloditen hatte. So bot der 
Stephansritt für die vielen Zuschauer einen schmudcen Anblick. 

Der Friedhof war lange Zeit der einzige Gottesadcer unserer Stadt. Be- 
kannte und berühmte Bürger fanden hier ihre letzte Ruhe. In Ehrfurcht 
stehen wir vor ihren Gräbern und Grüflen und denken daran, was sie der 
Stadt und der Welt geschenkt haben. 

Die Baumeister Klenze und Gärtner erbauten die Ludwigstraße und den 
Königsplatz. Unvergeßlich sind die oberbayerischen Dichter Kobell und 
Stieler. Die heiteren Reime von Friedrich Gull erfreuen jedes Kinderherz. 
Die Bilder aus dem alten Mündien und dem Märchenland von den Malern 
Spitzweg und Schwind sdimücken Bücher und Wohnstuben. Senefelder erfand . 
den Steindrudi. Sdiwanthaler formte die riesige Bavaria. Über die Witze des 

56 



Lohnkutsdiers Krenkl haben Könige und Bürger geladit. Die Brauer Pschorr 
und Zadierl machten durch ihr gutes Bier München in aller Welt bekannt. 
Im Krankenhaus links der Isar wirkten die Ärzte Nußbaum und Lindwurm. 
In Massengräbern verscharrte man die letzten 1200 Opfer der Pest. Ein 
"Weihbrunnen ist jenen 800 Bauern gewidmet, die Weihnachten 1705 vor dem 
Sendlinger Tor gefallen sind. — Mögen sie in Gottes Frieden ruhen! 

Durch den südlichen Ausgang schauen die Antoniuskirche und das Kapu- 
zinerklösterl herein. An seiner Pforte reichen die Klosterbrüder den Armen 
Suppe und Brot. Am nahen Glockenbach hatte ein Glockengießer seine Werk- 
statt. Die Holzstraße entlang war die obere Lände. Da legten die Isarflößer 
an, wenn sie ihr Holz in der oberen Stadt verkaufen wollten. Am Ufer 
stapelten die Holzhändler Baumstämme und Scheiter zu hohen Stößen auf; 
denn die Münchner feuerten ihre behaglidien Kadielöfen nur mit Holz. 

Heute liegt das Totenfeld mitten in der Großstadt. Längst ist es zu klein 
für die vielen Mensdien, die Gevatter Tod heimholt. Am Stadtrand sind neue 
Friedhöfe entstanden. Wenn die Münchner am Allerheiligentage die ge- 
schmückten Gräber besudien, dann pilgern sie auch zum Stephanskirchlein. 
Die Liebe zur Heimat läßt uns die großen Toten nidit vergessen. 

1. Weldier Friedhof liegt deiner Wohnung am nächsten? 

2. Zeidine ein Grab zur Allerheiligenzeit! 

3. Wie zeidinet man einen Friedhof auf dem Plan? 

4. Welche Bäume, Sträudier und Blumen hat der Friedhof? 
j. Wo werden die Toten bis zur Beerdigung aufgebahrt? 

6. Haben die genannten Berühmten eine Straße? 



Alter Grabspruch 

Allhier lieg idi im Rosengarten, 
tu auf meine lieben Kinder warten. 
O Mensch, kurz ist die Lebenszeit! 
Drum sei stets zum Sterb'n bereit, 
daß kommt der Tod nit also schnell, 
ehe du versorgt hast deine Seel! 
Der idi jetzt bin, wirst du auch werden. 
Wir sind nichts als Staub und Erden. 
Bitt für midi, bitt ich für dich! 
(Insdirift auf dem früheren Salvatorfriedhof) 




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1. Weldie Inschriften liest man heute auf den Grabsteinen der Friedhöfe? 

2. Wenn jemand verunglückte, dann setzte man an der Unfallstelle eine Gedächtnis- 
tafel, weldie an die Marter erinnert, die der Sterbende ausstand. Sie heißt darum 
auch Marterl. 

Auf der Reichenbachbrücke 

"Wenn ich über die Isarbrüdce gehe, halte idi gerne eine kleine Rast. Idi 
lehne mich ans steinerne Geländer und sdiaue zur Isar hinunter. Je länger idi 
ins strömende Wasser starre, desto mehr glaube ich auf einem Schiff zu sein, 
das auf der grünen Isar dahinschwimmt. Schäumend brechen sich die Wellen 
an den Pfeilern wie am Bug eines Dampfers. Aber alles ist nur Täusciiung. 
Denn die Brücke steht fest, und das, was dahinsaust, ist unsere rasche Isar. 

Ist das Wasser klar, so erkennt man die Kieselsteine auf dem Grund. 
Unsere Isar kann aber audi furchtbar wild sein. Dann stürzen die schmutzigen 
Wellen daher und schlagen an die Brücke, daß einem angst werden könnte. 
Vor mehr als hundert Jahren riß der Bergstrom sogar steinerne Brücken um, 
wobei viele Menschen ertranken. Am liebsten würde das Hochwasser über die 
Böschung und Mauer steigen, aber das breite Hodiwasserbett mit seinem 
Damm am rechten Ufer schützt vor Überflutungen. 

Schon vor der Corneliusbrücke wird der Fluß durch eine Insel geteilt. 
Links ist die große Isar, rechts die kleine. Malerisch hängen die Weiden von 
den Kaimauern herab und tauchen ihre Zweige ins wogende Wasser. Den 
Fluß entlang und über die Brüdcen herrscht lebhafter Verkehr. Eben begegnen 
sich zwei Straßenbahnen auf der Brücke. Viele Auto, Fuhrwerke und Fuß- 
gänger benützen sie zur gleichen Zeit. Wie fest müssen die Pfeiler und Bögen 
gebaut sein! Patsch! Ein zottiger Foxl ist in die Isar gesprungen. Schnell reißt 
sie ihn mit, aber er schwimmt heraus und schüttelt sich tüchtig ab. 

Drüben am linken Ufer führt eine Allee von der Witteisbacherbrücke bis 
zum Englischen Garten hinunter. Früher war dieses Gelände flach und so 
schwemmte die Isar oft über die Wege. Darum mußte das Flußbett tiefer ge- 
graben und der gewonnene Kies auf das Ufer geschüttet werden. Das Bauen 
auf diesem lockeren Grund war mühsam. Dort steht das Turmpaar der 
Maximilianskirdie. Lange genug suchte der Baumeister, bis er in dem an- 
geschwemmten Geröll eine Stelle fand, welche die Riesen tragen wollte. Auch 
in der Auenstraße senkten sich die Häuser, weil der junge Kiesboden keinen 
Halt bot. Die neuen Bauten jedoch stehen auf festen Füßen. Sieh nur das 
Deutsche Museum dort, mitten in der Isar! 

1. Wie heißen die Münchner Isarbrücken? 

2. Wo fährt die Eisenbahn über die Isar? 

3. Welche Straßen an der Isar sind nach bedeutenden Bürgermeistern benannt? 

4. Wohnst du links oder rechts der Isar? 

5. Zeichne eine Brüdke! 

6. Stell das gesamte Isarbett bei der Relchenbacfabrüdke im Sande dar! 

S8 



Im Deutschen Museum 

Seit einer Woche haben wir Besuch vom Lande. Unsere Tante aus Lenggries 
und ihre beiden Kinder wollen die Stadt München kennen lernen. Alle Tage 
liefen wir anderswo hin. Heute ist ein verregneter Sonntag. "Ehrend die 
Mutter kocht, sitzen wir auf dem Diwan. Der Vater zeigt uns Ansiditskarten 
und schaut alle Augenblicke zum Fenster hinaus: „Na, nix is 's mit dem 
Hundswetter! I renn doch net mit dem Regensdiirm am Starnberger See 
umeinander." Meiner Mutter kommt ein guter Einfall: „No, Vater, geh halt 
ins Deutsche Museum mit den Kindern, dann sehn s' und lernen s' was!" 
Freudig stimmen wir bei und nach dem Mittagessen wandern wir vier zur 
Ludwigsbrücke. 

Gleich beim Aussteigen aus der Trambahn wird der Vater gesprächig: „So, 
jetzt san ma auf der Kohleninsel. Den Namen hat die Insel g'habt, bevor 
das Museum baut worden is. Um die frühere Isarkasern und die alten 
Schupfen, wo s' da abbrochen hab'n, is wirklich net sdiad. Bei der Brunnen- 
anlage auf der andern Seite war'n vorher die greußlichen Hütten und der 
Kalkofen auch kei' Zierde für die Stadt." 

"^r spazieren die Uferstraße an der Isar entlang. Mein Bäslein schaut auf 
die Turmuhr. „Na, Annerl, die Uhr'n vom Museum zeig'n kei' Zeit", erklärt 
mein Vater. Die sagen uns, wie warm es ist, welcher "Wind weht und wie 
stark die Luft auf den Boden drückt. Das Annerl und mein kleiner Vetter, 
der Franzi, haben alles verstanden; die gehen schon in die Oberklasse. "Wir 
betreten den Bau für die Sammlungen. Der Vater zahlt und sagt: „So, als 
erstes schaugn ma 's Bergwerk an; dös is was für euch!" 

Voll Neugierde steigen wir zum Untergeschoß hinunter. Über dem Eingang 
sind zwei gekreuzte Hämmer. „Glüdc auf!" "Wir treten in den dämmerigen 
Stollen. Pechschwarz sind die "Wände. Die Ded^e ist mit Balken abgestützt 
und so niedrig, daß sidi ein großer Mann bücken muß. Grubenlichter geben 
spärliches Licht. Oh, jetzt bin idi erschrocken! Zwei rußgesdiwärzte Hauer 
arbeiten in einem Flöz. Ich hatte die Bergleute für lebend gehalten, aber es 
sind nur mannsgroße Puppen. Ein Förderzug mit kleinen "Wagen, den Hunten, 
steht auf Schienen. Durch eine Luke sieht man in den Pferdestall. Der Franzi 
hat den Gaul für einen echten angeschaut. Dort ist eine Rutschbahn. Hurtig 
sausen wir hinunter. Wir gucken in einen Sciiadit. Darin hängt ein Förderkorb 
an einem dicken Seil. 

Nachdem wir eine Stunde im Kellergesciioß umherstamperten, sagte mein 
Vater: „I mein', jetzt habt's g'sehn, wie's in einem Bergwerk zugeht. Damit 
ihr zwei Lenggrieser die Stadt auch einmal von oben seht, steig'n ma no 
auf den Turm." 

„"Weil nur die Regnerei aufg'hört hat! Jetzt zeig* i euch alles nomal so gern. 
Der lange Bau da drunten is das Deutsche Museum. Droben an der Cornelius- 

59 



brüdi'n fangt's an und vor der Ludwigsbrück'n hört's auf." "Wie einSchifF in 
der Isar scliaut die Insel aus. Die Brücken sind die Stege, die sie mit den 
Ufern verbinden. Unter uns ist der Bau für die Sammlungen. „"Wennst einmal 
größer bist, dann hat's mehr Sinn, daß ma alles ansdiaun", sagt der Vater 
und erklärt weiter: „Die Halle bei der Corneliusbrüdi'n hab'n s' zuletzt 
baut. Da könnts die ersten Fahrradi und Automobilkutschen bewundern. Die 
Großmutter von unserer Trambahn und der Stammvater von der Dampf- 
lokomotiv san audi ausg'stellt. Unter der gerippten Kuppel is die Sternwarte. 
Durdi den Dadisdilitz streckt grad das Fernrohr seine glitzernde Nas'n 'raus. 
Vorn im Neubau gibt's Bücher, Zeichnungen und Pläne zum Studier'n." 

An der Ludwigsbrücke wurlt es vor Menschen. Die kommen aus dem vier- 
eckigen Steinkasten. "Wahrscheinlich ist im großen Saal eine Versammlung 
gewesen. "Wir schauen zur Isar hinunter. Grau und wild ist sie heute vom 
Regenwasser. „Ah, 's Gebirg!" rufl das Annerl vor Freude. „Der hohe, zak- 
kige Berg dort is die Zugspitz. Links in der Mulde is mei Heimat, das Isar- 
tal." "Wir halten noch Auschau über die Altstadt und zu ihren Türmen. Ganz 
genau besichtigt der Vater das Gewirr der Dächer und Mauern. Bevor wir 
den Turm verlassen, lädielt er und meint: „Ja, ja, schön langsam wird's sdion 
wieder, unsere Mündiner Stadt!" 

1. Das Deutsche Museum ist Mündiens größtes Gebäude. Vergleiche seine Länge 
auf dem Stadtplan mit einer dir bekannten Straße! 

2. Im Jahre 1906 wurde der Grundstein des Museums durdi den Kaiser gelegt. 

3. Sein Turm ist 63 m hodi. 

4. Seine Sammlungen zeigen, wie der Mensdi die Natur besiegt und ihre Kräfte 
ausnützt. Es Ist ein Museum der Technik. 

5. Der "Weg an allen Sdiaustücken vorbei ist i j km. Wie lange brauchte man dazu, 
wenn man nur durchginge? Kannst du dir vorstellen, daß man alles an einem 
Tage ansdiaut? 

6. Betradite die Uhren am Turm des Museums und die Sonnenuhr über dem 
Einfahrtstor! 

7. Fertige eine Skizze von der Insel und Ihren Brüdien an! 

8. Der Schöpfer der Sammlungen war Oskar von Miller. 



Auf der Praterlnsel 

Hinter dem Vater-Rhein-Brunnen führt ein langer Steg von der Museums- 
insel zur Praterinsel. In gewaltigen Triften stürzt das Überwasser der großen 
Isar unter dem Steg zum Nebenbett hinunter. Hu, ein dicker Prügel kommt 
dahergeschaukelt! Die Strömung reißt ihn zum Gefälle und er schießt unter 
den Steg. Jetzt verschwindet er in einem Strudel, taucht auf, geht nochmals 
unter und gleitet weiter abwärts auf dem "Wasserspiegel. "Will er bis in die 
Donau schwimmen? 

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Drunten sitzt ein Fischer und wirft seine Angel aus. Eine Kindersdiar 
wartet gleich ihm auf einen glüdilidien Fang. Pst, die Schnur zuckt! "Wirklich, 
da hängt er sdion, der zappelnde Fisdi! Der Fischer versudit es ein zweites 
Mal. Oho, schon wieder einer! Nein, diesmal baumelt nur eine verrostete 
Büdise am Angelhaken. Alle Zuschauer lachen. Der Fischer jedoch sagt: „Hab 
mir's do denkt, daß 's net so schnell geht. Früher, da war's v/as anders. Aber 
die guten Zeiten, wo man Hudaen mit 30 Pfund 'rauszogen hat, san vorbei. 
Jetzt san ma bloß no Schnürl wascher." 

Früher herrschte auch auf der Insel ein frohes Leben. Hier war der Prater. 
Heute ist es still auf der kleinen Insel. Die kurze Mariannenbrücke und der 
schmale Kabelsteg verbinden sie mit den Ufern. "Wie ein kleiner Bruder läuft 
der Auer Mühlbach neben seiner großen Schwester, der Isar, her. Ein eiserner 
Steg führt den Spaziergänger über den Bach in die Gasteiganlagen. Drunten 
in der Kleinen Isar patschen an heißen Tagen Kinder herum. Sie ziehen Rinn- 
sale in die Kiesbänke oder wagen sich gar ins Tiefe. Leider ist die Isar ein 
gefährlidier Spielplatz. Darum geh zum Schwimmen lieber ins schöne Volks- 
bad, das dort am Ufer auf die Münchner Wasserfreunde wartet! 

1. Der Vater-Rhein-Brunnen stand früher in Straßburg am Rhein. Die erzene 
Brunnenfigur stellt einen Flußgott dar, der sich auf seinen dreizadiigen Stab stützt. 

2. Nidit jedermann darf in der Isar fischen. Dazu ist eine Fisdierkarte nötig, welche 
eine Gebühr kostet. 

3. Zeichne einen Steg! 

4. Erkläre den Namen Kabelsteg! Bei weldier Gelegenheit kannst du Kabel sehen? 
j. Der Prater war eine Vergnügungsstätte. 

Im Volksbad 



„Wasch dich fei sauber, Franzi, und hupf net ins Tiefe 
'neu" So mahnt mich die Mutter, steckt mir noch ein 
Bündel mit Handtuch, Badehose und Seife unter den Arm 
und befiehlt, daß idi zum Mittagessen zurüde sein soll. 

Hu, ein riditiges Weihnachtswetter! Dicht wirbeln die 
Flodien. Der Nordwind bläst ;nir eisig ins Gesicht. Ich 
steige in die Straßenbahn und fahre bis zur Ludwigs- 
brüdke. Gleich steuere idi auf das Volksbad zu. An der 
Kasse löse ich eine Eintrittskarte, dann suche ich den Aus- 
kleideraum im Oberstodi. Der Bademeister nimmt meine 
Karte ab und sperrt mir dafür ein Kästchen auf. Schnell ziehe idi mich aus 
und hänge jedes Stüdt ins Schränkchen. Beinahe hätte idi die Sdiuhe ver- 
gessen. Ich merke mir die Nummer der Ablage und drücke das Türchen ins 
Schloß, Jetzt geht es hinunter in die Schwimmhalle. Hier ist's angenehm 
warm. Man kann gar nicht glauben, daß tiefster Winter ist, wenn alles in 
der Badehose herumspringt. 




6i 



In der großen Nische befindet sich der Duschraum. Ich wasdie meine Füße 
sauber, hernadi stelle ich mich unter eine der vielen Brausen. Ha, wie warm 
die feinen Wasserstrahlen auf den Körper herniederrieseln! Ich seife midi ein, 
daß ich wie ein Zuckermandl ausschaue. Mit Vergnügen drehe und wende ich 
mich in dem warmen Regen. Jetzt laufe ich zum großen Schwimmbecken. 
Wunderschön blau sieht das Wasser aus. Erst trete ich unter die eiskalte Brause. 
Hui, das sticht wie tausend Nadeln! Mit einem Sdiwung hüpfe ich ins klare 
Wasser. Ganz wohlig warm kommt es mir vor. 

Ei, wen sehe ich da? Mein Freund, der Becker Hansl, kommt im Hunds- 
tapper auf mich zugesdiwommen. Gleich waten und plätsdiern wir gemein- 
sam im Wasser und bespritzen uns unter lautem Gejuchze. An einem langen 
Drahtseil hängt ein Bub, zappelt im Wasser und schiebt ein Brett vor sich her, 
„Der lernt das Schwimmen", sagt der Hansl. Der Bademeister steht am Ufer, 
packt seinen Schüler mit einem Gabelstock beim Gürtel und zählt dazu: 1-2-3. 
Drüberhalb des Sperrseiles tummeln sich die Geübten im Tiefen. Ich möchte 
es auch so können, aber mir fehlt die Schneid. Eine kurze Weile leiht mir der 
Hansl seinen Schwimmgürtel aus Kork. Ich binde ihn um die Brust. Unter- 
gehen kann ich jetzt nicht mehr, aber ich bleibe trotz aller Anstrengung auf 
dem gleichen Fledc. 

Allmählich bekomme ich vom vielen Wasserplantschen eine Ganshaut, 
blaue Lippen und runzelige Finger. „I mag aa nimmer", schreit der Hansl 
und wir sausen die Treppe empor zum Ankleiden. „Da geht's her, ihr zwei 
blaue Zwetschgenmandl!" sagt der Bademeister und reibt uns mit dem Hand- 
tuch tüchtig ab. Rasch ziehen wir unsere Kleider an. Jetzt fühlen wir uns 
wieder wohl in unserer Haut. Ich spüre einen richtigen Hunger und freue 
mich riesig auf meine Dampfnudeln. Als meine Mutter daheim die Türe 
öffnet, lacht sie voll Freude: „Mei, is dös a sauberer Bua!" „Gell, Mutter, und 
g'schwommen bin i aa", entgegne ich stolz darauf. Die Mutter schmunzelt 
bloß und sagt: „Ja, wie a bleierner Fisch!" 

1. München besitzt ein zweites Hallenbad. "Wo ist es? Im Volksbad ist für die 
Mäddien und Frauen eine eigene Sdiwimmhalle. 

2. "Wo baden die Mündiner im Sommer? 

3. "Welche Flüsse speisen die Mündiner Badeanstalten? 

4. Frag einen Oberklässer, wo er das Schwimmen lernt! 

5. Der Arzt Karl Müller hat das Volksbad der Gemeinde München geschenkt. 



62 



Die alte Lände 

Wo an der Steinsdorfstraße die evangelisdae Lukaskirdie ihre Kuppeln 
emporredet, ging es früher lebhaft zu. Damals waren die Ufer fladi und so 
konnten hier die Flöße anlegen. Weil es keine Eisenbahnen gab, war die 
Floßlände der Bahnhof des alten München. Da landeten oftmals bis zu 
hundert Flöße an einem Tag. Sie kamen aus der Tolzer Gegend und etlidie 
fuhren auf der Isar weiter bis zur Donau und auf dieser sogar bis Wien. 

Nadi der langen Fahrt hatten die Flößer Hunger und Durst bekommen 
und so kehrten sie nebenan beim Grünbaumwirt ein. Da saßen die Ober- 
länder in der Lederhose, das sdineidige Hütl auf dem Kopfe und die lange 
Pfeife sdimaudiend. Lustig spielten die Zithern, Hadtbretter und Harfen 
auf und die Floßknedite tanzten ihre Schuhplattler dazu, daß der Boden 
wackelte. 

Nach Feierabend kamen dann die Bürger, Künstler und Studenten aus der 
Stadt und setzten sich zu den zünftigen Flößern in die Wirtsstube oder in den 
Biergarten. Auch der leutselige König erschien beim Grünbaumwirt. Das 
war ein fideles Leben vom Frühjahr bis in den späten Herbst hinein. Seither 
haben die Münchner, wenn es irgendwo recht fröhlidi zugeht, den Spruch: 

„Da mödist glei Greabaamwirt wern!" 

1. Lies die Gedenktafel am Haus Steinsdorf Straße 14! 

2. Wo ist heute die Floßlände? 

3. Ein Floß bringt 40 bis 60 Baumstämme. Dazu bräudite man 2 Güterwagen der 
Eisenbahn. 

4. Der Weg von Lenggries bis Mündien (70 km) wird in etwa 7 Stunden zurüde- 
gelegt. "Wieviel Kilometer läuft die Isar in i Stunde? 

5. Lies die Erzählung von der heutigen Floßlände! 



Im Lediel 

Hinter dem alten Hofbräuhaus war einmal die Stadt zu Ende. Außerhalb 
des Wurzer- oder Kosttores wucherte ein buschiger Auwald mit Sümpfen 
und Rinnsalen. Er war keine große Loh (so sagte man damals statt Wald), 
sondern nur ein Löhel, ein Lechel. Heute ist das Lechel mit Häusern und 
Straßen bededct und liegt inmitten der Stadt. Es beginnt hinter der Herrn- 
straße und zieht sich längs der Isar hinunter zum Englischen Garten. Weil 
das nahe Lechel von der Altstadt aus bequem zu erreichen war, entstand dort 
ein Gewirr von Herbergen und Wurzgärten. Den meisten Boden besaß der 
Graf von Tattenbach. 

Die Isar und etlidie Bäche trugen dazu bei, daß das Lechel eine nasse 
Gegend war. Seine Bewohner hatten viel mit Wasser zu tun und so wurden 

63. 



sie die Lechler Pantscher geheißen. An der Floßlände standen die Lechler 
in der Isar und rissen die Baumstämme auseinander. Um das Brennholz aus 
den Bergen noch billiger in die Stadt zu bringen, ließ man die Scheiter audi 
lose auf der Isar hinunterschwimmen. Am Abredier bei der jetzigen Maxi- 
miliansbrücke pantsditen die Lediler im Fluß herum und stießen das Holz 
mit Stangen in den Triftkanal. Darin trieb es weiter bis zu den "Weihern des 
Holzgartens. 

Eines Tages war es aus mit dem Wasserpantschen. Die Bürger kauften das 
nasse Brennholz nicht mehr und sdiimpften über die Schäden, welche das sich 
aufstauende Holz den Ufern zufügte. Die neuen Dampfrosse nahmen den 
Flößern und Triftern nach und nach die Arbeit ab. Die Floßlände wurde ver- 
legt und der Triftgraben zugeschüttet. 

Das Lechel war auch das Mühlenviertel. Man mahlte dort Getreide, Gips 
und Gewürze. Die Sägmühlen zersclmitten das Holz zu Balken und Brettern 
und die Papiermühlen schleiften es zu Papier. Gesellige Wirtsdiaften luden 
zu Gast: der Grünbaumwirt und das Ketterl, der Jägerwirt und die Arche 
Noah. In diesen Bierstuben saßen die Lechler von der Stern-, Hexen-, Bad-, 
Bruder- und Mühlgasse und zediten mit den durstigen Gesellen der Hammer- 
schmiede und den MüUerbursdien. 

Drunten am Gries, wo die Häuser des unteren Lechels im groben Sand- 
boden stehen, breiteten sich weite Bleichwiesen aus. Die Waschermadl pantsch- 
ten audi von früh bis spät und stärkten die blütenweiße Wasche der Stadt- 
damen. In den Wirtschaften zum Himmelreich und Paradiesgarten spielten 
zünftige Bläser zum Tanze auf. So war das Lechel eine beliebte Vorstadt. 

Vor hundert Jahren beherbergte das Lediel schon eine stattliche Zahl von 
Mensdien. Aber das lustige Völklein hatte es noch zu keiner Kirdie gebracht. 
Nun schickte der Kurfürst etliche Mönche zur Seelsorge. Die bauten ein 
Klösterl und bepflanzten einen sauberen Wurzgarten. Damit das armselige 
Viertel auch ein Schmuckkästlein besäße, legte die Kurfürstin den Grundstein 
zur Klosterkirche. Das Klösterl gehört jetzt den Franziskanern, das Kirchlein 
verlor im Kriege seine ganze Schönheit. 

Der Sankt-Anna-Platz gilt heute als der Hauptplatz des Lechels. An der 
Stelle der neuen Pfarrkirche befand sich das Hofbad. Darum hieß die Pfarr- 
gasse große Badgasse. Mitten durch die Wurzgärten ließ König Maximilian 
eine Prachtstraße bauen. Damals schütteten die Arbeiter soviel Kies auf, daß 
die abzweigenden Straßen seitdem bergab ins Lechel führen. 

Würdest du heutzutage einen alten Lechler durch seine Heimat führen, 
dann bliebe er mancherorts verwundert stehen. Daß aber die Regierung bei 
den Lechler Pantschern Einzug halten würde, das hätte er nicht einmal zu 
träumen gewagt. 

I. Was verraten die Straßennamen: Kanalstraße (Festung Mündien), Pfarr-, Gewürz- 
mühl-, Bruder- (Kloster), Stern-, Tattenbach-, Wurzer-, Hiramelreidi- und Para- 
diesstraße? 

64 



2. Welche Mühlen sind heute im Lediel? 

3. Lies die Erzählungen von der alten Lände und von den Isaranlagen! 

4. Welche öffentlichen Gebäude sind in der Maximilianstraße und im Lechel? 

5. Wo steht das Denkmal für König Max den Zweiten? Zu seinen Füßen sitzen vier 
eherne Figuren: Friede, Weisheit, Gerechtigkeit und Stärke. Kannst du sie 
unterscheiden? 

6. Welche Denkmäler sind außerdem im Lechel? Schreib' die Namen von den 
Sockeln ab! 

7. Welche Straßenbahnen verkehren durch das Lechel? 

8. Welche Schulen sind im Lechel? 

9. München besitzt heute acht Mühlen. 



In den Isaranlagen 

Vom Nikolauskirchlein am Gasteig bis hinunter zur Bogenhauser Brücke 
sind herrlidie Anlagen. Darin gehe idi gerne spazieren. Ruhige Wege durch- 
ziehen den Park. Hier und dort laden Bänke ein zur Rast im Grünen. Im 
Geäst der alten Bäume schmettern lustige Finken und traulich nähern sich 
piepsende Meisen. Ein Dackel rennt mit einem Spitz! um die Wette und sie 
kugeln und balgen sich im Rasen. 

Gemächlich wandere ich weiter und stehe vor einer hohen Ringmauer. Auto 
und Straßenbahnen fahren in einem weiten Bogen den Berg herauf. Droben 
auf der Höhe überragt ein Bau die ganze Umgebung: das Maximilianeum. 
König Maximilian hatte es für seine Edelknaben und begabte Studenten ge- 
schaffen. Heute ist darin der Bayerische Landtag untergebracht. 

Wegen der Aussicht steige ich die Auffahrtsstraße empor. Vor mir liegen 
die beiden Brücken. Sie führen über die schmale Praterinsel zur Maximilian- 
straße und hinein zur Stadtmitte. Ich kann es gar nicht fassen, daß unten 
Auen und Sümpfe waren, ehe der König zu bauen begann. Dort ist sein 
Denkmal inmitten der verkehrsreichen Straße. Eine breite Allee schließt sich 
an. Die langen Gebäude mit den hohen Fenstern sind öffentliche Bauten: 
redits die Regierung von Oberbayern, links das Museum für Völkerkunde. 
Von der Kreuzkirche bis zur Kuppel der Theatinerkirche erkenne ich alle 
Türme der Stadt. 

Nun setze ich meinen Weg jenseits des Maximilianeums fort. Hier sind die 
Anlagen am schönsten. Ein steinernes Brücklein schwingt sich über ein Wiesen- 
tal. Einmal mag darin ein Bächlein zur Isar hinabgeflossen sein. Mein Weg 
krümmt sich den Hang entlang. Ich höre ein leises Plätschern. Sieh, ein paar 
frische, klare Quellen treten aus den Felsen hervor! Hurtig rinnen sie den Berg 
hinab und ergießen sich in einen zierlichen Teich. 

Langsam schlendere ich durch den Park und denke mir dabei: Wenn ich nur 
so einen Teich vor meinem Hause hätte! Der müßte voller Goldfische sein 
und auf seinem Spiegel würde ich weiße Schwäne schwimmen lassen, wie ich 
sie im Nymphenburger Park gesehen habe. Hup! Schier hätte mich ein Auto 

5 Heimatbuch 65 



überfahren, denn ich befinde mich mitten auf der Prinzregentenstraße, die 
hier die Anlagen kreuzt. So hätte mein Träumen beinahe ein schlimmes 
Ende gefunden. 

1. Woher die Quellen stammen, kannst du erraten. Woraus besteht der Boden im 
Mündiner Osten? Wer läßt das Wasser nidit mehr durchsidiern? Hier am Hang ist 
der Boden durchsdinitten, also kommt das Wasser an den Tag. 

2. Wo sind in Mündien sdiöne Anlagen? 



Beim Friedensengel 

Gestern durfte ich mit meinem Vater das Stadion am Prinzregentenplatz 
besuchen. Auf dem Heimweg kamen wir am Friedensengel vorbei. Der steht 
beschwingt auf einer hohen Säule und hält seinen Palmzweig über die Stadt. 

Von der Anhöhe aus schauten wir zur Isar hinunter. In weiten Kurven über- 
windet die Straße das Gefälle zum Hochufer herauf. Auf zwei getrennten 
Fahrbahnen rennen und rattern die Wagen den Berg herauf und hinunter. Die 
Fußgänger wählen den kürzeren Weg über die Freitreppe. Ein Springbrunnen 
schleudert seinen silbernen Strahl empor. 

Unterhalb der Praterinsel vereinigen sich die beiden Isararme und die 
Prinzregentenbrücke spannt sidi in einem Bogen über das tiefe Flußbett. Auf 
der Prinzregentenstraße sausen die Auto dahin und ihre Scheiben glitzern in 
der Sonne wie Scheinwerfer. Das Prinz-Karl-Haus schließt diese Prachtstraße 
am anderen Ende ab. Das Nationalmuseum und das Haus der Kunst stehen 
am Rande des Englischen Gartens. 

Als mir mein Vater dies alles gezeigt hatte, stiegen wir die Steintreppe 
hinunter. Dann nahm mich der Vater bei der Hand und führte mich zur 
Brücke. „Die ham s' audi schon zweimal baut", wußte mein Vater. „Die 
erste Brück'n is an der gleichen Stell' net lang g'standen, da hat s' d' Isar 
mitg'rissen in dem Jahr, wo i auf d' Welt kommen bin." 

Zum Abschluß unserer Stadtwanderung führte mich mein Vater zu einem 
Bildnis aus Stein, nahe dem Brückenkopf. Es stellt einen gebückten Riesen dar, 
der auf seinen Schultern das Christkind trägt. Während wir auf die Straßen- 
bahn warteten, erzählte mir der Vater vom heiligen Christophorus, wie jener 
riesige Ferge die Menschen ans jenseitige Ufer getragen hatte, ehe esBrüdken gab. 

1. Besudi die Praterinsel an ihrem unteren Ende! Es ist ein lieblidies Eiland mit 
einem Denkmal für den Märdienmaler Moritz Sdiwind (Schwindinsel). 

2. Sdiau nadi, wo der Auer Mühlbadi in die Isar mündet! 

3. Betrachte die innere Maximiliansbrücke! Du wirst dort eine Flc-ßtenne sehen. Das 
Bildnis des heiligen Johannes von Nepomuk steht auf der Mauer im Fluß. 
Dieser Heilige ist der Schutzpatron der Flößer und Brüdicnbauer. 

66 



Von der Einöde zur Großstadt 

"Weißt du, wie aus dem winzigen Munidien die Großstadt Mündien ent- 
standen ist? Als Einöde ersdieint uns die besdieidene Niederlassung der 
Möndie auf dem Petersbergi. Ein verlassenes Dörfchen mag der Ort ge- 
wesen sein, bis Heinridi der Löwe die belebte Salzstraße hinführte, seine 
Burg gründete und ihn zu einem Markte erhob. Unter den Herzögen 
baute die Gemeinde ihre erste Ringmauer. So ward Munichen ein Städt- 
chen. Kaiser Ludwig der Baier erweiterte es durdi eine neue Mauer und 
schenkte seiner Stadt die schönen Tore und Türme. 

Zur Zeit der Kurfürsten trotzte München als starke Festung. Ein hoher 
Zickzackwall und ein tiefer Wassergraben außerhalb der alten Mauer bildeten 
die neue Schanze^ Als München zur königlidien Hauptstadt eines neuen, 
größeren Bayernlandes erhoben wurde, brauchte es abermals Platz. Man riß 
deshalb alle Schutzmauern nieder, schleifte die unbequemen Wälle, schüttete 
die Gräben zu oder überdeckte die Wasserläufe. Die Wehranlagen waren 
schon lange nutzlos und den Münchnern ein Dorn im Auge gewesen. Wären 
um diese Zeit feindliche Kanonen aufgefahren, dann hätten sie mit ihren 
starken, frechen Kugeln von weitem in die Stadt geschossen. An Stelle der 
Befestigungen erstand teilweise ein Gürtel mit Anlagen: der breite Straßenzug 
vom Sendlinger-Tor-Platz bis zum Schillerdenkmal vor der Brienner Straße. 

Unter den bayerischen Königen gilt Ludwig der Erste als der bedeutendste 
Bauherr unserer Stadt. Von der Feldherrnhalle bis zum Siegestor und von der 
neuen Residenz bis zu den Propyläen sind die Straßen und Prunkbauten sein 
"Werk. Auch König Maximilian und Prinzregent Luitpold bereicherten Mün- 
chen durch neue Prachtstraßen. 

Damals, als die Mauern fielen, bauten die Mündiner ihre Häuser und 
Straßen vor die alte Stadt. Man nannte diese neuen Wohnviertel darum Vor- 
städte. Ihre Namen sind heutzutage nur mehr wenig in Gebrauch: Die Lud- 
wigsvorstadt vor dem Sendlinger Tor bis hinaus zur Schwanthalerhöhe, die 
Maxvorstadt mit Ludwigstraße und Königsplatz, die Schönfeldvorstadt am 
Englischen Garten, die Annavorstadt (Lechel) anschließend bis zur Zwei- 
brüdcenstraße und die Isarvorstadt bis zur Thalkirchner Straße. 

Immer mehr dehnte sich die Stadt aus. Sie reichte die Isar hinüber, die 
Hochufer des Gasteigs und der Theresienhöhe hinauf, dann hinaus zum 
Hachinger Bach, zur Wurm, zu den Wäldern und an den Rand der Moore. 
So wurden nach und nach alle naheliegenden Ortschaften unserer Stadt ein- 
verleibt. Sdhon nach den ersten Eingemeindungen beherbergte München 
100 000 Bürger. Damit war es zur Großstadt herangewadisen. Heute 
wohnen in unserer Heimatstadt über 800 000 Menschen. 

67 



Viele Familien verlassen ungern ihr Stadtviertel. Sie bleiben ihr Lebtag 
lang Altstädter oder Auer, Haidhauser oder Truderinger. Wird am Harras 
ein Haus gebaut, so ist dies nur für die Sendlinger ein Ereignis. Das Richtfest 
einer Schule in Giesing beachtet der Schwabinger so wenig wie der Perlacher. 
Bloß die Altstadt, die haben alle Münchner ins Herz geschlossen. Der Wieder- 
aufbau des Marienplatzes berührt ebenso die Riemer und die Lochhauser und 
über das gläserne Trambahnhäusl am Stachus reden auch die Vorstädter. Wenn 
über den beiden Frauentürmen der weißblaue Himmel leuchtet oder die 
Wies'n zum Oktoberfest rufl, dann strahlen sie alle und sagen: „Gott sei 
Dank, daß ich ein Münchner bin!" 



1. Einen Rest des Festungwalles findest du hinter den Hofgartenarkaden an der 
Galeriestraße. 

2. Wo sind die Denkmäler für Herzog Heinridi den Löwen, Kaiser Ludwig den 
Baiern, König Ludwig den Ersten? 

3. Münchens Bodenflädie umfaßt 30 000 Hektar. Darauf hätte die Theresienwiese 
50omal Platz. 

4. Du warst sdion in einem Dorf oder in einer kleinen Stadt. Was gibt es dort nidit? 

j. Betradite den Plan von Groß-München in diesem Buch! Zeichne ein Kreuzchen 
in den Stadtteil wo du wohnst! Wieviele Gemeinden sind eingemeindet? 

6. Suche dein Stadtviertel, dann deine Straße und dein Haus auf einem großen 
Münchener Stadtplan! 

7. Seit wann gehört der Boden, auf dem du wohnst, zur Stadt? 

8. Weißt du, daß München eine doppelte Hauptstadt ist? (Regierungsbezirk Ober- 
bayern und Land Bayern.) 

9. Welche Namen trägt darum unsere Stadt? (Du findest ihn auf Rechnungen der 
Stadt, auf öffentlichen Bekanntmachungen und auf Briefen, die im Rathaus 
geschrieben werden.) 

0. Vor 191 8 war München auch Residenzstadt, weil hier zuerst die Herzöge ihre 
Burg und dann die Kurfürsten und Könige ihre Schlösser und Fürstenhöfe 
(Residenz) hatten. 

1. München ist auch der Sitz eines Landrats. Er verwaltet den Landkreis München, 
der sich außerhalb des Burgfriedens rund um die Stadt ausdehnt. 




68 



Die ersten Siedler der Au 

Die Vorstadt Au war früher eine "Wildnis. Auf feuchten "Wiesen wuchsen 
riesige Pappeln, Weiden und Erlen. Lange getraute sich dort kein Mensch zu 
wohnen. Immer wieder schwemmte die Isar über die seichten Ufer und be- 
drohte alles, was sich in den "Weg stellte. 

Nach und nach siedelten sich doch etliche Leute an. In armseligen Hütten 
hausten der Aumeister und die Isarfischer. Oftmals griffen die schmutzigen 
"Wellen nach diesen Herbergen und rissen die wenige Habe fort. Erst mit der 
Zeit bändigten die Ansiedler den wilden Fluß, indem sie Dämme aufwarfen 
und das Hochwasser ableiteten. 

Jetzt gefiel es auch den reichen Münchnern in der grünen Au. Sie legten sich 
einen Garten an und verbrachten dort die schöne Jahreszeit. Lauschige 
Lauben, gefällige Sommerhäuschen und reizende Schlößchen nahmen die 
Gäste aus der dumpfen Stadt auf und schenkten ihnen köstliche Stunden im 
Freien. Der Münchner nennt es Sommerfrische. 

Im Neudecker Lustgarten erlebte der Herzog fröhliche Tage. Von seinem 
Schlößchen aus ritt er samt Gefolge zur Jagd in die wildreichen Auen. Zum 
Fang des Kleinwildes benützten die Herrschaften gezähmte Raubvögel. Die 
geflügelten Jagdhelfer pflegte der Falkner in der Falkenau. Im Paschihaus 
wohnten die Edelknaben, während die Hofdamen im „Damenwirt" unter- 
gebracht waren. 

Die meisten Auer lebten als arme Leute. Sie waren kleine Schneider und 
Flickschuster, Nachtwächter, Holzarbeiter, Maurer, Zimmerer, Steinklopfer 
und Taglöhner. In den herrenlosen Gruben und an den Hängen bauten sie sich 
eine Herberge auf. Die Behausungen schauten anfangs wie unsere Almhütten 
aus. Erst später wurden die Sockel gemauert. Meist besaßen mehrere Familien 
zusammen ein Holzhaus. Jede "Wohnung hatte ihre Haustüre und sogar eine 
eigene Stiege zum Oberstock. 

"Wenn die Herberge zu klein geworden war, zimmerten die Hausväter ein 
Stübchen dran oder drauf, wie es ihnen gefiel. Niedrig waren die Fenster und 
Türen. Das Schindeldach neigte sich tief herab. Auf der sonnigen Altane 
trocknete die bunte Leibwäsche, dieweilen die Hausfrau das Bettzeug und 
Gewams im Mühlbach schwenkte. In der malerischen Quellgasse drängten sich 
die Hütten an den Bach heran, weil sein Wasser bequem geschöpft werden 
konnte, mit dem man die durstigen Gärten begoß und das habgierige Feuer 
löschte. 

Von den heimeligen Herbergen haben nur wenige den letzten Krieg über- 
lebt. Recht windschief und altersschwach stehen einige da und zittern vor 
Angst, daß sie am Ende eine Spitzhacke niederreißen oder ein gefräßiger 
Bagger verschlingen könnte. 

69 






r 





A Häuserl steht verträumt in der Au 
und drüber der Himmi schö blau. 
Da hat mir mei Mutterl das Leb'n 
und d'Liab zu der Münchner Stadt geb'n- 

1. Geh hinaus in die Au und such so eine Herberge! 

2. Wie heißen die alten Straßen der Au? Welche Namen gefallen dir hiervo« 
am besten? 

3. Wo haben die Mündincr jetzt ihre Gärten und Sommerlauben? 

4. Wo sind heute die Isarauen? 



Die Auer Vorstadt 

Vor hundert Jahren war die Au eine selbständige kleine Stadt. Zwar 
blinzelte sie neidisch zu ihrer großen und reichen Sdiwester jenseits der Isar 
hinüber, aber sie führte ein eigenes Stadtwappen. Die Hauptstraße ist die 
Lihenstraße, der Hauptplatz rund um die Mariahilfkirche, Das erste Schul- 
haus am Fuße des Gebsattelberges könnte manche Geschichte von der Au und 



70 



ihren Kindern erzählen. Einmal schwemmte das Hochwasser ein schweres 
Christuskreuz an. Die Auer fischten es aus den Fluten und bauten dafür das 
Kirchlein zum heiligen Kreuz. Dieses wurde später mit dem ersten Marlen- 
kirchlein abgerissen, als der König den Auern ein neues Gotteshaus mit Spitz- 
turm und riesigen Fenstern auf dem freien Platze errichten ließ. 

Damit die vielen Armen ihr tägliches Brot verdienen konnten, eröffnete der 
Kurfürst in der Au eine Strumpfwerkstätte und eine Tuchfabrik. Der Auer 
Lehrer Pöppel kaufte in einer stillen Gasse ein Haus und verpflegte und 
belehrte darin die elternlose Jugend. Das dankbare Volk nannte ihn den 
Waisenvater von der Au. Im Waisenhaus an der Hochstraße werden auch 
heute arme Waisenkinder behütet und versorgt. 

Viele Auer kamen Tag für Tag in die Stadt. Die Sdirciner verkauften auf 
dem Marktplatz preiswerte Kästen und Tische. Die Bäcker lieferten bil- 
liges Brot, Wahrscheinlich schlich sich mit ihnen mancher Spitzbube hinein, 
so daß die Auer in schlechten Ruf gerieten und die ganze Vorstadt als ein 
Diebsnest galt. Im Jahre 1854 war es aus mit der Auer Herrlichkeit: Als 
erster Vorort wurde diese kleine Stadt dem wachsenden München einverleibt. 

Im Mai und zum Jakobitag ging es vor dem Kriege rund um die Kirche 
lustig zu. Ganz München besuchte die beliebte Auer Dult. Wie Kücken neben 
der Gluckhenne hockten die Stände neben dem wuchtigen Bau. Auf dem 
Geschirrmarkt kauften die Hausfrauen bunte Töpfe, Teller, Tassen, Gläser 
und zierliche Figürdien. Die Liebhaber alter Sachen schnüffelten im Tandl- 
markt nach seltenem Kram und sonderlichem Zeug. Altmodische Truhen 
und Uniformen, Holzfiguren und Stiefel, Werkzeuge und Bierkrüge, alles 
mischte sich zu einem farbenfrohen Durcheinander. Fröhlich drehten sich die 
Ringelspiele, und die Schiffschaukeln schwebten zwischen Himmel und Erde. 
Aus dem Glückshafen hat mancher einen steinernen Maßkrug, ein seidenes 
Kopftuch oder gar ein Fahrrad gezogen, wenn auf seinen Losröllchen nidit 
lauter Hanswurstl waren. 

Schweres Leid hat der letzte Krieg den Auern zugefügt. Viele Häuser sind 
in Ruinen verwandelt. Der stark beschädigte Turm der zerstörten Mcäahilf- 
kirche schaut traurig auf seine steinernen Kinder herunter, auf die ausge- 
brannten und zusammengesunkenen Herbergen. 

1. Das behäbige Haus an der Ostseite des Mariahilf platzes war das Rathaus. 

2. Weißt du, wo die Landesimpfanstalt steht? 

3. Wo sind die Waisenhäuser der Stadt München? 

4. Bis der alte Dultplatz wieder benutzbar ist, wird die Dult an anderer Stelle 
abgehalten. Wo und wann ist sie? 

5. Auf dem Gebsattclberg fährt ein Auto über das andere hinweg, ohne daß etwas 
passiert. Schau selber! 

71 



In der Hochau 

Die Häuserl an der Hochstraße und ihren Seitengassen gehören zur alten 
Au. Früher saßen die Herbergen auch den Hang entlang. Ihre Nachbarschaft 
bildeten hölzerne Schupfen und Bierkeller. Wo heute der große Wohnblock 
den Gebsattelberg säumt, fuhr dein Vater zur Dultzeit auf dem Karussell. 
Der Auer Großvater hütete als Bub dort oben die Geißen. 

Von den Straßen der oberen Au mag die Hochstraße am ältesten sein. Sie 
war einstmals der Jagdweg der Münchner Herzöge. Die ritten den Lilienberg 
herauf und hinaus in die weiten Felder und Wälder. Weil die Hochstraße auf 
der Hangseite unbebaut ist, bietet sie eine gute Aussicht auf die untere Au, 
das Deutsche Museum und die Altstadt. Ein ziegelroter Klotz, das Hochhaus, 
überragt alle Nachbarhäuser, aber die alten Türme lassen sich von dem Neu- 
ling nicht verdecken. 

Vorne am Nockherberg ist der bekannte Salvatorkeller. Unter der Hoch- 
straße lagert das frischgesottene Bier in den kühlen Gewölben. Auf der 
anderen Seite der Bergstraße haben die Wegmacher ihrem Schutzpatron ein 
Bildstöckl gesetzt. In zügigen Kurven schlängelt sich die Straßenbahn den 
Nockherberg herauf und hinunter. Ehe die Fahrbahn verbreitert wurde, be- 
herrschten reiche Bauernhöfe die Anhöhe. Der Hauserbauer verkaufte als 
einer der letzten sein Anwesen und zog mit vollem Geldsäckel in die Stadt. 

Am anderen Ende der Hochstraße ist der Rosenheimer Berg. Wo jetzt die 
Auto den Hang so mühelos heraufsausen, stemmten sich früher die bergauf 
ziehenden Gäule mit aller Kraft in die Stränge. Droben auf der Anhöhe war 
ein ganzer Kranz von Wirtschaften und Bierkellern. In den Lüften, so nannte 
man damals einige Straßen auf der Isarhöhe, weil dort oben ein frisches 
Lüfterl wehte. Kärrner und Zigeuner schlugen auf den Wiesen ihr Lager auf, 
falls ihnen der Torwächter den Zutritt in die Stadt verwehrt hatte. Wenn an 
Markttagen die Bauern das Vieh zutrieben, mischte sich ein Taugenichts als 
Treiber unter die Händler und schmierte sie nach Strich und Faden an. Weil 
nach einem guten Geschäft die Taler besonders locker in den Taschen sitzen, 
hat manches Bäuerlein über den Durst getrunken. So ist es in den Wirt- 
schaften der Hochau oft recht lustig zugegangen. 

1. Schutzheiliger der Wegmadier und Straßen wärter ist der heilige Johannes der 
Täufer. 

2. Was sagen dir die Namen: Ackerstraße und Auer Feldstraße? 

3. Welche Brauereien sind zwischen dem Rosenheimer und Nockherberg? 

4. Kärrner und Zigeuner leben in Wohnwagen und fahren mit ihren Pferden von 
Ort zu Ort, von Land zu Land. 

5. Weldie Straßenbahnlinien fahren die Bergstraßen hinauf? 

6. Welche Kirchen und Schulen sind in der Hodiau? 

7. Bekannte Bierkeller an der Rosenheimer Straße: Früher Stubenvoll, Singlspiel und 
Lüftenwirt; später Münchner Kindl- und Stadikeller; jetzt Bürgerbräu. 

72 



Auer Klöster einst und jetzt 

Die Bauplätze im alten München waren rar und teuer. Darum gründeten 
die Mönche und Nonnen ihre Klöster vor den Toren der Stadt. Die Augustiner 
ließen sich in der Au nieder. Die nachfolgenden Paulaner brauten ein vorzüg- 
liches Bier. An der Stelle des Amtsgerichtes stand das Kloster mit der Brauerei. 
Ihre Wirtsstube war gerne besucht, und der gemütliche Garten lockte an 
schönen Sommerabenden die Leute aus der Stadt zu einer guten Brotzeit mit 
Bier, Rettich und Käse. Zur Fastenzeit schenkten die Paulaner ein besonders 
starkes und süßes Bier aus. Da strömte das Volk in Scharen herbei. Dem Kur- 
fürsten überreichte der Bruder Kellermeister einen vollen Humpen zum 
Willkommgruß. 

Längst sind die Mönche und ihr Kloster aus der Au verschwunden, aber die 
Braustätte ist geblieben. Die Bierbrauer Zacherl und Schmederer kauften das 
Anwesen und schickten ihre Bierwagen in die Stadt und aufs Land. Jetzt 
versendet die Paulaner-Salvator-Brauerei ihre hellen und dunklen Biere in 
alle Welt. Der Salvatorkeller ist eine beliebte Einkehrstätte. Zur Frühlings- 
zeit, besonders am Josephitag, herrscht auf dem Nodkherberg ein lebhafter 
Rummel. 

Kennst du das Landratsgebäude auf dem Lilienberg? Dieses Haus war ein- 
mal ein Nonnenkloster. Die Anhöhe hieß erst der Geißberg, weil auf den 
grasbewachsenen Hängen die Ziegen weideten. Eines Tages ließ die Frau 
Oberin des Klosters über die Pforte weiße Lilien malen und einen Spruch 
dazu, der die Nonnen mit diesen Blumen verglich. Also redeten die Münchner 
nur noch vom Lilienkloster und vom Lilienberg. 

1. Welche geistliche Orden sind dir bekannt? 

2. Viele Münchner Klöster hatten eine schöne Klosterkirche. Sie stehen zum Teil 
noch heute. Wo ist die Michaelskirche der Jesuiten, die Benediktuskirche der Bene- 
diktiner, die Antoniuskirche der Kapuziner? Auch die Theatiner, Karmeliter und 
Augustiner hatten hier eine Klosterkirche. Wo stehen sie? 

3. Neben den bürgerlichen Brauereien gab es in Mündien das Hofbräuhaus und die 
Klosterbrauereien. Welche Brauereien kennst du? 

4. Auch heute brauen die Mönche noch bekannte Biere. 

Wie heißt das Kloster auf einem Berg am Ammersee? 

5. Woran erkennst du in einem Güterzug die Bierwagen? 

6. Womit fahren die Brauereien das Bier aus? 
Zeichne dieses Gefährt! 




73 



Auf dem Gasteig 

Beim alten Nikolauskirchlein auf dem Gasteig stand einst das Siechenhaus. 
Darm waren die unheilbaren Aussätzigen untergebracht. Selten durften sie 
in die Stadt. Da bettelten sie in den Gassen um Almosen und riefen: „Gebts, 
weils lebts!" Am Ostermontag pilgerten die Münchner zur Nikolauskapelle 
hinaus. Das war dann ein kleiner Freudenschein ins kümmerliche Dasein 
jener armen Menschen. Mit hölzernen Pritschen schlugen die Siedien einen 
Mordslärm an, auf daß ihnen ein paar Kreuzer und ein Stüdilein Brot zu- 
geworfen, wurden. 

Die Altöttinger Kapelle verdankt ihr Entstehen einem frommen Herzog. 
Schon lange ist sie das Ziel besonderer Wallfahrer. Im gewölbten Kreuzgang 
um das Kirchlein schleppen sie ein schweres Holzkreuz rund um die Gnaden- 
stätte wie einstmals der Heiland auf seinem Leidensweg. 

Das Altersheim auf dem Gasteig ist heute eine Stätte christlicher Nächsten- 
liebe. In ihm verbringen Münchner Greise und Greisinnen unter der Obhut 
barmherziger Schwestern ihre letzten Lebensjahre. Wer immer mit fleißigen 
Händen ums tägliche Brot gearbeitet hat, der verdient audi einen sorgenfreien 
Lebensabend. 

1. Gasteig heißt: gadier Steig. 

2. Das erste Spital für alte Leute war bei der Heiliggeistkirdie. 

3. Wo sind heute die großen Altersl^eime der Stadt? 

4. Wo werden Leute mit gefährlidien, anstedsenden Krankheiten untergcbradit? Wer 
sorgt für die Kranken? 

5. Es gibt audi heute Bettler. Ob sie alle arm sind? 

i. Was erzählt der Gasteig aus der alten Zeit von der Fahrstraße? 

7. Vor dem Altersheim war früher ein Kalvarienberg mit einer Kreuzigungsgruppe. 



Bei den Giesingern 

Vor mehr als 1000 Jahren gründete Kyso das Dorf Giesing. Der hatte 
dort für seine Sippe Haus und Hof, Wiesen und Felder. Wenn man heutzutage 
von der Sippschaft spricht, dann sind die unlieben Verwandten gemeint. 
Damals jedoch wohnte die große Familie vom Urgroßvater bis zu den 
Enkelkindern unter einem Dache beisammen. Die Sippsdiaft des Kyso war 
Herr über den Ort. Die Gräber dieser ersten Giesinger hat man zwischen 
dem Pfarrhof und der Ichhoschule aufgefunden. 

74 




Obgleich Giesing als einer der ersten Vororte (1854) zu München kam, ver- 
änderte es sein ländliches Gesicht erst beim Umbau des Giesinger Berges. Die 
gache Fahrgasse den Hang hinauf war den Fuhrleuten schon lange ein Dorn 
im Auge gewesen. Nun rückten die Münchner dem Dorfe grob zu Leibe. 
Die neue, himmeianstrebende Pfarrkirche zum heiligen Kreuz gefiel den 
Giesingern zwar gut, aber es dauerte nicht lange, bis sie dafür ihre alte Dorf- 
kirche niederreißen mußten, eben deshalb, weil sie dem neumodischen Ver- 
kehr im Wege stand. Der Loherwirt, der Riegerbauer und der Krämer am 
Fuße des Berges bekamen für ihr Anwesen einen Beutel voll Goldstücke; 
auch den scheckigen Herbergen am Hang und den heimeligen Häusern an 
der Bäckerstraße wurde das Lebenslicht ausgeblasen. 

Auf der Höhe versdiwand ein Bauernhof nadi dem andern. Auf den 
Fluren machte sich die Großstadt mit ihren Häusern und Straßen breit. Lang- 
sam verwandelte sich das Dorf in eine Vorstadt. Die alten Giesinger schimpf- 
ten darüber. Es fiel ihnen eben schwer, von soviel lieber Heimat Abschied zu 
nehmen. Endlich kam gar die Trambahn den Berg heraufgekrochen. Lange 
genug hatte sich der holpernde Wagen nicht heraufgetraut, ist lieber drunten 
umgekehrt und mit seinem Schimmel zum Hauptbahnhof zurückgefahren. 

Die großen Schulhäuser verraten dir, daß im neuen Giesing Tausende von 
Mündiner Kindin herumlaufen. Ja, auch die Giesinger sind Münchner wie 
die anderen Vorstädter, kein Haar breit besser oder schlechter als die Alt- 
städter selber. 



75 



1. Lies die Gedenktafeln beim Brunnen an der Bergstraße und am Sdiulhaus an der 
Idihostraße! (Ichho war Priester und Glaubensbote dieser Gegend.) 

2. Betrachte die verschieden großen Häuser an der Tegernseer Landstraße! Was 
erzählen sie dir über ihr Alter? 

3. Vergleiche die neuen Wohnblöcke an der Perlacher Straße mit den Häusern hinter 

der Kreu7.kirche! 

4. Welche Kirchen sind in Obergiesing? 

5. Was sagen dir die alten Giesinger Straßennamen? 

6. Die Giesinger haben auch einen großen Sportplatz. Kennst du ihn? 

7. Merk dir: Alle Orte, die mit der Silbe ing enden, sind uralt! 

8. Der Giesinger Berg ist 18 m hoch. Der Kirchturm 96 m. Ist er höher als der 
Frauenturm? 

Der Giesinger Pestfriedhof 

Als vor 300 Jahren der schwarze Tod im Lande umging, suchte er auch in 
dem Dorfe Giesing seine Opfer. Gegen diese schreckliche Krankheit war kein 
Kraut gewachsen. Alt und jung, arm und reich raffte sie jäh und jammervoll 
dahin. Heute rot, morgen tot! So klagten allerorts die Leute. Tag für Tag 
schoben vermummte Männer den Pestkarren voller Leichen zum Giesinger 
Friedhof hinaus. Diesem Massensterben war der kleine Gottesacker bald 
nicht mehr gewachsen. Ein Pestadcer mußte darum für die vielen Toten an- 
gelegt werden. Der Pfarrhof steht auf ihm. Zwischen Gietl- und Aigner- 
straße waren einst seine Mauern. 

Von diesem Pestfriedhof erzählen die Giesinger eine gruselige Geschidite: 

Immer um Mitternacht wandelten zwölf graue Männlein den Giesinger Bergsteig 
empor. Sie stapften um den Friedhof und beteten in der Dorfkirche hinter ver- 
schlossenen Türen. Dieser Geister wegen hieß die Anhöhe lange der Mandlberg. 
Selbst als der Gottesacker aufgelassen war, soll es dort bei Nacht nicht recht geheuer 
gewesen sein. Wer da vorüberging, vernahm drohende Gespensterrufe und Geräusche, 
als würfen die Unholde mit Sand oder Steinen zu. 

1. Schreib ab, was auf der Gedenktafel am Pfarrhof zu Giesing steht! 

2. Lies das Gedicht vom Schäfflertanz zu München! 

3. Wann gedenken wir besonders der Toten? 

4. Wo sind Münchens große Friedhöfe? 

5. Friedhöfe sind kein Spielplatz. Freithof hießen sie in alter Zeit. Ihr Boden war 
immer heilig. Wenn sich ein Verfolgter hinter seine schützende Mauer flüchtete, 
durfte ihm niemand ein Leid antun. 

6. Wo waren die ersten Münchner Friedhöfe? 

7. Die meisten Toten des Münchner Ostens werden jetzt im Friedhof am Perladier 
Forst beerdigt. 

8. Im alten München wütete die Pest mehrmals, besonders aber 1634-35. Die Stadt 



soll dabei die Hälfte seiner 10 000 Einwohner verloren haben. 



76 



Untergiesing 

Wenn unsere Urgroßväter nach Giesing hinausspazierten, sahen sie unter- 
halb des Berges nur wenige Häuser. Außer den Herbergen in der Lohe 
("Weidenstraße), in der Birkenau und an der Freibadstraße war alles freie 
Gegend. Auf den Wiesen und Äckern mähten und pflügten die Bauern. 
Gegen die Isar zu wuchsen wilde Auen mit Weiden, Erlen und Gestrüpp. 
In der Birkenau träumen ein paar Häuserl von der guten alten Zeit, wo die 
Kutscher und Gänsehändler da draußen ihre Behausung hatten. In der 
kleinen Wirtschaft zum Fiaker kehrten sie am liebsten ein. 

Immer mehr Leute zogen aus der Stadt zu, und so entstanden neue Straßen 
und Häuserviertel. Jetzt dehnen sich die Neubauten bis zum Rande der 
Isarauen aus. Die Kinder der Agilolfingerschule treiben sich mit Vorliebe in 
den buschigen Auen umher. Am liebsten halten sie sich am Gänsebächlein auf. 

Der Auer Mühlbach ist ein lustiger Geselle. Immer wieder versteckt er 
sich in den Höfen der Wohnblöcke oder schlüpft: gleich gar unter die Häuser. 
Weiter oben aber fließt er frei in einem lieblichen Wiesental dahin. Er füllt 
den Gärtnern die Gießkannen und treibt die Schaufelräder der Getreide- 
mühlen. Die Bäckerkunstmühle ist schon uralt und war früher als Schraf- 
naglmühle bekannt. Lange behauptete sich eine Gerberei am Bache. 

Die Bomben des Krieges haben auch diesen Stadtteil schwer heimgesucht. 
Das große Schulhaus am Columbusplatz ist zerstört. Zahlreiche Wohnungen 
brannten nieder, und manch ländlicher Winkel wurde vernichtet. Aber kein 
Münchner hat das Liedlein von der Birkenau vergessen, das die Alten im 
Wirtsgarten an der Birkenleiten sangen: 

Drunt' in der Birkenau, Es nidit die blinde Kuh 

da ist der Himmel blau, dem Ochs gar freundlich zu. 

da tanzt der Ziegenbock Ja, in der Birkenau, 

mit seiner Frau. da ist der Himmel blau! 

1. Leite oder Leiten ist ein grasbewadisener Abhang. 

2. An der Birkenleiten war ein Sitz edler Herren. Das bekannte Schlößchen wurde 
später ein Bauerngut. 

3. Hat Untergiesing eine Kirche? Zu welchem Dorfe gehörte es früher? 

4. Verfolge den Auer Mühlbach von Siebenbrunn bis zum Gasteig! 

5. Wo sind das Freibad und der große Spielplatz in Untergiesing? 

6. Welche Straßenbahn fährt durch Untergiesing? Wie kommt man von dort zum 

Marienplatz? 

7. Was «agen dir die Namen: Weiden- und Erlenstraße, Birkenau, Kühbadi- und 
Entenbachstraße? 

8. In der Baumschule bei der Braunauer Eisenbahnbrüdie werden Sträudier und 
Bäume für die Anlagen herangezogen. 

9. Wie überwindet die Eisenbahn die Steigung vom Süd- zum Ostbahnhof? 



77 




Ramersdorf 
«nd seine Marienkirche 

In alter Zeit trug das Dorf hin- 
ter Giesing den Namen Rumolts- 
dorf. Auf diesem Boden ließ sich 
erstmals Rumolt nieder. Er zim- 
merte aus Baumstämmen ein 
Heim. An die Wohnhütte reihten 
sidi die Sdieune, der offene Sdiup- 
fen, der Parch fürs Getreide und 
der Heuschober. Das Backhäuslein 
aus Lehm mitten im Hofe heizten die Frauen mit Buchensdieitern. Ein spitzer 
Pfahlzaun umhegte das Gehöft. Alle Äcker, Weiden, "Wiesen und der Wald 
lagen rings um die Siedlung. Weit und breit war Rumolt der einzige Gebieter. 

Mit der Zeit trennten sidi die Nachkommen des Rumolt vom Stammhaus 
und gründeten selber einen Hof. So entstand der Ort Rumoltsdorf. Seine 
Bewohner waren anfangs lauter Bauern. Als die Städter ihre Häuser nicht 
mehr aus Holz, sondern mit Ziegelsteinen erbauten, wurde es draußen in 
Ramersdorf lebendig. Rings herum gab es feinen Lehm. Also kamen die 
Ziegler in Scharen herbei, hoben die zähe Masse aus dem Boden und stellten 
rotgebrannte Badesteine her. 

Während die Münchner ihr erstes Rathaus bauten, bereicherten die Ramers- 
dorfer ihre Gemeinde mit der schönen Marienkirdie. Unter ihren Schätzen 
befindet sich ein Splitter vom Kreuze des Heilands. Bekannt ist der so- 
genannte Frauendreißiger. Am Großfrauentag, dem Tag der Himmelfahrt 
Maria beginnt diese gnadenreiche Zeit und dauert bis Maria Geburt. Von 
nah und fern pilgern die Wallfahrer nach Ramersdorf oder Thalkirchen zu 
Unserer lieben Frau, um einen Ablaß zu gewinnen. An den Wänden des 
Gotteshauses berichten Bildertafeln von wunderbaren Begebenheiten. 

Die ländliche Stille ist längst verschwunden. Ratternde Auto fluten an der 
Friedhofmauer vorüber. Die Straßenbahn zieht zu den Füßen des Kirch- 
turms eine Schleife. Die Bauernhäuser und die Ziegelhütten mußten der 
Großstadt weichen. Vierstöckige Wohnhäuser bedecken jetzt den abgeräumten 
Boden. Ramersdorf ist (1864) ein Münchner Stadtteil geworden. 

Drüben in der Siedlung mit den kalkweißen Häuschen und zierlidien 
Gärten ist es friedlich. Auf einer Bank in der Grünanlage beim evangelischen 
Kirchlein kann man in Ruhe verweilen. Der geschnörkelte Zwiebelturm der 
Dorfkirche grüßt herüber. Früher war er mit einer Spitzhaube bedeckt. Hätte 
sie der Blitz nicht zerrissen, wäre der Alte nie zu solch feinem Kuppelhut 
gekommen. Wie sagt der Münchner? Man weiß nie, wozu ein Unglüdi nutz ist. 



1. Wovon erzählen die zwei bekanntesten Lobtafeln in der Kirche? 

Die erste: Der Schwedenkönig Gustav Adolf sdileppte solange 40 Münchner 
als Geiseln mit, bis der letzte Taler Buße bezahlt war. Bei ihrer glücklichen 
Heimkehr wallfahrteten die Geretteten nach Ramersdorf, um der Himmelsmutter 
zu danken. 

Die zweite: Wilde Reiter aus dem Ungarland führten 20 Bürger als Geiseln mit. 
Nach ihrer Rückkehr sagten sie in Ramersdorf Dank für die Befreiung aus Elend 
und Not. 

2. Zeichne ein Siedlungshäuschen und ein Großstadthaus der Rosenheimer Straße! 

3. Betrachte die vielen Erinnerungszeichen in der Kirche. Was stellen sie dar? Wer 
wird sie gestiftet haben? 

4. Hinter Ramersdorf beginnt die Autobahn. Wohin führt sie? Wie sdiaut sie aus? 
j. Besudle die Gartenschau! 



Auf der Autobahn 

Die Sommerferien sind gekommen. Der Onkel aus Aibling hat den Fritzl 
für acht Tage eingeladen. Aber das Schönste ist, daß der Onkel den Fritzl 
mit dem Auto abholt. Gar nicht mehr erwarten kann's der Bub. Endlich ist 
es so weit. Der volle Rucksack wird im Kofferraum verstaut. Nach kurzem 
Abschied von der Mutter steigt der Fritzl stolz In den Wagen. Er darf 
sich neben den Onkel setzen. Da sieht er am meisten. 

„Wir fahren die ifN.utobahn", sagt dieser. In mäßigem Tempo windet sich 
der Wagen durch das Straßengewühl In Richtung Ramersdorf. Begeistert 
führt der Fritzl In Gedanken mit. Die Straßenverkehrsschilder kennt er fast 
alle und weiß, was sie bedeuten. 

Kurz vor der Ramersdorfer KIrdie weisen große gelbe Tafeln zur Auto- 
bahn München — Salzburg. Noch eine Minute und der Wagen hat die Autobahn 
erreicht. „Das sind ja zwei Straßen", sagt der Fritzl, während der Onkel Gas 
gibt und der Wagen bald mit 80 km dahlnschießt. Gut, daß auf der Autobahn 
kein Gegenverkehr und keine Kreuzungen zu beachten sind, denn der Fritzl 
fragt und fragt. Schließlich erzählt ihm. der Onkel über die Autobahn: 

„Die Auto sind schneller und zahlreicher geworden. Dadurch wurde das 
Fahren auf den kurvenreichen, engen Straßen Immer gefährlicher. Täglich 
gab es tote und schwerverletzte Radfahrer, Fußgänger, Fuhrleute und Auto- 
fahrer. So baute man für die Auto eigene Landstraßen, die Autobahnen. 

Jede Autobahn besteht aus zwei Straßen, die durch einen Zwlsdienraum 
voneinander getrennt sind. Die eine dient zur Hinfahrt, die andere zur Rück- 
fahrt. Alle Straßen, die dl^ Bahn kreuzen, werden mittels Brüdcen darüber- 
geleitet. Kurven sind möglichst vermieden oder so geneigt, daß sie so sdinell 
wie die geraden Stredcen (gefahren werden können. 

79 



Eigene Ein- und Ausfahrten sorgen dafür, daß sich der Verkehr reibungslos 
abwickelt. Besonders bei Nacht und bei nebligem Wetter sind die Autobahnen 
angenehm zu befahren. Im "Winter werden sie ständig von Schnee und Eis 
geräumt und mit Sand bestreut." 

Viel hatte der Fritzl noch zu fragen, und die Zeit verging im Fluge. Da 
tauchte schon das Schild auf: Nach Aibling 3 km. Der Onkel mäßigte das 
Tempo; denn es ging durch den Ausfahrtsbogen der Zufahrtsstraße zu. Als 
das Gefährt nun rumpelte, sich schüttelte und hopste, da merkte der Fritzl, 
wie angenehm man auf der Autobahn fährt. 

1. Die Autobahn ist 20 m breit, jeder Fahrstreifen 9 m. Wie breit ist der Grün- 
streifen? Jeder Fahrstreifen ist abgeteilt in eine Fahrstrecke und eine Über- 
holungsbahn. 

2. Sudie auf der Karte alle Autobahnen, die von Mündien wegführen! 

3. Zeichne eine Ein- und Ausfahrt der Autobahn! 

4. Zeichne und bastle Verkehrsschilder und erkläre ihre Bedeutung! 



Das alte Dorf Perlach 

Das alte Dorf Perlach liegt zu beiden Seiten des Hachinger Baches. Der 
ist schon immer der Tummelplatz jener schmackhaften Hausvögel, die nicht 
bloß die Perlacher als Kirchweihbraten schätzen. Der letzte Gemeinderat 
hat das Dorf im Jahre 1930 der Stadt übergeben. Dennoch bewahrte der Ort 
sein ländliches Aussehen. Seine Häuser stehen wie wohlhabende Bauern da, 
die neugierig auf die Gasse schauen. Selbst die neuen Geschäftshäuser sind 
kaum dreistöckig; auch die stattlichen Wirtschaften passen zu ihren älteren 
Brüdern. Außerhalb des Dorfes sind zwar Siedlungen entstanden, dodi 
blieben klobige Großstadthäuser dem Orte fern. 

Um das katholische Kirchlein schmiegt sich der Friedhof, der nun selber 
gestorben ist. Die Urahnen der Perlacher Bauern ruhen darinnen. Draußen 
an der Putzbrunner Straße sind jetzt die Gräber der Perlacher. Um das Jahr 
1800 erhielt das Dorf auch eine protestantische Kirche. Damals holte der 
Kurfürst Bauern aus der Rheinpfalz. Er siedelte sie hier an, damit sie die 
Heide bebauten. Weil sie anderen Glaubens waren, errichteten sie audi eine 
eigene Schule für ihre Kinder. 

Als die ersten Einwanderer sich vor mehr als 1000 Jahren am Hachinger 
Bach niederließen, hausten in den Wäldern ringsum wilde Bären; deshalb 
nannten sie den Ort Peraloh, das bedeutet: Bärenwald. Die nahen Felder 
trugen gute Frucht. Reich füllten sich die Scheun^^n bis zum First. Ein Hof 
reihte sich an den anderen und so entstand das stattliche Dorf längs des 
Baches. Der erwies sich als ein guter Freund der Perlacher. Er tränkte das 
Vieh, unterhielt die Gänse und Enten aufs beste ur d half die Brände löschen. 

80 



Außer den Bauern war mancher adelige Herr in Perladb zu Hause. Das 
Schloß der einstigen Hofmark dient jetzt als Krankenhaus. Ein Herrsdiafts- 
haus an der Straße zum Fasangarten und das Jagdschlößchen beherbergten 
die fürstlichen Jäger und ihr Gefolge, wenn sie draußen in Feld und 
Wald jagten. 

Kannst du dir nun vorstellen, daß es dem Perlacher Gemeinderat schwer 
fiel, den Grenzpfahl herauszureißen, als er dieses Dorf mit seiner reichen 
Geschichte der Stadt Mündien übergab? 

1. Was sagen dir die Namen: Hof markplatz, Holzwiesenstraße und Klosterplatz? 

2. Wie kommst du von deiner Wohnung aus nadi Perladi? Du kannst zweierlei 
Verkehrsmittel benützen. 

3. Wie heißt jener Teil Perladis, der in den Wald gebaut wurde? 

4. Merke dir: Loh, Lohe, Lodi oder Lach heißt immer: Wald. In der Umgebung 
Mündiens gibt es viele Orte mit diesem Wort als Teil ihres Namens. Nenne einige! 

Auf der Perladier Heide 

Zwischen dem Hachinger Tal und der Isar breitet sich der Perlacher Forst 
aus. Er ist ein Rest jenes riesigen Waldgürtels, der sidi einmal rund um 
München legte. Wo die Straße von Perlach auf den Forst stößt, hatten die 
Fürsten einen umzäunten Fasangarten. Der Fasanmeister überwachte das 
Gehege mit den leckeren Vögeln. In der Waldschenke des Försterhauses er- 
frischten sich Jäger, Holzknechte und Ausflügler mit einem kühlen Trunk. 

Der Perlacher Forst und das Gebiet östlich von Perlach sind Heideland. 
Tief unter der Schotterdecke fließt das Grundwasser und der Regen sickert 
durch den Kies hinunter. Als die wenigen Menschen noch genügend Felder 
hatten, wollte niemand auf diesem Boden Bauer sein. Weit und breit war 
kein Brunnen und kein Wässerlein. So blieb die Perlacher Heide allüberall 
braches Land, wo keine Wälder standen. 

Die freie Heide taugte den Münchner Herren als Jagdbereich. Kein Fluß 
und kein Wald hemmte die fröhliche Jägerschar. Mit Hundegebell und 
Hörnerschall hetzten die sprengenden Reiter das edle Wild und streckten 
Hirsche, Rehe und Wildschweine nieder. Als die Jäger später mit Flinten 
ausrückten, wurde das Wdd merklich weniger. Jetzt ging es den Feldhasen 
übel. Mit einem Höllenlärm zogen die Treiber ihren Kreis immer enger. 
Zuletzt hoppelten die Vierbeiner in einem Kessel hin und her und versuchten 
auszubrechen. Die Beute war so groß, daß man die Hasen auf Bauernwagen 
zum Markte fahren mußte. 

Sonst aber war es still auf der einsamen Heide. Wer sich des Nachts in 
diese menschenleere Gegend verirrte, dem wurde es unheimlich zumute, und 
so mancher mag das Gruseln gelernt haben. Ob es wahr ist, was eine Sage 
erzählt? 

6 Heimatbuch gj 




In gewissen Nächten sammelten sidi die Toten aus den Friedhöfen von Perladi, 
Trudering, Ramersdorf und Giesing auf der Perlacher Heide. In seltsamen Trachten 
husditen sie mit Windlichtern hin und her. Endlich hockten sich die Geister in einem 
Kreise nieder. Sodann hielten sie Gericht über einen Bösewicht. In der Mitte saß 
zusammengekauert der Übeltäter. Daneben wartete der Scharfriditer mit dem blanken 
Schwert. Kein Laut drang aus dem Munde der Geister und doch verstanden «ich 
alle. Zum Sdilusse der Versammlung wurde der Verbrecher enthauptet. Wenn es vom 
Kirchturm die erste Stunde schlug, verschwanden die unheimlichen Gesellen. 

1. Welche Bäume gedeihen im Heidewald? 

2. Welches Wetter wünscht sidi der Heidebauer? 

3. Wo ist in der Münchner Landschaft nodi eine Heide? 

4. Wie heißen die Wälder rund um München? 
y. Woran erkennt man ein Försterhaus? 



Der Hadiinger Bach 



Der Hachinger Badi ist ein Sonderling unter den Münchner Gewässern. 
Er entspringt bei Deisenhofen als unsdieinbares Bächlein und fließt in nörd- 
licher Richtung durch das Hachinger Tal. Lustig schlängelt er sich durch die 
"Wiesen. Malerisdie Birken und ein Sträßchen begleiten ihn auf seiner Reise. 
Immer mehr Wässerlein rinnen dem Bache zu. Beim Dorfe Potzham ist er 
kaum eine halbe Stunde alt und treibt schon ein Mühlrad. Er fließt an den 
uralten Dörfern Oberhaching, Taufkirchen und Unterhaching vorbei und 
wächst zu einem ansehnlichen Bache heran. 

Nun aber treibt der Schelm ein seltsames Spiel. Sein Wasser wird ständig 
v/eniger und niemand schaut, wohin es entrinnt. Daran ist der Boden schuld. 
Unter der Kiesdecke sinkt der Flinz fortwährend tiefer. Er hat den Bach 
bisher an der Oberfläche getragen, jetzt aber zieht er ihn mit sich in die 
Tiefe. So wird der Bach auf dem Heideboden immer seichter und schmäler. 
Unterhalb Perlach fließt nur noch ein schwaches Wässerlein "durch die Fluren. 
Hinter Ramersdorf versickert es ganz und vom Hachinger Bach ist nidits 
mehr zu sehen. 

Die Leute wunderten sich seit langem über den verschwundenen Bach 
und es entstand folgende Sage: 

Wo der Bach in die Tiefe versinkt, stand einmal eine reidie Mühle. Nachdem der 
Müller gestorben war, stritten sidi die beiden Söhne um das Erbe. Immer heftiger 
wurden ihre bösen Worte und Ränke. Eines Tages wollte der ältere Sohn den jüngeren 
von Haus und Hof vertreiben. Der aber sdiaufelte in einer stockfinsteren Nadit 
oberhalb der Mühle ein neues Bett, um das Wasser abzuleiten. Noch war er mit 
seinem Werk nidit fertig, als der Ältere dies bemerkte. Er schlich sich voll Zorn 
hinaus und erschlug seinen Widersadier. Der Himmel ließ die sdilimme Tat nicht 
ungesühnt. Plötzlich sank der Badi in die Tiefe und die Mühle stand für immer still.. 



1. Das meiste Wasser zieht in der Tiefe dem Erdinger Moore zu, wo sich die Flinz- 
schidit wieder hebt und den Grundwasserstrom an die Oberfläche treibt. 

2. Die Versidierungsstelle hinter Ramersdorf brachte viel Schmutz und Überschwem- 
mungen. Darum wird das Wasser in einer Röhre abgeleitet. 

3. Welche fließenden Gewässer trägt der Münchner Boden außer dem Hachinger 
Bach? Warum versickern diese nicht? 

4. Uralte Orte am Bach: Hacho, Puozo und Petto waren Dorfgründer. Taufkirchen 
(wie Johanneskirchen). — Fürth bezeichnet eine seichte Stelle. — Bergham und 
Westerham geben die Lage des Hofes an. 



Im Ziegelland 

Auf dem rechten Isarufer erstredet sich von Ramersdorf bis hinunter nach 
Ismaning ein Stück Land, das mit Ziegellehm bedeckt ist. An seinem östlichen 
Rande liegen: Ramersdorf, Berg am Laim, Zamdorf, Denning, Englscbal- 
king und Ismaning. Im "Westen ist es begrenzt durch Giesing, Haidhausen, 
Ober- und Unterföhring. 

Diese Orte sind zugleich die ältesten Ansiedlungen der Münchner Gegend. 
Der gute Ackerboden lockte frühzeitig die Bauern herbei. Während weit und 
breit unter dem Humus nichts als Kies und Sand zu finden ist, überdeckt hier 
eine fast zwei Meter dicke Lehmsdiicht das angeschwemmte Geröll. Die zähe 
Erdmasse ist aus feinstem Sand, Kalkkörnchen und Ton gebildet. Ihre braune 
Farbe stammt vom Eisenrost, der sich in dem Gemenge gelöst hat. Nur auf 
solchem Lehmboden wächst schweres Getreide. Das Regenwasser kann hier 
nicht so wie im Kies gleich zur Tiefe rinnen. Es wird vom Lehm verschludkt 
und tränkt auch in trockenen Zeiten die Pflanzen. 

"Wer durch dieses Gebiet wandert, dem fällt auf, daß die Straßen auf 
einem Damme verlaufen. Alle Felder und neuen Siedlungen liegen tiefer 
als die "Wege. "Woher kommt das? Seit Jahrhunderten heben die Bewohner den 
Lehm ab und brennen ihn zu Ziegelsteinen. Vor Jahrzehnten standen hier 
zahlreiche offene Stadel und Brennöfen. Aus den Ziegeln von Berg am 
Laim und Ramersdorf errichteten die Münchner ihre Stadtmauer, die Frauen- 
kirche und das Alte Rathaus, ja fast ganz München ist aus dem Lehm dieser 
Gegend erbaut. 

Nun hat sich das Ziegelland isarabwärts gegen Föhring verschoben. Dort 
werden die Ziegelsteine in Fabriken hergestellt. Freilich räumen die Ziege- 
leien nicht den ganzen Lehm weg, sondern nur den, der sich für Backsteine 
eignet. Dort bei den neuen Lehmgruben läßt sich die Arbeit gut verfolgen: 
Hier noch hodigelegene "Wiesen mit Bauernhöfen, dort die Abraumstellen 
und dahinter die tiefer gelegenen Felder mit frischgrüner Saat und gelb- 
leuchtendem Raps. Die Gehöfte sind meist Zieglerhäuser. Um sie ist ein klei- 
ner Park von Bäumen gepflanzt zum Schutz vor praller Sonnenhitze. 



83 



"Wie lange wird das Ziegelland im Osten unsere Stadt mit Bausteinen 
beliefern können? Bei Ramersdorf ging es an. Nunmehr haben die Ziegeleien 
auf ihrer jahrhundertelangen Wanderschaft bereits Unterföhring erreidit. Vor- 
erst brauchen wir keine Sorge zu haben. Es gibt anderswo noch Lehm genug. 

1. Die alte Haldhauser Kirdie und ihr Friedhof liegen nodi auf einer Lehr "Zunge 
dieses Gebietes. 

2. "Wo sind die Ziegeleien im "Westen der Stadt? 

3. Zeichne eine Ziegelei! (Trodienhalle, Öfen mit hohem Kamin, Lehm- und Ziegel- 
karren, gelagerte Steine). 

4. Sdiau bei einem Neubau zu, wie eine Mauer gesetzt wird! Frag die Maurer, wie- 
viel Steine zu dem Haus gebraudit werden! 

j. "Womit sind die meisten Dädier Mündiens gededit? Gibt es audi andere Dädier? 

6. Groß-Mündien hat fünferlei Böden: Kiesboden, Heide, Moor, Lehm- und 
Auboden. Zeig auf der Karte, wo soldie Böden sind! 




Rund um die Haldhauser Kirdie 

Hinter dem Gasteig beginnt die "Vorstadt Kaidhausen. Da ist der "Wiener 
Platz. Schau, wie sich die paar alten Häuserl neben die vierstöckigen Groß- 
stadtriesen ducken! Die Marktstände passen besser ins Bild vom alten Hald- 
hausen. Kannst du dir das Dorf vorstellen, wie es vor hundert Jahren war? 
Heimelige Häuser, winkelige Herbergen, "Wiesen, Äcker und Anger, das An- 
wesen vom Großwirt dazu, weiter draußen die alte Kirche mit dem Friedhof, 
einige Bauernhöfe und Kleinhäuser daneben — jetzt ist Waydthausen lebendig 
vor deinen Augen. 

Als der Schwedenkönig vor 300 Jahren von Ismaning her nach München 
zog, richteten seine Soldaten die Ortschaft übel zu. Das Kirchlein und so 
mancher uralte Bauernhof brannten bis auf die Grundmauern nieder. Aber 
die "Waidhauser haben sich immer wieder aufgerafft und viel gearbeitet. 
Aus den Gruben haben die Haldhauser Ziegel, Kies und Sand nach München 
gefuhrwerkt. 



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Wie drüben in der Au, so haben sich auch hier in den Gruben arme Leute 
niedergelassen, ein Häuserl gebaut und oft zu mehreren FamiHen bewohnt. 
So groß waren die Gruben, daß drinnen ganze Gassen entstanden sind. 
Einzelne altersschwache Herbergen stehen noch. 

Im alten Haidhausen fühlten sich auch vornehme Herren recht wohl. Der 
Lustgarten Fuggers und die Landsitze der Herren Perusa und Ridler waren 
die feinen Nachbarn der armen Häusler. Das Gut des Herrn von Leibelfing 
wurde vom Herzog sogar zu einem Edelsitz erhoben und ganz Haidhausen 
zu einer Hofmark. Auf einer Allee trabten die Kutschengespanne zum Schloß 
Preysing hinaus. 

Als Heinrich der Löwe unter dem Gasteig eine Brücke über die Isar 
geschlagen hatte, kam die Salzstraße an dem Dorfe Haidhausen vorüber. 
Auf der "Wiener Straße verkehrten die Postkutschen von der bayerischen 
Hauptstadt nach der Kaiserstadt Wien. 

Wo die hohe Johanneskirche ihre drei spitzen Türme wie Schwurfinger 
zum Himmel streckt, war vorher der Metzgeranger. In seinen Koppeln 
weidete das Vieh. Zu Jakobi und am Dreikönigstag hielten die Haidhauser 
dort ihre Dult ab. 

Das neue Haidhausen ist allen Münchnern bekannt. Da ist der Max-Weber- 
Platz zum Haidhauser Stachus geworden. Vom Ostbahnhof aus fahren die 
Eisenbahnen nadh dem Osten und südhch ins Gebirge. Als das Dorf Haid- 
hausen (1854) zu München kam, brachte es kaum 5000 Seelen mit. Bald aber 
bedeckte ein Häusermeer die Fluren vor dem Bahnhof. Der Münchner nennt 
es das Franzosenviertel, weil die Namen der Straßen und Plätze aus Frank- 
reich stammen. 

Das mächtige München hat aus seinem kleinen Nachbarn eine blühende 
Vorstadt gemacht. Sdion die Taglöhner in den Kiesgruben arbeiteten nicht für 
das Dorf Haidhausen, sondern für die Stadt. Fleute schaffen Tausende in 
diesem Stadtviertel für die große Gemeinde. Denk auch an das Krankenhaus, 
den Straßenbahnhof, die Straßenreinigungsanstalt, die Fabriken und an 
das Hof bräuhaus! Gottlob blieb der größte Teil dieser Vorstadt von den 
Schrecken des Krieges versciiont. Was wäre unser München ohne Haidhausen? 

1. Was sagen dir die alten Straßennamen: In der Grube, an der Kreppe (= Sand- 
grube), an der Sdiwaige, Sdiloßstraße, untere und obere Feldstraße, Preysingstraße 
(früher Alleestraße), Bogenstraße (= Bogenhausener Weg), Kellerstraße, Holz- 
hofstraße. 

2. Die Haidhauser Kinder haben es schwer, wenn sie die Straßen des sogenannten 
Franzosenviertels sdireiben und spredien müssen. Sdiau sie dir einmal an! 

3. Wo stehen die Haidhauser Kirdien und wie heißen sie? 

4. Wann braudist du den Ostbahnhof? Weldie Straßenbahnen fahren dorthin? 

5. Weldie Straßenbahnlinien kreuzen sidi am Max- Weber-Platz? 

6. Welche Volksschulen sind in Haidhausen? Das erste Sdiulhaus war im Preysing- 
Sdiloß. 

7. Lies auch die Erzählung vom Gasteig und die von der Hodiau! 

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Berg am Laim und seine Nadibarschaft 

Unsere Vorfahren bauten nicht nur die Häuser sondern audi die Kirchen 
aus Baumstämmen. So ein Gotteshaus mag in Baumkirchen gestanden sein. 
Die heutige steinerne Kirche ist dem heiligen Stephan geweiht. Das ver- 
bliebene Bauernhaus gegenüber der Friedhofmauer ist ein richtiges alt- 
bayerisches Anwesen. Die frühere Dorfstraße säumen kleine Häuser. 

Wie ein gespitzter Griffel weist der Kirchturm zum Himmel empor. Im 
Gottesacker künden verwitterte Grabsteine von Bauern, Pfarrern und Lehrern 
des Dorfes. Die eisernen Grabkreuze mit Rankengeflecht und beweglichem 
Türlein hat wohl ein geschickter Meister geschmiedet. In sdilichten Grab- 
stätten liegen barmherzige Schwestern zur letzten Ruhe gebettet. 

Der Name Baumkirchen ist beinahe vergessen. "Weil das schlichte Dorf 
gleichzeitig mit der alten Hofmark Berg am Laim zu München kam, ist dieser 
Stadtteil nach dem letzten Orte benannt. Vergeblich suchst du nach einem 
Berge in dieser Gegend. Eine leichte Bodenerhebung in der brettebenen 
Landschaft mag schuld sein, daß diese Ansiedlung erstmals so geheißen wurde. 
Der Beiname Laim bedeutet einfach Lehm. 



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Vor 600 Jahren lieferte Chunrad von Berg seine Ziegelsteine nach München. 
Aus seinen Gruben schaufelten die Taglöhner den Lehm und zogen ihn auf 
Karren zur Ziegelei hinauf. Die Ziegler kneteten den zähen Brei und formten 
ihn zu kantigen Stücken. Nadidem die Lehmsteine an der Luft getrocknet und 
im Ringofen gebrannt waren, brachten Pferdefuhrwerke die schwere Last 
auf der Landstraße in die Stadt. 

Neben den Ziegelstadeln, Taglöhnerhütten und Bauernhöfen wirkte das 
Gutshaus der Hofmark Berg am Laim wie ein Schloß. In sein Herrenhaus 
zogen vor 100 Jahren die Schwestern vom Orden der Englischen Fräulein. 
An Stelle der abgebrochenen Lorettokapelle errichteten sie die neue Kloster- 
kirche. Der Name Josephsburg erinnert an eine Schanze des Kurfürsten 
Joseph Clemens. 

Weiter drüben ziehen zwei Turme mit Kuppelhauben die Blicke auf sidi: 
die erhabene Michaelskirche. Die ist nicht so schlicht und bäuerlich wie die 
Dorfkirche von Baumkirchen, sondern groß und lidit, farbig und prächtig 
wie ein himmlischer Prunksaal. Ein Glaubensbund katholischer Ritter und 
Fürsten hat uns dieses Gotteshaus geschenkt. 

Berg am Laim und Baumkirchen sind zu einem Stadtteil verwachsen. 
Überall mischen sich Großstadthäuser zwischen die alten Behausungen der 
Bauern und "Wirte. Frei schaut das neue Schulhaus über seine kleinen Nach- 
barn hinweg. Große Bildtafeln in seinen Gängen lassen uns die Heimat 
erstehen, wie sie in vergangenen Tagen lebte. Schau nur, wie der schwer- 
beladene Piachenwagen die Landstraße daherkommt! Lustig sdinalzt der 
Fuhrmann mit der Peitsche. Bald wird sein Viergespann das Ziel erreicht 
haben: die Stadt München, die auf sein Salz wartet. 

L Wann gaben Berg am Laim und Baumkirdien ihre Selbständigkeit auf? 

2. Der Veitsadcer zwischen Verschiebebahnhof und Neu-Zamdorf erinnert an die 
Kapelle und Einsiedelei Sankt Veit auf dem Rasen. 

3. In Berg am Laim ist eine große Gleisanlage für Güterzüge. 

4. Betradite die Heimatbilder in;- Schulhaus ! 

5. Verwedisle Berg am Laim nicht mit einem anderen Mündiner Stadtteil! Er steht 
ebenfalls auf einem Boden, der früher mit Lehm bededtt war. 



Das Dorf des Engilschalko 

Als unsere Vorfahren auf Ochsenkarren in die Heimat gezogen kamen, 
schauten sie nach Ackerland um. Soldies fanden sie in der Lößlandsdiaft auf 
dem rechten Isarufer. Nidit weit entfernt liegen die wasserreidien und damals 
dichtbewaldeten Auen. Damit hatten sie den rediten Boden für Äcker und 
Wiesen gefunden. Also machten sie sich am Rande des fruchtbaren Lehmes 
seßhafl: Echardo in Echarding, Zamilo in Zamdorf,Tagolf in Daglfing, Tenno 
in Denning und Engilschalko in Englsdialking. 

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Engilschalko und seine Mannen fällten Bäume und setzten aus den 
ungeschälten Stämmen das erste Haus zusammen. Anfangs wohnten Herr, 
Gesinde und Vieh unter einem Dache. Als aber die Getreideernten ergiebiger 
wurden und das Vieh sich mehrte, reihte Engilschalko an das hochgiebelige 
Blockhaus einen Stall und gegenüber eine Scheune an. Ein fester, manns- 
hoher Zaun umsdiloß den Hof. So entstand das erste Gehöft, 

Bald reichte das einzige Bauerngut für die vielen Nachfahren des Engil- 
schalko nicht mehr aus. Diese bauten nahe dem Ersthof eigene Heime und 
wurden so die Nahbauern oder Nachbarn des väterlichen Gutes. Jeder neue 
Hof blieb zunächst im Besitz der Familie und wurde nur als Hube ausgeliehen. 
Dafür mußte der Huber seinem Herrn alljährlich Vieh und Getreide abliefern. 

Weil die Sippe des Engilsdialko beisammenblieb, erstand das Dorf Engl- 
schalking. Mit der Zeit wurden alle Bauern selbständige Herren über ihren 
Hof. Wiesen, Äcker, Weiden, Wälder und Fahrwege gehörten allen gemein- 
sam. Man verteilte anfangs die Fluren jedes Jahr aufs neue. Erst spät gingen 
sie in den Besitz der einzelnen Bauern über. 

In der Mitte des Dorfes bauten die Englsdialkinger eine Kirche auf. In 
den Kriegen der vergangenen Jahrhunderte brannten viele Gehöfte nieder, 
aber das schlidite Bauernkirchlein blieb gottlob erhalten. Eine verwitterte 
Mauer umfaßt den Gottesacker der alten Englschalkinger. Die Kirchenwand 
trägt verwaschene Grabtafeln einiger Geschlediter, die nach harter Bauern- 
arbeit hier die ewige Ruhe fanden. 

Wo heute das Englsdialkinger Schulhaus mit seinem Dachreiter und die 
neue Pfarrkirche Sankt Emmeram stehen, ist also uralter Bauerngrund. Die 
Englschalkinger sind jetzt Münchner geworden. Wie sollten sie aber die 
große Stadt lieben können, wenn sie nicht einmal ihre eigene Heimat kennen: 
das ehrwürdige Dorf des Engilschalko! 

1. Lies, wie ein Stammesbruder des Engilsdialko in Ramersdorf seßhaft wurde! 

2. Kennst du Leute namens Huber, Hufer oder Hofer? Haben sie einen Hof? 

3. Die Kinder von Denning, Zamdorf und Daglfing gehen audi nadi Englsdialking 
zur Schule. Zeig ihren Weg auf der Karte! 

4. Welchen vielbesuditen Sportplatz hat Daglfing? Denk nidit an Fußballspieler, 
sondern an Vierbeiner! 

5. Die Eisenbahn vom Ostbahnhof nadi Ismaning fährt die längste Stredse auf 
Münchner Boden. Wie heißen die Bahnhöfe, die zu Mündien gehören? 

Die Kirchenburg Johanneskirchen 

Wo die schwarze Moorerde ein Ende nimmt und der Boden lehmig wird, 
liegt auf einer leichten Erhebung das Dorf Johanneskirchen. Seine reichen 
Bauernhöfe mit den wuchtigen Giebelhäusern, hohen Getreidescheunen und 
geräumigen Ställen befinden sich am Ostrand des fruchtbaren Lehmlandes. 

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Der große Nachbar des Ortes 
ist das mäditige Pfarrdorf Ober- 
föhring. Als die Christen in 
freien Gewässern getauft wur- 
den, war Johanniskirchen die 
Taufstätte der Pfarrei. "Wahr- 
scheinHch floß am Moosrand ein 
Bädilein vorüber, das sich zum 
Taufen besser eignete als die 
kalte Isar. 

Wie eine trutzige Burg steht 
die Kirche auf dem sanften Hü- 
gel. Eine dicke Mauer umgrenzt den Freithof. Der Turm ist breit, fest und 
stark und lugt nach allen Seiten ins Land hinaus. Schmale Gudklöcher sind 
ins Mauerwerk eingelassen. Die weiten Fenster wurden später eingesetzt. 
Ursprünglidi stand der Altar nicht im Turme, sondern im KirdienschifF. "Wer 
in den Turm wollte, der konnte nur durch ein Schlupfloch im Oberstode ein- 
steigen. So mußte eine gute Burg gebaut sein, damit der Feind nicht ein- 
dringen konnte. 

In Kriegszeiten trieben sich Horden herum und bedrohten die Leute mit 
Mord und Plünderung. Vor solchen Drangsalen flüchteten die Johannes- 
kirchner in ihre Kirchenburg. Sie nahmen alle tragbaren Schätze mit und 
versorgten sich mit Wasser und Lebensmitteln. Das eichene Tor war mit 
Balken von innen verriegelt. Dann stiegen sie auf einer Leiter zum Dachboden 
hinauf, gingen vor zum wehrhaften Turm und verrammten den Einstieg von 
innen. Die Männer blieben oben bei den Ausguckluken, die Frauen und 
Kinder suditen Schutz im Untergeschoß. Hier waren sie sicher. Da konnten 
die mörderisdien Kriegsknedite weder durch Fenster einsteigen, noch eine 
Türe aufbredien. 

Tagelang hielten die Johanneskirchner stand. Als der Feind abgezogen 
Y/ar, sah es in den Behausungen traurig aus: Vieh und Hauskram, Roß und 
Wagen waren geplündert. 

So diente diese schlichte Kirche als Burg, freilich nicht für bewaffnete Ritter, 
sondern für wehrlose Bauern, die in Frieden säen und ernten wollten. 



r. Den Weg zum Turm kannst du heute nodi so gehen. 

2. Auf weldien Straßen kannst du Johanneskirdien erreichen? 

3. In der Umgebung Mündiens findest du weitere Kirdien, die wie eine Burg gebaut 
sind. Kennst du soldie? Sie sind uralt. 

4. Am Hadiinger Badi steht audi eine Taufkirdie. Fast hätte ich den Ortsnamen 
verraten. 

5. Auf welchen Straßen kannst du Johanneskirchen erreidien? 







In Bogenhausen 

Im ältesten Puginhusir besaßen die 
Benediktiner von Sdiäftlarn ein Bau- 
erngut. Später gehörte das Dorf dem 
Bisdiof von Freising und den Herren 
von Schwabing. Als Bogenhausen ein 
Pfarrdorf geworden war, unterstan- 
den dem Pfarrherrn audi Giesing, 
Haidhausen, Trudering, Riem und 
Gronsdorf. Die feindlichen Schweden 
versdionten im Dreißigjährigen Kriege 
auch Bogenhausen nicht. Etliche Bau- 
ernanwesen und die Schmiede gingen 
in Flammen auf. Die fleißigen Bogen- 
hauser verloren darüber keineswegs 
den Mut und bauten ihr Dorf wieder 
neu. "Weil es so reizend über der rau- 
schenden Isar liegt, wurden der Häu- 
ser immer mehr. Gern spazierten die 
Münchner zu den Einkehrstätten hinaus. Allerlei Schmankerl warteten dort 
auf sie. Am liebsten verzehrten die Gäste Brathühner, frisch von der Pfanne. 
Zwiscnen Wiesen und Bäumen verstreuten sich die herrschaftlichen Land- 
häuser. Das Gut des Grafen Montgelas am Isarabhang war das schönste. Den 
aussichtsreichen Hügel über dem Brunntal beherrschte der Kögelhof, der sidi 
allmählich zu einem kleinen Schlosse auswuchs. Unter dem Namen Neuberg- 
hausen wurde es sodann der Sitz des Grafen von Torring. Der liebte Bogen- 
hausen über alles. Er stiftete den prächtigen Hochaltar des heiligen Georg 
und die Kanzel. Daß er in diesem Gotteshaus audi seine letzte Ruhe fände, 
war sein Herzenswunsch. 

"Weil der Ort so hoch gelegen ist, ließen sich die Sterngucker dort nieder. 
"Weit und breit war kein Elindernis für das riesige Fernrohr. So konnte 
man Sonne, Mond und Sterne bei wolkenlosem "Wetter gut beobaditen. Vor 
mehr als hundert Jahren wurde dort die erste Sternwarte Münchens errichtet. 
"Wegen seiner gesunden und schönen Lage wuchs Bogenhausen zu einem 
vornehmen "Villenviertel heran. Schon ist der Herzogpark verbaut und aus 
dem "Weiler Priel ist eine stattliche Siedlung geworden. Die alte Landstraße 
von München nach Ismaning hat sich bis zum Herkomerplatz in eine Groß- 
stadtstraße verwandelt. Die steinerne Max-Joseph-Brücke führt zur Hirschau 
und zum Englischen Garten. 

I. Welche Straßenbahnen fahren nach Bogenhausen? 2. Such an der Kirdienmauer 
die Grabtafeln der sternkundigen Männer Söldner und Lamonts! 3. "Wann wurde 
Bogenhausen eingemeindet? 4. V/o ist die Bogcnhauser Sternwarte? An der Rosen- 
heimer Straße ist auch eine. 5. Lies die Erzählung von Fraunhofer! 



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Bei den Truderingern 

Trudering ist vielleicht das älteste Dorf um München. Vermutlich hatten 
die Heiden dort schon eine Opferstätte. Ihre Priester hießen Druiden. Sie 
richteten ihre Steinaltäre am Rande riesiger Wälder auf und opferten den 
Göttern sogar Menschen. So kann es wohl sein, daß der Name Trudering von 
diesen Druiden stammt. Andere glauben, Trudering sei das Dorf desTruchthari, 
der sich in dieser Gegend niedergelassen hatte. Jedenfalls ist Trudering uralt. 

Der Ort besteht seit langem aus drei Teilen. Das Dorf Kirchtrudering 
mit seinem Gotteshaus zu Ehren der Apostelfürsten Peter und Paul und der 
alten Schule ist das Herzstück der früheren großen Gemeinde. Die Dorfstraße 
bietet nodi heute ein ländliches Bild. 

Das langgezogene Dorf Straßtrudering hat seine anmutigen Bauernhäuser 
zu beiden Seiten der Wasserburger Landstraße aufgestellt. Da waren keine 
Häusler beheimatet, sondern wohlhabende Bauern. Die belieferten die Stadt 
mit Milch und Butter, mit Eiern und Schmalz, mit Getreide und Kartoffeln. 
Heute wohnen so viele Städter in ihren Häusern, daß sich das Dorf nidit 
mehr selbst ernähren könnte. 

Die Siedlung Waldtrudering ist mit ihren schmucken Gartenhäusern in den 
Wald hineingewadisen. Die neue Schule und das Kirchlein ersparen den 
Siedlern und ihren Kindern den langen Weg nach Kirchtrudering. Einstmals 
soll in dieser Gegend sogar eine Burg gestanden sein. 

Dieses uralte Drillingsdorf erhielt in neuester Zeit eine Schwester: die 
Gartenstadt Trudering, gegen Berg am Laim zu. Zum neuen Schulhaus an der 
Forellenstraße rücken die Kinder aus allen Richtungen an. 

Die Siedlung Midiaeliburg stand in argem Verruf, obwohl niemand das 
Warum sagen konnte. Jedermann scheute den Weg, der an diesem gefürchteten 
Nest vorüberführte. Nie befand sich hier eine Burg. Der erste Ansiedler 
hieß Michael. Vielleidit dachte man an die benadibarte Josephsburg und so 
mag die Siedlung diesen Namen erhalten haben. 

Als die Truderinger noch ihren eigenen Bürgermeister wählten, galt die 
Gemeinde als das reichste Dorf der ganzen Umgebung. Das wußten die 
Truderinger selbst, wenn sie ihre Taler in den Truhen und die Ringe an den 
Fingern zählten. Wie heißt ihr Liedlein? 

Mir san ma Leut, 

mir ham a Sdineid, 

mir ham a Geld, 

drum san ma g'stellt. 

Ring' ham ma aa an dö Finger, 

drum san ma dö lustigen Trudeririger! 

1. Wann wurde Trudering der Stadt einverleibt? 

2. Wie kommt man mit der Bahn, wie auf der Straße nadi den einzelnen Teilen 
Truderings? 

3. Weldie Stadtteile führen die Bezeidinung Gartenstadt? 

4. Kennst du die Sage von der Utaburg? 

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Riem, ein wohlbekannter Name 

Galopprennen in Riem! An Plakatsäulen hast du diesen Ortsnamen oft 
gelesen, Vielleidit durftest du schon mit deinem Vater die Rennbahn besuchen. 
Weißt du auch, daß draußen in Riem der Münchner Flughafen ist? Dort 
landen und starten Flugzeuge aus aller "Welt. Am Nordrand des riesigen 
Rollfeldes stehen die Bauten des Flugplatzes, größer als der Hauptbahnhof. 
So ist Riem ein wohlbekannter Name und ein wichtiger Stadtteil. 

Woher mag dieser Name stammen? Schon vor mehr als 1000 Jahren 
nannten die Bauern von Trudering, Daglfing und Feldkirchen ihre Nachbarn 
die Reamer. Du weißt ja, daß der Münchner auch heutzutage Reama statt 
Pviemen sagt. Wie ein Gürtel oder Riemen legten sich anfangs die Höfe 
dieses Dorfes um die Ortsmitte, die Kirche. Der Martin-Empl-Ring führt 
noch jetzt um die Freithofmauer. 

Hinter jedem Hause lagen Gärten und Äcker, Weiden und Wiesen. Es 
kostete viel Fleiß und Schweiß, bis der kiesige Boden ein wenig Getreide 
hervorbrachte. War doch bis weit hinter Feldkirchen nur dürres Feld, also 
Heide. Viele Klafter tief breitet sich das Geröll über die Ebene und schluckt 
alles Regenwasser. 

• Ehe Riem des Flugplatzes wegen eingemeindet wurde, bildete es mit dem 
Nachbardörfchen Dornach eine Gemeinde. Dort zog die Römerstraße von 
Feldkirchen nach Föhring durdi. Auf ihr verkehrten dann Salzfuhrwerke, 
bis die Brücke zerstört wurde. Hier am Rande des Moores standen einstmals 
mäditige Wälder und dorniges Gestrüpp. Daran erinnert der Name Dornach. 

Der neue Salzweg bog von Feldkirchen ab und wandte sich Munichen zu. 
Nun kam das Dörfchen Riem an eine wichtige Straße. Auf ihr verkehrten 
später Botenwagen und Postkutschen, Soldaten und Kaufleute von Mündien 
nach Wien. Vom einstigen Dorf stammen das ehrwürdige Martinskirchlein 
mit seinem Spitzturm sowie das Schulhaus mit seinem großen Garten. Ein 
paar Bauernhäuser stemmen sich noch fest in den Grund, wenn ihnen auch 
der Flughafen die meisten Fluren weggenommen hat und deshalb die Milch- 
kühe weniger geworden sind. 

Zum Kirchweihfest am Martinstag ging es bei den alten Riemern hoch her. 
Nach der kirchlichen Feier wurde gegessen und getrunken, musiziert und 
getanzt, daß es eine Lust war. Viele Gänse wanderten in die Bratröhre, und 
die Bäuerinnen stellten Waschkörbe voll Schmalznudeln bereit. Das war die 
gute alte Zeit. Ob ein Flug über Mündien oder der Besuch eines Pferderennens 
nicht ebenso Freude macht? 

1. An weldier Bahnlinie liegt Riem? Wie kannst du es außerdem erreidien? 

2. Wo beginnt die Riemer Straße? Sie ist mehrere Kilometer lang. 

3. Es gibt ein allgemeines Kirchweihfest für ganz Altbayern (am 3. Sonntag im 
Oktober); außerdem hat jede Pfarrei ihre besondere Kirdiweih am Festtag des 
Namenspatrons. 

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Bauerndörfer im Walde 

"^e ein grüner Gürtel legen sldi die Forste rund um Mündien. Vieltausend 
Menschen finden dort Erholung vom mühsamen Tagwerk und Lärm der 
Großstadt. Die Siedlungen in den Wäldern gehören zu den gesündesten 
Wohnvierteln. Früher war dieser Waldkranz zusammenhängend und aus- 
gedehnter. Im nördlichen und westlichen Umkreis sind die Gehölze und 
Lohen ein Überbleibsel jenes riesigen Urwaldes aus Buchen, Eichen,. Ulmen, 
Tannen und Birken. Dichtes Untergehölz und Sümpfe machten ihn undurch- 
dringUch. Wölfe und Bären waren die Schrecken für Mensch und Vieh. 

So gründeten die ersten Bauern alle Dörfer auf waldfreien Böden. Für die 
Nachkommen reichten die Äcker nicht mehr aus. Um das Jahr 800 blieb 
nichts anderes übrig, als den Wald zu schmälern und die abgeholzten Flächen 
umzuackern. Nahe rückten die Heimstätten an den Wald heran. Eigentlich 
sagte in dieser Zeit niemand Wald, sondern Lohe oder Lach, später Hart, 
Haar und Holz. Eine Reihe von Dörfern rund um München verdanken ihr 
Dasein jenen mutigen Männern, die trotz aller Gefahren den Wald bezwangen 
und niederschlugen, also rodeten. Bei vielen Ortschaften verrät schon der 
Name, daß sie uralte Waldsiedlungen sind. 

Vor rund 700 Jahren rüdcten die Bauern ein zweites Mal gegen den 
Forst vor. Die Roder oder Reuter drangen ins dicke Gehölz ein. Da fanden 
sie grasbewachsene, baumlose Flächen, die Wannen. Wiederum fielen die 
Buchen und Eichen unter den Hieben der Äxte. Kräftige Stiere halfen den 
Moderboden umpflügen, und der junge HausVater gründete einen eigenen 
Hof. Weil das Wasser für Mensch und Vieh unentbehrlich ist, lebten solche 
Waldsiedlungen nur dort auf, wo ein Brunnen gegraben werden konnte. 
Putzo mag der erste gewesen sein, der eine Waldlichtung im Höhenkirchner 
Forst urbar machte, einen Brunnen anlegte und sidi dort niederließ. Sein 
Unternehmen reizte zur Nachahmung. So entstanden die Bauerndörfer mitten 
im Walde. 

1. Wie heißen die großen Wälder rund um Mündien? 

2. Betradite die Karte! Wie helle Kledise sitzen versdiiedene Orte des Ostens mitten 
im Walde. Nenne soldiel 

3. Versudie, die Brunnorte zu erklären! Gibt es audi in anderen Himmelsgegenden 
der Stadt soldie Brunnorte? 

4. Sudie Ortsnamen mit: Lohe, Ladi, Hart, Haar, Holz, mit Reut, Kreuth und Ried. 

5. Weldie Bäume trifft man heute in unseren 'Widern an? 

6. In grauer Vorzeit bestanden die Wälder meist aus Budien, Eichen, Ulmen und 
Linden. Später misditen sidi audi Tannen, Birken und Föhren darunter. Nadi dem 
Dreißigjährigen Kriege wurde der Wald ausgeplündert, weil man zum Bauen alles 
Holz benötigte. Damit er sdineiler nadrwuchs, pflanzte man Fichten an. 

7. Keferloh liegt mitten im Walde. Keferloher bedeutet dreierlei: den Bauern von 
Keferloh, das Volksfest (anfangs September) und einen steinernen Maßkrug. 

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In der Großmarkthalle 

Dort, wo beim Südbahnhof die Züge qualmen 
und Auto hinter Auto hält und parkt 
im weiten Hof, da wölben und da walmen 
sich hoch die Dädier überm Hallenmarkt. 

Wenn hell die Sonne durch die Fenster lacht, 
gibt es ein farbenfrohes Bild 7.u malen: 
Da leuchten Früchte auf in praller Pracht 
mit blau und rot und gelb erglühten Sdialen. 

Salat und Rüben, Blumenkohl und Kraut, 
in Sack und Korb, in Kisten und in Ballen, 
auf Tisch und Bank zu Bergen aufgestaut, 
liegt alles da, den Käufern zu gefallen. 

Und während man noch da- und dorthin schaut 
und staunt und lauscht, wird es mit Gurt und Schnallen 
auf Karren hochgetürmt und anvertraut 
den Händlern, die es holen aus den Hallen. 

Und durch die Straßen, eh' der Morgen graut, 

rollt es dahin, von Tür zu Tür, 

bis es zuletzt im Laden aufgebaut, 

zu gutem Schmaus sidi anpreist, dir und mir. 



1. Die Großmarkthalle wurde 191 2 erbaut. Kennst du andere Märkte in unserer Stadt? 

2. 37 000 qm ist das Gelände groß. Wie oft könnte man da euren Sdiulhof hinein- 
stellen? 

3. Man hat die vier großen Verkaufshallen in die Nähe des Südbahnhofes gebaut! 
Warum wohl? An der Nordseite grenzt das Marktgelände unmittelbar an die 
Gleise an. Es können 1000 Eisenbahnwagen dort gleidizeitig bereitgestellt werden. 

4. Denkt nadi, in wievielerlei Fahrzeugen die Waren von der Großmarkthalle aus 
heimbefördert werden können zu eurem Krämer oder Gemüsehändler! Sdiaut, 
in weldien Gefäßen, Kisten und so weiter er seine Waren feilhält! Fragt ihn, 
woher er seine Früdite bezieht! 

j. Auf dem Gelände der Großmarkthalle gibt es audi Gefrier- und Kühlräume, 
eine Zollhalle, ein Kontor- und Bankgebäude, ein Postamt, eine Gastwirtsdiafl. 
Denk nadi, wozu! 

6. Die vollbeladenen Güterzüge kommen aus Tirol, Italien, Holland, Ungarn, Bul- 
garien, Jugoslawien, Rumänien, Griedienland und der Türkei. 

94 



Im Schlacht- und Viehhof 

Am letzten Mittwoch durfte Kurt mit dem Vater seines Freundes, dem 
Metzgermeister Kraus, in den Schlacht- und Viehhof fahren. PünktHch um 
6 Uhr wartete er vor dem Metzgerladen. Es dauerte nicht lange, da kurvte 
das Lieferauto des Metzgermeisters um die Ecke. Flink stieg Kurt ein, 
begrüßte seinen Freund Schorschi und dessen Vater und machte es sich auf 
dem Lederpolster bequem. Mit Windeseile ratterte das Fahrzeug durch die 
schlafenden Straßen bis zum Kapuzinerplatz. Dort bog es durch das Ein- 
fahrtstor in den Hof und parkte dann bei der großen Kühlhalle. 

Sie durchschritten erst das weite Gelände, überquerten die Zenettistraße 
und maditen einen Besuch im Viehhof. Trotz der frühen Morgenstunde 
herrschte hier reges Leben und Treiben. Am lebhaftesten ging es vorne bei 
der 200 m langen Laderampe zu, wo vom Südbahnhof her das Vieh an- 
geliefert wird. Soeben zischte ein Güterzug heran. Ein Brüllen und Blöken 
und Grunzen verriet, was da ausgeladen wird. Die Ochsen und Kühe wurden 
von den Viehwärtern hinübergetrieben in die Markthalle. Die Kälber durften 
auf einer Kettenbahn in ihre Stallung fahren. Die Schweine hatten es am 
feinsten: "Weil es oft sehr schwierig war, die widerspenstigen Tiere vom 
Fleck zu bringen, hat man eigens für sie eine recht glatte, schiefe Betonflächc 
gebaut, auf der sie in wildem Durcheinander hinunterrutschen zu dem Lauf- 
gang, der bis zur Schweinemarkthalle hinführt. Dort werden sie zunächst in 
Stallnischen untergebracht. Wenn sie von den Händlern verkauft und den 
Metzgern zugeteilt worden sind, dann treibt man sie auf einem unterirdischen 
Weg bis zur Schlachthalle hinüber. Hier erleben sie nochmal eine Rutschfahrt, 
die aber sehr traurig endet. Sie mündet nämlich in die sogenannte Schweine- 
falle, wo die liere blitzschnell getötet werden. 

Wenn das getötete Schwein ausgeblutet hat, wird es in einem mächtigen 
Kessel abgebrüht und dann enthaart. Schließlich kommt ein Fleischbeschauer 
und untersucht das tote Tier, ob nidit winzigkleine Würmchen (Trichinen) 
im Fleisch sich eingekapselt haben. 

Nun bringt man das Schwein in den Aussdilachteraum und hängt es hier, 
mit dem Kopf nach unten, an einen eisei-nen Haken. Ein Metzger schUtzt es 
auf, spült es mit Wasser aus und zerschneidet und zerlegt es dann in ver- 
schiedene Stücke. 

Kurt und Schorschi beobachteten alle Tätigkeiten ganz genau, als wollten 
sie Metzgerlehrlinge werden. Schließlich verließ der Vater mit ihnen den 
Schlaclitraum und kehrte zurück zur Kühlhalle. Eisigkalte Luft wehte ihnen 
entgegen. Herr Kraus sperrte seinen Gefrierraum auf, holte ein paar Ochsen- 
fleischstücke vom Haken, legte sie auf die mitgebrachte Mulde, trug sie auf 
den Schultern hinaus in den Hof und verstaute alles im Lieferwagen. Dann 
stiegen sie ein und los ging's . . . töff , töff , töff , die tläberlstraße entlang, 
über den Goetheplatz und durch die halbe Stadt zurüde nach Hause. 

5. 



1. Mündien besaß schon seit dem Jahre 1427 ein aus Stein gebautes Schlachthaus 
in der Nähe der Heilig-Geist-Kirche, wo sich heute noch die sogenannte große 
Fleischbank befindet. Viel später regte Dr. v. Pettenkofer den Bau eines Zentral- 
schlachthauses an. Die Stadt ließ es durch Zenetti um 5 Millionen Mark erbauen. 
Es bedeckt eine Fläche von 100 000 qm. 

2. Denk nach, wozu es eine Eisfabrik, eine Dampfkesselanlage, eine Sanitätsanstalt, 
eine Kuttlerei, ein Werkstättengebäude, eine Gastwirsdiaft und ein Kontorhaus 
umschließt! 

3. Welclie Fleischspeisen sind dem Münchner am liebsten? 

4. Nenne Tiere, deren Fleisch den Menschen zur Nahrung dient! 

5. Was v/ird beim Schlachten außer Fleisch gewonnen? 

6. Weißt du, wie der Metzger manche Fleischstücke bezeichnet? 

7. Welche Geräte und Werkzeuge benötigt der Metzger? 

8. Verendete Tiere v/erden in der Verniditungsanstalt verbrannt. 

9. Was weißt du vom Metzgersprung? 

Altes Sendung 

„Harras!" ruft der Schaffner. Hohe, vielstödcige Miethäuser und moderne 
Geschäfte schauen auf den breit angelegten Platz mit dem seltsamen Namen. 
Wer denkt wohl daran, daß hier, wo schwerbeladene Lastwagen den Harras 
überqueren und auf den Fernverkehrsstraßen weiterrollen, einstens Hirsdie 
und Bären, Füchse und Wildschweine lebten? Damals überdeckten aus- 
gedehnte Wälder das Sendlinger Oberfeld und den ganzen Hang hinunter 
bis zur Isar. 

Es war um die Zeit, als die wandernden Bajuwaren Land suchten und sich 
ansiedelten. Sentilo zog die Isar aufwärts und bahnte sich durch die dichten 
Uferwälder einen Weg. Droben auf der Höhe sah er weit hinein ins wilde 
Isartal. Das gefiel ihm so gut, daß er sich mit seiner Sippe hier niederließ. 
Mutige Männer waren unter den Nachkommen des Sentilo. Die Sendlinger 
gehörten zu den angesehensten Edelleuten des Landes. Noch vor zweihundert 
Jahren sah man die Ruinen Ihrer Burgen Im Reichental bei Oberscndling. In 
Untersendling standen die Bauernhöfe des Benedlktbeurer Klosters. Der 
Dreißigjährige Krieg hat vom Dörflein nicht mehr viel übriggelassen. 

Doch die Sendlinger bauten ihre Höfe wieder auf, rund um das Margareten- 
kirchleln und den Freithof. Immer schöner und größer wurde das Dorf auf 
dem Hochufer der Isar. Die Münchner Patrizier verbrachten droben in der 
guten Luft Ihre Ferien. So entstanden zwischen den behäbigen Bauernhöfen 
vornehme Landsitze. 

Die Gemeinde baute später die große Margaretenkirche und einen neuen 
Gottesacker. Als München das alte Dorf in seinen Burgfrleden aufnahm, 
wurde draußen In Holzapfelskreuth der prächtige Waldfriedhof angelegt. 
Nun dehnte sich Sendling nadi allen Seiten. Die Bauernhöfe versdawanden, 
große Wohnblöd^e und riesige Fabriken w^uchsen aus dem Boden. 

96 



Heute gehören die Sendlinger genau so wie die Schwabinger zur Großstadt. 
Das Dorf des Sentilo ist untergegangen. Überall lärmt und saust, rattert und 
rasselt der Großstadtverkehr. In allen Straßen Sendlings hetzen und hasten 
die Menschen. In allen Häusern und Fabriken sind fleißige Hände an der 
Arbeit. Nur selten, vielleicht an einem stillen Abend oder an einem Sonntag- 
nachmittag haben die neuen Sendlinger Zeit, die Erinnerungen an das alte 
Sendung zu suchen: das Kirchlein mit seinem Friedhof, die letzten Bauern- 
höfe, die älteste Schmiede auf Münchner Boden und die vielen Straßen mit 
den Namen aus vergangenen Tagen. 

1. Harras bedeutet Waldrodung. 

2. Sdion im Jahre 782 liest man den Namen Sentilinga in alten Urkunden. 

3. Bis zum Jahre 1811 gehörte das Schwabinger Ursulakirdilein zur Pfarrei Send- 
ung. "Welche Straßenbahnlinien verbinden heute die beiden Stadtteile? 

4. Sendung wurde 1877 eingemeindet. Es brachte 5804 Einwohner zu München. 
j. Weldie Stadtbezirke umschließt es heute? 

6. Weldie Schulen und welche Kirchen sind in Scndling? 

7. Welches Bad besudist du im Sommer? Welchen Wald sudit ihr auf? 

8. Wohin kann man von Mittersendling aus fahren? 

9. Was verraten dir die Namen Ober-, Mitter- und Untersendling? 

10. Die Straßenbahnhaltestelle Neuhofen erinnert an den Distelhof, der später zum 
Schlößchen Neuhofen umgebaut wurde. 

11. Welche Fabriken in Seudling kennst du? 

12. Wandere einmal hinauf zur Wolfratshauser Straße! Dort hast du den schönsten 
Blid^ auf München. 



Der Schmied von Kochel 



Über d' Brudien von Schäfllarn 
san s' zog'n bei der Nacht, 
die Stern', die ham glänzt, 
und die Brücken hat kracht. 

"Wohl fünftausend Bauern, 
die ham si verschwor'n: 
"Wenn mir jetzt nit helfen, 
is 's Landl verlor'n. 

Und wie s' an d' Stadt Münka 
hinkemma ans Tor — 
war alles verraten, 
und der Riegel war vor. 




7 Heimatbuch 



97 



„Aber z'ruck geht koa Boar", 
schreit der Balches, der Sdimied. 
„Wer a so an a '1 or klopti, 
der klopft so lang nit!" 

Und die eisernen Stroach' 
dunnern hin auf das Tor — 
da reit'n die Panduren 
nacli die Tauscnda vor. 



Dös wurlt und achezt 
und stürmt no a Weil — 
jetzt hoaßt's: Boarisch sterben! 
Koa Gnad' is mehr feil. 

Z'letzt lieg'n die Fünftausend 
am Schnee dort derschlag'n. 
Der letzt' war der Balthes, 
der 'n Fahna hat trag'n. 



Der Schnee is zergangen, 
's Gedenka z'geht nit — 
er is heunt no lebendi, 
der Balthes, der Schmied! 

Eine Sendlinger Fabrik 

Schon oft hat der kleine Toni seinen Vater gebettelt: „Bitte, nimm mich doch 
mit in die Fabrik, in der du arbeitest! Ich möchte sehen, wie die Zigaretten 
hergestellt werden!" 

Neulich, als der Toni mit einem guten Zeugnis heimkam, erfüllte ihm der 
Vater seinen Wunsch. Sie fuhren nach Obersendling. In Neuhofen stiegen sie 
aus. Schon nach wenigen Schritten tauchte das stattliche Fabrikgebäude vor 
ihnen auf. Der Pförtner drückte gutmütig ein Auge zu und ließ den Buben 
mit hinein. 

Zuerst führte der Vater den Toni in den Keller. Hier waren die Tabak- 
vorräte aufgestapelt. Die hatten alle eine weite Reise hinter sich. Toni konnte 
auf den angeklebten Zetteln lesen, daß sie aus Griechenland, aus der Türkei, 
aus Bulgarien, ja sogar aus Amerika gekommen waren. Als Toni gerade die 
Fässer zählen wollte, wurden einige davon auf Rollwagen hinausgezogen. 
Gleich schob er mit an und gelangte in den Vorfeuchteraum. Hier 
werden die Tabakpreßstücke ausgepackt und auf lange Tische gelegt. Von 
der Decke herab sprüht feiner Wasserstaub auf sie herunter. Dadurch lodcern 
sich die dürr zusammengepreßten Tabakblätter. Die Treibhauswärme des 
Raumes läßt sie gleichsam zu neuem Leben erwachen. 

Von fleißigen Frauen werden die Tabakblätter voneinander gelöst und auf 
ein vorbeisurrendes Laufband geworfen. Wie ein Rollteppich trägt dieses 
rastlos dahinfließende Band die Blätter weiter. Auf einem Schüttelrost 
werden sie mit anderen Sorten gemischt. In einem dickbauchigen Rohr zieht 
ein Saugwind sie empor bis ins obere Stockwerk. 

Oben in der Mas ch inen halle empfing den Buben ein ohrenbe- 
täubender Lärm. Der Vater führte ihn an eine der kreischenden Maschinen. 



98 



Mit unglaublicher Gesdiwindigkeit, SOOmal in jeder Minute, stürzen hier 
schiefertafelgroße, haarscharf geschliffene Messer auf die Tabakblätter und 
zerschneiden sie zu fadendünnen Fasern. Hernach werden sie entstaubt und 
in warmer Lufl gebadet. Eine Stachelwalze zerrauft und zerreißt die Fasern 
noch einmal und verteilt sie gleichmäßig auf ein rollendes Tucliband. 

Von diesem weg gelangen sie endlich in die Zigarettenmaschine, 
an ihr arbeitet auch Vater als Maschinenführer. Er zeigte dem Toni alle 
Hebel und Räder und Handgriffe. Was es da nicht alles zu beobachten und 
zu bestaunen gab! Das Papier für die Zigaretten wickelt sich von selbst an 
einer Rolle ab und saust als endloser Streifen dahin. Ein Stempel drückt den 
Namen der Zigarette darauf. Der eine Rand wird im Vorübersausen mit 
flüssigem Leim bestrichen. Dann fallt in genau abgemessener Menge der Tabak 
auf den wandernden Streifen. Etwas weiter vorne falten sich die Ränder des 
Papierbandes von links und rechts nach oben, wölben sich darüber, kleben 
ein wenig aufeinander und hüllen die Fasern ins gerollte Papier. Dadurch 
entsteht eine riesenlange Zigarette. Wie ein weißer Wurm kriecht sie bis zum 
Ende der Maschine. Dort werden Stücke von ihr abgehackt. Sie fallen dann 
einzeln als fertige Zigaretten herunter. Über 1000 Zigaretten speit jede dieser 
Masdiinen in einer Minute von morgens 7 Uhr bis 4 Uhr nachmittags aus. 

Die Packmaschine ist nicht minder fleißig. In ihr kippen sich die 
Zigaretten auf die Kartonrechtecke. Dann klappen die Seiten- und Deckel- 
flächen darüber und schließen sich zur Schachtel. Fix und fertig gleiten diese 
zuletzt den Packerinnen in die Hände und wandern in den Versandraum. 

Der Vater blickte auf seine Uhr und stellte fest, daß sie über zwei Stunden 
im Hause unterwegs gewesen waren. 

Als sie wieder in der Straßenbahn heimfuhren, fragte er den Toni: 
„Möchtest du einmal in einer solchen Fabrik arbeiten?" Der Bub wußte nicht, 
ob er mit „ja" oder mit „nein" antworten sollte. Aber eines war ihm klar 
geworden: Hier in der Fabrik wurde ganz anders gearbeitet als bei dem 
Schneidermeister, den er vor ein paar Tagen besuchte. Der konnte nach Be- 
lieben seine Zeit und seine Tätigkeiten einteilen. Einmal arbeitete er an einer 
Hose, dann wieder an einer Jacke oder an einem Mantel und konnte einen 
Anzug vom ersten Schnitt bis zum letzten Stich allein fertigstellen und sich an 
seinem Kunstwerk freuen. In der Fabrik war alles Schaffen minutengenau 
geregelt. Da hatte jeder einzelne seine besondere Arbeit, meist nur eine einzige, 
stundenlang, tagelang, wochenlang, jahrelang immer die gleiche. 

Da schloß sidi ein Handgriff in straffer Ordnung an den nächsten an. Da 
half keiner dem anderen und doch halfen alle zusammen. Wenn einer faulen- 
zen wollte, dann könnten die nächsten Maschinen nicht mehr weiterlaufen; 
dann geriete alles ins Stocken. Da wird die Arbeit aufgeteilt in viele viele 
Hände, in viele viele Stücke, in viele viele Maschinen. Und erst aus der letzten 
kommt das fertige Werk: Zigaretten — Zigaretten — Zigaretten — Millionen 
in einem Tag — jede gleich lang — gleich dick — gleich schwer — eine wie 
die andere! 

7» 99 



Aber keiner sieht man es an, daß mehrere hundert Arbeiter und Angestellte 
ihr tägliches Brot daran verdient haben. 

1. Inwiefern sind Masdiinen nützlidi — aber audi gefährlidi? 

2. Durdi weldie Kräfte können sie in Bewegung gesetzt werden? 

3. Wer baut sie? Zeidine einige! 

4. In Sendung sind viele große Fabriken. Weldie kennst du? Was wird in ihnen 
hergestelh? 

5. Ist Mündien eine Industriestadt? 

6. Die Münchner Industrie stellt in der Hauptsadie her: Bier, Kleidung, Elektro- 
artikel, Lokomotiven, Masdiinen, Motore, Autos, Eisenbahn- und Straßenbahn- 
wagen, Photoapparate, Ferngläser und diemisdie Erzeugnisse. 

7. Weidie große Mündiner Fabriken sind dir bekannt? 



Jifc^-e fleißige Isar 

Ich kenne einen tüditigen Arbeiter in Mündien, der sich keine Ruhe gönnt. 
Zu allen Jahreszeiten, an jedem Werktag und Sonntag, bei Tag und Nacht, 
ohne Pause und ohne Urlaub ist er unermüdlich tätig. Woche um Woche läuft 
er auf vielen Wegen (ich glaube es sind 35) an seine Arbeitsplätze. Er hat es 
immer eilig. Niemand hilft ihm. Niemand zahlt ihm einen Lohn. Oft kommt 
er schmutzig und schmierig aus seinen Werkstätten und Fabriken. Manchmal 
geschieht es sogar, daß böse Buben ihm Steine auf den Rüd^en werfen. 

Nur hier und da gerät er dodh aus seiner Ruhe: Da wird er über Nacht 
wütend und wild. Da braust er auf und gebärdet sich wie ein Räuber oder 
wie ein rachevoUcr Riese. Da reißt er alles mit, was ihm in den Weg kommt: 
Bäume und Gartenzäune und Rinder auf der Wese. Sogar Menschen hat er 
sdion ums Leben gebracht. Mauern sind abgebröckelt und eingestürzt, wenn 
er an sie mit aller Gewalt hinrannte und hinrüttelte. 

Von allen Seiten eilen die Leute dann herbei, um ihn zu besänftigen, um 
ihm seine Opfer zu entreißen und gegen ihn zu kämpfen. Aber sie können 
ihn nicht zähmen und bezwingen. Sie haben alle zusammen nicht soviel Kraft 
wie er. Geduldig müssen sie zusehen und warten, bis er sich wieder beruhigt. 
Meist dauert sein Wutanfall nur ein paar Tage. Dann wird er allmählich 
wieder leiser und freundlicher und weniger aufgeregt. Und schließlidh geht 
er wieder, genau wie zuvor, friedlich seiner Arbeit nach. 

Ihr habt inzwischen gewiß erraten, wie dieser fleißige Arbeiter heißt: Die 
Isar ist es, unser Heimatfluß! Sie bewegt Mühlräder und Maschinen in mehr 
als 70 gewerblichen Betrieben unserer Stadt. Sie treibt in den Elektrizitäts- 
werken die Turbinen, aus denen der Strom kommt für das Licht in den Häu- 
sern und Straßen, für die Triebwerke der Trambahn und für viele Motoren. 

100 



iiliirSmitnittr^L^ 

Sic liefert das Wasser für manche Springbrunnen, die unsere Gärten und 
Plätze verschönern. Sie schwemmt Regen und Schnee und das Abfallwasser 
in unterirdischen Kanälen aus dem Stadtgebiet und erhält dadurch unsere 
Wohnungen gesund. Sie schwemmt an ihren Ufern dauernd Kies und Sand 
an. Sie schleift Kieselsteine ab. Sie baut Inseln und hilft mit beim Mischen von 
Mörtel und Beton. Sie trägt Flöße und Paddelboote. Sie versorgt Wildenten 
und Möwen mit Nahrung. Sie bereitet Menschen und Tieren im Sommer ein 
kühles Bad. Bist du nicht selber schon in ihr geschwommen und hast ge- 
pritschelt und geplätschert in ihr? 

1. Isara heißt: die Reißende. 

2. Nenne gewerbliche Betriebe, in denen die Isar arbeitet! 

3. Denk nach, wozu der elektrische Strom uns nützt! 

4. Welche Springbrunnen Münchens sind dir bekannt? "Weldie Brüdien? 

5. Kommt noch ein andrer Fluß ins Mündiner Stadtgebiet? 

Im Elektrizitätswerk 

Sidier hast du schon oft bei dir zu Hause den kleinen Schalter an der Wand 
umgedreht, wenn es in eurer Stube dunkel geworden ist. Hast du einmal 
darüber nachgedacht, woher das schimmernde Licht kommt, das da plötzlich 
in den haardünnen Drähten der Glasbirnen glühend aufflammt? 

Aus kaltem Wasser ist es zu heißem feurigem Leben erwachsen. Klingt das 
nicht wie ein Wunder? 

An der Isar bei Thalkirchen ist das Geburtshaus des elektrischen Stromes. 
Da haben kluge Menschenhände einen starken Mauerdamm quer von Ufer 
zu Ufer gebaut, um die Fluten des Kanals zu stauen. In der Mitte aber, wo 
ein schmaler Vorbau nach den Wildenten guckt, die manchmal neugierig bis 
zu den Schleusen heranrudern, da stürzen unsichtbar, aber rauschend, durch 
eiserne Rohre die Wassermassen mehrere Meter tief hinab auf die Turbinen. 
Das sind große stählerne Schaufelräder, die durch die Sturzkrafl der Wellen 
sich ununterbrochen im Kreise drehen. Sie treiben ruhelos und gleichmäßig bei 
Tag und Nacht die schweren Maschinen, die links und rechts in den hoch- 
fensterigen Hallen an sie angeschlossen sind. Während sie leise und geheimnis- 
voll singen und summen und surren, verwandelt sich in ihnen die Gewalt 
des Wassers in elektrische Stromkraft. Diese wird eingefangen in viele viele 
Drähte. In ihnen wird der Strom teils hoch oben von Mast zu Mast, teils In 
Kabeln unter den Straßen fortgeleitet und über die ganze Stadt verteilt. Vor 
den Schaltertafeln der Halle aber überwacht ein Werkmeister an den Zahlen 
und Zeigern der Meßuhren die regelmäßige Arbeit der Maschinen. Er träufelt 
zuweilen öl auf heißgelaufene Räder. Er tippt auf Druckknöpfe und dreht 
an Hebelgriffen. Er versieht pünktlich und sorgfältig seinen Dienst, damit 
nicht plötzlich in unserer Wohnung das Licht erlischt oder die Straßenbahn 
mitten am Weg aufhört zu fahren. 

xoi 



i. München hat mehrere Elektrizitätswerke an der Isar. Weißt du, wo sie sind? 

2. Zähle Maschinen und Geräte auf, die mit elektrischem Strom in Tätigkeit gesetzt 
werden! 

3. Beobachte die Beleuchtung der Straßen in deinem Schulbezirk! 

4. Die ersten Bogenlampen leuchteten 1888 in der Blumenstraße. 

j. Warum wird das Licht oft für ganze Stadtviertel stundenlang abgescbaltet? 
6. Lies die Erzählung vom Stauwehr! 

Bei den Überfällen 

Wenn man durdi die Isarauen, von der Braunauer Eisenbahnbrücke aus 
südwärts wandert, kommt man kurz vor dem Elektrizitätswerk an eine mädi- 
tige Lindengruppe. Dort überquert ein langer Holzsteg, in schräger Richtung 
nach Hellabrunn hinüber, das breite Flußbett. Man heißt die Gegend hier die 
Überfälle, weil das Wasser über Dämme und Wehre herabfällt. Im Flußbett 
liegen zwei Inseln mit großen Kiesbänken an den Rändern, An manchen 
Stellen hat sich pulvriger Sand angesammelt; zuweilen ist er auch lehmig und 
feucht wie Schlamm. 

Hier lagern im Sommer oft die Leute und sonnen sich. Junge Burschen 
zeigen an den Wasserfällen und Stauteichen ihre Schwimm- und Springkünste. 
Von Thalkirchen her ertönt dann und wann ein Glockenschlag. Auch die 
Tiere vom Zoo kann man gelegentlich brüllen und schreien hören. 

Früher soll man nicht selten auch sonderbare Pfiffe vernommen haben, die 
blitzschnell und geheimnisvoll und meist sehr schrill durch die Lüfte gellten. 
Namentlich am späten Abend und nachts war es oft sehr unheimlich. Da 
wurde man plötzlich ganz nahe am Ohr, dann wieder aus einem Busch heraus 
oder aus weiter Entfernung angepfiffen, daß man erschrocken zusammenfuhr. 

Eine Sage erzählt, das sei eine Isarnixe gewesen. Ein unsichtbares Geister- 
dien, das Tutlipfeiferl, hatte seine größte Freude daran, wenn es die Wanderer 
und späten Helmgänger necken und erschrecken konnte. 

Ob es heute noch dort herumgespenstert, das weiß ich nicht. Dafür aber 
pfeifen zur rechten Zeit, nicht minder schrill und aufschreckend, die Loko- 
motiven der Isartalbahn, die bei den Schranken vor der Thalkirchner Brücke 
vorüberfährt, oder auch die Paddelbootfahrer, die nach fröhlich-gefährlicher 
Wellenreise nicht weit davon landen. 

1. Suche auf der Karte von München die Überfälle! 

2. Die angeschwemmren Kieselsteine an den Flußinseln heißt man auch Geröll oder 
Schotter! Denk nach, was diese Namen verraten! Beobachte die Lage der Kiesel- 
steine: Sie wenden fast alle ihre Breitseite nach Süden, gegen die Strömung des 
Flusses zu. So kann das Wasser am leichtesten über sie hinweggleiten. 

3. Thalkirchen ist ein alter Wallfahrtsort. Lies die Gedenktafeln in der Kirdie! 
Was erinnert noch an das einstige Dorf? 

4 In Maria-Einsiedel bauten die Brüder Asam ein Schlößl. Lies: Das Asamkirchleln! 
5. Wie heißt das Freibad der Thalkirchner? 

102 



6. Hast du schon Nixen auf Bildern gesehen? Beschreibe, wie sie aussehen! 

7. Suche im Fahrplan die Bahnhöfe der Isartalbahn! 

8. Südlich der Witrelsbacherbrücke sind herrliche Grünanlagen an der Isar. Vor 100 
Jahren waren hier noch wilde Auen. 



Allerlei Kieselsteine 

Vor einigen Tagen kam der kleine Peter zur Tür herein, als wenn er von 
einer schwierigen Bergkraxelei käme. Sein Rucksack schien furchtbar schwer 
zu sein, obwohl er nicht einmal ganz voll war. Peter stemmte ihn von der 
Schulter und fing an auszupacken. Aber ihr täuscht euch, wenn ihr meint, 
es wären Schwammerlinge oder Tannenzapfen oder Kastanien darin gewesen. 
O nein! Steine waren es, ganz gewöhnliche Steine. 

Als Peter anfing, sie am Fensterbrett behutsam nebeneinander aufzureihen, 
sagte die Mutter: „Aber Peter! Bist du denn ein Kindergartenbub geworden, 
weil du mit Steinen spielst?" „Ich spiele ja gar nicht!" antwortete Peter. „Ich 
forsche! Ich untersuche sie genau. Ich möchte etwas entdecken an ihnen, was 
man meist gar nicht beachtet, wenn man sie in die Hand nimmt! Der Lehrer 
hat gesagt, wir sollen am Montag Kieselsteine mitbringen. Aber wir sollten 
sie vorher ganz genau anschauen. An jedem müßte etwas Besonderes zu sehen 
sein. Ich habe schon etwas entdeckt ! Siehst du, jeder Stein ist ein wenig anders." 

Tatsächlich: Es waren schneeweiße darunter, hellgraue, rote, glatte und 
sandigrauhe, gelbe und schwarzweiß gesprenkelte, auch solche, die dunkel 
schimmerten und glitzerten, als wären sie mit kleinen Glassplittern übersät. 

Peter holte aus der Schublade ein Vergrößerungsglas. Dann nahm er jeden 
Stein einzeln in die Hand und drehte ihn nach allen Seiten. Hierauf ordnete 
er sie nach vier Gruppen. Schließlich klappte er sein Taschenmesser auf 
und ritzte und kratzte und schabte an einigen herum. Man konnte wirk- 
lich die Spuren davon ganz deudich feststellen und sogar kleine Zeich- 
nungen hinaufkritzeln. Auch mit dem Hammer fing er an, ein paar zu 
beklopfen. Wieder andere rieb er so fest aneinander, daß ganz feiner Sand 
davon wegstaubte. Zuletzt bettelte er sogar noch die Mutter, ob er nicht das 
Gläschen mit Salzsäure nehmen dürfe. „Meinetwegen", sagte sie, „aber sei 
vorsichtig! Die Säure frißt in jeden Stoff, in jede Haut ein Loch und brennt 
wie Feuer!" Peter träufelte kleine Tropfen auf jeden Stein. Sieh da! Bei vielen 
von ihnen hörte und sah man ganz deutlich ein feines Brausen und Zischen, 
als die Säure den Stein berührte. „Das sind bestimmt Kalksteine", behauptete 
Peter. „Und hier, der milchig-weiße, das ist Quarz. Der dunkelgrüne mit den 
weißen Streifen ist Hornblende. Dort der silbrig glitzernde, den heißt man 
Glimmerschiefer." 



103 



Die Mutter war sehr erstaunt darüber, was Peter alles wußte. Sie kam ans 
Fensterbrett und ließ sich nochmal die einzelnen Unterschiede zeigen. Kalk- 
steine waren es am meisten. Sogar ein Nagelfluhbrocken war darunter. Bei 
dem waren Kieselsteine mit Sand und Kalk in ein einziges Stück zusammen- 
gekittet. Peter war sehr stolz darauf, daß er seiner Mutter etwas erklären 
konnte. Als er am Montag damit in die Schule kam, hatten auch die anderen 
ßuben ihre Steinsammlungen dabei. Der Herr Lehrer war sehr erfreut über 
ihren Fleiß und erzählte ihnen über die Steine eine Geschichte, die fast wie 
ein Märchen klang. 



"Wandernde Steine 

Der Kieselstein, der hier auf dem Pult liegt, der war nicht immer da, 
wo ihr ihn gefunden habt. Er hat auch nicht immer so ausgesehen wie jetzt. 

Als riesengroßer Felsblock saß er einst, vor Millionen Jahren, weit im 
Süden unserer Heimatstadt, auf dem Gipfel eines Berges, fest mit den anderen 
Felsen verwachsen. Eines Tages kam eine riesige Eis- und Schneemasse daher- 
gerutscht und überdeckte die Berge bis zu den höchsten Spitzen. Von der 
Kälte, von der Sonne und vom Sdimelzwasser wurden abwechselnd große 
Spalten in die Felswand gefressen, so daß sich schließlich ungeheure Brocken 
vom Berggipfel loslösten und in kleinere Trümmer zerstückelt wurden. Als 
ein soldier unförmiger Steinblock ritt unser Kieselstein auf dem Eisrüdicn 
eines Gletschers zu Tal. 

Von 4000 und 3000 Metern ging es bis zu 2000 und 1000 Meter herunter. 
Aber es war keine schnelle Rodelfahrt, wie ihr vielleicht meinen möchtet. 
Es ging sehr, sehr langsam. Jede Stunde nur ungefähr 3 cm. Auf einmal 
zerschmolz dann die Eismasse zu brausendem "Wasser und der Stein wurde 
wirbelnd mitgerollt. Durch das viele und lange Rutschen und Kugeln und 
Rollen wurde er an allen Ecken und Kanten abgeschliffen und immer runder 
und flacher und runder und glatter und kleiner und kleiner. Bald blieb er 
monatelang am Ufer eines Flusses liegen. Dann riß ihn plötzlich wieder ein 
Hochwasser kilometerweit fort, nach Norden zu, aus dem Gebirge heraus in 
eine weite waldreiche Ebene. Schließlich wurde er in der Nähe von München 
Im Flußbett der Isar angeschwemmt an einer Sandbank. Viele deiner Kame- 
raden, die mit ihm die lange Reise vom Gipfel bis ins Tal miterlebt hatten, 
sind unterwegs irgendwo liegen geblieben oder sie sind verwittert zu feinem 
körnigen Kies oder gar zu staubähnlidiem Glitzersand. Unser Kieselstein hat 
da draußen am Isarstrand viel gesehen und erlebt, bis er vor einigen Tagen 
aus dem großen Haufen seiner Brüder herausgeklaubt wurde. Nun guckt er 
uns stumm und verwundert an. Wenn er reden könnte, hätte er euch diese 
Geschichte erzählt. 

104 



1. Denkt nach: Wo hat es ihm am besten gefallen? Was wird er noch alles erleben? 
Wohin können seine Kameraden gerollt und geraten sein? 

2. Nennt andere Steine, die ihr kennt! Edelsteine, Kunststeine? 

3. Erzählt, wozu man die Steine braucht! Wie heißen die Handwerker, die Steine 
bearbeiten? Welche Werkzeuge haben sie? 

4. Vergleicht Stein und Holz miteinander! 

5. Wo gibt es in unserer Nähe Kiesgruben? 



Gartenstadt Harlaching 

Von Phlox und Flieder, Rosen und Jasmin 
umduftet und umzäunt von dichten Hecken, 
so steh'n die Villen in den Gärten drin, 
als wollten sie sich vor der Welt verstecken. 

Voll schwerer Früchte beugt sich Ast an Ast. 
Verirrte Falter flattern um die Ecken. 
Im Ringeltanz um einen Fahnenmast, 
da hüpfen Kinder, die sich lachend necken. 

Die Türmchen und die stillen Tore wecken 
Erinnerungen wie an Märchen fast . . . 
Und wo die Straßen nach dem Tal sich strecken, 
da lädt ein Wallfahrtskirchlein uns zu Gast. 

Ein Denkmal rühmt den Maler, der hier gerne 
den Glanz der Landschaft auf die Leinwand schuf. 
Vom Tierpark her vernimmt man aus der Ferne 
zuweilen dröhnend einen Raubtierruf. 

Und während man den Höhenweg entlang 
den Blick läßt wandern nadi der Isar zu 
da sprudelt unten, kühl am Uferhang, 
manch helle Quelle aus dem Nagelfluh . . . 

Wohin man audi den schmudien Ort durchschreitet, 
nach Siebenbrunn, zur grünen Mentersdiwaige, 
von Vogelliedern wird man stets begleitet 
und vom Gcwinkc bunter Blütenzweige. 



105 



1. Schwaige ist ein großes Bauerngut. Kennst du Schwaiger in der Stadt? 

2. Zähle Garienblumen auf! Wo pflegst du Blumen? 

3. Fahre mit der Straßenbahn (welche Linie?) zum Tiroler Platz! Besudle das St.- 
Anna- Kirchlein — zeichne es ab! 

4. Das Denkmal neben der Kirche ließ König Ludwig L für den Landsdiaflsmaler 
Claude Lorrain errichten. 

5. Harladiing hieß früher Hadlaching und war eine „Niederlassung des Hadaleih". 
Heute unterscheidet man Neu- und Altharlaching. 

6. Besuche den Tierpark! Welche Tiere kannst du zeidinen? 



An der Marienklause 

Von Karlaching führt ein Pfad hinunter zur Marienklause. Ein kleiner 
Garten mit Kreuzwegtafeln lädt die Vorübergehenden zu kurzer Rast ein. 
Unter der Kapelle aus Birkenstämmen murmelt eine frische Quelle, Über 
der Grotte ist eine Tafel angebracht: 

„Jakobsbrunn bin ich genannt. 
Mein Herz ist tief in Felsenwand. 
Ist meine Quell auch eng und klein, 
so ist doch's Wasser klar und rein. 
Gesundheit bringt's und Lebenskraft 
wohl mehr als mancher Gerstensaft! 
Das merket, Pilger lobesam, 
seid meine Gäste dann und wann! 
Verschont mir rings, was ihr erblidct, 
da ich jetzt freundlich euch erquickt!" 




1. Bei der Marienklause zweigt der Auer Mühlbadi von der Isar ab und fließt in 
den Tierpark ein. 

2. Am Schleusensteg bei der Floßtenne künden Marterl von verunglüdcten Flößern. 



106 



An der Floßlände 

Die Kinder von Großhesselohe, von Prinz-Ludwigs-Höhe und Thal- 
kirchen, die haben einen feinen Spielplatz: die Floßlände bei Maria Einsiedel. 
Da können sie auf den hohen Haufen der gelagerten Baumstämme herum- 
klettern oder wie Seiltänzer auf schmalen Balken balanzieren, sich verstecken 
hinter den langen Scheitholzmauern oder Kieselsteine ins Staubecken des 
Floßhafens schleudern. Ein paar stehen immer auf der Lauer, oben bei der 
Landzunge in Hinterbrühl, wo der Floßkanal vom Werkkanal abzweigt und 
ein riesengroßes Standbild, ein Flößer aus Erz, zur Großhesseloher Brücke 
hinüberguckt. Sobald sie von dorther ein Floß daherschaukeln sehen, eilen 
sie alle mit Geschrei und Hallo zur Schleuse hin, damit sie miterleben können, 
wenn das Fahrzeug in blitzschneller Fahrt über die starke Neigung der 
Floßtenne hinabgleitet. 

Wo der Kanal sich dann zum Ländebecken weitet, steuert der Flößer das 
Ufer an. Dort wartet schon ein Ländegehilfe und wirft ihm ein Seil zu. Mit 
diesem wird das Floß angepflockt. Nun werden die Eisenklammern gelockert 
und die riesigen Balken einzeln ans Land geschwemmt und gerollt. Die 
Flößer und ihre Helfer stehen dabei mit hohen Wasserstiefeln in den kalten 
Fluten. Starke Rosse schleppen an langen Zugketten die Stämme zum Lager- 
platz. Oft werden sie auch gleich auf Fuhrwerke oder Lastauto oder Eisen- 
bahnwagen verladen und fortgefahren. Manche Stämme sind über 20 Meter 
lang. Der Ländemeister schreibt die Zahl der Balken und die Ladung, die ofl 
noch mitbefördert wird, genau auf. Er sorgt dafür, daß kein Floß länger 
als höchstens drei Tage im Wasser bleibt. Die Flößzeit dauert von April bis 
November und manchmal kommen mehr als ein Dutzend täglich zur Landung. 

Vergnügungsfahrten auf der Isar sind sehr behebt. Namentlich an den 
Sonntagen treffen da die voUbeladenen Flöße im Laufe des Nachmittags in 
bunter Reihe an der Lände ein. 7 bis 8 Stunden dauert die Fahrt von Tölz 
bis Thalkirchen und lustig geht es dabei zu. Fähnlein werden geschwungen, 
Zither und Ziehharmonika wird gespielt. Fröhliche Heimatlieder hallen durch 
die Landschaft, an der die 30 bis 40 Fahrgäste mit bewundernden Blicken 
vorübergleiten. Zuweilen gibt es auch kalte Spritzer und nasse Wellengrüße 
auf die Kleider und ins Gesicht, bis endlich alle am Landeplatz vergnügt und 
befriedigt ans Ufer springen. 

1. Suche Orte an der Isaf, woher die Flöße kommen können! 

2. Die Zentrailände wurde 1899 erbaut. 100 Flölse hätten gleidizeilig In ihr Platz. 

3. Beschreibe nach einem Bilde das Aussehen eines Flößers! 

4. Denk nadi, was die Baumstämme noch alles erleben können, die in Maria Einsiedel 
gelandet werden! 

j. Kann man München eine Hafenstadt nennen? 

6. Miß die Länge der Isar von Lenggries bis München und berechne die Stunden- 
geschwindigkeit eines Floßes! 

7. Oberhalb Thalkirchen liegt der kleine Hinterbrühler See. 

107 







Auf der Großhesseloher Brüdie 

Am Mittwoch vor Pfingsten machte unsere Klasse einen Maiausflug ins 
Isartal. Am besten gefiel mir die Großhesseloher Brücke. Die sah ich zum 
ersten Male und ich war erstaunt, daß es so etwas in München gibt. Ebenen 
Weges verbindet sie die beiden Hochufer über das tiefe Tal. Schlanke Riesen- 
pfeiler, aus Ziegeln gemauert, türmen sich vom Hochwasserbett zu jener 
Höhe empor und tragen die eisernen Bögen der Brüd^e. Die Großhesseloher 
Überfahrt ist für die Eisenbahn bestimmt, doch führen zu beiden Seiten der 
Schienenstränge Stetre für Fußgänger über die grüne Isar, Endlich standen 
wir auf der hohen Brüdce. 

Hier bietet sich eine herrliche Aussicht. Steile Ufer mit dunklen Tannen 
und maigrünen Laubbäumen säumen das enge Tal. Der Lehrer zeigte nach 
dem Norden. In dunstiger Ferne liegt die Münchner Stadt. Das Kuppeltürm- 
dien von Thalkirchen und das riesige Schornsteinpaar beim Isartalbahnhof 
stehen vor dem Häusermeer. Dahinter heben sich die Paulskirche, der Justiz- 
palast, die Theatinerkirche und der Petersturm ab. Wir erkannten alle das 
Wahrzeichen der Heimatstadt: die Frauentürme. 

Plötzlich schrie der Beni aus Leibeskräften: „Gebt's obacht, Madin, jetz 
fallt glei d' Bruck'n z'samm!" Ein Zug fuhr im Bahnhof ab. Sdion dröhnte, 
stampfte und rasselte es und die Brücke zitterte unter meinen Füßen. Im Nu 
war alles vorbei. Der Dampf der Lokomotive schwebte wie weiße Wölkchen 
über dem Tale. Drunten glitt ein Floß auf dem Isarkanal dahin. Mehrcrc 
Personen saßen darauf und einer in der kurzen Wichs hielt das Steuer in 
Händen. Die Leute jodelten herauf und wir winkten ihnen lange nach. 



io8 



Drüben am Waldbrünnleln hielten wir nodj eine fröhlidic Rast. Der Fritzl 
nahm seine Mundharmonika aus der Joppentasche, klopfte sie etlidie Male an 
die Hose und spielte ein lustiges Liedl vor. Wir hatten es sogleich gekannt 
und sangen alle mit: 

„Fahr'n ma nadi Minka mit 'n Floß, 
da geht's glei sdineller wie mit die Ross', 
und dann beim Steirer, da kchrn ma ein, 
da gibt's a Bier und a Glaserl Wein." 

Da lachte unser Lehrer und sagte: „Dös tat eudi passen, euch Schlankl!" 

1. Die Großhesseloher Brüdse ist 35 m hodi, 234 m lang und 12 m breit. Sie wurde 
1857 gebaut und war damals die hödiste Brüdce der Welt. 

2. Welche Eisenbahnlinien führen über diese Brücke? 

3. Wie viele Eisenbahnbrüdten überqueren in München die Isar? 

4. Die südliche Burgfriedensgrenze führt zwischen den Bahngleisen über die Brücke. 
Welchen Steg mußt du benützen, wenn du auf Münchner Boden bleiben willst? 

5. Miß die Entfernung bis zur nördlidicn Stadtgrenze bei Oberföhring! 

6. In der Waldwirtsdiaft findet alljährlidi zu Pfingsten die vielbesuchte Großhesse- 
loher Kirchweih statt. 

7. Forme im Sandkasten das Isartal bei Großhesselohe! Zeichne die Brüdse I 



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Der große Heiner 

Das ist kein Bub, sondern der Name für einen riesengroßen Felsen, für 
einen Nagelfluhklotz, der südlich von Grünwald aus dem Flußbett der Isar 
fast 7 m hoch emporragt. Wahrsdaeinlich ist er einmal, vor langer, langer Zeit, 
vom Hochufer herabgestürzt. 

Seither hat er schon ungeheuer viel erlebt: Er hat nodi die Bären brummen 
und die Wolfe heulen hören, die vor mehr als 1000 Jahren durch die Ufer- 
aucn schlichen. Er hat die römischen Soldaten über die Brücke marschieren 
sehen zu ihrem befestigten Lager, an das heute noch die Römerschanze erinnert. 
Er hat die Axtschläge vernommen, mit denen die Bajuwaren sidi Wege und 
Pfade durch die Wildnis bahnten. Er hat den Turmwächter vom Schloß 
G -jünwald ins Hörn blasen hören, wenn der Herzog von seinen Jagdausflügen 
nach Hause geritten kam. Viele Flöße sind im Laufe der Jahrhunderte an ihm 
Yorbcigeschaukelt, schwer beladen mit Waren oder dicht besetzt von fröhlich 



109 



jauchzenden Mensdien. Alle waren sie froh, wenn sie ohne Anprall an ihm 
vorüberkamen. Im Jahre 1805 aber geschah es, daß der Floßmeister Georg 
Müller aus Lenggries nicht mehr rechtzeitig und rasch genug zur Seite steuern 
konnte. Mit aller Gewalt stieß sein Floß an den Felsen. Da flehte er in höchster 
Not seinen Namenspatron, den heiligen Georg, um Hilfe an. Und siehe da! 
"Wie ein Wunder entkam er der drohenden Gefahr. Zum Dank für die Ret- 
tung hat er später das Bild des Heiligen dort auf dem Felsen angebracht. 
Drum nennt man ihn jetzt auch den Georgenstein. 

Schon öfter sollte er gesprengt werden. Aber immer wieder hat man davon 
abgesehen, es zu tun. Er soll als ein Naturdenkmal aus wilder Vorzeit er- 
halten bleiben. So wirbeln und wogen Tag und Nacht und Jahr um Jahr die 
Fluten ohne Rast und Ruh an ihm vorbei. Niemand spürt so unaufhörlich, 
so lange schon und so fühlbar am eigenen Leib wie er, daß unser Heimatfluß 
mit Redit von den alten Kelten den Namen erhalten hat: Isara, die Reißende. 

1. Denk nach, was am Sturz des Nagelfluhklotzes sdiuld gewesen sein könnte! 

2. Nenne andere Schutzheilige, die von den Menschen in der Not angerufen werden! 

3. Lies im Lesebuch 5.76. Schuljahr: „Wildwasserfahrt auf der Isar". 

Burg Grünwald 

Wenn du einmal einen Sonntagsausflug nach Grünwald unternimmst, 
dann vergiß nicht, die Burg zu besuchen, die dort mit ihrem Aussichtsturm 
weit über das Isartal und über die Bauernhäuser und Villen der Ortschaft 
hinwegblickt! 

Man sagt, daß schon vor 2000 Jahren an ihrer Stelle von den Kelten ein 
Schutzwall erbaut worden sei. Mit Weib und Kind und all ihrer Habe flüch- 
teten sie sich hmter die Erdmauern und Zäune, wenn sie von feindlichen 
Stämmen und Sippen überfallen wurden. Später sollen die Römer die Herren 
dieser Wälle geworden sein und einen Wachtturm errichtet haben. Als die 
Bajuwaren die Gegend um München besiedelten, ist ein großer Meierhof dort 
entstanden. Die Mönche vom Kloster Tegernsee waren die Besitzer. Von ihnen 
erwarb im Jahre 1293 der Bayernherzog Ludwig der Strenge dieses Gehöft 
und ließ ein Schloß daraus erbauen. In seinen Höfen und Räumen ist später 
dann der kleine Ludwig herumgetummelt, der als Wickelkind im Alten Hof 
zu München von einem Atfen auf das Erkerdach getragen worden ist. 

Besonders lebhaft und lustig aber ging es im Schlosse unter Herzog Sigis- 
mund zu. Da wurde oft bis spät in die Nacht hinein gesungen und Wein 
getrunken und mit Würfeln und Karten gespielt. Fahrende Sänger trugen 
ihre Lieder vor. Es bellten ganze Rudel von Jagdhunden im Hof und durch 
das Burgtor wurden die Wildschweine und Hirsche getragen, die man rm 
Grünwalder Forst erlegt hatte. Herzog Christoph der Starke übte zuweilen 
seine Arme im Steinblockheben und im Speerwurf, Jörg Ganghofer legte dem 

HO 



Schloßherrn seine Pläne für die Frauenkirche vor. Da verging kaum eine 
Woche, wo nicht der Turmwächter mit lauten Hornrufen die Ankunft eines 
befreundeten Ritters verkündete. 

Aber auch ernste und gefahrbringende Zeiten erlebte die Burg. Zu Anfang 
des 15. Jahrhunderts wurde sie einmal mehrere Tage lang belagert. Da flogen 
Armbrustpfeile durch die Schießscharten. Man goß siedendes Wasser und 
heißes Pech von den Mauern herab auf die Angreifer und schleuderte mäch- 
tige Steine in ihre Reihen, bis sie endlich den Kampf aufgaben und abzogen. 

200 Jahre nachher wurde es auf der Burg still und einsam. Da erbauten 
sich die Fürsten in Nymphenburg und Schleißheim prächtigere Schlösser. 
Sogar zu einem Gefängnis' wurde das ehedem so sang- und klangerfüllte 
Jagdschloß umgewandelt. In einem Keller des Turmes schmachteten wochen- 
lang die Gefesselten ohne Licht und Luft. Sie wurden mit Hunger und Durst 
gequält, ja nicht selten auch gefoltert und hingeriditet. 

Vorübergehend war das Schloß auch ein Lager für Pulver und Munition, 
bis es schließlich im Jahre 1879 von dem Bildhauer Zeiller gekauft wurde. 
Der ließ Wohnräume darin einrichten und es teilweise zu einer Schloßwirt- 
schaft umbauen, die heute noch besteht. Seit dieser Zeit kann auch der Turm 
von jedermann bestiegen werden. Viele Ausflügler genießen von den Zinnen 
aus den Rundblick, hinab zur Grünwalder Brücke, die Isar entlang bis 
München und flußaufwärts über die Wälder bis hinein ins Gebirge. 

1. Miß auf der Landkarte die Entfernung vom Marienplatz bis zur Burg Grünwald! 
Bestimme die Himmelsriditung! 

2. Beschreibe den Weg, den du von deiner Wohnung aus dorthin gehen müßtest! 
Welche Straßenbahnlinien kannst du benützen? 

3. „Meier" kommt her von dem lateinischen Wort major = der Größere, der 
Ältere. Gemeint ist damit der Gutsherr. Kennst du einen „Maier"? 

4. Warum hat Grünwald ein eigenes Rathaus? 

j. Isaraufwärts liegt das Kloster Sdiäftlarn. Es besitzt eine wunderschöne Kirdie 
und einen Bauernhof mit vielen Feldern im Tale. 

6. Kennst du die Sage von der Birg bei Baierbrunn? 



Im Forstenrieder Park 

Komm mit! Wir steigen bei der Laimer Schule in den Autobus. Er rattert 
die Fürstenrieder Straße entlang, am Waldfriedhof vorbei bis nach Forsten- 
ried. Dort verlassen wir ihn. Bevor wir auf der breiten verkehrsbelebten 
Straße weiterwandern, besuchen wir die Wallfahrtskirche mit ihrem weithin 
sichtbaren Kuppelturm. Eine Legende erzählt, daß im Jahre 1229 zwei 
Mönche von Andechs nach dem Kloster Seeon ein großes Holzkreuz tragen 
wollten. Als sie damit nach Forstenried kamen, sei das Kruzifix auf ihren 

III 



Schultern plötzlich so schwer geworden, daß sie es auf keine Weise mehr von der 
Stelle bringen konnten. Die Mönche sahen darin einen Fingerzeig Gottes. Sie 
versprachen ihm, an diesem Ort eine Kirche zum heiligen Kreuz zu erbauen. 
Kaum hatten sie das Gelübde ausgesprochen, da wurde das Kruzifix wieder 
leicht und beweglich. Heute ist es auf dem Altar zu sehen. 

"Wir wenden uns wieder ins Freie und streben dem Walde zu, der von 
Süden her mit seinen dunklen Tannen in den Ort hereingrüßt. 

Bald empfängt uns kühle, würzige Luft. Immer tiefer dringen wir in die 
schattige Einsamkeit vor. Vereinzelt ragen uralte Eichen und Buchen hell und 
freundlich zwischen den düsteren Nadelbäumen empor. Eichkätzchen huschen 
vor uns an den Stämmen von Ast zu Ast. Da und dort leuchtet der rote Hut 
eines Schwammerlings aus dem grünen Moospolster. Irgendwo in der Nähe 
hämmert ein Specht an die morsche Rinde. Immer wieder klingt mitten in 
die feierliche Stille irgendein Vogellied. Unser Fuß streift an Farnkräuter 
und Erdbeerstauden. Zwischen zwei mächtigen Baumwurzeln haben Ameisen 
aus abgefallenen Tannennadeln einen Hügel gebaut und krabbeln fleißig ein 
und aus. Zuweilen raschelt irgend etwas geheimnisvoll im nahen Gebüsch. 
Vielleicht ist es ein Hase oder ein Reh oder ein Hirsch. Wir überqueren eine 
breite Lichtung, die schnurgerade durch den weiten Wald das grüne Dickicht 
durchbricht. Solche Geräumte durchziehen den Park kreuz und quer wie 
ein Netz. 

An eigenen Futterplätzen wird das Wild in den kalten Monaten mit Rüben 
und Kastanien versorgt und von Förstern gepflegt und überwacht. Der Park 
ist sogar eingezäunt, um den Ausbruch des Edelwildes und der Wldschweine 
zu verhüten. Wir aber können ohne Schrecken gemütlich unsern Ausflug fort- 
setzen. Auf einmal stoßen wir mitten im Wald auf einen sechs Meter breiten 
Dammweg. Wr gehen ihm nach, bis er die Straße nach Starnberg kreuzt. Dort 
lesen wir auf einem Denkstein, daß hier die Römer ihre Soldaten marschieren 
ließen, von Grünwald nach Gauting, von Salzburg nach Augsburg. 

Wir setzen uns an der Straßenkreuzung zum Ausrasten etwas nieder. 
Aber hier gefällt es uns nicht besonders; denn alle Augenblicke rasselt, staubt, 
tutet und surrt irgendein Fahrzeug vorbei. Fast hätten wir Lust, wieder tiefer 
in den Park hineinzuspazieren, aber ein Blick zur Sonne mahnt uns an den 
Heimweg. Auf Wiedersehen, du schöner, grüner Wald! 







1. Nennt Tiere, die im Walde leben! Zeidinet einige! 

2. Sucht auf der Landkarte den Forstenrieder Park und stellt seine Grenzen und seine 
Größe fest! Meßt seine Breite von der Isar bis zur Wurm! Erkläre: Forsten-Ried! 

3. Weldie Märchen spielen sidi im Walde ab? Kennst du ein Liedl vom Wald? 

4. Wodurdi nützen uns die Wälder? 

5. Wodurch unterscheidet sidi ein Park von einem Wald? Man hat den Wald auch 
schon mit einer Kirche verglichen; denkt nach, mit welchem Recht? 

6. Solln ist benannt nach Sole ( = Suhle, eine Pfütze fürs Wild). 

7. Wodurch können Waldtiere Schaden anrichten? 

Ein Ausflug zum Starnberger See 

Vor uns liegt im schönsten Sonnenschein der See mit c3em herrlicii glitzern- 
den Wasserspiegel. Eine Mensciienmenge wälzt sidi aus dem Bahnhof zum 
Schiffssteg. Dort wartet schon der Dampfer. Die SdiifTsglocke läutet. Nun 
drängt sicii alles auf das Schiff, das leise hin und her schwankt. Noch einmal 
tönt die Glocke, der Kapitän gibt das Zeichen, die Maschine stößt und die 
Räder schlagen Wellen. Der Dampfer trägt uns hinaus in die grüne Flut des 
Starnberger Sees. 

Jetzt schweigen sogar die Münchner Buben und sciiaucn nurmehr, sciiaucn 
mit Mund und Augen. Aus dem dunklen Kranz der waldreichen Ufer leuch- 
ten hell die weißen Schlösser und Landhäuser. Von den anmutigen Höhen 
grüßen uns kleine, saubere Dörfer und schöne Kirciitürme mit Kuppeln und 
Spitzen. Hoch über Starnberg thront das trutzige Sdiloß. 

Die Seepromenade am Ufer liegt im Sonnenschein. Im Undosabad tummeln 
slcii die kühnen Schwimmer, und wir möciiten am liebsten mit dabei sein. 
Schmale Kähne ziehen hinter uns her und schaukeln in der Wellenspur des 
Dampfers. Weit draußen im See bläht der Sommerwind die weißen Segel 
und pfeilschnell gleiten die Boote durch das bewegte Wasser. 




8 Heünatbuch IIJ 



Endlidi zeigt sich das schönste Bild. „Das Gebirg*! Das Gebirg' !" So jubeln 
und schreien die Ausflügler durcheinander. Langsam steigt die Bergkette aus 
aus dem duftigen Blau des Himmels heraus. „Da ist die Zugspitze", rufen 
die Mädchen. Alle kennen unsern hödisten Berg, der so jäh nach Westen 
abstürzt. Die Zadien und Grate des Wettersteins berühren fast den Himmel. 
Ganz nah erscheinen uns die schroffen Felsen der Benediktenwand. Dahinter 
leuchtet aus dem Karwendel frischgefaliener Schnee. Staunend stehen die 
kleinen und großen Fahrgäste am Schiffsrand. 

Der Dampfer ist inzwischen zum Ostufer gekommen und legt bei Sdiloß 
Berg an. Die Räder rauschen rückwärts und die Wellen schlagen an den Ufer- 
rand. Ein bärtiger Fisdier sdilingt das Schiffstau um den Pfosten und wirft 
die Landungsbrücke polternd hinüber. Wir verlassen das schaukelnde SchifF, 
das nach Leoni weiterfährt, und sdiauen uns die Gedächtniskapelle an. Dann 
steigen wir hinunter zum Kreuz im See. Die muntere Schar wird ganz still, 
als sie erfährt, daß hier ein bayerischer König ertrunken ist. 

Nun rasten wir am Ufer und freuen uns über das herrliche Bild vor uns. 
Ein Motorboot flitzt durch das blaugrüne Wasser. Die Wellen tragen feine, 
weiße Sdiaumkrönchen. Unser Dampfer überquert den See und eine lange 
weiße Rauchfahne begleitet ihn. Er fährt nach Possenhofen, dessen weißes 
Schloß zu uns herüberleuchtet. Dieses Seeufer könnte uns viel erzählen von 
zottigen Bären und reißenden Wölfen, von zähen Bauern und plündernden 
Sdiweden, von Kriegsnot, Pest und Seuchen, von königlichen Seefesten und 
fröhlichen Wasserfahrten. 

Heimwärts wandern wir am Schloß Berg vorbei, immer am Ostufer ent- 
lang. Hier ist es stiller als drüben auf der dichtbewohnten Westseite. Der Wald 
wächst fast in den See hinein. Die Dörfer liegen oben auf der Höhe. Das 
Ufer ist dicht mit Sdiilf bewachsen. Endlich stehen wir auf dem Steg bei der 
verlassenen Schiffswerft. Hier in der Nähe von Percha fließt die Wurm aus 
dem See. Noch einmal grüßen uns die Berge. In der Abendsonne leuchten 
die Felswände über den schwarzen Waldern zauberhaft auf. 

Schön war der Tag am Starnberger See. Die Kinder wollen gar nicht mehr 
vom Wasser weg. Aber schon wird es kühl und die Wellen gehen sdilafen. 
Die Boote fahren heim und die Schwimmer sind verschwunden. Am Bahnhof 
wartet unser Zug, der uns in einer halben Stunde nach München zurückbringt. 

I. Suche dir aus dem Fahrplan einen Zug nach Starnberg! "Wie lang ist die Fahr- 
strecke? Zeige die Stationen auf der Karte! 
1. Steig auf den Starnberger Sdiloßberg! Besuche das Heimatmuseum! 

3. Erkläre die beiden Namen des Sees! 

4. Die Frauentürme müßten im Starnberger See ertrinken. Er ist an einer Stelle 
123 m tief, 4 bis 5 km breit, 20 km lang. 

5. Suche auf der Karte die Orte am Westufer! 

6. Auf dem See verkehren Raddampfer und ein Motorschiff, von denen jedes 
1000 Personen fassen kann. 

114 



7- We heißt die Insel im See? 

8. Zeichne einen Dampfer, ein Sege'lboot und ein Motorboot! 

9. Im Starnberger See schwimmen keine Heringe. Hast du schon Süßwasserfisdie 
gegessen? Welche kennst du? 

10. Kennst du noch andere Seen vor den Toren Münchens? "Wo hast du schon gebadet? 

11. Von Mündien aus führen zwei Straßen zum Starnberger See. Für die Radler gibt 
es einen eigenen, besonders sciiönen Weg! 

Rund um das Neuhauser Kirchlein 

"Wir treffen uns am Rotkreuzplatz, Traurige Ruinen, ausgebrannte Kauf- 
häuser und neue Baradcen umsdiließen cien Stachus von Neuhausen. Mehrere 
Straßen treffen sich hier auf dem weiten Platz und von allen Seiten kommen 
die Fahrzeuge. Die Straßenbahnen fahren nach dem westlichen Neuhausen 
und in die Stadt, nadi Sendling und nach Schwabing. Die wartenden Fahr- 
gäste stauen sich an den Haltestellen. Hier reiht sich eine Autoschlange auf, 
dort knattern Motorräder über die Kreuzung. Radler sausen um die Kurve, 
Zeitungsverkäufer schreien und Blumenfrauen rufen ihre Ware aus. 

Hinter der kleinen Anlage zweigt die Winthirstraße ab. Da wird es sciion 
ruhiger. Die Straße läuft an der Post und an Geschäften vorbei, macht eine 
Biegung und — das Wlnthirkirchlein steht vor uns. Niemand sieht dem Kirch- 
lein an, daß es 700 Jahre alt ist. Hier, um die Maria-Himmelfahrts-Kirche, 
stand das Dorf Niwenhuscn. „Bei den neuen Häusern", so nannte man die 
Ortschaft. Wahrscheinlidi gab es schon früher eine ältere Ansiedlung, in der 
die ersten Bauern, Jäger und Fisciier durch ihre zähe Arbeit Land und Höfe 
gewannen. 

Einmal lebte dort ein frommer Mann, der selige WInthir, Er war ein 
Klosterbruder aus Schäftlarn und brachte auf seinem Maulesel das kostbare 
Salz von Reichenhall nach Freising. Wenn er mit den Leuten redete, erzählte 
er ihnen vom Heiland. Nahe dem Neuhauser Kirchlein hatte er sich eine 
ärmliche Klause gebaut. Er lehrte und predigte und nie hörten die Neuhauser 
ein Fluchwort von seinen Lippen. Fröhlich schaffte er seine sdiwere Arbeit 
und immer sang und betete er dabei zum Lobe Gottes. Wenn er in der Klause 
wohnte, sorgte er für die Armen und Kranken und half vielen Menschen. 
Blitz und Hagel, Krankheit und Seuchen verschonten das Dorf, solange 
Winthir lebte. An der Mauer des Kirchleins wurde der fromme Glaubens- 
bote begraben. Wir sehen sein Denkmal an der Kirchenwand. Er ist auf einen 
knorrigen Stock gestützt. Zu seinen Füßen ruht sein Saumtier, mit dem er 
durch das Land pilgerte. 

Hinter der Kirche liegt der stille Gottesacker. Die verwitterte Mauer um- 
schHeßt den kleinen Friedhof. Die berühmten Erzgießer Stiglmayer und 
Miller und der Erbauer des Deutsdien Museums ruhen hier in Grüften. 

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Trauernde Weiden und mäditige Ulmen neigen sich über die Grabsteine der 
alten Neuhauser. Ihr Dörflein ist verschwunden. Nur die Winthirkirche und 
ein paar verlassene Bauernhäuser auf der anderen Straßenseite erinnern noch 
daran. Vorne am Rotkreuzplatz stand einmal das nette Winthirbrünnlein. 

Zerstört ist auch das sdimucke Neuhauser Jagdschlößl. Wo sich das heutige 
Neuhausen mit seinen weiten Straßen, schönen Gesdiäften, Schulen, Kirchen, 
Kranken- und Waisenhäusern ausbreitet, war vor 200 Jahren nur Wiese 
und Au, Busch und Wald. Viel Wild und Geflügel wurde hier gehegt und 
gejagt. In diesem kleinen Jagdschloß wohnte der Jägermeister. Der hatte mit 
seinen Knechten und Jägern die Aufsicht über das Jagdgebiet. Wenn die 
bayrisdien Fürsten hier ihre Jagden abhielten, erfüllte fröhliches Leben und 
Treiben die Wälder um das Neuhauser Dörflein. 

1. Such auf der Karte den Weg von der Neuhauser Straße bis nach Neuhausen! Wie 
kommst du mit der Straßenbahn zum Rotkreuzplatz? 

2. Schau auf deiner Karte im Buch nach, wann das Dorf zu München kam! 

3. Besuch den Hirschgarten! Dort ist audi ein Jägerhaus aus alter Zeit. 

4. Weldie Straßen, Plätze und Gebäude Neuhausens erinnern an den seligen Winthir? 

5. Woher hat der Rotkreuzplatz seinen Namen? Wo kannst du das Zeidien des Rotei; 

Kreuzes sehen? 

6. Zähle die Krankenhäuser, Waisenhäuser, Schulen und Kirdien Neuhausens auf! 

7. Nenne die Nachbarstadtteile von Neuhausen! 

8. In Neuhausen sind ein großes Freibad und ein Stadion, 

9. Wo ist der neue Friedhof im Westen der Stadt? 



Die städtischen Gaswerke 

Kinder, kennt ihr den Turm, indem die Münchner Frauentürme Platz 
hätten? Draußen in Moosadi steht er. Weithin ist er sichtbar, ob man von 
Westen oder Osten, von Norden oder Süden in unsere liebe Münchner Stadt 
kommt. Der Gaskessel ist es, der neben den alten Domtürmen zum zweiten 
Wahrzeichen Münchens geworden ist. Der rotbraune runde Gasbehälter ist 
wirklich fast 100 m hoch. Die unsichtbaren, gefährlichen und doch so wicii- 
tigen Gasgeister haben dort ihre Wohnung. 

Wenn man in der Dachauer Straße vor dem Münchner Gaswerk steht, sieht 
man den großen Kessel erst gar nicht. Viele andere Gebäude und große 
Fabrikanlagen verstecken ihn. Hier ist das geheimnisvolle Werk, in dem 
unser Gas entsteht. Jeden Tag rollt ein halber Güterzug mit Kohlen in die 
Gasfabrik. Sie werden gemahlen und verschiedene Sorten gemischt. So kom- 
men sie in die 65 Ofenkammern. Jeder Ofen faßt 120 Zentner Kohlen. 

116 



Die müssen nun 1000 Grad Hitze aushalten. Dabei wird es den luftigen 
Gasgeistern, die seit Jahrtausenden in den Kohlen eingesperrt waren, zu eng 
und alle wollen heraus. Du hast sicher schon die feinen Löcher im Koks ge- 
sehen, durcli die sie entsdilüpft sind. Aber die Menschen fangen sie gleich 
wieder auf und sperren sie in enge Röhren ein. Das Gas wird nun gereinigt 
und gekühlt und strömt in den Riesenbehälter. 

Der feste Koks bleibt bei der Gasgewinnung zurück. Er wird im Lösch- 
turm gelöscht. Dann sieht man im Gaswerk eine feine weiße Rauchfahne 
aufsteigen. In einer Maschine wird der Rohkoks sortiert und zerkleinert. 
Was das Gaswerk selbst nicht zum Heizen der Öfen braucht, wird an die 
Stadt für Krankenhäuser und Schulhäuser abgegeben. 

In unterirdischen Röhren fließt das Gas aus dem Kessel in die Straßen 
Münchens. Zur Mittagszeit ist im Behälter nur wenig Gas, weil die Haus- 
frauen der Stadt kochen. In der Nacht aber steigen die Gasgeisterchen wieder 
hoch hinauf, fast bis zur Dedie des Turmes. 

1. Erkläre den Namen: Moos-adi! 

2. LaS dir eine Gasredinung zeigen! 

3. Woher kommen die Kohlen? 

4. Früher gab es in Miindien auf der Straße Gasbeleuditung. Laß dir erzählen, von 
wem und wie sie angezündet wurde. In einigen Straßen sind heute nodi Gas- 
laternen. 

5. "Was tust du, wenn du Gas riedist? Ausströmendes Gas ist sehr gefährlidi. Es hat 
schon viele Menschen getötet. Drum laß deine Finger weg vom Gasherd! 



Das Nymphenburger Schloß 

Du hast bei den Großeltern ein entzückendes Porzellanfigürchen entdeckt: 
eine Schäferin mit einem Reifenrock und einem zierlichen Hütchen. Auf dem 
Boden ist das bayrische Rautenwappen eingebrannt. Die Großmutter erzählt 
dir, daß es in der berühmten Porzellanfabrik Nymphenburg geformt und 
gebrannt wurde. Heute sind die Eltern deiner Mutter zu Besuch da und ihr 
fahrt alle hinaus zum sdaönsten Schloß Mündiens. 

Schon am Waisenhaus habt ihr einen herrlichen Blick auf die fürstlichen 
Gebäude. Ihr wandert die Auffahrtsallee am Kanal entlang, in dem sich die 
hohen Bäume und die weißen Wölkchen des Septemberhimmels spiegeln. Wie 
müde Schifflein schwimmen die bunten Herbstblätter auf dem Wasser. In der 
Mitte des weiten Schloßplatzes rauscht ein mächtiger Springbrunnen. Schöne 
Blumenbeete, grüne Rasenflächen und kleine Seen füllen das Halbrund aus. 
Der prächtige Mittelbau mit den spiegelgleichen Flügeln leuchtet im Sonnen- 
schein. Eine zweiarmige Freitreppe führt zu dem Riesensaal mit den hohen 

117 




Fenstern. Seine '^nde sind mit Seide bespannt und mit Gold verziert. Am 
Rande der Schloßanlagen waren früher die Ställe für die Pferde und die Schup- 
pen für die fürstlichen Kutschen untergebracht. Die vielen Hofleute, die 
Kutscher und Knechte, die Jäger und Verwalter wohnten im Schloßrondcll. 

Durch ein geschmiedetes Gittertor führst du euren Besudi in den Park, der 
mit einer Mauer umfriedet ist. Jetzt im Herbst leuditet er in den buntesten 
Farben. An den lauschigen "Wegen stehen praditvolle Bäume. Zwischen ge- 
schnittenen Heckenwänden, schmalen Blumenbeeten und Bäumen leuchten 
schimmernd weiße Figuren. Hier tanzten einst die Hofdamen ihren Reigen, 
und sie sahen wohl genau so aus wie das zierliche Porzellanfigürchen bei den 
Großeltern. 

Der Park ist wie ein verzauberter Märdienwald. Kleine wunderhübsdie 
Bauten sind darin versteckt. Das entzückende Jagdschlößchen der Kurfürstin 
Amalie wird euch am besten gefallen. Ein zartes vergoldetes Gitter umschließt 
die Galerie auf dem Dach der Amalienburg. Dort schoß die Kurfüstin auf die 
fliegenden Fasanen. "Wenn ihr durch den leuchtenden Spiegelsaal und durch 
die prunkvollen Zimmer wandert, könnt ihr meinen, ihr seid in ein Wunder- 
schlößchen geraten. 

"Vielleidit findet ihr auch die verträumten Seen mit den kleinen Inseln. 
Mächtige "Wipfel spiegeln sich im "Wasser und zartgrüne "Weiden hängen ihre 
Zweige in die kühle Flut. Am schnurgeraden Kanal könnt ihr bis zum Ende 
des Gartens spazieren. Hier sprang ein "Wasserfall über rote Marmorwände. 
Weite gepflegte Rasenstreifen säumen den Kanalweg und wunderbare Bäume 
begleiten ihn. Auf dem Wasser plätschern muntere Enten und weiße Schwäne 
ziehen stolz an eudi vorbei. 

Wenn ihr euch müde vom Schauen und Wandern auf eine Bank setzt, dann 
erzählen euch die Großeltern vielleicht aus der vergangenen Zeit, wo hier ein 
fröhliches Leben herrschte. "Viele Gäste kamen zur Fasanenjagd der Kur- 
fürstin. Am Abend wurde im Jagdschlößchen festlich gespeist. Im Spiegelsaal 
brannten die Wachskerzen und leuchteten hundertfach aus den Wandspiegeln 
zurück. Die Blumen und Silberranken an den "Wänden flimmerten im Liditer- 



ii8 



glänz. An schönen Abenden war der näditlidie Park durch viele, viele Ampeln 
hell erleuchtet. Gebüsch und Wald schimmerten wie Gold und der stäubende 
"Wasserfall sprühte in allen Regenbogenfarben. Auf dem Sdiloßkanal schau- 
kelten die prunkvollen Gondeln mit den geputzten Damen und Herren. Es 
wurde die ganze Nacht gesungen, gespielt und getanzt. 

Wollt ihr auf dem Heimweg nicht die unzähligen Fischlein unter der Brücke 
füttern? Gleich werden auch die Schwäne und Enten da sein. Schau nur, wie 
gierig sie nach den Bissen schnappen! 



1. Jetzt kannst du wirklidi einmal einen Besuch nach Nymphenburg führen. Mach 
du den Fremdenführer! 

2. Mit welcher Straßenbahn fährst du? Suche den Weg auf der Karte! 

3. Du möchtest wissen, wie Nymphenburg entstanden ist? Vor rund 300 Jahren 
waren hier nur Felder und zwei große Sdiwaigen. Die schenkte der Kurfürst 
Ferdinand Maria seiner Frau. Ein italienischer Baumeister errid::ete den Mittelbau, 
und Gartenkünstler legten einen Park an. Das war im Jahre 1663. Die Fürstin 
benannte ihr Schloß nach den Wassernixen oder Nymphen. Später wurden Park 
und Schloß vergrößert und ausgesdimüdit. 

4. Laß dir Bilder von den drei Gartenschlößchen zeigen: Die Amalienburg ist das 
Jagdsdilößchen. Die Badenburg hat eine prunkvolle Badestube. Die Pagodenburg 
ist mit japanischen Tapeten und Bildern geschmüdit. 

5. In der Magdalenenkapclle fließt ein heilsames Brünnlein für die Augen. Besuche 
die Kapelle im Juli beim Magdalcnenfcst! 

i. Die Porzellanfabrik ist in einem Haus im Sdiloßrondell untergebradit. Sie wurde 
vor 200 Jahren gegründet. Schau nach, ob ihr zu Hause Nymphenburger Por- 
zellan habt! 

7. Weldie Sdilösser in München und Umgebung 
weißt du? 




Im Botanischen Garten 



In unserer Klasse ist der Frühling eingezogen. Seine Blumenkinder aus 
Wald und Wiese, aus Feld und Garten wohnen bei uns. Jeden Tag bringen 
die Mädchen einen neuen Gast. Die Blumenwärterinnen haben viel zu tun, 
Sie schaffen die kleinen Gläser her, sorgen für frisches Wasser und beschreiben 
die Namenschildchen. Da stehen Veilchen und Buschwindröschen, Stiefmütter- 
chen und Leberblümchen. Dort blühen Tulpen, Narzissen und Krokusse. Noch 
viele andere Frühlingsblumen lernen wir kennen und unsere Ausstellung 
macht uns viel Spaß. 

119 



Eines Tages gibt es für unsere fleißige Arbeit eine Belohnung und eine große 
Überrasdiung. '^r dürfen den sdiönsten Blumengarten Münchens besuchen. 

An einem herrlichen Frühlingsmorgen wandern wir durch die Laimer 
Unterführung zum Nymphenburger Park. Von dort führt ein kleines Tor 
zum Botanischen Garten. Die Rhododendronbüsche tragen sdion dicke 
Knospen. Ganz versteckt unter dem taufrischen Gras blühen dunkle Veildien. 
Daneben leuchten die Goldsterne. Jubelnd laufen wir durch die große Laube 
zum Schmuckhof. Dort ist ja eine Riesen-Blumenausstellung! Die Beete sind 
übersät mit Tulpen und Hyazinthen. Blaue, gelbe, weiße und rötliche Tag- 
und Naditschatten liegen wie ein Teppich vor uns. Die Pflaumen- und Pfirsidi- 
bäume verströmen einen betäubenden Duft. Die Wasserrosen im Seerosenteich 
sind leider noch geschlossen. 

Im Alpinum blühen Anemonen und Schlüsselblumen um die "Wette. An den 
steilen Hängen wächst in zierlichen Polstern der Steinbrech. Zwischen Efeu 
und Immergrün sind die duftenden Nelken verstreut. Auch das Heidekraut 
hat seine winzigen Blüten geöffnet. Wir wissen gar nicht mehr, wohin wir 
schauen sollen. 

Langsam gehen wir durch die kühle Farnschlucht und durch die sdiönen 
Baumanlagen. Zart und hellgrün ist der saubere Rasen. An den Tannen sind 
junge Spitzen. Die Lärdien tragen einen feinen Schleier. Wir kennen viele 
Bäume nicht. Die Namensdiilder erzählen uns, daß sie aus dem Ausland 
stammen. 

Nun stehen wir wieder im Schmuckhof. Noch einmal freuen wir uns an de»' 
herrlichen Blumenpracht. „Das Gewädishaus schauen wir ein andermal an", 
schlägt unsere Lehrerin vor. Wir sind auch sdion so müde vom Schauen, daß 
wir gerne heimgehen. 

1. In den Gewädishäusern sind Pflanzen aus den heißen Ländern. Da gibt es Bananen- 
und Dattelpalmen, Orangen- und Zitronenbäume, Kakao- und Kaffeebäume, 
merkwürdige Ordiideen und riesengroße Kakteen. 

2. Gib an, wie du von deiner Sdiule zum Botanisdien Garten kommst! 

3. Früher war der Botanisdie Garten in der Nähe des Stadius. 

Die Blutenburg 

Vor vielen, vielen Jahren wurde an der Wurm, nahe bei Menzing, eine Burg 
gebaut. Dicke Mauern und Türme, Wall und Graben sollten sie vor den 
Feinden schützen. Viele Bauern aus dem Würmtal halfen beim Bau. Zwischen 
der Arbeit feierten und tanzcen sie und die Bauleute aus Menzing sangen 
den Sprudi: 

Mir san not vo Pasing, mir san not vo Loam, 
Mir san halt im lustinga Menzing dahoam. 




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Die bayrischen Herzöge wohnten gerne in Menzing. Da gab es fröhliche 
Jagden und heitere Feste. Am liebsten war der Herzog Sigismund im sdiönen 
Schlößchen. Er ließ im Burghof eine zierliche Hofkapelle errichten und einen 
prächtigen Garten anlegen. Eine Schloßallee mit breitästigen Linden und 
hohen Kastanien führten zum mächtigen Tor. 

Am sdiönsten war das Märchensciilößchen an der Wiiirm zur Maienzeit, 
wenn alles blühte. Die Menzinger Bauern gaben ihm darum den Namen 
Blütenburg. Viel fahrendes Volk ging da aus und ein. Der Herzog liebte 
seltsame Tiere, blausdiillernde Pfauen und bunte Vögel, zierliche Meer- 
schweinchen und sanfte Tauben. Fröhliche Jäger ritten mit reicher Beute 
durchs Burgtor. An den Sonntagen zogen die schönen Edelfräulein und die 
stolzen Rittersleute durdi das spitzbogige Pförtlein der Kapelle zum Gottes- 
dienst. Immer waren Künstler in der Blütenburg. Sie sangen und spielten 
zur Freude des Herzogs und seiner Gäste. 

Heute sind die Lieder und Klänge verstummt. Die alte Ritterburg ist ein 
friedlidier Landsitz geworden. Stille Klosterfrauen gehen betend durdi die 
herrlichen Gärten. Im reithgeschmüdcten gotischen Kirchlein sind drei kost- 
bare Altäre. Aus dem geschnitzten Rankenwerk schauen Blumen und Vögel. 
Im dämmerigen "Winkel, hinter dem Hochaltar, steht eine wunderfeine 
Muttergottes. 

Eine weiße Mauer mit vier "Wachtürmen behütet das Schloß. Immer noch 
blühen zur Frühlingszeit die Kastanien und im Sdiloßhof duften die uralten 
Linden. Den achtediigen Turm der Kapelle hat der Blitz zerstört. Seitdem 
sitzt ein lustig-kühner Dachreiter auf dem Giebel und plaudert mit der "Wurm 
zu seinen Füßen. Was werden sie sich erzählen? 

1. Wandere im Blütenmonat von Nymphenburg nadi Blutenburg! 

2. Die Madonna, die Apostelfiguren und die Altäre sind große Kostbarkeiten. 

3. Herzog Sigismund ließ nodi mehrere Kirdien bauen: die Mündiner Frauenkirdie, 
die Kirdien in Pipping, Untermenzing und Aufkirdien. 

4. "Wenn du einen Ausflug nadi Blutenburg madist, dann besudie audi die Kirdie 
zu Pipping. 



121 



In Pipping 

Draußen vor der lauten Stadt plätschert die liebliche Wurm und erzählt 
eine Geschidite aus alter Zeit: 

Fleißige Bauern wohnten hier im "Wurmtal, nahe bei München. Herzog 
Sigismund ritt oft durch ihre Felder und Fluren, wenn er in den wildreichen 
Wäldern jagte. Die Bauern von Pipping hätten gern ein Kirchlein in ihrem 
eigenen Dorf gehabt. Diesen Wunsdi trugen sie dem hohen Herrn vor. Der 
Herzog schenkte ihnen das Geld für den Bau und legte auch den Grundstein 
dazu. So bauten die Pippinger ihre Kirche. Dann schidcte ihnen der Herzog 
seine Maler und Bildsdmitzer, und kaum war ein Jahr vorbei, hatten die 
Pippinger Bauern ihr Gotteshaus. 

Nun kommen sie jeden Sonntag. Mit schweren Schuhen gehen sie über 
das rote Backsteinpflaster. Sie sitzen eng aneinandergedrängt und lauschen 
der Predigt. Dann knien sie in den breiten Bänken und falten die arbeits- 
schweren Hände. Sie bitten um das tägliche Brot und um den Segen für ihre 
Felder. 

Heute versteckt sich das Kirchlein zwisdien langgestreckten Bauernhöfen 
und hohen Bäumen. Ein freundlicher Mesner sperrt uns mit einem großen 
Sdilüssel die Kirchentüre auf. Da ist er noch, der uralte ausgetretene Ziegel- 
boden. Auch die fladie, gebräunte Holzdedte hängt noch genau so am Dach- 
stuhl wie vor 400 Jahren. Die Rippen am Gewölbe sind gelb und rot bemalt. 
Dazwischen leuchten silberne Sterne auf blauem Grund. Die Kanzel aus 
Stein hat bunte, lustige Farben. Auf dem zierlichen Hochaltar steht der 
heilige Bischof Wolfgang. Am Seitenaltar sind die Bilder der Bauernheiligen 
Sebastian und Laurentius. Durch die alten, buntbemalten Fenster dringen 
die Sonnenstrahlen in den dämmerigen Raum. 

Das Pippinger Dorf ist gewadisen. Die Bauern besitzen größere Häuser 
und tragen andere Kleider. Das Wolfgangskirchlein aber hat das gleiche 
Gewand wie vor 400 Jahren. 

1. Der Name Pipping stammt von Pipin, dem Vater Karls des Großen. 

2. Lies den Vers über die Entstehung des Kirdileins! Die Tafel ist gegenüber dem 
Eingang. 



Herzog Christoph der Starke 

Einst holten die Pippinger eine Glodte aus der Stadt, Die Herzoge Sigis- 
mund und Christoph begleiteten den festlichen Zug. Kurz vor der Kirche 
brach ein Rad und die Glocke rollte in eine Wiese. Gleidi stieg Herzog Chri- 
stoph vom Pferd, lupfte die Glocke auf die Sdiulter und trug sie bis zum 
Turme. Darob geriet alles in Staunen. Der Herzog aber sagte: „Gilt es Gottes 
Lob und frommes Ding, wird mir das Sdiwerste leidit und g'ring!" 

122 



Das Dorf des Menzo 

„Vater, weißt du, wo das Dorf des Menzo ist?" So fragt der kleine Hans, 
als er aus der Sdiule kommt. Der Vater lacht und meint, er wisse nur Ober- 
und Untermenzing. „Fahr'n wir dodi 'naus", bettelte der Hansl. Der Vater 
ist dabei und holt die beiden Räder. Hansl freut sich, weil er den Fremden- 
führer machen darf. 

Sie fahren langsam durch die Landsberger Straße nadi Pasing. Dort radeln 
sie an der "Wiirm entlang, über Pipping und Blutenburg zur neuen Obcr- 
menzinger Kirche, Der breite, geduckte Zwiebelturm schaut in die "Weite. 
Überall sieht der Hansl wunderschöne Gärten und neue Häuser. „Da wohnen 
viele Musiker, Maler, Bildhauer und Holzschnitzer", erzählt der Vater 
seinem Buben, „Obermenzing ist eine Gartenkolonie. Wo ist nun das Dorf 
des Menzo?" 

Hansl ist abgestiegen und fragt ein Mädchen nach der Menzinger Kirche. 
„Drunt im Dorf", antwortet es und zeigt mit dem Finger die Straße hin- 
unter. Die beiden Radler fahren also auf der gepflasterten Straße ins Dorf. 
Da stehen kleine Häuser mit netten Bauerngärten. Fette Gänse wackeln am 
Weg und im Graben schnattern ein paar Enten. Beinahe wäre Hansl am 
Kirchlein vorbeigefahren. Man sieht es fast nicht neben dem alten behäbigen 
Wirtshaus. Im Wirtsgarten spenden riesige Kastanienbäume kühlen Sdiatten. 
An der Schmiede sagt der Hansl: „Jetzt sind wir im Dorf des Menzo", und 
erzählt, was er in der Schule gehört hat: „Menzo war der erste Ansiedler. 
Er kam vor 1000 Jahren mit seinen Leuten hierher an die Wurm. Sie rodeten 
die Wälder, säten das mitgebrachte Korn in die neuen Äcker, bauten einfache 
Hütten, fischten in der Wurm und gingen auf die Jagd. Immer mehr Acker- 
bauern siedelten sich bei den Höfen des Menzo an. So entstand nach und nach 
das Dorf Menzing. Das Kirchlein weihten sie dem heiligen Georg, dem 
Drachentöter. Drunten im Wiesengrund trieb die Wurm ihre Mühle und die 
Bäuerinnen schwenkten das Leinen in ihren Wellen. Sehr oft kamen die 
Herzöge von Blutenburg in das Dorf des Menzo. Sie jagten in den wild- 
reichen Wäldern und holten sich in der fischreichen Wurm Forellen für die 
Festtafel." 

Der Vater freute sicii über seinen gescheiten Buben. Sie fahren nun auf der 
Dorfstraße hinunter, immer begleitet von der lieblidien Wurm. Links und 
rechts stehen die Bauernhöfe wie Buchstaben auf einer Zeile. Da führt eine 
Brücke über die Wurm. „Nun sind wir in Untermenzing", weiß der Hansl. 
„Dort ist die Martinskirche! Sie steht seit der Zeit, da das untere Menzing 
ein eigenes Dorf wurde. Heute ist Untermenzing mit Obermenzing und 
Allach so verwachsen, daß man gar nidit sieht, wo das eine aufhört und 
das andere anfängt." 

123 



Auf der Heimfahrt kauft der Vater seinem Fremdenführer eine große 
Portion Eis. „Idi hab' immer gemeint, daß ich München kenne", ladit er. 
„Aber heut' hab' ich wirklich etwas dazugelernt." 

1. Den Namen Menzinger gibt es heute noch. Sudi ihn auf den Grabsteinen des 
Menzinger Friedhofes! 

2. Das Dorf des Menzo (oder Manzo) wurde vor joo Jahren in Unter- und Ober- 
menzing geteilt. 

3. Die ake Inselmühle an der Wurm ist heute Familienbad und Gasthaus. Das Unter- 
menzinger Wappen zeigt ein halbes Mühlrad. 

4. Zeichne den Weg: Pasing, Pipping, Obermenzing, Untermenzing, Alladi und trage 
die Wurm in die Zeichnung ein! 

i. Laßt euch von einem alten Menzinger die Geschichte vom »Glasenbartl" erzählen. 



Allach und seine Fabriken 

Der Vater vom Hansl fährt jeden Tag mit dem Vorortszug nach Allach 
zur großen Lokomotivfabrik. Den ganzen Tag steht er in der weiten Halle 
und bedient den Niethammer. Die elektrische Maschine drückt den Nietkopf 
in das Eisen. Hier arbeiten viele, viele Männer und Frauen, Schreiner 
und Sdilosser, Stanzer und Dreher, Zeichner und Tediniker. Sie bauen 
Lokomotiven oder reparieren sie, stellen Eisenbahnwagen und Motoren für 
die Auto her. Gleich am Bahnhof stehen Riesenwerkstätten. Auf einem 
Wagen liegen fertige Räder und Maschinenteile. Vor den Schuppen lagern 
hohe Kohlenhaufen. "Wenn die Mittagssirene pfeift, strömen die Arbeiter in 
die "Werkkantine. 

In den Ferien darf der Hansl seinen Vater einmal begleiten. Die Mutter 
steckt ihm Äpfel und Brot in den Rucksack und füllt sein Speisungshaferl 
mit süßem Pudding. Der Frühzug nach Allach ist gesteckt voll. Viele Münchner 
fahren täglich in das Dorf an der "Wurm zur Arbeit. Der Allacher Bahnhof 
ist im Nu von Menschen überfüllt. Sie verteilen sich aber schnell in die 
einzelnen Fabrikhallen. 

Während der Vater arbeitet, geht der Bub auf Entdeckungsreisen. Zuerst 
schaut er sich das Dorf an. Das gefällt ihm gar nidit. In der Hauptstraße 
ist ein Laden am andern, genau wie in der Stadt. Er schlendert durch das 
Straßendorf und sucht nach den Bauernhäusern. Am Nordrand beim Kirch- 
lein findet er einige. Ein alter Mann zeigt ihm die Peterskirche mit dem 
Sattelturm. Dann erzählt er dem Buben, daß das Dorf Allach viel älter 
als München ist, wie alle Orte an der "Wurm. Schon vor 1000 Jahren waren 
am Rande des Moores niedrige, schindelgedeckte Mooshäuser und hier große 
Bauernhöfe. Er weiß audi daß einmal ein Schlößchen in Allach stand, in 
dem König Pipin sich aufhielt, wenn er auf der Jagd war. 

Drunten an der "Wurm hängt der Hansl seine Beine ins Wasser. Es ist so 
warm, daß er das Ufer entlang wandert und ins Bad zum Schwimmen geht. 

124 



Nun hat er Hunger bekommen und verzehrt seinen Pudding. Nachmittags 
überquert er die Bahngleise und spaziert in den nahen AUadier Forst. Den 
Rudcsadc füllt er mit Tannenzapfen. Nebenbei pflückt er Beeren, einige in 
den Mund, die andern ins leere Haferl. 

Am Abend pfeifen die Sirenen und es kommen die neuen Arbeiter zur 
Nachtschicht. Wieder strömt eine Menschenmenge zum Alladier Bahnhof. 
Der Bub muß schauen, daß er seinen Vater findet. 

1. Allach liegt in einer ebenen urwd wenig fruchtbaren Gegend. Darum baute man die 
großen Fabriken um das Dorf, das heute ein Fabrikvorort Münchens ist. Sdiau 
nach, wann es eingemeindet wurde? 

2. Kennst du Fabriken in Mündien und Umgebung? Weißt du, was dort hergestellt 
wird? Zeichne eine Fabrikhalle mit dem Schornstein! 

3. Das alte Wurmdorf hieß Ahelohe. Der Name verrät dir, wo es liegt. Ahe oder 
Adle ist Wasser. Denk an Moosadi! Lohe ist Wald. In Alladi gibt es heute noch die 
Anger Lohe. Denk an andere Orte mit dem Namen Lohe! 

4. Suche Allach auf der Karte! Du erkennst das Straßendorf. 

In Feldmodiing 

Feldmoching ist ein altes Bauerndorf. Schon vor 1000 Jahren gab es hier 
zwischen Moos und Heide die Höfe des Macho. Die Felder der Mociiinger 
liegen auf lockerem, sandigem Boden. Schwer neigen sich im Sommer die 
goldenen Ähren und die Scheunen der Bauern füllen sich bis zum Dach. Aber 
der größte Reichtum der Fcldmochinger sind die Kartoffeläcker. 

Bei der Ernte ist alles draußen auf den riesigen Feldern. Schon am frühen 
Morgen fährt der Knecht mit den Rössern hinaus. Der Kartoffelpflug gräbt 
die Stauden um und das Schaufelrad wirfl die Knollen auf den Acker. Buben 
und Mädel, Knechte und Mägde klauben. Viele Leute aus der Stadt helfen 
mit. Die Kartoffelklauber müssen schwer arbeiten und sich vielhundertmal 
bücken. Die vollen Körbe tragen sie zum Wagen. Der KartofFelberg wird 
immer höher. Am Abend wanken die fleißigen Arbeiter müde zum Bauernhof. 
Der Bauer fährt die Tagesernte schmunzelnd heim. Auf den Gäulen reiten 
seine beiden Buben, lassen die Beine baumeln und pfeifen ein lustiges Liedl. 

Später sitzen alle rund um den großen Tisdi in der Stube. Die fetten 
Nudeln verschwinden im Nu in den hungrigen Mägen. „Schmedtt's euch", 
fragt die Bäuerin lachend. Die Buben nicken nur mehr mit dem Kopf. 
„Morgen san ma fertig", sagt der Bauer, „dann zahl' i eucii aus. Heuer 
ham ma vui Kartoffeln g'habt, da wern dö in der Stadt z'fried'n sei mit 
dö Erdäpfel. Moant's not aa?" 

1. Feldmoching wurde 1938 eingemeindet. Aber es ist auch in der großen Stadt ein 
richtiges Dorf geblieben. Das Dorf hieß erst Mohingo. Später wurde es zum Unter- 
schied von Ampermoching Feldmoching genannt. 

2. Erkundige dich, wo eure Winterkartoffeln herkommen! Wieviel kostet i Ztr.? 

3. Was madit der Münchner aus Kartoffeln? 

125 




Lodihausen — Langwied 

"Wir wandern von Pasing aus den sdimalen Pfad der Augsburger Bahn- 
strecke entlang. Rechts von uns liegen die kiesigen Böden von Menzing und 
die moorigen Gründe der Bauernsiedlung Langwied, links von uns Aubing 
und Neuaubing mit dem Wasserturm als Wahrzeichen. Nach einer Wegstunde 
kommen v/ir nach Lochhausen. 

Es liegt anmutig auf einer Erdstufe. Diese entstand in der Eiszeit und 
besteht aus Schotter. Der ist in seinen oberen Schichten zu Lehm verwittert. 
Auf diesem fruchtbaren Ackerboden gedeiht vor allem Weizen. Am Fuße 
der Aubinger Lohe wird der Lehmboden von zwei Ziegeleien ausgebeutet. 
Ganz anders ist der Boden des sogenannten Sandberges. Er ist eigentlich gar 
kein Berg und besteht aus Moor und Kalksand (Alm). Deshalb war er von 
den Bauern nicht begehrt. Die Gründe zwischen der Autobahn und Loch- 
hausen gehören zum Dadiauer Moos. So stoßen in dieser Gegend allerlei 
Böden aneinander. 

Der Ort Lochhausen ist schon 1000 Jahre alt. Er gehörte zuerst dem 
Bischof von Freising. Eine Urkunde vom Jahre 950 nennt uns die sdiönen 
und klangvollen Namen der damaligen 19 Dorfbewohner: Kartheri, Wini- 
munt, Odalrich, Fritilo, Engilrich, Petto, Alprich, Rihhart, Richheri, Wultrat, 
Reginpurch, Kerni, Lautfrid, Engilhilt, Wualtila, Muotliup, Perachthilt, 
Irmangart, Sigihilt. 

Ein Jahrhundert später beherrsdite den Ort das adelige Geschlecht der 
Lodihauser. Diese edlen Ritter waren selten daheim. Sie saßen meist im 
Sattel und dienten auf Kriegszügen Grafen und Fürsten. Herr Gotebold, 
einer dieser Edlen von Lodihausen, und zwei Langwieder zogen sogar mit 
ihrem Kaiser ins heilige Land und verteidigten das Grab des Erlösers gegen 
die Heiden. 

Durch Lochhausen führte die Salzstraße. Diese bradite Geld ein. Am 
Gröbenbadi, an der heutigen Stadtgrenze, stand das Zollhaus. Hier mußten 
die Salzfuhrwerke den Salzpfennig entrichten. Die Pferde wurden gefüttert 



126 



und getränkt und oft noch besdilagen. Schäden am Fuhrwerk wurden 
ausgebessert. In der Einöde Gröbenzell wohnte deshalb ein Schmied. Er war 
zugleich "Wegknecht oder "Wegemacher und Hüter des fischreichen Gröben- 
baches. Da Lochhausen an einer wichtigen "Verkehrsstraße lag, zogen oft 
Soldatenheere durch. Die Sdaweden raubten, plünderten, mordeten und 
brannten viele Häuser nieder. Die Bewohner von Lochhausen und Langwied 
wurden gleich einer "Viehherde gegen München getrieben. Ein Drittel ist dabei 
umgekommen. 

Straßen und Flüsse waren früher die einzigen "Verkehrswege. Eisenbahnen 
gibt es erst seit etwas über hundert Jahren. Die Teilstrecke München — Loch- 
hausen war die erste Münchner Eisenbahnlinie. Die Probefahrt mit der 
festlich bekränzten Lokomotive „"Vesta" fand am 25. August 1839 statt. Dieses 
Ereignis wurde von den Münchnern als Volksfest gefeiert und lange blieb 
die Bahnfahrt ihr Tagesgespräch. 

Noch heute ist Lochhausen ein stiller, ländlicher Ort, in dem man die nahe 
Großstadt kaum spürt. "Wir zählen nur mehr sechs Bauernanwesen. Hinter 
der Miciiaelskirche befinden sich Schule und Bezirksinspektion. Lochhausen 
und das östlich gelegene Langwied waren bis vor einigen Jahren eine selb- 
ständige Gemeinde mit eigenem Bürgermeister. Sie hieß Langwied. Heute ist 
sie der jüngste und westUchste Stadtbezirk mit rund 4000 Münchnern. 

1. Erkläre den Namen Lochhausen! 

2. Vergleiche den Boden mit jenem bei Föhring! 



Die Aubinger Lohe 

Einige Minuten südlidi von Lochhausen und eine kleine "Viertelstunde 
westlich von Aubing zieht sidi zwischen der Augsburger und der Lindauer 
Bahnstredce ein bewaldeter Hügelrücken hin. Es ist die Aubinger Lohe. 
Von der Aubinger Straße aus erscheint sie uns wie ein quer durdi die Ebene 
fahrendes Schiff. Der stumpfe Gipfel in der Nordostedce wird Teufelsberg 
genannt. Er ragt etwa 20 bis 30 Meter über die Kiesebene hinaus. Steile "Wege 
und Hänge beleben den Höhenzug. "Wo der Wald stark gelichtet ist, haben 
wir einen sdnönen Weitblidv. Im Osten dehnt sich das Häusermeer der Groß- 
stadt aus. Gegen Süden zu überschauen wir das waldreiche "Würmtal. Im 
Westen erblicken wir den Parsberg mit dem Kirchlein von Puchheim und die 
Brucker Höhen mit dem mächtigen Giebel der Klosterkirche. Im Nordwesten 
und im Norden begrenzen die Amperhöhen mit schmucken Dörfern und dem 
hell in der Sonne leuchtenden Dachauer Schloß das Moos. Auf der Aubinger 
Lohe wachsen düstere Fichten. Nur im Frühjahr zeigen sie mit ihren jungen 
Trieben ein freundliches Gesicht. Früher hieß die Lohe wegen dieser Fichten 
Veiditnloch und wegen ihres fetten, lehmigen Waldbodens auch Faistenlohe. 

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sie war damals noch nicht Staatswald, sondern gehörte dem reichen Kloster 
Ettal. Auf dem Teufelsberg stand ein Burgstall. Die kleine Burg war der 
Sitz eines bäuerlichen Herrengeschlechtes, das über Aubing herrschte. "Wir 
sehen heute nodi auf dem lehmigen Hügel den runden Burgplatz mit "Wall 
und Graben. 

Die Lohe war schon in den frühesten Zeiten besiedelt. An der "Waldstraße des 
östlichen Abhanges wiesen ausgegrabene Ziegelsteine und Münzen darauf 
hin, daß hier die Römer als friedliche Landleute "Vieh züchteten und die 
Felder bebauten. Die Römer waren einige Jahre vor Christi Geburt mit stark 
bewaffneten Heeren in unser Land eingedrungen, das damals von den Kelten 
bewohnt war. Diese errichteten Befestigungen, um ihre "Wohnsitze zu ver- 
teidigen. Im südlichen Teil der Lohe, gegen die Lindauer Bahnstrecke zu, 
fallen uns zwei viereckige Schanzen von je aditzig bis einhundert Schritten 
auf. Sie sind Reste eines solchen keltischen Schutzwalles. 

"Wenn wir heute am Waldrande mitten in den "Wiesen Rehe äsen sehen und 
uns der einsamen Landschaft erfreuen, können wir kaum glauben, daß um 
diesen Hügel und den guten Boden in seiner Nähe schon oft hart und blutig 
gestritten worden ist. 

1. Lies von der Karte die Lage der Lohe ab! 

2. Der Teufelsberg liegt 539 m, der Bahnhof Lochhausen 514 m. 

3. Nenne Burgen in München und Umgebung! 

4. Aubing war das Dorf des Ubo. 



Im Dadiauer Moos 

Heute an einem schönen Herbsttag fahren wir mit der Bahn von Pasing 
über Lochhausen nach Gröbenzell. Hier beginnt unsere "Wanderung durch 
das Dachauer Moos. 

Weiße Wolkensdiiff lein segeln am blauen Himmel. Der sdiwammige Gras- 
boden schwankt leicht unter unseren Füßen. In den "Wassergräben fließt 
braunes Moorwasser träge dahin. Graugrünes "Weidengebüsch und dunkle 
Erlen begleiten die Ufer. Hohes Riedgras wächst zwischen dunkel- und 
hellgrünen Moospolstern. Da und dort blüht noch ein zartes Büschelchen 
Wollgras. Am Gröbenbach finden wir dürres Schilf und reife Rohrkolben. 
Silbern glänzen die niederen Birkenstämmlein. Ein Eidechslein huscht über 
den Weg. Lange zittert eine durchsichtige Libelle vor uns her. Mücken und 
Schnaken tanzen im Sonnenschein. Im seichten Moorbach gründek ein Wild- 
entenpärchen. Fischlein spielen am Ufer und in den dichten Stauden quaken 
die Frösche. Molche, Feuersalamander und dunkelgefärbte Kreuzottern leben 
in den feuchtwarmen Gründen. Eine Schar von Kiebitzen zieht hoch über 
das Moor. Sie suchen auf ihrer Wanderschaft von Norden hier Ruhe und 
Futterplätze. 

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Die Vögel sind selten geworden. Früher lebten und brüteten zahlreiche 
Arten im Moor. Damals war es noch still und einsam. Kein Auto knatterte, 
keine Kinder lärmten und keine Hunde bellten. Es war fast unheimlich, über 
das Moor zu gehen. Besonders gefährlich war es in der Naciit. Da zogen 
weiße Nebelschleier über die weite Moosdecke Der müde Wanderer fand 
den Weg niciit mehr und versank im Morast. Räuber und wilde Gesellen 
hielten sich in dem undurchdringlichen Schilf der Moorweiher versteckt und 
jagten die heimkehrenden Bauern in Angst und Sciirecken. 

Auch heute wohnen nur wenig Menschen im Moor. Auf unserer Wanderung 
sehen wir die weit auseinanderliegenden Hütten der Mösler. Die Hunde 
melden unser Kommen an. Das Hühnervolk fliegt kreischend auseinander. 
Einige Ziegen weiden auf der mageren Mooswiese. Aus den kleinen Gärten 
leuchten die fruchtschweren Körbe der Sonnenblumen. Der schmale Acker 
trägt Kartoffeln und Rüben für den Winter. 

Wir überqueren den Gröbenbach und stehen vor einem großen Torfstich. 
Tintenschwarz ist der Moortümpel. In langen Reihen sind die frisch- 
gestochenen speckigen Torfstücke zum Trocknen aufgeschichtet. Dazwisdien 
lehnen die windschiefen offenen Torfhütten. Einige sind leer und halb 
verfallen. Die anderen sind mit den getrockneten braunschwarzen Torfbroten 
gefüllt. 

Endlich sehen wir das Dachauer Sciiloß. Es grüßt von seinem Hügel herab 
weit hinaus in die Ebene. Im Norden schließt sich das fruchtbare Hügelland 
mit seinen mannshohen Getreidefeldern an. Die Dachauer Bauern und 
Bäuerinnen ziehen an den Festtagen ihre alte, schöne Tracht an. Die Ketten 
und Knöpfe aus Silber und die reich gefalteten Röcke verraten ihren Reich- 
tum. Viele Maler wohnen in der kleinen Stadt an der Amper. Und was wollen 
sie hier im Dacliauer Moos? Das laß dir von ihren Bildern erzählen! 




1. Woher nimmt der Gröbenbach sein Wasser? 
Wohin bringt er es? 

2. Suche auf der Karte die Moore bei München! 

3. Die meisten Moore sind Wiesenmoore. Das ist ihre 
Entstehung: Die harten, undurchlässigen Flinzschidi- 
ten sind ganz nah unter der Erdkrume. Darum durdi- 
tränkt das Grundwasser den ganzen Boden, die 
Pflanzen haben zuviel Wasser. Weil die Grasdedie 
die Lufl absperrt, können sie nicht verfaulen. Sie 
ersticken und verwandeln sich unter dem Druck der 
darüberliegenden Erdschiditen in Torf. Sie ver- 
mooren. 

4. Woher kommt die Amper? Wohin fließt sie? 

5. Laß dir Bilder von den gesdiützten Moorpflanzen 
zeigen! 

6. Vom Schloß hat man eine herrliche Aussicht. 



9 Heimatbuch 



129 



Neusiedler 

Das Moor ist ein unfruchtbares und armes Land. Schwer und hart ist die 
Arbeit im Torfstidi. Tag für Tag steht der Mösler in dem nassen Torfgraben 
und stidit mit dem Spaten die schweren Stücke heraus. Die Kinder schichten 
sie auf und die Frau des Torfbauern arbeitet im armseligen Garten und auf 
dem kleinen Feld. Die Äcker sind mager und in dem nassen, sauren Boden 
gedeihen kaum Kartoffeln und Rüben. 

Aber die Menschen brauchen Brot. Das wächst nur auf einem guten Acker- 
boden. Darum nahmen die Moosbauern den Kampf mit dem Moor auf. 
Sie verbrannten die Moosdecke und pflügten den Moorboden um. Dann zogen 
sie tiefe Gräben durch die Mooswiesen. Darin sammelte sich das abfließende 
Wasser. Im Herbst gaben sie dem Boden viel Kalk und guten Dünger. Der 
"Winterfrost lockerte die Erde für die erste Saat. Ganz bescheiden fingen die 
Siedler an. Sie bauten Buchweizen und Gerste auf die neuen Felder. Schwer 
war die Arbeit und oft gab es einen Rückschlag. Die Felder ertranken im 
Wasser und die Ernte fiel aus. Doch die fleißigen Bauern ließen sich nicht 
entmutigen und ihre nimmermüde zähe Arbeit wurde belohnt. Wo einst der 
schwarzbraune Torf zum Trocknen aufgeschichtet war, neigen sich heute 
die goldenen Ähren im Sommerwind. 

So entwässerten die Mösler nach und nach einen großen Teil des Dachauer 
Mooses und verwandelten es in fruchtbares Ackerland. Wo einst die elenden 
Hütten der Moosbauern standen, finden wir blumengeschmückte, saubere 
und freundliche Häuser. Die Siedler nannten ihre neuen Dörfer Ludwigsfeld,. 
Karlsfeld und Augustenfeld. Damit wollten sie sagen, wie kostbar ihnen das 
mühsam eroberte Feld war. 

Heute ist Karlsfeld eine kleine Stadt geworden. Die Flüchtlinge haben 
sich hier am Rande Münchens in der alten Moorsiedlung eine neue Heimat 
geschaffen. In der Wohnsiedlung gibt es eigene Werkstätten mit Schreinern, 
Schustern, Schneidern und Schlossern. Bädier, Krämer, Friseur, Milchläden 
und Postamt sind in der Geschäftsstraße zu finden. Auch ein Kino haben 
die Neusiedler. Ihre Kinder besuchen den Kindergarten oder die neu errichtete 
Volksschule. Die Kirdie ist schon im Werden. 

Die Neusiedler sind arm. Die Männer arbeiten in der AUacher Fabrik. Die 
Frauen schaffen daheim genau so zäh und fleißig wie die ersten Siedler- 
frauen, die mit ihren Männern das Moor entwässerten. 

1. Suche auf der Karte die neuen Moorsiedlungen! Sie entstanden vor rund ijo 
Jahren. Die helfenden Fürsten sind in den Ortsnamen verewigt. 

2. Die Namen Moor und Moos bedeuten bei uns in Bayern d^s gleidie. Suche auf der 
Karte die Orte mit Moos! 

3. Vier Fünftel der großen Fläciie des Dachauer Mooses sind schon entwässert. Du 
kannst dieses neue Land zwischen den einst zusammenhängenden Mooren auf der 
Karte finden. 

4. Moosdörfer mit dem Namen . . . ried sind ältere Siedlungen. 

5. Sind in deiner Klasse Flüchtlingskinder? Weißt du, wo und wie sie wohnen? 

130 



In Laim 

Dem kleinen Wolfgang verspricht die Mutter, daß er am Abend einen 
Münchner Bauernhof sehen dürfe. Sie gehen über die große "Wiese, auf der 
sie ihr Mietgärtl angebaut haben, und spazieren ander Bahn vorbei zur Lutz- 
straße. Da steht wahrhaftig ein Bauernhaus. Der saubere große Viereckhof 
würde gut in ein Dorf passen. Auf dem Misthaufen stolziert der Gockelhahn, 
die Hühner suchen kratzend und scharrend nach Futter und am hohen 
Taubenhaus gurrt ein Taubenpärchen. Auf der Bank vor dem Haus lehnen 
die Milchkübel und am Scheunentor wartet ein hochbeladener Getreidewagen 
aufs Abräumen. Hinter dem Bauernhof ist die eingezäunte Weide für die 
Jungrinder. Wolfgang Ist ganz begeistert. 

Beim Heimgehen erzählt der Vater, daß Laim auf kräftigem Lehmboden 
stehe, der vor allem das Getreide gut gedeihen läßt. Dieser Lehm hat dem 
Dorf vor 900 Jahren seinen Namen gegeben. In einer alten Urkunde wird 
uns von dem Dienstknecht Mathuni und dem Edlen Helmpert von Laima 
berichtet. Der Edelsitz ist heute als Laimer Schlößchen in der Agnes-Bernauer- 
Straße zu sehen. „Da ist es ja", ruft Wolf gang, als sie an dem niederen, lang- 
gestreckten Gebäude vorbeikommen. In der nahen Ulrichskirdie zeigt der 
Vater seinem Buben das alte Dorfkirchlein, cns durch einen Bogen mit der 
neuen Pfarrkirche verbunden ist. Rund um dieses Kirchlein standen die zwölf 
stolzen Bauernhöfe des Dorfes Laim. Eine Schmiede war dabei und zwei 
große Wirtshäuser. Auch das Mesnerhäusl, die Gütl vom Schuster, Schneider, 
Sattler und Wagner gehörten zur Dorfgemeinde. Sogar eine Fabrik besaßen 
die alten Laimer draußen an der Landsberger Straße. Ihre Arbeiter formten 
Tassen, Teller und Töpfe aus Lehm. 

Heute sind an dieser wichtigen Verkehrsstraße viele Fabriken und Waren- 
lager. Die Wiesen und Felder sind verschwunden. Die Laimer Bauern haben 
sie der Eisenbahn verl;auft und sind dabei so reich geworden, daß man Laim 
das Millionendorf nannte. Ein paar Jahre darauf, nämlich 1900, holte sich 
München das reiche Dorf in seinen Burgfrieden. Seitdem ist Laim mächtig 
gewachsen. Im Süden sind inmitten herrlicher Gärten freundliche Wohnungen 
entstanden. Im Osten wurden die Felder und Wiesen mit großen Wohnblöcken 
überbaut. Der Westen Laims wächst langsam mit Pasing zusammen. Das 
neue große Schulhaus ist für die vielen Laimer Kinder schon lang zu eng 
geworden. 

Wolfgang freut sich, daß sein Vater soviel Zeit für ihn hat und ihm auch 
etwas erzählt. Daheim sagt die Mutter, daß sie gern in Laim wohnt und nicht 
mehr in die Augustenstraße zurück möchte. „Ich auch nicht", ruft der Wolf- 
gang. „Ich bin gern ein Laimer, weil wir die allergrößte Schule von Mündien 
haben." „Und du bist wahrscheinlich der gescheiteste Bub unter den 3000 
Laimer Schulkindern", sagt der Vater und schmunzelt dabei. 

9' 131 



1. Mündien ist das größte Bauerndorf Oberbayerns. Stimmt's? 

2. Zwischen Laim und München breitete sidi ein Wald aus. Die Reste davon sind 
im Hirsdigarten und in Friedenheim. 

3. Viele Laimer Straßennamen erzählen eine Geschichte aus Mündiens schweren 
Tagen. Agricola, Camerloher, Valpidiler, Perhamer sind die Namen der Schweden- 
geiseln von 1632. In welcher Straße wohnst du? Laß dir ihren Namen erklären! 

4. Die längste Straße Münchens ist die Landsberger Straße. Sie ist 12 km lang. Sudie 
die Hausnummern mit den hödisten Zahlen! 

j. Laß dir von einem alten Mündiner erzählen, wie die Laimer Bauern ihre Gründe 
verkauften! 

Im Güterbahnhof München-Lalm 

Der Rangieraufseher Huber hat heute dienstfrei. Seine Buben haben ihn 
schon ofl: gebettelt: „Vater, zeig uns doch einmal deinen Güterbahnhof!" Der 
Vater ist gut aufgelegt und nimmt Hans und Konrad mit an seinen Arbeits- 
platz. Bei der Laderampe der Güterabfertigung treffen sie den Bahnhofs- 
vorstand. Die beiden Männer gehen mit den Buben über viele Gleise. Eine 
Treppe führt sie zum hohen eisernen Steg, Von dort übersehen sie den Laimer 
Bahnhof. 

Als der Vater zu erzählen beginnt, hören sie besser zu als je in der Schule. 
„Der Rangierbahnhof München-Laim ist für den Güterverkehr einer der 
wichtigsten Verschiebebahnhöfe Süddeutschlands." Der Vater zeigt nach 
Osten und "Westen. „4 km ist er lang und an der breitesten Stelle hat er 50 
Haupt- und Nebengleise. Die laufen nebeneinander wie bei einer Zither." 

Hans und Konrad können nidit genug sdiauen. Da stößt eine Lokomotive 
einen Wagen ab, dort fährt ein langer Güterzug mit Kohlen hinaus. Drüben 
zieht eine Lokomotive viele leere Wagen über den langen Ablaufberg, „Sic 
müssen eine große Reise machen", erklärt der Bahnhofsvorsteher. „Im Ruhr- 
gebiet werden sie mit Kohlen gefüllt. Dann rollen sie wieder zu uns nadi 
München." Nun zeigt er nach links. Beschädigte Wagen stehen dort. Eben 
kommt eine Lokomotive. Ein Arbeiter kuppelt viele "Wagen an die Zug- 
maschine. Beim Zusammenprall zittert der Steg leicht, 

„So geht das Tag und Nacht", erzählt der Vater weiter. „Über 1000 Men- 
schen arbeiten hier. Aus der ganzen "Welt kommen Güter und Frachten: Aus 
Amerika Weizen und Baumwolle, aus dem Ruhrgebiet die Kohlen, von Ham- 
burg Fische, aus der Oberpfalz die Kartoffeln, aus dem Rheinland das Obst, 
Der Bayerische Wald schickt uns Beeren und Schwammerl, das AUgäu Butter 
und Käse. Aus den Dörfern rollen die Milchzüge in die Stadt. Die Bauern 
schicken Kartoffeln und Gemüse, Getreide, Heu und Stroh, Sogar Rinder, 
Schafe und Schweine gehen auf die Reise." 

Nun läßt der Bahnhofvorsteher die Buben nach Osten schauen. „Dort 
drüben sind die Auslauf gleise", sagt er. Die Kinder recken die Hälse. Da ist 

132 



gerade ein Güterzug mit offenen Wagen. „Die bringen Kies nach Augsburg 
und Nürnberg. Andere Güterzüge fahren Maschinen nach Rosenheim. Dieser 
lange Güterzug dort bringt Münchner Bier nach Hamburg, wo es auf die 
Schiffe nach Amerika verladen wird." 

„Ja, müssen denn alle Güterzüge über den Laimer Bahnhof?" fragen die 
Buben. „Nur die Obstzüge aus Italien fahren gleich zum Südbahnhof und zur 
Großmarkthalle", antwortet der Vater. „Alle andern Güterzüge müssen über 
Laim. Hier werden sie verschoben oder rangiert. Alle zwei Stunden wird ein 
Güterzug zum Ostbahnhof geschickt. Die andern Züge fahren nach Moosach, 
Freimann, Giesing, Pasing, Schwabing, Sendung und zum Hauptbahnhof. 
Jeden Tag fahren ungefähr 2500 Wagen in 28 Richtungen. Dort seht ihr 
auch die wichtige Umladestelle für die Stückgüter." 

Hans und Konrad haben ganz rote Backen bekommen vor lauter Zuhören 
und Schauen. „Ich werd' auch einmal ein Rangieraufseher", sagt der jüngere 
Bruder. „Nein", meint Konrad, „ich möcht schon lieber ein Lokomotivführer 
werden. Da komm' ich in der ganzen Welt herum." 

1. Der Laimer Güterbahnhof ist 1813 gebaut worden. 

2. Täglich werden rund 150 besdiädigte Wagen repariert. Die Reparaturwerkstätten 
sind in Laim, Neu-Aubing, Freimann. Suche die Orte auf der Karte! 

3. Du könntest mit einem Zug rund um die Stadt fahren. Die Gleise sind da, aber nur 
für die Güter. Sudie dir auf der Karte die Bahnlinie und die Haltestellen dieser 
Güterringbahn! 

Pasing einst und jetzt 

Die Schwester Mündiens nannte man die kleine Stadt 
Pasing, ehe sie der Großstadt eingemeindet wurde. 

Auf dem Marienplatz standen noch um die Jahrhun- 
dertwende kleine Häuser mit Ställen und Sdieunen. Am 
Zaun blühten Rittersporn und Eisenhut, Wicken und 
Astern. Da duftete die weiße Lilie im Bauerngärtlein. 
Die Pasinger Bürgersfrau holte aus dem Krautgarten ihr 
Gemüse und die Küchenkräuter. Die Hühner suchten 
gackernd und kratzend nach Futter. 

Heute sitzt die Blumenfrau an der Ecke und die Haus- 
frauen stehen Schlange um Äpfel und Weißkraut. Viestöckige Riesenbauten 
überschatten den weiten Platz. Schwere Lastwagen rollen über das Pflaster. 
Motorräder knattern auf der Straße. Arbeiter eilen zum Vorortszug. Frauen, 
Männer und Kinder warten auf die Straßenbahn. Die großäugigen Auslage- 
fenster der vielen Läden begucken sich das gesdiäftige Treiben. 

Früher tönte der Flammcrsdilag aus der offenen funkendurchsprühten 
Schmiede. Heute hört man das gleichmäßige Rollen der Fernzüge aus dem 
nahen Bahnhof. Wo jetzt Buben und Mädel in die vielerlei Schulen Pasings 




133 



eilen, standen einst Kornäcker und Kleefelder. Milch- und Holzfuhrwerke 
zogen im Morgengrauen zur Stadt. Am Wagen baumelte die Laterne und 
erleuchtete spärlich die dunklen Gassen. 

Der fruchtbare 'Ackerboden mag wohl Poaso, den Gründer des Ortes, 
bewogen haben, hier mit seinen Leuten zu siedeln. Das alte Pasing reicht bis 
in die Zeit zurück, wo die Römer im bayerischen Land herrschten. Viel Wald 
gab es hier und ein reiches Fischwasser, die Wurm. 

Heute sind Wald und Ackerland zurückgedrängt von den schönen Villen, 
Geschäftshäusern und Fabriken. Aber an der Wurm stehen nodi prächtige 
alte Bäume. Im Schloßweiher spiegeln sich Erlen und Ulmen. Der Mühlweg 
ist ein wunderbarer Spaziergang. Das Fischwasser der Wurm ist Badewasser 
geworden. 

Vom alten Schloß auf der Insel liegen nur mehr Trümmer im Garten der 
Englischen Fräulein. Diese Steine sind älter als alle Mauern Münchens. Sie 
sahen die fröhlichen Jäger zur Hirsch- und Bärenjagd reiten. Sie hörten die 
klappernden Hufe der Pferde und die knirschenden Räder der Salzfuhr- 
werke auf der alten Würmstraße. Sie sahen auch die lodernden Flammen, die 
das Dorf Pasing mit seiner alten Holzkirche zerstörten. Sie erlebten mit den 
Pasinger Bürgern die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges und die grauen- 
vollen Pesttage. Ist das nicht eine reiche Geschichte? 

1. "Wie kommst du von Pasing am schnellsten nadi München? 

2. Die Straßen Pasings führen in die "Weite. Gib ihr Ziel an! 

3. Weldie Straßennamen erinnern an das alte Pasing und an seine Bürger? 

4. Schau dir die alten Grabsteine in der Kirche an! 

5. Pasing ist eine Schulstadt mit über 6000 Schülern. Zähle die Sdiulen! 

6. Pasing ist der 35. Stadtbezirk Münchens. 

7. Kennst du Pasinger Fabriken? Beridite, was darin hergestellt wird! 



An der Wurm 

Die "Wurm hat schon einen weiten Weg hinter sidi, wenn sie nadi München 
kommt. Sie ist kein Bergkind wie die Isar, sondern stammt aus den moosigen 
Filzen bei Seeshaupt. Der junge Fluß durchströmt den Starnberger See und 
schlängelt sich durch ein steiles, anmutiges Tal. Sattgrüne Wiesen und lichte 
Buchenwälder begleiten seine klaren, plätschernden Wellen. 

"Viele schöne Dörfer und Gartensiedlungen liegen an den Würmufern. "Wie 
bunte Tupfen sind sie in den grünen Wald- und "Wiesengürtel eingestreut. Die 

134 



Orte sind alle sehr alt, viel älter als Mündien. Jäger und Fisdber siedelten sich 
vor mehr als 1000 Jahren hier im Würmtal an. Die Wälder waren in jener 
Zeit viel dichter als heute und reich an edlem Wild. Oft ritten die bayerischen 
Herzöge mit ihrem Jagdgefolge durch die Würmwälder. Wenn das Hifthorn 
ertönte, begann die schlimme Zeit für Hasen, Rehe, Hirsche und Füchse. Aus 
der Wurm, die damals viel mehr Wasser führte und rascher strömte, holten 
die Fischer die köstlichen Forellen für die herzogliche Tafel. 

Seitdem hat die Wurm viel Wasser verloren. Zwischen Leutstetten und 
Planegg ist sie zwar noch ein prächtiges, mit Moorgehalt gesättigtes Bade- 
wasser. Auch die Pasinger kennen die munteren Würmwellen, die es immer 
so eilig haben und so fleißig ihre Mühlen treiben. Dann aber wird die Wurm 
müde und langsam. Schon vor 250 Jahren hat man der Wurm einen Teil ihres 
Wassers für den Nymphenburger Schloßkanal genommen. Heute noch speist 
er die Seen, Flüßchen und Kanäle des Parkes. Er gibt sein Wasser dem großen 
Dantebad in Neuhausen, der lustigen Georgenschwaige in Milbertshofen und 
dem schönen Ungererbad in Sdiwabing. Die Wurm ist den Münchnern das 
liebste Badewasser. 

Man möchte meinen, das Flußbett sei leer geworden. Doch zwischen Men- 
zing und Allach hat die Wurm aus dem moosigen Grund soviel aufgesaugt, 
daß sie noch zwei Kanäle mit Wasser versorgen kann. Beide bringen das 
Würmwasser zur Isar und verbinden so die zwei beliebten Münchner Bade- 
flüsse. Unsere alte Wurm aber eilt hinter der Mühle bei Dachau der Amper zu. 

1. Kommst du einmal nadi Starnberg, dann sudi den Ausfluß der "Wurm bei Percha! 

2. Sudie auf der Karte die Orte an der Wurm! Sdireibe ihre Namen auf! Zeichne 
den Flußlauf und trage die Orte in deine Zeidinung ein! 

3. Wandere an der Wurm entlang von Pasing nadi Alladi oder von Gauting nadi 
Starnberg durdi das Mühltal! 

4. Schau auf der Karte die Würmkanäle an! 

5. An der Wurm sind 17 Badeanstalten. Weldhe kennst du? 

6. Ortsnamen: Lochham = Heim am Wald, Gräfelfing = Ort des Grevolf, 
Planegg = Edi im Wiesenplan. 

7. Die Reismühle im walddunklen Würmtal ist nadi einer Sage die Geburtsstätte 
Karls des Großen. In der Nähe liegt auf einer Anhöhe das Gut Leutstetten, ein 
Landsitz der Wittelsbadier Fürsten. 

8. Wandere von Gauting durdis Würmtal zum Starnberger See. 

Hinter dem Waldfriedhof 

Hinter dem Waldfriedhof können wir weit in die Runde schauen. Überall 
sehen wir Felder und Wiesen, kleine Kirchtürme und saubere Dörfer. Da- 
hinter aber steht wie eine Mauer ein Kranz von dunklen Wäldern. Sie sind 
imr mehr ein kleiner Rest von jenen ausgedehnten Forsten, die in alter Zeit 
die Stadt einschlössen. Damals gab es in dem riesigen Waldgebiet noch viele 

135 




Rehe, Hirsche und Füchse, ja sogar Bären und "Wölfe. Doch 
die Bauern brauchten Äcker und Wiesen. Darum rgdeten sie 
die Urwälder. So entstanden vor 800 Jahren die Walddörfer 
Forstenried, Neuried, Martinsried, Groß- und Kleinhadern. 
Hinter dem Waldfriedhof aber sehen wir noch auf Sdiritt 
und Tritt die Spuren des gerodeten Waldes. Knorrige Eidien 
wachsen zwischen niedrigem Buschwerk. Die Moosdecke ist 
verschwunden. Hohes steifes Gras sdiaut über den Weg. 
Beerensträucher wuchern wild durcheinander. 
In der Waldsiedlung von Großhadern wird heute noch gerodet. Die Häuser 
stehen auf abgeholztem Waldboden. Eine Tannenhedce zäunt das Grund- 
stück ein. Mühsam ist die Arbeit im Gärtlein. Zwischen den Salatköpfen 
wädist noch manchmal eine kleine Fidite mit. 

Die Siedler haben für ihre Straßen die Namen aus dem Wald geholt. Der 
Heimweg führt uns an der Waldsaumstraße und am Steinpilzweg vorbei. 
Durch eine herrliche Birkenallee kommen wir zum Gasthaus Waldschlößl. 
Die Blumenfrauen warten dort mit ihren Wäglein und bieten Tannenzweige 
an. Wir nehmen uns einen Arm voll mit, ein kleines Stückchen Wald für 
unsere Stube. 

1. Der Obus zwischen Laim und Waldfriedhof fährt mit einer elektrischen Ober- 
leitung. Kennst du andere Omnibuslinien? 

2. Die Fürstenrieder Straße läuft durch ganz Laim und weiter bis zum Schloß 
Fürstenried. 

3. Der Waldfriedhof ist ein Teil des Fürstenrieder Waldes. Weldie Friedhöfe kennst 
du? Welchen besuchst du an Allerheiligen? 

4. Die Waldsiedlungen stehen auf einem Ried. Das ist ein Waldstüds, weldies von 
Bäumen und Buschwerk gereinigt ist. Ried heißt eigentlich Moor. Nur in der 
Umgebung Münchens bedeutet es Rodung. Sudi auf der Karte die Dörfer hinter 
dem Waldfriedhof mit dem Namen . . . ried! 

5. Auch im Namen Hadern steckt der Wald. Das Dorf hieß vor 800 Jahren ad 
Haderum, d. h. bei den Waldleuten. Suche Groß- und Kleinhadern auf der Karte! 

6. Schau auf die Karte! Die Burgfriedensgrenze verläuft am Waldrand. 

7. Lies die Erzählung von den Bauerndörfern im Walde! 



Föhn 



Is dös heut a Wetter, 
ganz lind is 's und lau, 
die Sonn' sdieint so mollig, 
und d' Luft is so blau. 

's Gebirg kannst glei' greifen, 
die Kirchtürm', den Wald. 
Wie Sdiifferl san d' Wolken 
am Himmi 'nauf g'malt. 



Vom Dadierl tropft 's Wasser, 
es pritschelt und rinnt, 
der Schnee is zergangen 
im g'spassigen Wind. 

Den Lenz sdion auf Vorschuß 
im Winter erleb'm, 
dös wird 's auf der Welt bloß 
bei uns daheim geb'm! 



136 




Maria Eldi 

Heute wallfahren viele Leute nach Maria Eich; nicht alle aber wissen, wem 
die Muttergottes dort zuerst geholfen. Eine Sage erzählt: 

Eines Tages ritt ein bayerischer Herzog mit großem Gefolge von Mündien 
hinaus in die Wälder gegen Planegg zur Hirschjagd. "Weil es damals an 
Edelwild durchaus nicht mangelte, war die Jagd bald in lustigem Gang. 
Hunde bellten und Hörner erschollen und in eiligem Ritt waren Herzog und 
Hofgesinde auf ihren Pferden hinter den Hirschen drein. 

Unter den Flüchtigen aber war ein stattlicher Zwanzigender, den der 
Herzog zuerst sah. Als dieser nun sein ganzes Gefolge für das prächtige Tier 
aufgeboten hatte, war es bald müde gehetzt und die Weidmänner freuten 
sidi schon ihrer Beute. Aber plötzlich hielt der flüditige Hirsch vor einer Eiche 
still und schaute zu einem Marienbild an derselben auf. Die wilde Meute ließ 
er ruhig an sich herankommen. Auf einmal standen Hund und Jäger wie ge- 
bannt, bis ein graubärtiger Forstmann entblößten Hauptes dem Herzog be- 
deutete, dies sei Maria Eiche. Daraufhin stiegen die Höflinge von den Pferden 
und bezeigten dem Muttergottesbilde ihre Verehrung. Der Herzog aber 
schenkte dem Hirsch Leben und Freiheit und ließ allhier ein Kirchlein 
erbauen, aus dessen Dach lange Zeit die schützende Eiche ragte. Im Chore ist 
heute noch der Stamm zu sehen. 

1. Erkläre den Namen der kleinen Wallfahrtskirdie! 

2. Lies das Gedidit auf der Tafel an der Kirchenwand! 

3. Kennst du andere Wallfahrtsorte? 



137 



Im Englischen Garten 

Der Hansl und der Gustl sind zwei richtige Schwabinger. Alle schönen 
Fleckerl in Schwabing wissen sie. Am liebsten aber halten sie sich im Eng- 
lischen Garten auf. Kein Wegerl ist ihnen fremd, keine Wiese zu versteckt, 
kein Baum zu hoch. Der Hansl kennt viele Vogelstimmen und der Gustl weiß 
genau, wann die Weiden und die Haselnüsse blühen und wo sie im Herbst 
Kastanien finden. Sie zählen, wie oft der Kuckuck schreit, wenn sie im Früh- 
jahr auf den weiten, sonnigen Wiesen liegen. Wenn sie Glück haben, läuft 
ihnen ein Eichkatzl über den Weg und frißt ihnen Brösel aus der flachen Hand. 

Sie kennen die drei Bäche im Englischen Garten. Sie finden audi die kleinen 
Wasserfälle, die netten Inseln und die zierlichen Brücken. Im Schwabinger 
Bach lassen sie Schiff lein schwimmen und bei der großen überhängenden Weide 
schauen sie dem Maler zu, wie er den Turm des Schwabinger Kirchleins 
zeichnet. Meistens aber sind sie am See. Da füttern sie die Enten und werfen 
flache Steine über das Wasser, daß sie nur so springen. Wenn sie Geld haben, 
fahren sie mit einem Kahn zu den drei Inseln. Im Winter sausen sie mit 
ihren Schlittschuhen über die weite Eisflädie. Sie bewundern die Kunstläufer 
und Eistänzer und probieren sogar das Eisstockschießen. Gerne steigen sie 
den steilen Hügel zum Monopteros hinauf. 

Im Milchhäusl kaufen sich die beiden Freunde eine Waffel voll Eis und 

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schlendern schleckend am Seehaus vorbei. Als sie noch kleiner waren, durften 
sie mit dem alten Karussell fahren, das mit seinen hölzernen Märchentieren 
unter hohen Kastanien steht. In den Ferien radeln sie durdi die wunder- 
schönen Baumgruppen der Hirschau zum Aumeister oder sausen auf der 
sdinurgeraden Straße zur Floriansmühle. 

Heute stehen die zwei Buben vor einer steinernen Rundbank. Die haben 
sie lange nicht entdeckt. Neugierig lesen sie die Inschrift: HIER WO IHR 
WALLET DA WAR SONST WALD NUR UND SUMPF. Der Hansl 
buchstabiert und der Gustl schüttelt den Kopf, weil er den Satz nidbt versteht. 
Ein freundlicher Herr setzt sich zu ihnen und erzählt, wie der Englische 
Garten angelegt wurde. Er zeigt mit seinem Stock im Kreis herum und sagt: 
„Wo ihr jetzt geht und spaziert, breiteten sich früher sumpfige Auen aus. Für 
Hirsche und Rehe war hier ein Paradies. Die bayrischen Fürsten stellten einen 
Förster und Wildpfleger auf, den Aumeister. Viele Isararme durchzogen die 
Auen. Selten verirrte sich ein Wanderer in diese Wildnis. Da beauftragte der 
Herzog Karl Theodor den Grafen Rumford, einen Volksgarten anzulegen. 
Die Gartenkünstler Werneck und Skell leiteten das Werk. Die Isar bekam 
hohe Dämme. Die Arbeiter bauten Brücken über die drei Bäche, zogen un- 
zählige verschlungene Wege und säten weite Wiesen an. Schöne BaumgVuppen 
ließen sie stehen, morsche Bäume wurden gefällt und neue eingepflanzt. 
Später bauten die Handwerker aus Holz den Chinesischen Turm und ver- 

138 




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zierten ihn mit vergoldeten Glöckchen. Dann erweiterte man einen "Weiher 
zum Kleinhesseloher See. Das ausgegrabene Erdreich sdiütteten die Arbeiter 
zu einem künstlichen Hügel auf. Darauf steht der Monopteros. 

Inzwischen stellten die Gärtner Nistkästchen und Vogelhäuschen auf. In 
den See setzte man Schwäne und Wildenten. Für die Spaziergäger wurden 
1000 Anlagebänke in den Englischen Garten gebracht. Den Münchnern gefiel 
der neue Park. Nirgends war ein Zaun. Die Bäume waren nicht zugeschnitten 
wie im Hofgarten und die Wege liefen nicht gerade, sondern lustig krumm 
und verschlungen. Seither besuchen viele Tausende den Englischen Garten. In 
den schattigen Gaststätten trinkt man Bier und Wein." „Is bloß schad, daß 
der Chinesische Turm niedergebrannt is und Bank' und Schwäne san aa koane 
mehr da!" sagt der Gustl. „Dös macht nix", meint der Hansl, „d' Hauptsach' 
is, daß d' Bäum' blieben san und d' Bach' und d' Wies'n!" 

1. Der Englische Garten wurde vor 150 Jahren angelegt. 

2. In Nymphenburg ist ein französischer Park, gleich hinter dem Schloß. In 
Schwabing ist ein englischer Garten. Kannst du den Unterschied angeben? 

3. Suche die drei Bäche auf der Karte, verfolge ihren Lauf und schreibe ihre 
Namen auf! 

4. Steig auf den Monopteros! Erkennst, du die Turme und Kuppeln der Stadt? 
Schneide den Monopteros aus! (Fahsdinitt!) Lies die Inschrift! 

y. Laß dir Bilder vom Chinesischen Turm zeigen! 

6. Suche die steinerne Bank mit der Inschrift! 

7. Im Englischen Garten sind verschiedene Denkmäler. Sudie sie und lies die 
Inschriften! 

8. Wo heute der Kleinhesseloher See ist, lag in alter Zeit das Dorf Kleinhesselohe 
(kleiner Haselwald). 

9. Wo sind die Straßen für Karl Theodor, Werneck, Rumford und Skell? Einer 
hat ein Denkmal in der Maximilianstraße. 

IG. Schau das Wasser bei der steinernen Rundbank an! Die undurchlässige Flinz- 
schicht liegt ganz heroben. Verstehst du jetzt, warum hier Sumpf war? 



139 



Das alte Schwabing 

Vor vielen vielen Jahren — es mögen wohl mehr als 1000 sein — kam ein 
fremder Mann auf die öde Heide am nahen Ufer der Isar. Er hatte Frau 
und Kinder, einige Stüdk Vieh, etwas Saatkorn und ein paar "Werkzeuge bei 
sidi. Die Gegend gefiel ihm so gut, daß er blieb. Er fällte in den Isarauen 
kräftige Baumstämme und baute sich eine Blockhütte, die er mit Schilf deckte. 
Swapo hieß der Mann. Fische und Wild waren seine Nahrung. Aber bald 
machte er das Land urbar. Er ackerte, säte und erntete. Seine Nachkommen 
bauten sich später eigene Hütten und so wurde aus der ersten Ansiedlung 
ein kleines Dorf. Man nannte es Swapinga. 

Immer mehr breitete sich das Dorf am linken Ufer der Isar aus. Die reichen 
Güter gehörten den Edelleuten von Schwabing. Sie wohnten im Gohren- 
schlößchen, in den Marschallhöfen, im Werneckschlößchen und in Biederstein. 
Gütler, Fisdier, Flößer und Handwerker mußten für sie arbeiten. Ihre 
kleinen, mit Schindeln gedeckten Häuser, die von winzigen Gärten umgeben 
waren, standen unregelmäßig an der lehmigen Straße. Dazwischen lagen die 
großen Höfe der freien Bauern. 

Am Ufer der reißenden Isar erhob sich das Ursulakirchlein. Das nieder- 
gelegene Mesnerhäuschen beherbergte die erste Schulstube. Ofl: bedrohten die 
Hochwasser das Gotteshaus. Wenn die wilden Wogen das Kirchlein umtobten, 
dann kamen die Schwabinger ihrer Schutzpatronin mit Flößen zu Hilfe. Die 
festen Grundmauern der Kirdie trotzten jedem Ansturm der Fluten. 

An der Grenze zwischen Sdiwabing und München stand ein Burgfriedens- 
kreuz. Dahin bauten die Münchner ein Siechenhaus für die Kranken mit 
einem anstedcendem Leiden. Seine Kapelle war dem heiligen Nikolaus ge- 
weiht. Ein Verslein sagt: „Als man zählte 712 nadi Christ, das Nikolaikirchl 
sdion gewesen ist." Hier beteten die Armen, Elenden und Kranken um Hilfe 
und die Gesunden wallfahrten mit dem Kreuz herbei. Als das Nikolaikirch- 
lein abgebrochen wurde, trauerten alle Sdiwabinger. 

Die Stadt München war eine halbe Stunde weit vom Dorf Schwabing ent- 
fernt. Auf den Straßen ging es lebhaft zu. Bauern- und Botenfuhrwerke 
kamen aus der Freisinger und Ingolstädter Gegend. Sie wollten vor der Stadt 
nochmal einkehren und darum bauten die Schwabinger ein großes Wirtshaus 
an die Weggabelung bei den Schlagbäumen. Oft wanderten die Altmünchner 
Familien an schönen Sonntagen über die Felder und Wiesen nach Schwabing. 
Sie schauten ins Nikolaikirchlein und ließen sich im „Großen Wirt" Brot 
und Bier schmedsen. 

Alt-München und Alt-Schwabing wuchsen immer mehr zusammen. Aber 
Schwabing blieb lange ein freies Dorf und war sogar einmal eine selbständige 
Stadt. Schwabing, Biederstein, Hirschau, Riesenfeld und Tivoli gehörten zu 
ihr. Dann verschluckte die Stadt München das viel ältere Schwabing. Das alte 

140 




Dorf hat ein städtisches Gewand 
angezogen und ist in der "Welt 
berühmt geworden. Viele Maler, 
Musiker und Gelehrte wohnen in 
diesem Stadtviertel. 

Der Krieg hat in Schwabing 
furchtbar gehaust. Doch die weni- 
gen Andenken an das alte Schwa- 
bing sind wunderbar erhalten. Der 
Wasserturm am Schwabinger Bach 
schaut heute noch den Kindern zu, 
die über das Baronbergl rodeln. 
Der Viereckhof steht noch behäbig 
an der Straße zum Englischen 

Garten und blidit zum Turm des alten Ursulakirchleins hinüber, das in die 
Silvesterkirche hineingesdilüpft: ist. Nun madit euch auf und sucht die Er- 
innerungen an das alte, stolze Dorf! 

1. Sdiau auf deiner Karte im Budi nach, wann Schwabing eingemeindet wurdel 
Heute ist es der'21., 22. und 26. Stadtbezirk. 

2. Das Nikolaikirchlein stand an der ehemaligen Schwabinger Landstraße vor dem 
heutigen Nikolaiplatz. Es wurde 1898 abgebrochen. Suche die Gedenktafel! 

3. Kennst du die Schwabinger Kirchen? Wie heißen sie? Wo stehen sie? 

4. Das alte Mesnerschulhaus ist 1904 abgebrochen worden. Zähle die Schulen 
Schwabings auf! Welche sind zerstört? 

5. Wo steht das Sdiwabinger Krankenhaus? Es ist ein ganzes Krankenhausdorf. 

6. Welche Schwabinger Straßen führen zum Englischen Garten? 

7. Rund um das Ursulakirchlein und den Nikolaiplatz laufen die ältesten Sdiwa- 
binger Straßen. Suche sie! 

8. Mitten durdi Schwabing führt die Belgradstraße. Hier war einmal der Türken- 
graben, den gefangene Türken bauen mußten. 

9. Zcidine den alten Wasserturm an der Osterwaldstraße, die alte Herberge an 
der Seestraße! 

IG. Schwabing besitzt neben dem Englischen Garten noch eine große Grünflädie: 
den Luitpoldpark. Wo liegt er? 



Nur ein Schutthaufen 

Beinahe hätte ich mich in der verödeten Straße nimmer zurcditgefunden. 
Hier, auf diesem vielvertrauten Fleck stand also das Haus, in dem ich zur 
"Welt gekommen bin. Nocii weiß ich's gut, wie ich im Flur und im Hofe mit 
den Nachbarskindern spielte, wie ich vom dritten Stocke hinab auf die belebte 
Straße, sdiaute. Mit Grauen aber erinnere ich mich jener schrecklichen Nacht, 
wo unser Haus niederbrannte. Das Heulen der Sirenen liegt mir noch in den 



141 



Ohren. Geduckt und angstvoll saßen wir im lichtlosen Keller, während es 
draußen krachte und funkte, daß Stein und Bein erzitterten. Damals sind 
die Häuser ringsum zusammengebrochen und das unsrige brannte lichterloh. 

Nur ein Schutthaufen! So sagen die vorübergehenden Leute und wissen 
nicht, was dieses Trümmerfeld für mich bedeutet. Jahre sind verstrichen, seit 
dieses Gebäude von den Menschen verlassen wurde. "Wie hat es sich in dieser 
Zeit verändert! Das Gemäuer an den Straßenfronten ist eingestürzt, das ver- 
kohlte Gebälk verschwunden und jeder brauchbare Ziegelstein abgefahren. 
Nur die Hintermauer ragt noch einem dürren Gespenste gleich aus den Trüm- 
mern empor. Seit jenen Tagen, wo das Unglüdi die Inwohner in alle Winde 
verweht hat, ist die liebe Natur selber Hausherr geworden. 

Allenthalben machen sich die neuen Mieter breit. Tauben und Spatzen 
beziehen in den Mauernischen kostenlose Sdilafstellen. Zwischen Kehricht 
und Küchenabfällen huscht eine fette Ratte aus dem Kellerloch. Neben einem 
zerquetschten Herd fühlt sich eine alte Kartoffel so wohl, daß sie üppig ins 
Kraut schießt. Dort hinten, unter der verbeulten Bettstelle streckt sich der 
wilde Knöterich über den Schutthaufen. Neugierig lugt ein Mäuschen aus 
seiner gemütlichen Wohnstube, einem verrosteten Ofenrohr. Hohe Gras- 
büschel sitzen wie unartige Kinder am Boden, obwohl daneben der Huf- 
lattich seine Schirmblätter wie einen grünen Teppich ausbreitet. Die Brenn- 
nessel macht den Wächter und lauert in der Ecke bei den Wasserrohren auf 
nackte Diebesfinger. Im zweiten Stock der Hintermauer winkt ein junger 
Hollerbusch zum Fenster heraus und auf dem Balkon hat sich ein knirps- 
hohes Bäumchen frech in die alte Kohlenkiste gesetzt. 

Nur ein Schutthaufen! So sagen die vorübergehenden Leute und sehen 
nicht, daß neues Leben in die Ruine eingekehrt ist. 



1. Mündien erlitt im letzten Kriege 73 große Luftangriffe. Über 6000 Mündiner sind 
in der Stadt gefallen. 10600 Gebäude wurden zerstört. Unversehrt blieb unter 
je 40 Häusern nur eines. 80 000 Wohnungen gingen verloren. 

2. Weldie Kirdaen wurden sdiwer besdiädigt? Wie ging es deinem Wohnhaus, deiner 
Sdiule? 

3. Kennst du öffentlidie Gebäude, die verniditet wurden? ^-^^ 

4. Weißt du Straßen, die jetzt menschenleer sind? 
j. Weldie Stadtviertel wurden besonders sdiwer getroffen? 

6. Was hat die Altstadt verloren? 

7. Betrachte einmal die besdieidenen Pflanzen auf einem 
Schutthaufen! Reiß dir von jeder Sorte ein Stüdi ab und 
bringe es in die Schule mit! Zeichne diese Pflanzen ab! 

8. Schreib in deinem Heimatheft zusammen, welches Un- 
heil der Krieg unserer Stadt gebracht hat! Vergif^ auch 
die Gefallenen nidit! 




142 



Die Schutträumung 

Ein paar Grundstücke neben meinem Wohnhaus sind die Schutträumer am 
"Werk. Unaufhörlich fahren leere Wagen heran und rollen vollbeladen wieder 
ab. Schon von weitem höre ich den Bagger. Dort steht er, dieses plumpe Un- 
geheuer mit seinem gefrälsigen Maul. Lr pustet und rasselt, daß einem ganz 
angst werden könnte. Eben wälzt das eiserne Untier seinen dicken Leib auf 
Raupenfüßen über den holperigen Grund. Was so ein Bagger alles leisten 
kann! Wie ein Elefant trägt er Schienen und Balken, reißt Mauern nieder 
und hebt die schwersten Steine wie Spielzeugklötzchen in die Höhe, letzt 
reckt er seinen langen Hals, schürft mit dem Maul den Boden entlang, reißt es 
sperrangelweit auf und drückt seine stumpfen Zähne in den Schutt. Dann 
klappt er sein Gebiß zu, schnauft und schüttelt sich und schwenkt seine Last 
auf das wartende Auto. Plumps, da beugt sich die Ladebrücke und ächzt ob 
der drückenden Bürde. Etliche Male dreht sich der Bagger hin und her und 
der Wagen ist schnell vollbeworfen. 

Gleich eilt das Gefährt zur großen Schuttrampe, um seine Last wie ein 
fauler Esel abzuschütteln. Immer höher stapelt sich der Schutt auf und wäre 
längs turmhoch gewachsen, wenn nicht die langen Dampfzüglein ihre Arbeit 
leisten würden. Sieh, dort schleppt eine kleine Lokomotive ihre vollen Karren 
auf dem schmalen Gleis dahin. Stoßend, pfaudiend und pfeifend kriecht der 
Tausendfüßler über die Straßenkreuzung und wackelt hinaus zu den Ablage- 
stellen außerhalb der Stadt. 

So wird es allmählich sauber an den Straßen und Plätzen. Hier ersteht ein 
neuer Bau mit vier Stockwerken, dort flicken die Maurer ein beschädigtes 
Haus zusammen, als wäre es ein alte Hose, die durch keine neue ersetzt 
werden kann. Hölzerne Kioske und niedrige Ladenzeilen sind die bescheide- 
nen Nachfolger der großen stolzen Geschäftshäuser. Manche Kirchen und 
Schulen, Wohnhäuser und Werkstätten krönt bereits ein neuer Dachstuhl. 
Ein geziertes Tannenbäumchen in luftiger Höhe kündet uns von der Hebefeier 
der Zimmerleute und der Freude über den fertigen Bau. Bis aber jede 
Münchner Familie wieder eine eigene Wohnung beziehen kann, wird freilich 
noch viel Wasser die Isar herunterlaufen. 

1. Wie oft höh ein Bagger ein, bis ein Lastauro voll ist? 

2. Sei vorsichtig in alten Ruinen! Laß die Finger weg von herumliegenden Granaten 
und Bombentcilen! 

3. München hatte 5 Millionen Kubikmeter Schutt, das sind rund 7 Millionen Tonnen. 

4. Welche Kirchen werden zur Zeit aufgebaut? 

5. Was wurde in deiner Schule aufgebaut? 

6. Wie steht es mit deinem Wohnhaus? 

7. Laß dir von den Eltern eure Tageszeitung geben, wenn etwas Mündinerisches 
drinnen steht! Alte und neue Geschichten aus unserer Stadt findest du im „Münch- 
ner Stadtanzeiger". Schneide Bilder und Geschiditen aus! 

8. Wo sind die großen Sdiutthalden? 

9. Was wird in deinem Stadtviertel gebaut? 

143 



Auf dem Oberwiesenfeld 



"Wer kennt die größte "Wiese Mündiens? Auf der kannst du eine halbe 
Stunde lang laufen wie über ein großes, weites Feld. Diese ebene Grasflädie 
dehnt sich am Nordrand der Stadt, zwisdien Sdiwabing, Milbertshofen und 
Moosadi aus. 

Eine merkwürdige "Wiese ist das. Kein Bauer kommt, um das Gras zu 
mähen und kein Pflug zieht darüber. Keine Sdimetterlinge flattern und keine 
Bienen summen. Das Gras wird kaum fingerhodi und nur ein einziges 
Blümlein, das bescheidene Gänseblümchen, wagt es, hier zu wachsen. "Wenn 
die Schwabinger Buben Löcher graben, dann finden sie eine handvoU Erde, 
sonst lauter Geröll und Kies. Das Grundwasser fließt mehrere Meter tief 
unter der dünnen Grasdecke dahin. Das Regenwasser sickert so schnell durch 
die Kieselsteine und den lockeren Sand, daß der Boden imm.er trocken bleibt. 
Darum hat man auf dem weiten Feld auch nie etwas angebaut. 

In heißen Sommern findest du hier ein Mausloch neben dem andern. Ihre 
schmalen Weglein laufen durch das dünne Gras. Im Herbst ist die "Wiese 
mit Schafen übervölkert. Die zupfen geduldig die winzigen Grashalme und 
lassen sich von den Staren die Zecken aus der "Wolle picken. Schafpferch und 
Schäferkarren stehen einsam auf der weiten Ebene. 

Für die Kinder ist Oberwiesenfeld ein herrlicher Spielplatz. Die Mädel 
bauen sich mit den herumliegenden Steinen ganze Puppenwohnungen und 
spielen stundenlang damit. Nirgends können die Drachen so hodi und so 
weit steigen wie hier. Kein Haus stört sie und keine Leitung ist ihnen im 
Weg. Die Buben finden ein wunderbares Spielfeld für ihren Fußball. Am 
Ostrand erhebt sich ein niedriger Hügel, grad redit zum Rodeln, und in der 
Nähe des Kanals ist das nette Pumperhölzl, in dem man sidi so fein ver- 
stecken kann. 

Der Nymphenburger "Würmkanal durchfließt das Oberwiesenfeld und eine 
weite Straße durchzieht es. Buben, die gut schwimmen können, besuchen 
das Kanalbad. Die kleinen Kinder spielen an den Dämmen. Hunde tappen 
tolpatschig durch das Wasser. Weiter unten schwenken Frauen ihre Wäsche. 
Auf der Straße herrsdit großer Verkehr, weil die Lastwagen, die von 
Moosadi das Gemüse in die Stadt bringen, den Weg nach Schwabing und 
Milbertshofen hier abkürzen. 

Schon oft bin ich über das Oberwiesenfeld gelaufen und immer hat es mir 
gefallen. Wenn der Föhnhimmel über München blaut und die ganze Gebirgs 
kette zu sehen ist, habe ich es besonders gern. 

1. Heute Ist ein großer Teil vom Oberwiesenfeld ein Sdiutt- 
ablageplatz. 

2. Vergleiche den Boden auf dem Oberwiesenfeld mit dem Grund 
im Englisdien Garten! Hier liegt die Flinzsdiidit ganz oben — 
der Boden ist naß und sumpfig. Auf Oberwiesenfeld Hegt sie 
tief unten — der Boden ist trodien. 




144 



Milbertshofen 

Jeden Tag bringt die Straßenbahn Tausende von Arbeitern nach Milberts- 
hofen. Sie drängen sidb in die Fabriken, die hier am Rande des Oberwiesen- 
feldes, in der ebenen, schmucklosen Gegend entstanden sind. Keiner von 
den vielen Männern und Frauen denkt wohl daran, daß sie über uralten 
Ackerboden gehen und daß hier einst Gäule wieherten und Peitschen knallten, 
wo heute Sirenen tönen und Kamine rauchen. 

Milbertshofen ist ebenso alt wie Schwabing. Einstmals gehörten die Höfe 
des Muniprecht einem Grafen, der alle seine Besitzungen dem Kloster Schäfl- 
larn schenkte. Über 300 Jahre blieb die Schwaige zu Mulmatzhofen bei den 
Mönchen. Dann tauschten sie die Schwaige Keferloh im Osten Münchens ein 
und die Familie der Keferloher zog nach Mulmatzhofen. 

. Die Georgsschwaige zu Milbertshofen war sehr stattlich. An das hoch- 
giebelige \S^ohnhaus schlössen sich die langgestreckten Viehställe und Heustadel 
an. Frau Margarete hatte einen gepflegten Küchengarten. Die Viehweiden 
waren umzäunt. Rund um die Höfe breiteten sich die riesigen Fluren aus. 
Die Familie der Keferloher war sehr wohlhabend und züchtete besonders 
schöne Pferde und Rinder. 

Die Keferloher ließen auch das Georgskirdilein in Milbertshofen ausbauen 
und schmücken. St. Georg war ihr Schutzheiliger und Helfer. Darum stellten 
sie sein Bild auf den Altar. Das Weihwasserbecken und ihre Grabsteine ver- 
zierten sie mit ihrem "Wappen, einem Käfer. 

Dieses alte Georgskirchlein hat eine Bombennacht grausam zerstört. Brenn- 
nesseln und Hollerstauden wachsen auf dem Schuttberg, der mit ein paar 
Mauern und dem schwerbeschädigten Turm vom Bauernkirchlein übrig- 
geblieben ist. Seine zwei größten Kostbarkeiten sind zum Glück gerettet. 
Der berühmte Hochaltar mit dem prächtigen St. Georg steht im National- 
museum. Die schönste Grabplatte der Keferloher hängt an der Südwand in 
der neuen Milbertshofener Kirche. Man hat sie unzerstört aus dem Schutt 
geborgen. 







10 Heimatbuch 



145 



1. Mit welcher Straßenbahn kommst du nadi Milbertshofen? 

2. Die Keferloher und die Georgenschwaigstraße führen quer durch Milbertshofen. 
Suche sie! 

3. Weißt du, weldie Fabriken in Milbertshofen arbeiten? 

4. Suche die Ruine des alren Kirchleins und schaue dir in der neuen KircJie die 
Grabplatte an! Auch in dieser Kirche findest du einen Georgsaltar. Schau dir im 
Nationalmuseum den von der alten Kirche an! 

y. Die heutige Georgenschwaige wurde vor 170 Jahren als Bad am "Wurmkanal 
gebaut. Dort war die erste Schwimmschule Münchens. 

6. Eine Schwaige ist ein Hof mit Viehzucht. Du wirst den Namen Schwaige öfter 
finden. In welclier Geschichte hörst du davon? 

7. Sudie den Ort Keferloh auf der Karte! 

Die Kläranlage Großlappen 

Der kleine Maxi schlendert durch die Straße und spielt mit einem Bälldien. 
Da sieht er ein Loch in der Fahrbahn. Ein Kanaldeckel ist geöffnet und 
zwei Arbeiter richten eben ihr Werkzeug her. Ob sie wohl hinuntersteigen? 
Der Bub steht am Rand des Schachtes und schaut in die Tiefe. Plötzlich fällt 
ihm sein Ball aus der Hand und verschwindet in dem dunklen Loch. Die 
Arbeiter lachen. „Jetzt ist er in die Odelgrube gefallen", sagt der eine. Maxi 
sdiaut ihn ungläubig an. „Die Odelgrube gibt's doch bloß bei den Bauern", 
meint er. „Das denkst du", antworten die Männer. „Die Stadt München hat 
sogar eine riesengroße. Paß nur auf, daß du nicht auch hineinfällst." Nach- 
denklich geht der Bub heim und fragt den Vater, wo die Münchner Odel- 
grube ist. 

Der schaut ihn erst lachend an, dann weiß er eine Antwort. „Du kennst 
einen Kanalschacht", sagt er. „Ja", meint der Maxi, „da ist mir ja grad mein 
Ball hineingefallen." „Die Kanalschächte", erzählt der Vater, „führen alle 
zu einem Abwasserkanal unter der Straße. Da schwimmt jetzt dein Ball in 
einer schmutzigen Brühe. Spüllumpen, Apfelbutzen, Wursthäute, Papier, 
Seifenstücklein, verfaulte Blätter, ein totes Mäuslein und alle Abwässer der 
Küchen und Aborte sind hier beisammen. Alle Abwasserkanäle der Stadt 
treffen sich in einem drei Meter hohen Sammelkanal. Der leitet alles zur 
Odelgrube der Stadt. Sie liegt bei dem Gut Großlappen am linken Isarufer 
nördlich Freimann. 

Dort läßt ein großer Rechen die großen Stücke nicht mehr durch. Der 
Strumpf, die Lumpen, manch anderes Zeug bleiben hängen. Dein Ball rutscht 
noch einmal weiter bis ins betonierte Klärbecken. Hier strömt das Wasser 
so langsam, daß sich die meisten Schmutzstoffe setzen. Das nun geklärte 
Wasser wird in einen Kanal geleitet und beim Pumpwerk in große Röhren 
getrieben. Diese laufen auf einer Rohrbrücke über die Isar. Am rechten 
Isarufer sind neben dem Speichersee schöne Fisditeiche angelegt. Die Karpfen 
und Schleien freuen sich auf das Abwasser, das kleinwinzige Lebewesen, lauter 
gute Dinge für sie enthält, 

146 



„Und was geschieht mit meinem Ball", fragt der Maxi, der aufmerksam 
zugehört hat. „Der sitzt mit den SchmutzstofFen im Schlamm des Klärbedcens. 
In einer besonderen Faulkammer dürfen sie ein paar Monate lang verfaulen. 
Die Fettschicht, die oben auf den Abwässern schwimmt, wird vorher ab- 
geschöpft und zur Seifenherstellung abgegeben. Während der Schlamm ver- 
fault, steigen Gase auf. Die werden in den Faulräumen aufgefangen und 
in die Gasfabrik geschickt. Die Wasserreste läßt man auf Felder abrieseln. 
Die gedeihen genau so gut, wie die Wiesen des Bauern, der sie mit Stalljauche 
düngt. Der ausgefaulte Klärschlamm wird in großen Beeten getrocknet. Er 
ist ein ausgezeichneter Dünger. Die Bauern der Heide haben mit dem 
Schlammdünger ihre Felder und Wiesen verbessert und das Heideland urbar 
gemacht. Ich habe auch schon einmal unseren Garten mit dem Trockenschlamm 
aus der Münchner Odelgrube gedüngt. Wenn ich wieder nach Großlappen 
fahre, gehst du mit und schaust sie dir an." „Aber meinen Ball werd' ich 
nimmer finden", lacht der Maxi und blinzelt seinen Vater an. 



I. Denk nadi, was früher mit dem Unrat und den Abwässern gesdiah! 

Die Luft wurde verpestet, Mäuse, Ratten und Würmer zogen herbei, und Krank- 
heit und Seuchen bradien aus. Seit dem Bau der Kläranlage in Großlappen (etwa 
1922) wird die Isar nidit mehr verunreinigt. 

1. Großlappen war vor 800 Jahren ein Edelsitz und später ein Gut. 

4. 90 000 cbm Sdilamm und i V2 Millionen cbm Gas _ .,^>^ 

werden erzeugt. 'l^^A^^li^^'? 

3. Woher kommen die Abwässer? -Mlw^^ v 

5. Beobachte die Schneeräumung in der Innenstadt! 

6. Wie wird der Müll aus der Stadt gebradit? 



Alte Heide — Neue Stadt 




Wer zum neuen nördlichen Friedhof wandert, sieht schon von weitem 
ein hochragendes, in hellen freundlichen Farben leuchtendes Gebäude. Ein 
Türmlein mit einer Aussichtsterrasse krönt das Dach. Glatte weiße Bänder 
umziehen die großen Fenster. Es ist die Pestalozzischule an der Fröttmaninger 
Straße. Sie steht inmitten einer Siedlung, die den Namen „Alte Heide" führt. 

Heide, schöne stille Heide war hier einmal. Eine alte Nachricht erzählt 
Ulis, daß zwischen den Dörfern Schwabing und Freimann eine große Heide 
lag, die als Schafweide unter die Münchner, Schwabinger und Georgen- 
sdiwaiger verteilt wurde. Dünnes Gras und bescheidene Heidepflanzen 
wuchsen auf dem Schotter. Auch die Gänsellesel vom nahen Dörflein Frött- 



10* 



147 



maning trieb ihre sdinatternde Schar auf den kargen Anger. Am Rande 
der Heide führte die Landstraße vom Schwabinger Schlagbaum bis zur 
Heidesiedlung Freimann. Knorrige Silberpappeln begleiten sie. Jeden Tag 
rumpelte der Milchwagen von Garching über den holprigen Weg. 

Nun ist auf dieser alten Heide eine neue Stadt gewachsen. In einer sdiweren 
Notzeit unseres Landes baute man hier eine große Wohnsiedlung westlich 
der Ungererstraße. Jeder Häuserblock bekam an der Giebelseite ein Haus- 
zeidien. Die Mieter wohnten im „Brunnen" oder im „Bären" oder im „Lands- 
knecht". Ein Bad, ein schönes Konsumgebäude, eine Hauswirtschafts- und 
eine Kinderschule wurden nach und nach eingerichtet. Die Siedler der „Alten 
Heide" sind fleißige Gärtner und züchten herrliche Blum^en. 

Für die Kinder erbaute ein Münchner Baumeister jenes wunderschöne 
Schulhaus. Prächtige Bilder schmüdien die Gänge der Pestalozzischule. Sie 
zeigen der Schuljugend die Pflanzen und Tiere der Heide. Ein anderer 
Künstler hat Figuren aus der Märchenwelt an die Mauern gezaubert. Den 
großen Buben und Mädchen erzählen die Wände alte Geschichten aus Schwa- 
bing und München. 

Die Stadt ist inzwischen weit über das alte Zollhaus an der Ungererstraße 
hinausgewachsen. Die Burgfriedensgrenze verläuft hinter Freimann und dem 
Heidedörflein Fröttmaning. Die Heide ist verschwunden. Die Großstadt hat 
sie mit ihren Häusern und ihrem Pflaster überdeckt. 

1. Vieles aus dieser Geschichte stammt aus einer Schulchronik. Vielleicht kennst du 
Bücher, in denen Geschichten aus der vergangenen Zeit aufgeschrieben sind. 

2. Im Norden Münchens sind in den letzten 20 Jahren mehrere "Wbhnsiedlungen 
auf Heideboden entstanden: Am Hart, Kaltherberge, Neu-Freimann, Freimann- 
Süd, Eisenbahnersiedlung, Blütenring, Blütenau, Lerchenau. Suche sie auf der 
Karte! 

3. Das Oberwiesenfeld ist Heideboden. Es wird vom Würmkanal durchflössen. 

4. Freimann hieß vor 1000 Jahren Frienmannun, d. h. „zu den freien Männern". 
Fröttmaning ist der Ort des Fridumar und hieß Fredmaringen. Es ist heute 
noch ein unberührtes Heidedorf mit alten Bauernhöfen. Mach einmal einen 
Ausflug dorthin! 

5. Vergleiche den Heideboden mit dem Moorboden! "Wo ist der Flinz? 

Auf der Garchinger Heide 

Als der Schwedenkönig Gustav Adolf von Norden her gen München ritt 
und auf dem Gasteig die vieltürmige Stadt in ihrer armen Umgebung über- 
schaute, nannte er sie einen goldenen Sattel auf einem dürren Gaul. Er hatte 
recht. Der Norden Münchens ist wirklich arm und dürr. Schnurgerade führen 
die Straßen auf weites Heideland hinaus. Es erstreckt sich zwischen dem 
Dachauer Moor und der Isar fast bis nach Freising. Die Heidesiedlungen 
unterbrechen wie bunte Tupfen die eintönige Ebene. Das alte Dorf Garching 
hat der Heide den Namen gegeben. 

148 



Mehrere Meter tief unter dem Geröll fließt der Grundwasserstrom. Viel 
zu schnell sickern die Regentropfen durch den dünnen Humus, und die 
"Wurzeln der Pflanzen greifen fast immer in trockenen Kies. Die Heide ist 
ein schlechter Ackerboden und darum hat man Wohnsiedlungen und Fabriken 
auf sie gebaut. Aber die zähen Bauern haben tfotzdem Furchen und Gräben 
in den Kiesgrund gezogen und kämpfen mit dem Pflug gegen die Heide. Mit 
Schlamm und Dünger verbessern sie den Boden und bauen saftigen Klee und 
süße Luzerne an. Schon seit vielen Jahren liefern die Garchinger Bauern 
Milch und Butter nach München. Sie ernten auch Kartoffeln, Raps und sogar 
"Weizen auf den Feldern, wo einst kaum Gras wuchs. 

Nur ein kleines Stück Garchinger Heide ist noch freies Heideland, wild 
und unberührt. Naturfreunde haben es gekauft und unter Schutz gestellt. In 
diese Prinzregent-Luitpold-Heide will ich dich an einem sdiönen Frühlings- 
tag führen. Die Straßenbahn bringt uns nach Freimann. Von dort fahren wir 
mit dem Omnibus nach Dietersheim. Etliche Pflanzenfreunde steigen mit uns 
aus. Was suchen sie wohl in der armen Heide? Hier wachsen doch nur be- 
scheidene Blumenkinder: Disteln, Hecken und stachliges Gras. Aber nein, da 
leuchtet es golden auf! Die gelben Blüten des Besenginsters stehen zwischen 
dem braunen Heidekraut. Im August, wenn wir wieder komimen, wird es im 
Purpur zahlloser Blüten stehen. Da öffnet sich eine stolze Königskerze und 
dort ragen die graugrünen Wacholderbüsche auf. Auch die lederharten Blätt- 
chen der Preißelbeere und die hohen Himbeerstauden sind zufrieden mit dem 
kargen Boden. Beim Weiterwandern finden wir die Kuhschelle, deren zarte 
Glocke durch ein Pelzchen geschützt ist. Aus dem trockenen Heidegras spitzt 
der blaue Enzian heraus. Wenn wir Glück haben, entdecken wir den zier- 
lichen Frauenschuh oder gar den seltsam geformten Türkenbund. Das sind 
seltene und darum kostbare Pflanzen. Kein Heidewanderer pflückt sie ab. 

Diese herrlichen Blumenkinder sind ein Geschenk der Isar. Aus ihrer 
Heimat brachte sie die Samen der Bergblumen mit. Diese senkten sich in die 
Erde, als der wilde, ungedämmte Fluß das Heideland überschwemmte. 

Wir wollen uns dort unter die Heidekiefer setzen. Sie gibt zwar wenig 

Schatten; aber sie ist die einzige Baum- 
art, die es in der Heide aushält. Mit 
ihrer langen Wurzel kann sie tief 
hinunter in den feuchten Sandboden 
greifen. 
^»-"^ Wenn du jetzt ganz still bist, hörst 

^ -O^T» ^" ^^^ Grillen zirpen. Gib acht! Da 
lfe£:'v 4 ij^ufen Ameisen. Dort hüpfl: ein Heu- 
schreck! Der zarte Bläuling gaukelt 
von Blüte zu Blüte. Nun sitzt er vor 
dir auf dem Ginsterstrauch. Nahe bei 
ihm hat sich ein Schwalbenschwanz 




'^■5"^- 



i^ 



niedergelassen. Über uns jubelt die Heidelerche ihr Lied. Krähen ziehen mit 
heiserem Krächzen über die Föhrenkrone. Jetzt haben sie das Heidehäslein 
aufgeschreckt. Dem gefällt es in dem stillen Reich, das ihm fast allein gehört. 
Es knabbert an den armseligen Gräsern und ist damit zufrieden, Hirsche 
und Rehe würden in der Heide verhungern. 

Wenn im Spätsommer die Erika blüht, halten Bienen und Hummeln in den 
duftenden Kräutern reiche Ernte. Dann schlängelt sich auch die wärme- 
suchende Kreuzotter über den heißen Heideboden und holt sich die Feld- 
mäuse aus den Löchern. 

Nun haben wir lange genug gerastet. Die Heidestraße führt uns nadi 
Eching und an den Rand des Naturschutzgebietes. In allen Bauernhöfen sehen 
wir Bienenhäuser, in denen köstlicher Heidehonig bereitet wird. Die Bauern 
züchten Schafe und verkaufen die warme Wolle. Wir besteigen in Eching den 
Freisinger Zug. Vom Fenster aus sehen wir nochmal ein Stüdc Heide, die 
großen Föhrenwälder zwischen Schleißheim und Garching. 

1. Am Rande der Heide liegt Schloß Schleißheim. 

2. Kennst du die geschützten Pflanzen? Laß dir in der Sdiule Bilder davon zeigen! 
Reiß nie eine ab! Es wäre schade, wenn sie ausgerottet würden. 

3. Zwischen Feldmoching und Schleißheim vird die flache Heide durch einen 
niedrigen Hügel unterbrochen. Auf diesem Kanindienberg hielten die Kurfürsten 
ihre Hasenjagden ab. 

4. Die Föhrenwurzel wird über lo Meter lang. Zeichne eine Föhre! 



Am Stauwehr 

Unterhalb der Bogenhauser Brücke stößt die Isar an ein gewaltiges Mauer- 
werk, das ihr den Weiterlauf verriegelt. Menschenhände schufen hier ein 
Wehr aus Betonklötzen und Steinpfeilern, Ein wuchtiger Aufbau überbrückt 
die tiefen Gewölbe. Riesige Sdileusen stauen das Wasser einige Meter hoch auf 
und zwingen die mittlere Isar, einen neuen Weg zu nehmen. Wie ein Wasser- 
schloß ragt dieses Stauwehr aus der breiten Isar empor. Auf der Föhringer 
Seite ist ein gemauerter Übergang für Fußgänger geschaffen. Hier zeigt sich 
das mächtige Schloß ganz anders. Wer da über die Brüstung in die Tiefe schaut, 




150 



der fühlt sich wie auf einer Felsenburg. Von der stolzen Isar ist nichts mehr 
geblieben als ein paar magere Bächlein, die sich mühsam durch die Kiesbänke 
zwängen. Bloß zur Hochwasserzeit füllt sich das alte Bett mit schmutzig- 
grauem Wasser, welches über die "Wehrmauern donnernd herabstürzt. Dann 
rauschen die gischtigen Wellen, wie es einstmals gewesen ist. Aber nach 
einigen Tagen sinken die Fluten wieder, und abermals ist das weite Bett 
zwischen hohen Ufern ausgestorben. 

Die Isar soll ihre Kraft nicht mehr an Ufern und Brücken austoben, 
sondern nützliche Arbeit leisten. Der Mensch hat sie in seinen Dienst 
gezwungen. Das aufgestaute Wasser wird seitlich in einen Kanal gedrängt, 
der hier beginnt. Es läuft anfangs neben dem Isarbett her, nur wenig fallend. 
Immer höh-er werden die Dämme, bis der Kanal bei Unterföhring ins 
Erdinger Moor einbiegen kann. 

Träge fließt der grüne Strom dahin. Bei Finsing haben ihm die Menschen 
wiederum so eine Teufelsmauer in den Weg gestellt. Er möchte seitlich aus- 
weichen, doch die festen Dämme fesseln ihn. Voll Wut und mit aller Kraft 
stürzt er in eisernen Röhren elf Meter tief hinab und holt so mit einem Male 
das versäum_te Gefälle nach. Dabei schießt er durdi die Turbinen und dreht 
sie. So werden riesige Kraftmaschinen bewegt und Strom erzeugt. 

Noch mehrmals trifft die mittlere Isar solche Hindernisse an, und immer 
wieder vollbringt sie in den Kraftwerken die gleiche Arbeit für den listigen 
Menschen. Erst unterhalb der Stadt Moosburg kehrt der betrogene Fluß in 
sein altes Bett zurück und fließt, gestärkt durch die Amper, zur Donau weiter. 

1. Turbinen sind Kreiselräder. Audi Sdiiffe werden durdi Turbinen fortbewegt. Wie 
ist es bei Flugzeugen? 

2. Zwischen München und Moosburg hat das Isarbett ein Gefälle von 88 Meter. 

3. Wo treibt die Isar weitere Elektrizitätswerke? 

4. Lies die Erzählung von der fleißigen Isar! 

5. Wodurdi unterscheidet sldi ein Kanal von einem natürlich fließenden Gewässer? 

6. Stell dich einmal zur Sommerszelt mit einem Brette quer in einen Bach und 
tauch es unter. Wirst du den Stand halten? Stell dir dann das Stauwehr bei 
Hochwasser vor! 

7. Durch die Kraftwerke der Isar werden jährlich 10 Millionen Zentner Kohle 
erspart. Man heißt darum den elektrischen Strom die weiße Kohle. 

8. Bauzeit der mittleren Isar: 4 Jahre. 8000 Arbeiter, fast 2 Millionen Zentner Zement. 



Der neue Isarsee 

Vor langer, langer Zeit bildete die Isar bei Wolfratshausen einen See mit 
zahlreichen Inseln. In vieltausendjähriger Arbeit bahnten sich die abfließen- 
den Wasser einen Weg durch Hügelwälle und Schotterdecke, senkte sich der 
See immer mehr. Als der wilde Fluß sich durch die Höhen von Grünwald 
und Pullach ein Tal gesägt hatte, verschwand der Isarsee für immer. 

151 



Nun haben die Menschen der Isar einen neuen See geschenkt. Er liegt zur 
Linken des Kanals, beginnt bei Unterföhring und erstreckt sich gegen Finsing. 
Sein Becken mißt 7 km und ist rings mit einem Damme ummauert. Ein tiefer 
Graben sammelt alles Grundwasser im Norden des Moores und leitet es 
dem Kanal zu. Führt dieser überschüssiges Wasser, dann fließt es in den 
riesigen Teich über und wird darin aufgespeichert. In regenarmen Zeiten 
strömt es wieder zurück. So gleicht sich der Wasserstand des Kanals aus. 
Der neue Isarsee führt darum den Namen Speichersee. 

Einsam und friedlidi ist es draußen im Erdinger Moor. Aber die Sümpfe 
sind in Felder umgewandelt, und damit verloren alle Frösche und gefiederten 
Sumpfbewohner ihre Heimat. Nun ist der stille Speichersee zum Vogelpara- 
dies geworden. An seinem schilfbewachsenen Rand und im nahen Busch- 
werk fanden die heimischen Sumpfbrüter und Wasservögel willkommene 
Brutstätten. Neunerlei Enten trifft der Vogelkenner dort an, auch Bläßhühner, 
Brachvögel, Bekassinen, Uferschnepfen und Lachmöwen haben ihre Kinder- 
stube am Speichersee. 

Das nette Tauchhühnchen erfreut mit seinem Versteckspiel den Belausdier. 
Wenn es sich verfolgt fühlt, taucht es unter, umklammert mit seinen Zehen 
einen Pflanzenstengel und steckt nur den Schnabel zum Luftholen hervor. 
Früher belebten diese possierlichen Vöglein unsere Seen und Weiher, heute 
ist das liebe Duckantl beinahe ausgestorben. 

Das ewige Sinken und Steigen dieses flachen Sees und der Fischteiche 
nebenan bringt immer wieder Schlamm an den Tag. Darin wurlt es von 
Würmern und Insekten. Das mag wohl die Wasservögel herbeigelockt haben. 
Scharenweise kommen geflügelte Gäste, wenn sie von ihrer Heimat im 
Norden nach dem wärmeren Süden ziehen. Seeadler und Nachtreiher, Samt- 
ente und Sumpfläufer, Fischadler und Tafelente geben sich hier ein Stelldich- 
ein. So haben die Techniker auch einmal der Natur einen Gefallen erwiesen. 

1. Vergleidie auf der Landkarte den Speichersee mit einem Voralpensee! 

2. Weldie Wasservögel sind dir bekannt? 

3. "Wo besitzt Mündien nodi einen künstlldi angelegeten See? 



Oberföhring 

Mitten durch München fließt die rauschende Isar. Zahlreiche Brücken ver- 
binden die Stadthälften miteinander. Ehe München gegründet wurde, fand 
sich weit und breit kein Steg. Wer das jenseitige Ufer trockenen Fußes oder gar 
mit einem Fuhrwerk erreichen wollte, der mußte zu Föhring auf einer Fähre 
über den Fluß setzen. Ein starker Fährmann, ein Ferge, steuerte die Leute 
samt Roß und Wagen durch die reißenden Fluten. Nadi diesen Fährleuten 
ist das uralte Föhring benannt. 

152 



Lange gehörte das Dorf dem Bischof von Freising. Die älteste Straße von 
Salzburg nach Augsburg zog hier vorüber und zahlreich überquerten die Salz- 
fuhrwerke die Isar. Darum ließ der Bischof eine hölzerne Brücke bauen. 
Bevor die Fuhrknechte und Reiter sie beschritten, drückten sie dem bischöf- 
lichen Zöllner ein Silberstück in die Hand. In Föhring war auch ein Markt. 
Auswärtige Händler und eingesessene Handwerker beschickten diesen mit 
"Waren und die Wirte machten auch ein gutes Geschäft. So kam durch die 
fahrenden Kaufleute Geld ins Dorf und der Bischof erfreute sich einer reichen 
Einnahme. 

Aber eines Nachts zerstörte Heinrich der Löwe den Markt und die Brücke. 
Wohl bauten die Föhringer später eine gleiche auf, aber die Salzfuhrwerkc 
blieben aus. Sie bevorzugten den neuen Übergang bei Munichen. Heute be- 
sitzt Föhring zwei Brücken: eine für den Straßenverkehr, die andere für die 
Eisenbahn. 

Vom Steilrand der Uferstraße aus bieten sich sdiöne Ausblicke auf die 
Stadt und das grüne Tal der Isar. Drunten fließt der klare Brunnbach durch 
Grüntal und schlängelt sich munter weiter, bis ihn hinter Sankt Emmeram 
der nimmersatte Kanal verschlingt. Der Wasserturm beherrscht wie der Lug- 
insland einer Ritterburg die Anhöhe. Um die Zeit der Geburt Christi mögen 
hier die Römer gestanden sein. Eine ihrer Straßen führte durch Föhring; 
darum mußte der Übergang über den Fluß geschützt werden. Römische 
Soldaten waren es auch, weldie die erste Kunde vom christlichen Glauben 
brachten und steinerne Kirclien mauerten. Der heilige Laurentius, einst selber 
ein römischer Krieger, ist der Schutzpatron der Föhringer. Weiter flußabwärts 
ist noch ein Türmchen: die Zwiebelhaube von Sankt Valentin in Unterföhring. 

Einmal war Föhring ein mächtiges Bauerndorf. Die Herzöge von Bayern 
besaßen dort einen großen Meierhof. Nun sind die meisten Höfe nicht mehr 
bewirtschaftet und ihre Häuser haben fremde Mieter aufgenommen. Trotz 
der zahlreichen Ziegeleien hat Föhring sein bäuerliches Gesicht bewahrt und 
ist keine trostlose Fabrikvorstadt geworden. 

Mit Vorliebe spazieren die Münchner an Sonntagen die Isar abwärts und 
durch das Brunntal nach Oberföhring und Sankt Emmeram. Die Oberföhrin- 
ger dagegen arbeiten werktags in den Geschäften und Werkstätten der Stadt. 
Seit 1913 gehört Föhring zu München. Gewiß wäre Oberföhring heute der 
größere der beiden Orte, hätte nicht der gewalttätige Herzog vor 800 Jahren 
den blühenden Brückenort zerstört. 

1. Föhring wird erstmals um 750 in Urkunden erwähnt. 

2. Wo führt heute eine Fähre über die Isar? 

3. Besuche eine Föhringer Ziegelei! Lies die Gesdiidite vom Ziegelland! 

4. Weldie Mündiner Vororte verbindet die Föhringer Brücke? 

5. Warum gibt es ein Ober- und Unterföhring? Gibt es andere Orte, die auf soldie 
oder ähnlidie Weise untersdiieden werden? 

6. Schau nach, woher der Brunnbach kommt! Betrachte auf einer Wanderung seine 
Ufer genau! Er ändert mit der Zeit seinen Weg durdi das Wiesental. So bilden 
sich winzige Moore. 



Sankt Emmeram 

Der heilige Emmeram verweilte auf seiner Reise vom Frankenland nach 
Rom drei Jahre am Hofe des Baiernfürsten Theodo zu Regensburg. Er 
predigte bei den Heiden und bekehrte vielezum Christentum. Der Herzog 
wollte ihn noch lange nicht ziehen lassen, jedoch den Gottesmann ergriif 
eine große Sehnsucht nach den Gräbern der Apostel. Also pilgerte er fried- 
lich seines Weges dahin. 

Böse Zungen bezichtigten den frommen Mann einer schlimmen Tat. Auf- 
gehetzte Reiter sprengten ihm eilig nach. Unweit Helfendorf holten sie den 
Glaubensboten ein. Der beteuerte seine Unschuld. Seine "Widersacher aber 
rissen ihn vom Pferde, schlugen mit den Schwertern zu und ließen den Ver- 
stümmelten in seinem Blute liegen. Bestürzt kamen etliche Landleute aus den 
Feldern herbei, als die Männer davongestürmt waren. Sogleich befahl ihnen 
der Heilige: „Fahrt mich auf eurem Ochsenkarren weiter! Hier will ich nicht 
sterben." Also brachte das holperige Gefährt den Todkranken bis Feldkirchen. 
Dort gab er seinen Geist auf und die Ochsen blieben stehen. 

Die Gläubigen überführten den entseelten Leib nach Aschheim und setzten 
ihn in der Peterskirche bei. Hier sollte der Glaubensbote begraben werden. 
War doch Aschheim das älteste Kirchdorf im Umkreis und der Sitz eines 
herzoglichen Gutes. Aber es regnete vierzehn Tage ununterbrochen. Dies hielt 
man für ein Zeichen des Himmels, daß hier nicht die rechte Ruhestatt wäre. 
Nochmals wurden die Ochsen vor den Karren gespannt und der Leichnam 
daraufgelegt. Die göttliche Vorsehung sollte das Gespann selber führen, und 
so ließ man die Tiere ungelenkt des Weges ziehen. Da schritten die Ochsen 
nach Oberföhring und bis zur Isar. 

Als der Baiernherzog von der gräßlichen Tat und dem wunderlichen Zuge 
gehört hatte, schickte er einen Boten nach Aschheim. Der brachte den Befehl, 
daß der Tote auf dem Wasser nach Regensburg zu fahren wäre. So geschah 
es auch. Theodo ließ den heiligen Emmeram in allen Ehren zu Regensburg 
bestatten. Die Herzogstochter Uta aber, die den Heiligen verleumdet hatte, 
verbannte der gestrenge Vater vom Hofe. Sie zog sich in ein einsames Schloß 
nach Trudering zurück und verbrachte ihr Leben mit Beten und guten Werken. 

1. Sankt Emmeram starb am 22. Sept. 652. Wie lange ist dies her? 

2. Die Föhringer errichteten am Isarufer eine Kapelle samt Klause. Nun ist das 
Kirchlein abgebrodien. Die Behausung des Einsiedlers diente eine Zeitlang als 
Schulhaus, später als Wirtsdiaft. 

3. Außerhalb Feldkirdien erinnert an der Straße nadi Heimstetten die Emmerams- 
kapelle an den Martertod des Heiligen. 

4. Die Münchner haben ihm zu Ehren ein Gotteshaus erbaut und eine Straße nadi 
ihm benannt. Wo sind sie? 

j. Aschheim heißt Eschenheim. Es ist wohl 1000 Jahre älter als Mündien. Die Römer 
kannten es gut: Hier führte ihre Straße von Feldkirchen nach Föhring vorüber. 
Im herzoglidien Gut hielt Herzog Tassdo (763) den ältesibekannten Landtag ab. 

6. Das Dorf Feldkirchen erhielt etwa um das Jahr 800 von der Kirdie im Felde 

154 



(das heißt: in der Heide) seinen Namen. Dieses Gotteshaus steht heute nidit mehr. 
Über diesen Ort ging nicht nur die Salzstraße, sondern auch der älteste Römerweg 
bei München. Längst hat der Pflug ihre Spuren verwischt. 

7. Nördlidi von Aschheim und Kirchheim liegen die Fischteiche und der Speichersee 
der mittleren Isar. Sie nahmen den Müllern hinter Aschheim alles Wasser weg, 
so daß sie jetzt mit elektrischem Strom mahlen. Die einstigen Bäche sind aus- 
getrocknet. 

Ismaning und sein Kraut 

Wo der muntere Seebach für kurze "Weile den kleinen Gleisenbach abzweigt, 
liegt das Dorf Ismaning. Drüben im Erdinger Moos holt der Bach sich reich- 
lich Wasser und windet sich alsdann durch üppige Gefilde. Innerhalb der 
Ortschaft fließt er an stattlichen Bauernhöfen und einer klingenden Schmiede 
vorüber, schlüpft oftmals durch Brücken und Stege, schaukelt Enten und 
Gänse auf seinem Rücken, badet die Pferde in der Roßschwemme und treibt 
ein schweres Mühlrad. Zuletzt eilt der fleißige Geselle noch der arm ge- 
wordenen Isar zu Hilfe. 

Hier auf dem Isarrain sind die Ädcer vom Herrgott doppelt gesegnet. Da 
reibt sich keine Pflugschar an groben Steinen wund und reich steht die Frucht 
auf dem lehmigen Boden. Wenn der Garchinger Heidebauer den Himmel 
um Regen für seine ausgedorrten Felder bittet, droht den wassersatten 
Fluren des Lößbauern noch keine Mißernte. 

So ist es zu verstehen, daß der Bajuware Isman (Eismann) seine Sippe 
hier ansiedelte. Der kam mit seinen Leuten einige Jahrhunderte vor dem 
Gründer Münchens die Isar heraufgezogen. Als er dieses fruchtbare Land ent- 
deckte, freute er sich ob der vorzüglichen Erde, denn er war Ackerbauer wie 
seine Urväter. Zu seinem Gehöft gesellten sich weitere Bauerngüter. Nach 
und nach wurde das behäbige Dorf Ismaning. 

Der ganze Isarrain bis hinauf nach Oberhaching und hinüber nach Feld- 
kirchen war einst dem Bischof von Freising zu eigen. Einer seiner Domherren 
erbaute das Ismaninger Schlößl. Wenn hohe Würdenträger vom bischöflichen 
Freising nach dem fürstlichen München zogen, blieben sie hier zu Gast. Auf 
den Schwedenkönig Gustav Adolf hätten die Ismaninger lieber verzidbtet. 
Raubten doch seine Soldaten die halbe Ortschaft aus. Der Franzosenkaiser 
Napoleon pflanzte im Park eine Buche zur Erinnerung. 

Seitdem hat das Schlößl sich arg verändert und allen Glanz verloren. Im 
Hauptbau ist das Gemeindeamt untergebracht. In die Hofstallungen hat ein 
Bauer sein Vieh gestellt. Mitten durch den Schloßpark zieht die Straße zur 
Garchinger Isarfähre. Im Hain jenseits des Seebachs ist ein Sportplatz an- 
gelegt. Eine verwitterte Mauer umfriedet den übrigen Park. Seine herrlichen 
Laubbäume lassen uns ahnen, wie schön es hier einmal gewesen ist. 

155 



Neben der neuen Siedlung auf dem Schloßfeld weist das weitläufige Dorf 
zahlreiche Neubauten auf, so daß es heute mit seinen 4000 Einwohnern wie 
eine kleine Stadt ausschaut. Ismanings Wahrzeichen, der viereckige Wasser- 
turm, grüßt den Wanderer schon von weitem. Den Kirchturm mit seinem 
ziegelroten Satteldach erkennt der Reisende erst, wenn die Eisenbahn das 
Fichrengehölz verlassen hat und sich in einem Bogen dem Endbahnhof nähert. 

Der Ismaninger Maibaum schaut über alle Dächer hinweg. Oben trägt er 
den bayrischen Löwen und das Wappen unseres Heimatlandes. Sein weiß- 
blauer Stamm ist geziert mit den Zeichen der Handwerker, wie Hammer, 
Säge, Amboß und Rad. Allerlei Figuren und bäuerliche Fahrzeuge bereichern 
den bunten Schmuck. 

Daß in Ismaning Papier hergestellt wird, wissen wenige Münchner, jedoch 
als Krautdorf ist es allen bekannt. Zwei Fabriken verschlingen eine riesige 
Menge des geernteten Weißkrautes. Sie zerschneiden, salzen und pressen es, 
lassen es eine Weile gären und dann wandert das behebte Ismaninger Sauer- 
kraut in die Stadt. Wer im Herbst durch das Dorf spaziert, dem begegnen 
Bauernwagen und Lastauto voller Krautköpfe. Wenn er dann auf dem 
Bahnhof die krautbeladenen Güterwagen sieht, dann wird ihm klar, warum 
die Gegend das Krautparadies heißt. 

1. Wie kommt man von Mündien nach Ismaning? 

2. Wo steht der Sender für den Münchner Rundfunk? 

3. Schreib Sprüche auf, in denen vom Kraut die Rede ist! 

4. Lies die Erzählung vom Ziegelland und vergleiche die Landschaften! 

5. Zeichne einen Maibaum! Kannst du einen basteln? 

MEIN MÜNCHEN 



Mein München, du vieltraute Stadt, 
wer mag aus dir noch scheiden, 
der deinen Sinn erkundet hat 
in Freuden und in Leiden f 

Du trägst dein Antlitz unverstellt 
und kennst kein Überheben, 
gewohnt nur, dich vor aller Welt 
so wie du bist zu geben. 



INHALTSVERZEICHNIS 

Seite 

Kleiner Heimatfreund! 3 

Von der Altstadt 

Gruß vom Münchner Kindl 4 

Uralte Heimat 5 

Bei den Mönchen auf dem Petersbergl 6 

Die erste Isarbrücke 7 

Burg und Markt zu Munichen 8 

Das Leben in der kleinen Stadt 9 

Beim Torwart 10 

Ein schlechter Münzmeister 11 

Der Goldschmied am Schönen Turm 11 

Alte Stadt in neuen Mauern 12 

Der Turmaffe im Alten Hof 14 

Peter Fleckerl vom Rindermarkt ij 

Die Sage vom Spiegelbrunnen 16 

Unser Trinkwasser 17 

Der Marktplatz in alter Zeit 18 

Allerlei Schilder und Hauszeichen 20 

Von den Zünften 21 

Der Schäfflertanz (Gedicht) .... Franz von Pocci 22 

Der Metzgersprung 23 

Fasenacht (Vers) Volksgut 24 

Unsere Frauenkirche 2J 

Des Teufels Fußtritt (Gedicht) , . . Unbekannt 27 

Der Glaserlehrling Fraunhofer 28 

Solang der Alte Peter 29 

Der Schwedenfresser 30 

Im Herzen der Stadt 31 

Unsere Gemeinde 32 

Unsere Stadtväter 34 

Das Glockenspiel 35 

Der Maler vom Jakobsplatz 36 

Auf dem Viktualienmarkt .«37 

Bachauskehr 39 

Im Marionettentheater 41 

Das Feuerhaus 42 

Das Asamkirchlein 43 

Der Christkindlmarkt 45 

Auf dem Kripperlmarkt 46 

Bei Meister Hildebrand 46 

Vor den Toren der Altstadt 

Auf dem Stachus 49 

Unsere Straßenbahn jo 

Auf der Hackerbrücke , . . J2 

Das Oktoberfest • J3 



Seite 

Im Krankenhaus jy 

Rund um das Stephanskirchlein j6 

Alter Grabspruch j7 

Auf der Reichenbachbrücke j8 

Im Deutschen Museum j9 

Auf der Praterinsel 60 

Im Volksbad ; 61 

Die alte Lände 63 

Im Lechel 63 

In den Isaranlagen 6% 

Beim Friedensengel 66 

Von der Einöde zur Großstadt 67 

Im Münchner Osten 

Die ersten Siedler der Au 69 

Die Auer Vorstadt 70 

In der Hochau 72 

Auer Klöster einst und jetzt 73 

Auf dem Gasteig 74 

Bei den Giesingern 74 

Der Giesinger Pestfriedhof .76 

Untergiesing 77 

Ramersdorf und seine Marienkirche 78 

Auf der Autobahn Anton Tröndle . . . . . 79 

Das alte Dorf Perlach 80 

Auf der Perlacher Heide 81 

Der Hachinger Bach 82 

Im Ziegelland 83 

Rund um die Haidhauser Kirche 84 

Berg am Laim und seine Nachbarschaft 86 

Das Dorf des Engilschalko 87 

Die Kirchenburg Johanneskirchen 88 

In Bogenhausen 90 

Bei den Truderingern 91 

Riem, ein wohlbekannter Name .... 92 

Bauerndörfer im Walde 93 



Im Münchner Süden 



Ferdinand Denzel 



In der Großmarkthalle (Gedicht) 

Im Schlacht- und Viehhof .... „ 

Altes Sendung Franziska Meier 

Der Schmied von Kochel (Gedicht) . . Karl Stieler . 

Eine Sendlinger Fabrik Ferdinand Denzel 

Die fleißige Isar „ 

Im Elektrizitätswerk .... 

Bei den Überfällen 

Allerlei Kieselsteine .... 

Wandernde Steine 

Gartenstadt Harlaching (Gedidit) 



94 
95 
96 

97 

98 

100 

lOI 

102 
103 
104 

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Seite 

An der Marienklause io6 

An der Floßiände Ferdinand Denzel . . . .107 

Auf der Großhesseloher Brücke 108 

Der große Heiner Ferdinand Denzel .... 109 

Burg Grünwald » iio 

Im Forstenrieder Park „ iii 

Ein Ausflug zum Starnberger See . . Franziska Meier 113 

Im Münchner Westen 

Rund um das Neuhauser Kirdilein . . Franziska Meier 115 

Die städtischen Gaswerke .... „ ..... 116 , ^ 

Das Nymphenburger Schloß ... „ 117 

Im Botanischen Garten „ 119 

Die Blutenburg » 120 

In Pipping , 122 ' 

Herzog Christoph der Starke 122 

Das Dorf des Menzo Franziska Meier 123 

Allach und seine Fabriken .... „ 124 -j 

In Feldmoching „ I2j J 

Lochhausen-Langwied Karl Pflanz 126 jj 

Die Aubinger Lohe „ 127 

Im Dachauer Moos Franziska Meier 128 

Neusiedler „ 130 

In Laim » 131 

Im Güterbahnhof Mündien-Laim . . » 132 

Pasing einst und jetzt » 133 

An der Wurm „ 134 

Hinter dem Waldfriedhof .... „ 13J 

Föhn (_ Gedicht) 136 

Maria Eidi . Franziska Meier 137 

Im Münchner Norden 

Im Englischen Garten ..... Franziska Meier 138 

Das alte Schwabing , 140 

Nur ein Schutthaufen 141 

Die Schutträumung 143 

Auf dem Oberwiesenfeld .... Franziska Meier 144 

Milbertshofen „ 145 

Die Kläranlage Großlappen ... » ..... 146 

Alte Heide — Neue Stadt .... „ 147 

Auf der Garchinger Heide .... „ 148 

Am Stauwehr ijo 

Der neue Isarsee iji 

Oberföhring 152 

Sankt Emmeram 154 

Ismaning und sein Kraut 15J 

Mein München (Gedicht) .... Martin Greif 156 

Plan von Groß-Münclien 157 

Alle Beiträge ohne Atitorenangabe sind von Benedikt Hirschbold 



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